Alkohol im Strassenverkehr

Richtung Disco durch die Nacht

23. November 2009, 17:08
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    foto: discobus.at

    Discobus im Burgenland: Eine Fahrt kostet 2,50 Euro. Neben den Fahrgästen zahlen auch die Gemeinden und neuerdings der Bund. Die Lokale beteiligen sich kaum an den Kosten.

Zahlreiche Discobus-Projekte gibt es in Österreich bereits - Wie sie funktionieren und wie sie sich finanzieren, erzählen zwei Betreiber

Ihre Haltestellen heißen "Schlosscafe", "Disco Martinskeller" oder "Gasthof Wurzer". Dort sammeln sie auch um drei Uhr früh noch Nachtschwärmer ein, die dann meist schon etwas müde sind vom Tanzen und Trinken: die so genannten "Discobusse", die bereits in vielen Gegenden Österreichs Jugendliche sicher durch die Wochenenden chauffieren.

"Unsere Erfahrungen sind gut, die Jugendlichen nehmen das Angebot gut an", erzählt der Bürgermeister der niederösterreichischen Braustadt Wieselburg, Günter Leichtfried. Er ist SPÖ-Landtagsabgeordneter und fungiert im Regionalverband Mostviertel als Obmann der Kleinregion "InRegion", die Träger des Discobus-Netzes ist.

Dritte Route

1998 hat man mit fünf Gemeinden begonnen, eine sechste kam kurz danach hinzu. Anfangs gab es zwei Routen, die zwischen 21 Uhr abends und vier Uhr früh gefahren wurden. "Mittlerweile sind zehn Gemeinden dabei", sagt Leichtfried. Seit wenigen Wochen wird eine dritte Route gefahren, über die Donau ins südliche Waldviertel. Rund 30 Haltestellen sind nun in den Fahrplänen enthalten. Eine Fahrt kostet drei Euro.

Dass die Discobusse, die von verschiedenen Busunternehmen in den Mitgliedsgemeinden betrieben werden, nicht immer gleich gut ausgelastet sind, hat man akzeptiert: "Wir beobachten bei der Auslastung 'wellenartige' Bewegungen, im Sommer läuft es wesentlich schlechter als im Winter", so Leichtfried. Im Sommer gebe es eben mehr Angebot vor Ort, etwa in Form von Zeltfesten - der Discobus (gefahren wird mit kleineren 11- oder 15-Sitzern) ist dann nicht so gefragt.

Anfangs zahlten die Wirte mit

Finanziert wird das Projekt zum größten Teil direkt von den Gemeinden. Es habe zwar anfangs auch Bemühungen gegeben, die Gastronomie - die von dem Angebot letztlich profitiert - finanziell zu beteiligen, diese seien aber rasch gescheitert. "Ein einziges Mal zahlten zu Beginn die Lokale mit, das fand aber keine Fortsetzung."

Der Betrieb des Discobusses kostet jährlich rund 85.000 Euro, 20.000 schießt das Land NÖ - zunächst für drei Jahre - zu, der Rest wird per Aufteilungsschlüssel auf die Gemeinden verteilt. Auf die Stadtgemeinde Wieselburg entfallen 17.000 Euro.

"Probeführerschein ausweiten"

Martin Blum, Experte beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ), hält die Discobusse für ein wichtiges Angebot, da es gerade am Land meist keine andere Alternative zum Auto gäbe. "Wichtig ist aber auch, dass man nicht nur das Angebot schafft, sondern auch auf Überwachung setzt: Intensivere Kontrollen und höhere Strafen wären notwendig", fordert Blum.

In einem ersten Schritt sollte der Probeführerschein ausgeweitet werden, sagt Blum. Derzeit ist jeder neu ausgestellte Führerschein für die Dauer von zwei Jahren ein Probeführerschein, es gelten in diesem Zeitraum strengere Regeln wie beispielsweise eine Alkoholgrenze von 0,1 Promille, anstatt der sonst üblichen 0,5. Der VCÖ-Experte wünscht sich, dass der Probeführerschein auf sechs Jahre - im Normalfall also bis zum Alter von 24 Jahren - ausgeweitet wird.

Ob es dort, wo es schon länger den Discobus gibt, zu signifikanten Rückgängen von Unfällen gekommen ist, lässt sich übrigens nicht sagen - weder beim VCÖ, noch beim Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) sind Studien dazu bekannt. Klar ist aber: Jeder Fahrgast, der das Angebot nützt und nicht betrunken ins Auto steigt, ist ein Erfolg.

