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Van Rompuy sagte zwei Mal "Nee", Ashton in Not

23. November 2009 11:54

"Le Soir": Wollte einstimmige Unterstützung für Berufung als EU-Ratspräsident - Kommission will künftige "Außenministerin" Ashton prüfen

Brüssel - Während der Verhandlungen über die Besetzung von EU-Spitzenposten hat der belgische Ministerpräsident Herman Van Rompuy laut einem Zeitungsbericht zweimal den Posten des EU-Ratspräsidenten abgelehnt. Nach Angaben der Brüsseler Tageszeitung "Le Soir" verweigerte Van Rompuy zweimal in den Tagen vor dem EU-Gipfel vergangenen Donnerstag ein derartiges Angebot, weil er sich nicht ausreichend unterstützt fühlte.

Die Zeitung interpretierte rückwirkend auch Van Rompuys Aussagen im belgischen Parlament eine Woche vor dem EU-Gipfel in diesem Sinne. Damals hatte der belgische Ministerpräsident erklärt: "Ein Premierminister ist kein Kandidat für eine derartige Funktion ... Wenn sich dennoch ein Konsens im Europäischen Rat abzeichnet, kann sich die Person einer solch wichtigen Funktion nicht verweigern." Damit habe Van Rompuy signalisiert, dass er nicht für den Posten des EU-Ratspräsidenten zur Verfügung stehe, wenn die Entscheidung nicht einstimmig von den 27 EU-Staaten getroffen werde, schreibt "Le Soir".

Van Rompuy wurde vergangenen Donnerstag vom EU-Gipfel einstimmig als erster Präsident des Europäischen Rates bestellt. Als wahrscheinlichster Nachfolger des flämischen Christdemokraten in Belgien gilt Ex-Ministerpräsident Yves Leterme. In Belgien hat der Wechsel von Van Rompuy Sorge vor neuer politischer Instabilität hervorgerufen. Neben Van Rompuy wurde am Donnerstag von den EU-Staats- und Regierungschefs die britische Handelskommissarin Catherine Ashton zur ersten EU-"Außenministerin" ernannt.

"SZ": EU-Parlament will künftige Kommissions-Vizepräsidentin genau prüfen

Zwischen dem Europäischen Rat und dem Europaparlament gibt es nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" Streit darüber, ab Ashtonihr Spitzenamt antreten darf. Werner Langen, Chef der Unionsgruppe im EU-Parlament, sagte dem Blatt, die vom Rat bereits gewählte Britin werde "genau und vorbehaltlos" geprüft werden.

"Sie muss sich der Anhörung und Abstimmung stellen", erklärte auch der Fraktionschef der Sozialisten, Martin Schulz. Da Ashton als "Außenministerin" gleichzeitig Vizepräsidentin der Kommission ist, muss sie dem Parlament schriftlich und mündlich ihre Kompetenzen nachweisen.

Ashton müsse nachweisen, "dass sie als Außenministerin einen diplomatischen Dienst mit mehreren tausend Beamten aufbauen kann", sagte der CDU-Politiker Langen. Das Amt als Außenministerin stelle "gewaltige Anforderungen" an die bisherige EU-Handelskommissarin. Der liberale Europa-Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff rechnet damit, dass die Parlamentarier nach einer Anhörung Ashtons im auswärtigen Ausschuss bis Mitte Dezember eine Vorentscheidung über die fachliche und persönliche Eignung treffen werden. "Wenn wir dabei feststellen, dass sie als Vizepräsidentin nicht geeignet ist, darf sie auch nicht Außenministerin sein", sagte Lambsdorff der "SZ". Dann müsse der Rat eine neue Kandidatin vorschlagen.

Der Rat besteht bisher darauf, dass die Britin bereits ab 1. Dezember als Hohe Repräsentantin für Außenpolitik amtiert. An diesem Tag tritt der EU-Vertrag von Lissabon in Kraft. An dem Tag nimmt auch der neue ständige Ratspräsident Herman Van Rompuy seine Arbeit auf. Das Parlament stimmt jedoch erst Ende Jänner ab. Die Staats- und Regierungschefs hatten auf ihrem Sondergipfel Ashton zur "Außenministerin" und den belgischen Regierungschef Van Rompuy zum Ratspräsidenten gewählt.

