Wovor haben Rammstein Angst?

KopfHörer, 23. November 2009, 16:00
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    foto: epa photo anp / robert vos

Interview-Verträge und warum man die unterschreiben muss. Oder auch nicht.

User Pareidolic hat im Forum unter der Rammstein-Geschichte nebenan folgenden Kommentar gepostet: "Diese ganze Aufregung über den "Zensor" und "zusammengestrichene" Zitate rutscht ein wenig ins Lächerliche wenn man sich klar darüber wird dass dieses Zusammenstreichen und selektive Freigeben unverbindliche Wünsche des Managements darstellen. Nichts hindert den Standard daran auf diese Wünsche nicht einzugehen und das Interview in der originalen, nicht freigegebenen Version zu veröffentlichen. Sich wortreich über die Zensur zu beschweren, und sich dann doch freiwillig (aus dem Wunsch nach gutem Klima mit dem Management) daran zu halten erscheint ein wenig melodramatisch."

Ich habe darufhin das hier geantwortet: "seit wann regelt man "unverbindliche wünsche" vertraglich, weil sonst nix interview? das müssen Sie nicht wissen, sollten dann aber auch nicht so tun als ob, gru flu"

Woraufhin Pareidolic folgende Frage postete: "Seit wann lassen sich Journalisten ihre Arbeit über solche Verträge einschränken? Ist so ein Vertrag überhaupt durchsetzbar? Es tut mir leid wenn meine Kritik das falsche Faktum getroffen hat, in dem Fall muss ich sie ändern auf: Warum unterschreibt ein Journalist ohne Not so einen Vertrag? Ist er auf generell bekanntlich eher nichts sagende Interviews tatsächlich so angewiesen dass er sich dafür freiwillig in seiner journalistischen Freiheit einschränken lässt? Mir ist die Problematik der Freigabe bzw Autorisierung ursprünglich von politischen Interviews bekannt, besteht dort auch die Gefahr dass Politiker in Zukunft solche Verträge verlangen bevor sie etwas von sich geben? Wenn's doch offenbar so gut funktioniert."

Legitime Fragen, die ich mir auch gestellt habe und die sich im zur Diskussion stehenden Fall eigentlich darauf herunterbrechen lassen: Wovor haben Rammstein so Angst?

Das ließ sich in dem Interview mit Kruspe, das im Übrigen in netter Atmosphäre verlief, nicht beantworten. Zumal die Antworten, wenn auch nicht alle von besonders originellen Geistesblitzen erleuchtet, mir keinen Grund gaben, zu glauben, hier würde nachher die Hälfte der ohnehin harmlosen Aussagen herausgestrichen. Das ist schon sehr kapriziös, und im Pop durchaus nicht Usus. Die meisten Musiker und Bands sind ja froh, wenn sich überhaupt jemand für sie interessiert. Mir ist das zum ersten Mal passiert, dass mir ein derartiger Vertrag vorgelegt wurde.

Die Frage, warum man den unterschreibt, lässt sich einmal so beantworten: Rammstein sind wegen dem Wirbel um ihr neues Album ein Thema. Like it or not. Siehe dazu auch Zeitungen wie die Süddeutsche, in der vergangenen Freitag die Seite 3 Rammstein zugedacht war. Und wenn da das Angebot kommt, mit den ach so großen Tabubrechern über Provokation und Zensur und Absicht und Wirkung zu sprechen, dann nimmt man das wahr. Alles andere wäre eine journalistische Fehleinschätzung. Deshalb schluckt man zur Not diese Krot.

Ich bestand dann vor Ort auf einigen Änderungen in dem Vertrag, was natürlich Probleme verursacht hat. Letztlich habe ich ihn auch gar nicht unterschrieben. Nicht weil ich so ein Held bin, sondern weil das in dem allgemeinen Trubel untergegangen ist. Dennoch zählt, laut Auskunft der Standard-Rechtsanwältin, schon eine mündliche Zusage - die ich nicht gegeben habe - als bindend. Gibt es darüber keine Übereinkunft, gibt es kein Interview.

Es kam dennoch zustande, aber nachdem die sogenannte "Freigabe der Zitate", die defacto einer Zensur gleichkam, erfolgt war, habe ich beschlossen, eben aus den Resten und dem Erlebten eine Geschichte zu machen. Das Konzert verkam da zur Nebensache. Zu aufgelegt war der Umstand, dass sich Rammstein als Zensur-Opfer (wohl-)fühlen, und dabei im Wesentlichen dasselbe machen.

