Verschuldung

Spekulationen um Staats­pleite Griechenlands

23. November 2009 17:32

Wegen der hohen Staatsver­schuldung sieht der Markt ein erhöhtes Risiko für einen Bankrott Griechenlands, auch Italien kämpft

Wegen der hohen Staatsverschuldung sieht der Markt ein erhöhtes Risiko für einen Bankrott Griechenlands. Auch Italien kämpft mit Problemen. Die wahren Verlierer der Vertrauenskrise könnten in Osteuropa sitzen.

***

Wien - "In der Vergangenheit war der Markt mit Griechenland geduldig" , sagt der Analyst David Schnautz von der Commerzbank. Aber der letzte Faux Pas sei einfach nicht aus den Köpfen der Anleger wegzukriegen. Nach ihrem Sieg bei den Parlamentswahlen Anfang Oktober musste die sozialistische Pasok-Partei reinen Tisch machen.

Nach ihrem Machtantritt gaben die Sozialisten bekannt, dass Athen bei den Daten kräftig gemogelt hatte. Die Neuverschuldung Griechenlands werde 2009 bei 12,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, mehr als doppelt so hoch als von der abgewählten konservativen Regierung angekündigt.

Das Vertrauen war damit dahin: Die Credit Default Swaps (CDS) auf griechische Staatsanleihen sind in den vergangenen Wochen regelrecht explodiert. Von 120 Basispunkten Ende September kletterte der Wert auf über 175 Basispunkte. Zum Vergleich: Österreichs CDS lagen Montag bei rund 71 Punkten.

Doch nicht nur das Vertrauen in Griechenland scheint dahin. Auf den Märkten werden zahlreiche westliche Staaten zunehmend als Risikofälle wahrgenommen. Das Geschäft mit der Pleite dieser Staaten boomt.

Neben Irland trifft das vor allem Italien. CDS sind eine Versicherung für Anleihen, Marktteilnehmer sichern sich gegen Zahlungsausfall ab oder spekulieren auf einen Bankrott (siehe Wissen). Bei westlichen Industriestaaten spielten CDS lange Zeit eine untergeordnete Rolle, gilt hier ein Ausfall doch als nahezu ausgeschlossen.

Doch versichern sich nun Anleihenkäufer auch im Westen gegen vermehrt Ausfälle. Der Wert der besicherten Anleihen stieg in Italien im Lauf des Jahres von 151 auf 216 Milliarden Dollar. Besicherungsgeschäfte auf britische und US Anleihen verdoppelten sich im Vergleich zum Vorjahr. Die Wertpapiere, die mitverantwortlich gemacht werden für die Pleite der US-Bank Lehman Brother und den Beinahekollaps des Versicherers American International, erfreuen sich größerer Beliebtheit denn je. Vor allem der steigende Verschuldungsgrad der westlichen Staaten, treibt die CDS an, sagen Experten.

Neben Griechenland hat auch Italien ein Schuldenproblem. So erwartet der Internationale Währungsfonds für Italien im Jahr 2010 einen Gesamtschuldenstand von über 120 Prozent des BIP. In Irland wird eine Verdreifachung der Verschuldung bis 2010 erwartet.

Die Dynamik in Griechenland könnte aber auch schwerwiegende Konsequenzen für Zentral- und Osteuropa haben, warnen Experten bei der französischen BNP Paribas. Die CDS für zahlreiche Staaten in dieser Region sind nach dem sie im Zuge der Finanzkrise im März einen Rekordwert erreicht hatten, wieder kräftig gefallen.

Aber der Fall Griechenlands lenkt die Aufmerksamkeit der Anleger wieder auf die Staatsverschuldung. Das Problem dabei: steigen die Risikokosten, muss der Staat Investoren mit höheren Zinsen ködern. Das könnte das Budget der ohnehin angeschlagenen Volkswirtschaften in Zentral- und Osteuropa weiter belasten. (Lukas Sustala, András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 190
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sensortime.com
24.11.2009 15:31
Griechenlands CDS bei 175 Bpt. - Österreichs CDS bei 71 Bpt...