 

 

Kommentar posten
19 Postings
itdoesnotmatter1
24.11.2009 23:18

verlegenheitslösungen bzw. haben sich sarko und merkel durchgsetzt... hier noch ein netter kommentar dazu: http://globalviewmagazine.wordpress.com/2009/11/2... ms-europe/

Kid "Kongo" Powers
24.11.2009 11:07
DAss das EU-Parlament hier anständig die Zähne zeigt, ist das Beste, was der EU passieren kann.

Aber Ashton muss sich also gar nicht einem Hearing stellen. Also overuled die Kommission wieder mal das EU Parlament. Oder Merkel und Sarkozy. Sehr schön. Diktatur light. Es lebe das durch den Lissabon Vetrag gestärkte EU Parlament. Prost.

(Das abgeblasene Hearing ist anscheinend dem Standard keinen Artikel wert? Naja.)

Gerhard Schwarz
 
24.11.2009 01:28

Der Lissabon-Vertrag demokratisiere die EU-Entscheidungen durch Aufwertung des EU-Parlaments
- wurde uns vorgelogrn. Der Gegenbeweis sind die Entwicklungen der letzten Zeit...

1116er
24.11.2009 12:32
aufwertung des parlaments

stellen sie sich doch mal vor:
bei uns würde die von den koalitionsparteien vereinbarte ministerliste nicht von den abgeordneten abgenickt, sondern die eine oder andere position diskutiert bzw abgelehnt... undenkbar.

wenn sie also den eu-institutionen lug und betrug vorwerfen: wie bezeichnen sie dann die bei uns herrschenden gebräuche?

Kowosch
 
24.11.2009 15:30

Wobei dieser Vergleich vielleicht passender wäre:

Stellen Sie sich vor, die österreichische Bundesregierung würde von den Landeshauptleuten untereinander ausgehandelt werden - und der Nationalrat hätte dazu praktisch nichts zu vermelden (außer über formlose Absprachen zwischen Landes- und Bundes-Parteien...).

Ggg14
24.11.2009 20:56

Das ist allerdings genau genommen wirklich so. Oder glauben Sie irgendwer wird Kanzlerkandidat ohne Unterstützung aus Nö bei der VP oder Wien bei der SP.
und der Nationalrat hat wirklich nix zu melden.
Sogar der BP muss angeloben, wenn alles verfassungskonform ist.

Kowosch
 
24.11.2009 22:51
Wohl wahr

- aber immerhin hat der Nationalrat folgendes Recht (von wikipedia kopiert; ich entstamme einem anderen Land, bin da nicht von Geburt an mit Ö. vertraut...):

"In letzter Konsequenz hat der Nationalrat auch die Kompetenz einem einzelnen Mitglied oder der gesamten Bundesregierung das Misstrauen auszusprechen. Der Bundespräsident hat das betreffende Mitglied oder die Gesamtregierung daraufhin sofort ihres Amtes zu entheben."

Doch natürlich gibt es auch da das große Problem des faktisch bestehenden, obgleich verfassungswidrigen (? in D ist es das jedenfalls entsprechende "Fraktionszwang") Klubzwangs.

Ex-BP (D) R.v. Weizsäcker hatte ja schon mal die zerstörerische Macht der Partein allzu gut charakterisiert und kritisiert...

Ggg14
25.11.2009 23:29

Klar gibts den Misstrauensantrag, aber wie soll der zu einer Mehrheit kommen können, wenn die Regierungsparteien jedenfalls über 50% haben?
Totes Recht.

Soweit ich weiß, ist der Klubzwang durchaus durch die Verfassung gedeckt. Bin allerdings kein Jurist.