Hätte ich das Interview im O-Ton abgedruckt, wäre das klagbar gewesen.  Mit welchen Erfolgsaussichten weiß ich nicht. Und ob Rammstein sich diese Blöße geben würden? Nun, vielleicht. Immerhin geben sich sich ja auch die Blöße, getane Aussagen zurückzuziehen, wie es - um auch das zu beantworten - auch bei vielen Politikern Unsitte ist.

Man könnte das Charakterbild nennen, ich hab es "Eine Begegenung" genannt.

(23. 11. 2009, derStandard.at, Karl Fluch)

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Posting 1 bis 25 von 67
1 2
freilife
00
30.11.2009, 16:19
sie hätten die Krot

nicht fressen sollen.
Sie hätten auch einfach das Interview ausfallen lassen können, um anschließend darüber zu berichten wie lächerlich sich Band und Management verhalten und dass man sich das als Journalist nicht bieten lassen darf - unter keinen Umständen - solange die Zeitung für die man schreibt noch irgend einen Qualitätsanspruch für sich erhebt. Ein Zufall dass Sie nicht unterschrieben haben, aber das macht die Situation nicht besser. Sie sollten in sich gehen sich und auch mit ihrem Chefredakteur zusammensetzten um darüber nachzudenken ob man sich solch einem Zensurdiktat beugen soll. Ich meine: egal ob politisch oder kommerziell motiviert, darf man um eine Story zu bekommen die ethischen Grundsätze des Journalismus nicht aufgeben.

tom2312
00
13.12.2009, 10:44

Was Sie hier fordern, hat er doch im wesentlichen gemacht. Nur hat er das Interview nicht ausfallen lassen, aber trotzdem über die Begleiterscheinungen berichtet. Das war eine erhellende Geschichte über das Hickhack ums Interview und so gesehen auch journalistisch einwandfrei.

Was ich Herrn Fluch dafür nicht verzeihe, ist die depperte Kritik über das Pet Shop Boys Konzert :-)

Pullover aus Milch
00
25.11.2009, 13:31

Rammstein LOL

Lächerlicher geht's nicht.

Dyne
01
25.11.2009, 23:51

..haben Sie eine Ahnung was es sonst noch so gibt?

Gesehen: "Deathstars" auf OKTO !!!

Die sind wirklich peinlich UND bedenklich !!!

trentzer
00
25.11.2009, 15:08
doch

ein pullover aus milch?

high contrast
01
25.11.2009, 13:22
Die Lösung:

Der Standard könnte ja einfach NUR mehr Interviews mit Radiohead bringen

trentzer
00
25.11.2009, 15:09
genau . .

dass dann jeder der dieses radiohead interview liest suizidgedanken hat . . . .aber sie haben schon recht: radiohead ist sicher beim standard am besten aufgehoben.

andi ebner
00
25.11.2009, 13:13
angst wovor?

wahrscheinlich nur davor, dass das neue album floppt bzw. der alte "wir sind wilde kerle schmäh" irgendwann wirklich keine s** mehr interessiert.

Mark Syl
00
25.11.2009, 12:32
hm

Nachdem das RAMMSTEIN-Album “Liebe ist für alle da” indiziert wurde, kehrt immer noch keine Ruhe bei den Berlinern ein. Bei einem Interview von Gitarrist Richard Kruspe mit der österreichischen Tageszeitung Standard wurde vom RAMMSTEIN-Management "gut die Hälfte seiner Wortmeldungen" gestrichen. "Schon erstaunlich, dass eine Formation, die sich selbst als Opfer von Zensur sieht, in schönster DDR-Manier dieselbe betreibt", empört sich darüber der Journalist vom Standard.(rockhard.de)

Kendall Von Tharn
01
25.11.2009, 07:49

wer sagt, dass rammstein interviewt werden müssen?

trentzer
00
25.11.2009, 10:33

ist doch gut für sie. sonst hätten sie ja nichts zu posten . . . .

Kendall Von Tharn
00
25.11.2009, 10:56

sie auch nicht ;-)

trentzer
00
25.11.2009, 12:06

das ist richtig (-:

schneida helga
11
24.11.2009, 20:25
die gehören in den zirkus

DAS IST KEINE MUSIK DAS IST EIN FADER F..RZ

Du bist der Teufel
10
25.11.2009, 00:28

Erklären sie mir doch mal,was denn Musik ist und was nicht und welche Kriterien sie dafür verwenden, um das festzustellen?