Unfallserie als Auslöser

Mehrere schwere Unfälle im burgenländischen Seewinkel waren der Auslöser für die heute bundesweit größte Discobus-Initiative: Mitte der 1990er-Jahre startete der heutige Landeshauptmann und damalige Bürgermeister von Frauenkirchen, Hans Niessl, das erste Projekt. 2004 wurde mit der Gründung des "Vereins Discobus" eine breite, in den Gemeinden verankerte organisatorische Basis geschaffen. 130 burgenländische Gemeinden sind heute Vereinsmitglieder, eine Million Jugendliche wurden in den vergangenen 15 Jahren in die Disco und wieder sicher nach Hause gebracht.

Vereinsobmann Christian Illedits - er ist im Brotberuf Klubobmann der burgenländischen Sozialdemokraten - nennt das Projekt die "größte Verkehrssicherheitsinitiative für junge Menschen österreichweit", und beruft sich dabei auf den VCÖ. Der Preis für eine Einzelfahrt beträgt seit sechs Jahren 2,50 Euro, gefahren wird auf 16 Linien.

Manche Wirte zahlen freiwillig mit

Bei der Finanzierung erhalten die Partnergemeinden seit kurzem finanzielle Unterstützung vom Bund in Form einer Nahverkehrsförderung nach dem Finanzausgleichsgesetz. Diese "nicht sehr offensiv kommunizierte" Förderung belief sich für das Jahr 2007 rückwirkend auf rund 244.000 Euro. "Damit waren 79,5 Prozent der Gemeindebeiträge refinanziert, die Gemeinden müssen also für nur noch rund 20 Prozent aufkommen", so Illedits. Fast alle Mitgliedsgemeinden haben dem Verein die Abwicklung übertragen, die Anträge für das Jahr 2008 laufen bereits, Illedits rechnet da allerdings mit etwas weniger Geld, da die Fördertöpfe ans Steueraufkommen gekoppelt sind.

Die Gemeindebeiträge beliefen sich letztlich auf 100 bis 400 Euro pro Monat, abhängig von der Einwohnerzahl. In den Kommunen wird der Aufwand für den Discobus meist als Wirtschaftsförderung betrachtet, wenngleich sich auch der eine oder andere Lokalbetreiber auf freiwilliger Basis an den Kosten beteiligt.

Nächster Halt Steiermark

53.400 Fahrgäste wurden im Burgenland im ersten Halbjahr 2009 gezählt, laufend gibt es Bemühungen, das Netz auszuweiten. Erst im vergangenen September wurde das Liniennetz um zwei Verbindungen im Südburgenland ausgebaut, dort hat der Verein deswegen auch sein Geschäftsmodell leicht abgeändert: Die regionalen Strukturen mit vielen abgelegenen Siedlungen machen in den südlichen Bezirken Oberwart und Güssing die Fahrplangestaltung etwas schwieriger, außerdem würden dort noch eher Vorbehalte betreffend der Sinnhaftigkeit der Investitionen bestehen. "Im Norden ist das keine Debatte mehr", so Illedits, aber im Südburgenland wird deshalb seit zwei Monaten auch die eine oder andere Gemeinde angefahren, die keine Discobus-Partnergemeinde ist - zu einem erhöhten Fahrpreis von fünf Euro. Und ebenfalls seit September halten die burgenländischen Discobusse nun auch schon in zwei steirischen Gemeinden, nämlich Pinggau und Hartberg.

Anders als im Mostviertel sind im Burgenland übrigens fast durchwegs große Überlandbusse mit Platz für 60 oder 80 Fahrgäste im Einsatz, Kooperationspartner sind die ÖBB Postbus GmbH und die Dr.-Richard-Gruppe. Kleinere Busse werden nur fallweise eingesetzt, wenn geringerer Bedarf absehbar ist. Ein schwaches Monat sei etwa der September, weiß man beim Verein Discobus bereits.

Dass auch ein günstiger Discobus offenbar kein "Selbstläufer" ist, hat man im Mostviertel auch gemerkt. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Wieselburg hat man heuer am Image des Discobusses gebastelt. Heraus kam ein neuer optischer Auftritt, neue Pläne - und ein neuer Name: "Disco.Buzz". (Martin Putschögl, derStandard.at, 23.11.2009)

Links

Disco.Buzz (Mostviertel)

Verein Discobus (Burgenland)

VCÖ

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
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Lavinya
00
26.11.2009, 11:49

Ich finde die Idee gut, da man somit sicherlich einige Verkehrsunfälle vermeiden kann. Außerdem machen diese Busse Jugendliche am Land auch mobiler.