Susi Wolf
23.11.2009 17:08
DAss das EU-Parlament hier anständig die Zähne zeigt, ist das Beste, was der EU passieren kann.

Immerhin ist das Parlament nach meinem unmaßgeblichen Eindruck das einzige Gremium, das ein gewisses Gegengewicht zum kommissarischen Ausmauscheln bzw. zum Club der lustigen EU-Regierungschefs (aus EU-Sicht eher Provinzgouverneure) darstellt.

Ich freue mich über ein starkes EU-Parlament, auch wenn die EU-Parlamentarier derzeit noch ziemlich weit weg von ihrer heimatlichen Basis agieren. Aber dorten könnte schon etwas entstehen, das für das Lenken von Europa was bringt.

giseun
24.11.2009 00:35
... und hoffentlich legt es ein Veto ein!

Wenn das Parlament nämlich im Januar über Ashton befindet und sie für nicht tauglich hält, muss der Platz neu besetzt werden und zwar nach zwei Kriterien, die jetzt schon feststanden: 1. eine Frau und 2. eine Sozialdemokratin (West, Süd, Ost ist erstmal nicht so wichtig, die sind schon alle bedient).
Aber da zu diesem Zeitpunkt schon alle anderen KandidatInnen für die Kommission vorgeschlagen worden sind und Großbritannien (das für Ashton auf einen weiteren Vorschlag verzichtet) wohl keine andere Frau von gleichem oder besseren Format im Ärmel hat, hiesse das: Stühlerücken! Andere Kommissare raus, neue rein, der Rat müsste wieder abstimmen... und das nächste Mal würde das Parlament nicht mehr übergangen werden!!! Hehehe.

Christoph ************
23.11.2009 17:24

Sehe ich genauso. Schön, dass das Parlament Zähne zeigt und auch vollkommen gerechtfertigt.

didi111
23.11.2009 15:15
Die gute Ashton muß doch geeignet sein!!


Unser heimisher IQ-Tiger, der Faymann Werner, erklärt doch jedem Medium mit Inbrunst, daß sie schwer geeignet ist und das sei eigentlich seine Kandidatin ist.

Und sollte sich dieser fähige Mann so irren?

PS.:

Da er immer gegen den Fredl war wäre ich ihm persönlich diese Watschen, daß sie Ashton wieder ausladen , schwer vergönnt.

StandardLeser2
23.11.2009 15:07
Ggg14
23.11.2009 20:39

oder warens die Freimaurer, oder die Illuminati oder vielleicht doch infiltrierte Aliens?
Wer weiß, alles ist möglich.

venere nera
23.11.2009 13:20

ja, plassnik wäre gut,-)

velvet80
23.11.2009 12:54

eine Plassnik oder Ferrero-Waldner hättens bei so einer Prüfung durchgewinkt. Armes Heimatland.

Cecil
 
23.11.2009 13:41

Was hat eine Prüfung durch den Europäischen Rat mit "armes Heimatland" zu tun?

lanko
23.11.2009 17:05
vielleicht sieht er Europa als sein Heimatland?

Teleobjektiv1
23.11.2009 13:25

Also, durchgewunken wird im EP prinzipiell niemand. Solche Dinge kennen Sie vielleicht vom ö Nationalrat. Im Vergleich dazu tritt das EP in der Regel wesentlich selbstbewusster ggü Rat und Kommission auf als der Nationalrat ggü. der Bundesregierung.

Allerdings glaube ich auch, dass eine Plassnik gute Chancen gehabt hätte, vom EP akzeptiert zu werden und eine Außenkommissarin zu werden, die diese Rolle auch ausgefüllt hätte.

Bei Grinsekatze Ferrero Waldner bin ich mir da nicht so sicher. Ggü. Solana hat sie in den letzten fünf Jahren keinen Stich gemacht. Und sie hat in Brüssel den Ruf, nicht sehr strukturiert und organisiert zu arbeiten. Keine guten Voraussetzungen für jemanden, der eine 7.000 Mann Diplomatie aufbauen muss...

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