Stickler-Interview

"Es gibt ein Dreieck des Verbrechens"

23. November 2009, 17:58
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    foto: apa

    Friedrich Stickler: "Fußball ist nicht gefährdeter. Beim Tennis sind Betrügereien wahrscheinlich noch einfacher."

Friedrich Stickler, Vorstand der Lotterien, über den Wettskandal, die Syndikate, die Hilflosigkeit, das Monopol, den Fußball, das Internet. Und über die Zeiten, als noch Toto gespielt wurde

Standard: Im aktuellen Wettskandal im europäischen Fußball ist von einer neuen Dimension die Rede. Teilen Sie die Einschätzung der Bochumer Staatsanwaltschaft?

Stickler:Vorweg - ich spreche als Präsident der europäischen Lotterien, das sind 19 Länder, die eng mit der Uefa kooperieren. Es ist erst ein Zipfel gehoben, es wird noch viel schlimmer werden. Nicht unbedingt bei der Anzahl der Spiele, 200 sind ohnedies genug. Was die Betragshöhen betrifft, da werden die Summen gewaltig steigen.

Standard: Das Problem ist vermutlich auch die Nachweisbarkeit.

Stickler: Der Nachweis ist das Schwierigste überhaupt. Wann schießt ein Spieler absichtlich daneben? Wann ist es nur Unvermögen oder Pech? Torleute machen Fehler, das ist in der Regel menschlich. Wann hat einer bewusst gepatzt? Besonders schlimm ist es, sollten Schiedsrichter involviert sein. Weil sie als Unparteiische bezeichnet werden. Aber auch die völlig Unbestechlichen pfeifen manchmal falsch. Wir haben es mit einer organisierten Kriminalität zu tun, da ist viel Geld im Umlauf. Es ist eine Mischung aus Wettbetrug und Geldwäsche.

Standard: Klingt ziemlich hilflos.

Stickler: Eine gewisse Hilflosigkeit ist nicht zu leugnen. Die Netzwerke sind derart verzweigt. Es gibt ein Dreieck des Verbrechens. Da gibt es das Syndikat, die Spuren führen in den fernen Osten und nach Südosteuropa. Dann gibt es eine Zielmannschaft in irgendeiner Liga. Es reicht, wenn Kontaktleute zwei bis drei Spieler in Schlüsselpositionen ansprechen und für sich gewinnen. In ganz anderen Ländern wird dann gewettet. Die offiziellen Sportwettenanbieter kriegen das gar nicht mit, weil es keine Auffälligkeiten gibt. Bei praktisch allen der verdächtigen Partien merkten der Buchmacherverband und die Sportwettengesellschaft keine Abweichungen.

Standard: Als ehemaliger ÖFB-Präsident, Sponsor und Uefa-Funktionär kennen Sie das Innenleben. Ist der Fußball speziell gefährdet? Macht er es den Syndikaten nicht allzu leicht?

Stickler: Fußball ist nicht gefährdeter. Beim Tennis sind Betrügereien wahrscheinlich noch einfacher. Da muss nur eine Person bestochen werden. Ein Doppelfehler im richtigen Moment ist rasch passiert. Aber jeder Sport, in dem manipuliert wird, bekommt große Schwierigkeiten. Im Radfahren war es halt das Doping. Man muss wachsam sein und sofort aufschreien. Die Zusammenarbeit mit Interpol muss noch intensiver werden, die Datenbanken und die Frühwarnsysteme müssen weiter verbessert werden. Man kann das Problem nur auf europäischer Ebene halbwegs in den Griff bekommen.

Standard: Erlauben Sie die etwas naive Frage. Wäre Wettverbot eine Lösung?

Stickler: Nein, natürlich nicht. Vor dem Auftauchen des Internets, dem man sich natürlich nicht verschließen kann, darf und soll, war die Wettwelt noch in Ordnung. Es wurde in den vergangenen Jahren eine neue Dimension erreicht. Es gibt bei den Einsätzen keine Obergrenzen mehr, illegale Anbieter schütten sofort 90 und mehr Prozent aus. Das ist der Nährboden für Geldwäsche. Besonders problematisch sind die Live-Wetten im Internet. Man kann darauf setzen, welches Team den nächsten Outeinwurf bekommt. Mit Anpfiff eines Spiels sollte es mit den Einsätzen vorbei sein. Gibt es Auffälligkeiten, könnte man noch rechtzeitig einschreiten.