Dyne
11
24.11.2009, 19:55

Ja,sie haben Angst ihren guten Ruf als böse,bööööse Burschen zu verlieren.
Schließlich könnte in den Interviews rauskommen,daß sie alle biedere nette Kerle sind -die doch lieber kirgisischen Jazzrock spielen möchten um auf die Playlist von FM4 zu kommen.

trampolene
00
25.11.2009, 01:59

ich bin letztlich eh froh das ich mir nicht noch mehr schwachsinn von den harten jungs lesen muss.
dem herrn fluch gebe ich aber inhaltlich recht.
peinlich diese zensur.

The Real Zet
 
00
24.11.2009, 15:30
Das NICHTS

Ich finde es sehr okay, dass der Autor Karl Fluch hier offen Stellung nimmt und die Meta-Ebene zum Interview Thema werden lässt.

Dass ein nicht unterschriebener Vertrag einklagbar ist, nunja... Meinungen gibt es viele. Aber woran sollte man sich in der Sache orientieren? Kommen wir also zurück zur Fragestellung und Rammsteins Angst.

Ich überspringe die Analyse und komme zur These: Rammstein hat vor nichts Angst. Vor dem Nichts. Vor der Bedeutungslosigkeit, dem Nicht-erscheinen, dem Nicht-erwähnt-werden, der Irrelevanz unter dem (nach)gewachsenen Publikum.

Der Trick, etwas rar zu machen, was kaum einer braucht, funktioniert auch hier. Wer will schon die Geschichte hinter "Butwurst" wissen? Wahrscheinlich war das das letzte Album. Gut! :)

Mark Syl
11
24.11.2009, 14:50
hm

sie sind wohl einfach gernervt vor der berichterstattung in musikfremden blättern. in musikzeitschriften geben sie lange und intensive interviews, die zuweilen auch sehr persönlich sind. diesbezüglich interessant ein 6 seitiges interview im neuen metalhammer u.a. über tillos schwimmvergangenheit in der ddr, durchaus interessante einblicke, da geht dann alles. auf tour kommen sie eben in eine fremde stadt und deren medien erwarten sich ja nur irgendeinen skandal, vor sowas wollen sie sich eben schützen. wobei es dennoch komisch ist und auch das umgehen mit konzertfotografen ist seltsam. ist halt eine gebeutelte band, wo zuviel lächerliches und diffamiererndes zeugs veröffentlicht wurde.

Kendall Von Tharn
00
25.11.2009, 09:59

die schwimmvergangenheit findet sich sogar in der wiki und hat er schon tausende male "ausführlich" erzählt.

Mark Syl
00
25.11.2009, 12:31
hm

es ist einfach ein interview. die schwimmvergangenheit is ja eh nix neues *gähn*

raff1
01
24.11.2009, 14:22
Wovor haben Rammstein Angst?

natürlich vor dem Steineklopfer....

t-bonesteak
00
24.11.2009, 14:02
autorisierung von zitaten (und nur von zitaten!)

ist an sich nichts böses und hat z.b. in der wirtschaftsberichterstattung durchaus sinn, weil es den journalisten auch davor schützt, fehler zu veröffentlichen (es kann z.b. leicht dazu kommen, eine falsche zahl in den text einzubauen, was eher schlecht aussieht, wenn sie etwa vorsteuer- und nettogewinn verwechseln).

allerdings darf es nicht dazu kommen, dass dadurch ein interview völlig umgetextet wird und die ursprünglichen aussagen völlig verdreht werden.

warum journalisten mitspielen: weil sie, wenn nicht, nie mehr ein interview mit den betreffenden kriegen.

peter schmidt
 
04
24.11.2009, 13:18
Ich kann Rammstein sehr gut verstehen

Die band spielt mit einer gewissen Ästhetik wenn man so will spielt die Band nicht nur tatsächlich sondern auch im übertragenen Sinne mit dem Feuer. Dem übermenschentum den abgründen der seele dem 3. reich mit uniformen martialischen klängen etc.

ein einziges von einem hysterischen oder sensationsgeilem ehrgeizigen reporter leicht verfremdete oder aus dem zusammenhang gerissene zitat und plötzlich wäre rammstein schwer im eck.

das könnte wohl einer christina stürmer oder den scorpions nicht passieren.

in diesem sinne "sie wollen mein herz am rechten fleck doch zieh ich dann nach unten weg"::)

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