HerrUnmut
00
24.11.2009, 19:28
gute Idee

Ich finde es gut das Postbus auch diese Discobusse anbietet, in Wien hat man eben die Nachtbusse aber auch in den ländlichen Regionen wird ausgegangen und getrunken und gerade deshalb find ichs so wichtig dass die bleiben, denn so hält man viele vom Fahren oder mitfahren ab, alkoholisierte Unfälle gibts wohl genug! Super Idee mit hoffentlich langer Zukunft!

lemon juice
01
24.11.2009, 14:48

Bei uns in Salzburg heißen die Discobusse "Moonlight Express". Das ist grundsätzlich eine sehr gute Idee. Leider ist das Verhalten der alkoholisierten Personen in diesen Bussen so daneben, dass ich nicht unbedingt freiwillig mit ihnen fahren würde.

Da drinnen wird meist geracht, herumgepöbelt, gegröhlt, die meist ausländischen Fahrer werden von Passagieren oft beschimpft, wenn sie nicht direkt vor ihrem Haus stehen bleiben oder das Licht im Bus nicht abschalten, damit sie schlafen können.

Oft ist es auch schon vorgekommen, dass der Bus gar nicht aufgetaucht ist oder 1,5 Stunden Verspätung hatte, aus welchem Grund auch immer. Deshalb ist es am besten, man sucht sich ein paar Leute die den gleichen Weg haben und fährt mit dem Taxi heim.

Feles
00
24.11.2009, 15:46
Sie GlücklicheR

Bei uns in der Gegend gibts keine Taxis. Da stellen sich Mamis und Papis den Wecker auf 2 Uhr früh und fahren in die Disco, um eine Fuhr Mädls nach Hause zu bringen (keine Ahnung, wie die Jungs heimkommen)..

robertoblanco
00
24.11.2009, 11:23
Disco.buzz -

sehr kreativ waren sie da aber nicht bei der Namensfindung für den Neuauftritt, eher besser beim abkupfern.

Unter dem Namen N8Buzz gibts schon länger Nachtbusse.

aber unabhängig von der benamsung find ichs gut wenn´s die Möglichkeit gibt auch ohne taxi oder auto am Wochenende heimzukommen

spitzenkandidat.2.0.
00
24.11.2009, 10:41


Bei uns gibts soetwas gar nicht. Hier müssen sich Jugendliche selbst einen Bus von einem privaten Unternehmen mieten (der macht dafür aber den Preis ein wenig runter). Und das funktioniert halt nur, wenn sich wirklich 40/45 Leute finden für einen großen Bus.

Hab das dann heuer das erste Mal in Mittersill gesehen; weiß allerdings nicht ob das immer so ist, oder nur einmal wegen dem Fest.

Jedenfalls eine gute Idee, da es in der ländlichen Region nicht so einfach ist, sich nach spätestens 20.00 Uhr irgendwohin mit öffentlichen Verkehrsmittel zu bewegen, und Wirtshäuser in allen Ortschaften auch keine Selbstverständlichkeiten mehr sind.

EuchridsRevenge
01
24.11.2009, 10:21
ach....

jungfernfahrt bad ischl - ebensee, damals im xxxx joah.
22,00, der fahrer gab mir noch einen eimer, um seinen bus nicht vollzusauen. vergeblich.... ;-)

nein, ist schon eindeutig eine gute sache, finde ich, diese discobusse....

worldiscubik
01
24.11.2009, 10:02
is ja eine gute idee

aber warum die locations die definitiv einen finaziellen vorteil daraus schlagen nicht dazu bewegt werden, mitzuzahlen, verstehe ich nicht!

Josef Brause
00
24.11.2009, 09:54
Disco Buzz

*kopfschüttel* Hoffentlich ist Volkswagen nicht so heikel wie Jack Wolfskin.

MiamiLover
 
02
24.11.2009, 05:32

Hier in Kassel haben wir eine richtige Disco-Tram, in der die Studenten Party machen. Mit Getränke-Theke!