Standard: Sollte ausschließlich der Staat Wetten anbieten dürfen? Ist der neuerliche Skandal ein Argument für das Glücksspielmonopol?.

Stickler: Es bedarf strengerer gesetzlicher Auflagen und Regeln. Eine völlige Liberalisierung halte ich für kontraproduktiv.

Standard: Wenn man zum Beispiel durch Wien geht, sieht man an jeder zweiten Ecke eine Wettcafé.

Stickler: Das ist auffallend, das Sportwettengeschäft hat sich völlig verändert, der Zugang ist viel einfacher geworden. Das Toto war das kleine Vergnügen für den kleinen Mann, er hat den Schein ausgefüllt und aufgeben. Dass ausgerechnet eine dieser zwölf Partien geschoben war, war praktisch ausgeschlossen. Toto gibt es übrigens immer noch, nur spielen es nur mehr ganz wenige.

Standard: Hängt man nicht einer Illusion an? Warum sollte ausgerechnete der Fußball besser sein als die restliche Welt?

Stickler: Da haben Sie vermutlich recht. Aber der Fußball muss besonders aufpassen. (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 24. November 2009)

ZUR PERSON: Der Wiener Friedrich Stickler (60) ist Generaldirektor-Stellvertreter der Österreichischen Lotterien GmbH und Präsident des europäischen Lotterien-Verbandes. Er war von 2002 bis 2008 ÖFB-Präsident und übte auch in der Uefa ehrenamtliche Funktionen aus.

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Posting 1 bis 25 von 63
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Jägermeister
31
25.11.2009, 16:13
und wer sind die hauptgangster?

lauter kulturbereicherer aus südosteuropa.

BeachBuddy
12
25.11.2009, 15:44
"Es gibt ein Dreieck des Verbrechens"

Es gibt auch Dummheit zum Quadrat, Hr Stickler.

chese22
11
25.11.2009, 12:07
Besonders problematisch sind die Live-Wetten!? Völliger unsinn!!!

Zitat"Besonders problematisch sind die Live-Wetten im Internet. Man kann darauf setzen, welches Team den nächsten Outeinwurf bekommt. Mit Anpfiff eines Spiels sollte es mit den Einsätzen vorbei sein."

Erstmals Outeinwurf wird jemanden von der "Wettmafia" bestimmt nicht interessieren. Das sind Juxx-Wetten...! Ebenso hat man bei Livewetten keine garantierte Quote (kann sich jederzeit ändern). Man hat also keine garantie, dass man das "investierte" Geld wieder durch Livewetten einnimmt. Auch ist eine Livewette limitiert! Man kann nie hohe Einsätze auf 1mal platzieren! Aber am entscheidensten ist, dass Livewetten jederzeit geschlossen werden können und das kann der vermeintliche Betrüger nicht voraussehen, geschweige manipulieren.

rank7
00
25.11.2009, 15:22
nein, das stimmt einfach nicht

schauen Sie sich mal die Charts bei betfair bei manchen Spielen an und multiplizieren Sie die dortigen Liveeinsätze um ein Vielfaches, um auf das bei den Asiaten auf so ein Livespiel gelegtes Volumen zu kommen, wir reden hier nicht von 10 Euro-Wetten ín einem öst. Wettbüro oder bei bwin.

Im Juli z.B. war Baku: Ekranas ein in der Wettszene als ganz prominent erachtetes Beispiel für ein Live-Fixing in Richtung Over 3,5/ 4,5+, hier der Spielverlauf:

http://www.transfermarkt.de/de/spielb... index.html

Outeinwürfe oder dergleichen sind natürlich Peanutswetten, das stimmt schon, aber um solche Varianten geht´s auch nicht bei Live-Wetten-orientiertem Betrug.

adsfafbwawr
01
25.11.2009, 07:51

A rechtwinkeliges?

undjetzt
05
24.11.2009, 21:01
Bei ihm ist's wie beim Schüssel : Wieso werden sie immer wieder gefragt ???

montserrat
00
4.12.2009, 08:21

wer werbebudgets vergeben darf, darf sich so etwas wünschen.

naGeh
11
24.11.2009, 17:31
wer wettet

ist selbst schuld, wenn er beschissen wird....

Trevor Goodchild
02
24.11.2009, 16:51
Glückspielmonopol....

