Huang Qi setzte sich für die Erdbebenopfer von 2008 ein
Im Umgang mit Dissidenten bewahrheitet sich ein zynisches chinesisches Sprichwort:"Qiuhou Suanzhang" (Nach dem Herbst wird abgerechnet). Kurz nach der Abreise von US-Präsident Barack Obama, der in Schanghai im Gespräch mit der Jugend öffentlich für freie Meinungsäußerung im Internet und Menschenrechte plädierte, verurteilen chinesische Gerichte wieder Bürgerrechtler.
Zuerst vergangene Woche in Tibet, wo, wie das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) erfuhr, der Autor Kunga Tsayang unter Anklage der Weitergabe von Staatsgeheimnissen mit fünf Jahren Haft bestraft wurde. Er war am 17. März im Kloster Labrang in Gansu verhaftet worden, weil er auf seiner Website "Notizen" kritische Essays zur Tibetpolitik veröffentlicht hatte, schrieb TCHRD.
Wegen angeblich illegalen Besitzes von Staatsgeheimnissen verurteilte am Montag ein Gericht in Sichuans Provinzhauptstadt Chengdu den bekannten und in den USA ausgezeichneten Menschenrechtsaktivisten Huang Qi zu drei Jahren Haft. Der 46-Jährige stritt während des verheerenden Erdbebens im Mai 2008 für die Rechte tausender Eltern, deren Kinder in zusammengestürzten Schulen starben und die erfahren wollten, warum die Gebäude so einfach zusammenbrachen.
Huang griff auf seiner Webseite die Regierung an, unter anderem auch, weil diese sich weigerte, Zahlen der gestorbenen Schüler zu nennen. Der Bürgerrechtler forderte Untersuchungen, ob beim Schulbau Pfusch und behördliche Korruption im Spiel waren. Er wurde im Juni 2008 festgenommen. Wie die Organisation "Chinese Human Rights Defenders" berichtete, verurteilten ihn die Richter wegen "Besitz von drei Dokumenten einer Stadtregierung" . Huang saß bis Juni 2005 bereits fünf Jahre in Haft wegen "versuchter Unterhöhlung der Staatsmacht". (Johnny Erling aus Peking/DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2009)