Komisch.
Sieht man sich die Sparzinsen hier an, müssten die CDS-Basispunkte eigentlich schon im Minus liegen...
;-)

Hansi müller3
24.11.2009 13:12
Einfach einmal bei Tante Google

wenn die menschen wüssten wie Banken funktioniern

na was hätten wir dann Morgen

her wig
24.11.2009 18:18

Einen bank run, weil die Leute all ihr freies Geld auf die Bank tragen um die Kreditvergabe zu stimulieren?

franz der freie
24.11.2009 12:53
griechenland ist schon lange pleite.

in die eu haben sie sich nur hineingeschwindelt, unter wohlwollender beobachtung der verantwortlichen.

Ava Tar
24.11.2009 12:51
Ich mochte die Drachmen eh sehr...

Italien hat durch den starken Euro in den letzten 18 Monaten geschätzte 1 Mio. Jobs im Bereich Leder/Textil verloren - Handtaschen, Schuhe, Klamotten, Accessoires - konnten dank dem starken Euro nimmer mit den Billigimporten aus China, Indien & Co. mithalten

Früher haben's halt alle 12 Monate die Lira abgewertet und konnten wieder billig exportieren - das hat ihnen seit 2002 der Euro verunmöglicht

ganze Familien, die ein KMU hatten bzw. waren, nagen heute am Hungertuch

Für wen ist der ganze Blödsinn gut ? Für die Menschen ? Ha.

Hafner
24.11.2009 12:16
Österreich wird in Kürze ...

.. mit ca. 100% seiner Staatseinnahmen verschuldet sein.
Jetzt stelle sich jeder einmal ein Jahreseinkommen Schulden vor und wie lange er brauchen wird um das abzuzahlen, bei einer gleichzeitigen Minderung seines Einkommens (keine Neuverschuldung mehr).
Ich kann mich noch gut an die Regierung Kreisky erinnern, als bersorgte Anfragen wegen der Staatsverschuldung mit dem Satz: (Dummerle!) "Ein Staat kann noch nicht pleite gehen" beantwortet wurde.
Ja, ja, ich weiß: Auch die Schwarzen habe den Staat danach verschuldet.
Schuld ist natürlich der Wähler, der kleine Mann, der jede Regierung erbarmungslos abgewählt hat, die weniger Geld ausgegeben hat.
Daher soll er auch zur Kasse gebeten werden.

Dorian Gray
27.11.2009 14:08
Kein Staat macht Plus!

Alle haben Schulden!
Beim wem ????
Das würde mich schon sehr interessieren !

Vielleicht haben die anwesenden "Finanzprofis" eine Antwort darauf.

Hafner
27.11.2009 14:14
Z.B. bei denen,

... die in eine Zusatzpension einzahlen, die mündeslichere Wertpapiere haben, die eine Abfertigung neu haben ....
... immer stecken Staatspapiere (Schulden) mit drin.

Tony S
24.11.2009 12:45
100%???

Wie kommen Sie darauf?
Wir liegen bei 60% und das schon über Jahre.

hjg-analyse
24.11.2009 13:33
geschöntes Defizit

rechnen sie bitte mal auch die Schulden der ÖBB, ASFINAG und aller anderen ausgelagerten Bundesbetriebe dazu

Hafner
24.11.2009 13:20
Österreich ...

.. von 62% 2008 auf 77% des BIP.
Aber das BIP sind ja nicht die Staatseinnahmen. Es muss daher noch viel mehr als 100% sein?
Also: Die Verschuldung beträgt per 24.11.2009: 187.994.380.944,00 EUR.
Lt. WKO hatte der Staat 2003 111.536.000.000 EUR Einnahmen (http://wko.at/statistik... ktur.pdf), werden jetzt wohl ca. 125 sein.
Es scheint noch viel schlimmer zu sein.

Hafner
24.11.2009 13:09
Frankfurter Allgemeine

... Verband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken rechnet sogar damit, dass der Wert für Deutschland bis 2013 auf rund 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wächst. In anderen Ländern ist die Lage noch düsterer. Italien hat schon seit Jahren eine Schuldenquote von mehr als 100 Prozent. Offensichtlich geht das auch. Japan nähert sich sogar der Marke von 200 Prozent...
Österreich entwickelt sich ähnlich wie Deutschland ...

myschkin
24.11.2009 12:25

Bitte keine Wählerbeschimpfung, wenn es so gemeint ist. Der Wähler hat eine Wahl nämlich nicht, das System selbst abzuwählen, das ja bekanntlich alle Parteien uneingeschränkt akzeptieren. Die Parteien machen Arbeitsteilung, man könnte auch sagen, es ist eine große Partei mit ein paar Unterabteilungen die auf Rivalität spielen um die Volksstimmung möglichst aufzufangen.