...als ob das was besser machen würde. Jeden Tag kann man hier von Politikern und Ministern lesen, die die Allgemeinheit bedenkenlos hintergehen um sich immer massloser zu bereichern - da soll der Staat ein Garant für Fairness sein?

Hoffentlich ist wenigstens Lotto nicht geschoben...

ElronMcBong
01
24.11.2009, 15:21
Ich glaube es sind in Ö vor allem die Schiedsrichter!


In den letzten Jahren wird der Ö-Fussball immer besser die Ö-Schiedsrichter immer Schlechter.

Ich unterstelle nicht jedem einzelnen Schiedsrichter Betrug, jedoch hat ein Schiri aufgrund der "Tatsachenentscheidungen" fast göttliche macht.

Ich finde Liga-Schiedsrichter (1te&2te) sollten direkt von der Uefa bezahlt werden, und solange Sie Schiedsrichter sind ebenfalls eine Bewilligung zu unterschreiben, dass sie jederzeit Ihre Finanzen offen legen müssen.

Außerdem sollte Verurteilter Betrug mit lebenslangem Berufsverbot +langer Haftstrafe belohnt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Elron

disblabla
 
00
25.11.2009, 09:49
Spielerbestechung

Einen österreichischen Spieler bestechen, dass er danebenschießt.Lustig.

dahofawors
00
25.11.2009, 11:32
na, dann treffen die doch endlich mal ins tor

johann potakowskyj
 
00
24.11.2009, 15:17
wir brauchen schon wieder harte strafen

damit alle die seriösen wettfirmen wieder ihre super bilanzen geniessen können. glückspielbetrug ist ja echt mies. das verlangt nach martialischen vorgehen. da sollte man unsere schiessfreudigsten polizisten einmal reinschicken.

johann potakowskyj
 
01
24.11.2009, 15:57
tut mir leid

aber alle postings, die nicht naivität als standard haben, werden nicht gebracht.
scheints hat der standard zensor dieses userprofil für mich beschlossen.

ab jetzt schreib ich nur mehr so leicht verdaulichen schwachsinn, der offensichtlich nicht ernst gemeint ist ...

Hermi Nator
02
24.11.2009, 14:43
Irrtum, Herr Stickler!

"Vor dem Auftauchen des Internets, dem man sich natürlich nicht verschließen kann, darf und soll, war die Wettwelt noch in Ordnung".
Wohl keine Ahnung!!!!

mMt der Erfindung des Morsecodes hat die Mafia in den USA USD-Millionen bei Pferfdwetten zwischen West-und Ostküste gemacht - gibt´s definitiv, seit es elektronische Medien gibt!

NoComment
00
24.11.2009, 14:11
an die, die doping freigeben wollen!

gebt manipulation im fußball/tennis/whatever frei! machen eh alle! ist eh normal! dann gewinnt eh wieder der der am besten kämpft!

Meister des Lichts
03
24.11.2009, 13:03
Kann man jetzt eigentlich schon wo wetten, welche Partien in Österreich geschoben waren?

Christ Kind
00
24.11.2009, 13:09
bitte gerne,

hier, bei mir.

Schweden Krokodil
12
24.11.2009, 12:17

ein Verbrechen war Stickler als ÖFB-Präsi.

onlooker
00
26.11.2009, 08:57
aber stickler ist doch ganz ein wichtiger mann

geworden,
er spricht für 19 uefa irgendetwas,
what a show off,
seit seine haare dünkler geworden sind, schaut er auch älter aus

Roter Baron
01
24.11.2009, 14:36

ganz im gegenteil
kein anderer konnte uns die niederlagen
des nationalteams besser erklären
;-)

speedbrain
04
24.11.2009, 12:04
foto

das ist ja jack nicholson als maturant!

bösartiger gutmensch
00
24.11.2009, 11:27

"Der Nachweis ist das Schwierigste überhaupt. Wann schießt ein Spieler absichtlich daneben? Wann ist es nur Unvermögen oder Pech? "

da denk ich sofort an jelavic. was der für chancen vernebelt, ist unpackbar.

DER-STANDARD-JURIST
00
24.11.2009, 14:04
aber er ärgert sich recht realistisch

;)

der janko allerdings..der kommt mir suspekt vor. verzieht aus 3 metern und ärgert sich kaum g

Homer Simpson II.
 
02
24.11.2009, 10:21

Austria is a too small country to make good Wettbetrug... hier wird ja schließlich auch nicht gedopt!

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