Viele Grüße aus dem partytechnisch wohl weiter entwickelten Deutschland nach Österreich! ;-)

Aber in Wien, Graz oder Salzburg habt ihr sicherlich bessere Clubs als in der Nordhessischen "Metropole" Kassel. ;-)

Dante Alighieri
224
23.11.2009, 23:00

Ich finds irgendwie schade dass die Allgemeinheit da die Säufer subventionieren muss -- anstatt dass die Säufer selbst auf eigene Kosten sicherstellen sicher nach Hause zu kommen. Irgendwie ziemlich ungerecht.

Jr Ewing
32
24.11.2009, 13:05

So wie Sie der Allgemeinheit ihre Zogajs aufschwatzen wollen...

Dante Alighieri
00
24.11.2009, 16:06

Ein selten dummer Vergleich. Kommt vermutlich von einem braunen Säufer. In einem Land leben zu können in dem manschenwürdig leben kann ist ein Menschenrecht. Sich besaufen zu können und dann auf Kosten anderer nach Hause kommen zu wollen nicht.

ja, eh
06
24.11.2009, 11:42

Ganz ehrlich subventionier ich lieber auf diese Art die "Säufer", als ich muss später einem Scherverletzten über "Umwege" (SV Abgaben) die Rehab bezahlen.
Vom Kosten/Nutzen Faktor her ist Prävention immer wesentlich günstiger.

zeamount
02
24.11.2009, 11:09

wissen's, wenn man alles einstellen oder verbieten würde, was für den einen unnötig ist oder zumindest so erscheint, dann bliebe nicht mehr viel übrig. zum glück leben wir aber in einer gesellschaft, die einigermaßen solidarisch strukturiert ist ...

Minou Larson
10
24.11.2009, 10:10

EINE FRECHHEIT IST DAS!

Dass die jungen Leute heute tatsächlich auch auf für sie unterhaltende Weise einen Beitrag zur Wirtschaft leisten und ihr Geld in den Umlauf bringen.

Wenn wir alle zu Hause blieben, wäre das viel sinnvoller. Blöder Konsum.

luchmhor
03
24.11.2009, 08:08

Bitte auch die Subventionen für die Wiener U-Bahn einstellen. Zumindest den Betrieb nach 20.00 und an Wochenenden. Ziemlich ungerecht oder?

someones
00
24.11.2009, 10:21
KEINE SUBVENSTION VON VOLL**IOTEN

in der ubahn fahren meist nicht discogeher.
in einem discobus bezweifle ich, dass da ein nicht discogeher je mitfahren wird.

Quim Barreiros
00
24.11.2009, 14:21

Wieso nicht? Gehen alle Discogeher zu Fuß in die Disco? Oder nehmen sie gar das Fahrrad? Unwahrscheinlich.

DD1981
11
24.11.2009, 08:07

Schauen Sie in ruhe Ihr Wetten Dass... und tun dabei Kreuzworträtsel lösen, aber lassen Sie bitte die Jugend ein bissl spass haben. Dass sie da ein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung gestellt bekommen ist doch nur gut, Sie dürfen dafür ins Museum fahren.

MiamiLover
 
00
24.11.2009, 05:29

Es sind doch nicht alle Nachtschwärmer Säufer. Alle, die kein Auto haben, richten sich nach den Öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn sie abends weggehen wollen (zum Essen eingeladen werden, Party, Disco etc.). Dabei muss man sich nicht besaufen... es gibt sehr viele Menschen, die kein Auto haben (Schüler, Studenten, Ärmere) und genau diese finden es gut, dass nachts mal ein Bus kommt.

Es ist schon eine Schande, dass in Paris als Weltmetropole die Metro nachts eine Pause macht.


Da wird man doch zum Individualverkehr gezwungen und das bei den jetzigen CO2-Emissionen!

cockpuncher
01
24.11.2009, 09:49

in paris fahren aber die öffentlichen am wochenende bis 2 uhr früh...
und danach nimmt der noctibus seinen betrieb auf.
pause is ok, aber die öffentlichen sind zur fortbewegung da, nicht zum stillstehen......

God_of_the_Wind
03
24.11.2009, 04:15

is mir lieber, als ich werde von einem säufer des nächtens niedergemäht

coolio
00
24.11.2009, 07:40
sicherheit im straßenverkehr

sollten aber legislative und exekutive gewährleisten.

m m 10
00
25.11.2009, 17:04
spricht der...

...unmündige bürger, dem es nach klaren vorgaben und verboten dürstet

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