Hafner
24.11.2009 13:22
Wenn er jeden Umverteiler wählt ...

... (siehe Feymann vor der Wahl: Freibier für Alle) und jeden, der Einschränkungen verkündet abwählt, ist er sogar ganz eindeutig der Hauptschuldige an der Misere.
Tja, wenn der Knecht Herr sein will ....

myschkin
24.11.2009 18:49

Jetzt müssen sie mir aber eine echte Alternative verraten, sagen wir, die letzten zwanzig Jahre.

Hafner
24.11.2009 12:12
Eine logische Folge ...

.. der Ochlokratie.

express55
24.11.2009 11:17

die Entwicklung ist tatsächlich besorgniserregend - und sollte auch ein Warnschuß für Österreich sein. Auf Dauer werden wir uns ein Budgetdefizit in dieser Höhe nicht leisten können - entweder wir sparen oder die Zinsen für Staatsschulden werden so enorm steigen, daß null Spielraum mehr für die Politik bleibt.

ezialist
24.11.2009 11:58
das Defizit bleibt sowieso nicht so

aber traurigerweise geht es den Bürgern in der Krise besser als während der Zeit der florierenden Wirtschaft...

damals sind nur alle Preise explodiert und die Gehälter verhältnismäßig stagniert --> Verarmung der Mittelschicht...

Sehr viele Milliarden versickern - die müssen weiterhin gesucht werden... der Staat sind wir alle und die Regierung wurde von uns eingesetzt unser Vermögen zu verwalten und unser aller Wohlstand zu erhöhen und nicht nur den Wohlstand von 5% der Bevölkerung, währen die breite Masse leidet und um eine warme Wohnung im Winter kämpft...

jajaneinnein
24.11.2009 10:28
2012

2012? Vermutlich wegen des Maja-Kalenders? Daß in Europa (und nicht nur dort) viele dieser offiziellen Ziffern geschönt sind, weiß man im speziellen Fall Griechenland schon seit und vor dem Beitritt zur EU.
Man hat hier und auch bei anderen Ländern dagegen nichts unternommen und tut es auch heute noch nicht. Ob die EU (und der Euro) mehrere Staatsbankrotte aushalten wird? Dreimal raten: Wer wird dafür bezahlten?

El Oquent
24.11.2009 11:52
Maja ?

Meinen Sie die Biene Maja ?

hjg-analyse
24.11.2009 10:26
Hallo, wer weiss

welche österreichischen Banken derzeit von Moodys und Konsorten heruntergestuft werden? In den Medien wird dies verschwiegen!

cracy spam
24.11.2009 11:08
Achtung vor Moodys

Die lügen Krisen herbei um dem
internationalen Raubkapitalismus
Tür und Tor zu öffnen !!!

Buchtip: Die Schockstrategie
von Naomi Klein

lgc ;-)

Chakotay
24.11.2009 10:16
Naja, spätestens 2012 sollten alle Systeme untergehen :-)

her wig
24.11.2009 10:16
21.12.2012

Nun hat sich also Österreich auch offiziell in die Reihe der bankrotten europäischen Staaten eingereiht. Der Konkursmasseverwaltung liegt bereits ein Angebot den chinesischen Fonds Funhai vor, der bereit wäre die Schulden zu übernehmen, im Gegenzug aber rigorose Sanierungsmaßnahmen verlangt. Während der Bundeskanzler bereits seinen Rücktritt angekündigt hat, bereitet Finanzminister Pröll hektisch eine Reise nach China vor, um Österreich vor dem Schlimmsten zu retten. Von Experten wird allerdings kein grosser Verhandlungsspielraum eingeräumt.

Holzmichl
24.11.2009 09:50
Wie wärs damit...

... einfach mal nur soviel Geld auszugeben, wie man Einnahmen hat? Problem gelöst!

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