Prozess

Tödlicher Zugspitzlauf: Veranstalter beteuert Schuldlosigkeit

23. November 2009, 10:33

2008 kamen zwei Läufer bei Extremberglauf ums Leben

Garmisch-Partenkirchen - Im Prozess um den tödlichen Zugspitzlauf vom Juli 2008 hat der Angeklagte alle Vorwürfe bestritten. Er sei noch immer sehr betroffen von den zwei Todesfällen, sagte Peter G., der Geschäftsführer des Veranstalters Getgoing, am Montag vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen. "Ich möchte aber auch mit voller Überzeugung sagen, dass mich keinerlei Schuld an den Todesfällen trifft", sagte der 54-Jährige. Er sei den gesamten Ablauf des Veranstaltungstags noch einmal akribisch durchgegangen und könne nicht erkennen, warum er schuldig sein sollte.

G. ist wegen zweifacher fahrlässiger Tötung und neunfacher fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wollte es in dem Fall eigentlich bei einem Strafbefehl in Höhe von 13.500 Euro bewenden lassen, G. wäre damit nicht vorbestraft gewesen. Er akzeptierte den Strafbefehl aber nicht. G. will vor Gericht auch klären lassen, inwiefern bei derartigen Extremsportereignissen die Verantwortung beim Teilnehmer liegt. Er hatte in diesem Jahr trotz des Dramas bereits wieder einen Lauf organisiert.

Bei dem Lauf bei schlechtem Wetter waren im Sommer vergangenen Jahres ein 41-jähriger Mann aus Nordrhein-Westfalen und ein 45-Jähriger aus Baden-Württemberg an den Folgen von Erschöpfung und Unterkühlung gestorben, sechs weitere Teilnehmer mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die beiden Verstorbenen waren wie eine Reihe anderer Teilnehmer in kurzer Hose und T-Shirt zum Lauf auf die Zugspitze gestartet. (APA)

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t-bonesteak
01
24.11.2009, 13:05
wenn ich z.b. eine wildwasser-paddeltour machen will

muss ich mich auch entsprechend informieren und vorbereiten, d.h. a) einen paddelkurs machen, b) auf wildwasser trainieren und c) mich über den fluß den ich befahren will informieren. wenn ich das nicht tue, werde ich mit hoher wahrscheinlichkeit sterben.

und was den berg angeht: da gilt dasselbe. und man lernt schon in der volksschule, dass sich das wetter im gebirge binnen minuten drastisch ändern kann.

ich kann mit dieser us-mäßigen "verantwortung" des veranstalters nichts anfangen.

Stephan Fadinger
00
23.11.2009, 20:06
vor solchen extremveranstaltungen...

...kann man veranstaltern durchaus zumuten dass sie:

1) Eine verpflichtende Athletenbesprechung veranstalten und den Startern die Wetterlage und sonstige Gefahrenlage bekanntgeben

2) Dass sie je Wetterlage eine Pflichtausrüstung vorschreiben ohne die man nicht starten darf und wenn man sie im Ziel nicht vorweisen kann nicht gewertet wird. Für Berglauf wäre dass zB. : Haube, Handschuhe, Ärmlinge, Alurettungsdecke

3) Bei Hundsmiserabligstem Wetter kann man durchaus eine Freiluftveranstaltung absagen!

4) Und nach alldem ist immer noch jeder Starter auch für sich selbst verantwortlich: er kann starten oder nicht, aufhören oder nicht

parapente
00
24.11.2009, 11:34
Und selber ist man

für seine Gesundheit nicht verantwortlich - gell?

Stephan Fadinger
00
24.11.2009, 19:08
Haben sie Punkt 4) auch gelesen?

Natürlich ist jeder Starter dafür verantwortlich sein Hirn einzuschalten und entsprechend zu entscheiden.

Und: ein Veranstalter der Startgeld kassiert muss meiner Meinung nach auch ein bisschen mehr machen als am Start mit einem Kapselpracker in die Luft schießen.

ach, ach
11
23.11.2009, 16:14
na ja; ad sskm:

es gibt aber schon auch die verantwortung des organisators.
laufe ich einen marathon erwarte ich mir dass z.b. die strasse fuer den verkehr gesperrt ist. ebenso erwarte ich verpflegung; medizinische hilfeleistung (fuer den fall der faelle) o.ae. mehr.
ist gefahr im verzug, oder eben schlechtwetter im anflug, dann muss der veranstalter reagieren!
warnen, laufverbote aussprechen (bei unzureichender ausruestung), absagen etc.
schliesslich bekommen sie nicht zu letzt auch geld fuer die organisation der veranstaltung.
der einzelne laeufer kann/muss nicht bescheid wissen wie die verhaeltnisse oben am gipfel sind. das ist eindeutig sache der veranstalter und es obliegt ihnen die entsprechenden massnahmen zu treffen.

Trallali Trallala
02
23.11.2009, 20:25
ach, ach....

das klingt alles sehr logisch und "gscheit", was wir von dir lesen können. Doch in Krems vor ca. 9 Jahren hat mich 1. niemand gestoppt oder kontrolliert, weil ich wirklich Greenhorn zu viel an hatte und 2. ein junger Mann mit Herzfehler ist leider gestorben. Ist aber später erst ans Tageslicht gekommt, sein Herzfehler. Wenn ich Herzflimmern oder Vorhofflimmern zB habe, dann muss ich die Verantwortung für mein Tun selbst übernehmen. Auch wenn ich zB bei Zugspitzenlauf mich nicht vorher über Temperaturunterschiede etc. erkundige.

donaldinho
04
23.11.2009, 18:53
wenn ich mich recht erinnere

wurde nach dem lauf davon berichtet, dass einige der läufer die angebotene hilfe am berg sogar abgelehnt haben.

aber egal: ein erwachsener mensch, der einen berg rauflaufen will, muss - sofern er voll geschäftsfähig ist - soviel grips besitzen und extrabekleidung mitnehmen.

und bei einem hobbysportwettberb bis zur erschöpfung zu laufen ist auch nicht gerade ein zeichen von intelligenz.

Trallali Trallala
00
23.11.2009, 20:26
Ja ich kann dir nur Recht geben!!!!!!!!!!

Poldi Fesch
01
23.11.2009, 18:43
so in diese

Richtung wird das Urteil auch lauten, leider. Stimmt schon, ich musz unten nicht wissen, wie oben das Wetter ist, wissen musz ich aber, wenn es sich aendert, dasz es sich aendert.

tubu99
10
23.11.2009, 17:57

Genau !
verschlechtern sich Witterungsverhältnisse oben am Berg drastisch schon vor dem Start und der Verantstalter kann nicht nachweisen, das die Läufer von ihm über Mikrofon gewarnt worden sind mehr anzuziehen ist er dran.
Bin heuer einen Extrem-Mtb-Marathon gefahren und fuhr relativ weit hinten war aber noch in der Karenzzeit, da wurden vor der vereinbarten Zeit die Labestationen plötzlich weggeräumt und so schafften viele Mountainbiker die Karenzzeit in der ersten von 2 Runden nicht mehr weil sie entkräftet waren. Um juristischen Sanktionen aus dem Weg zu gehen haben sich die Veranstalter aus dem Staub gemacht und das Rennen egalisiert. Es taucht in der Gesamtwertung (6 Rennen) nicht auf. Haben Schiss gekriegt. Kein Einzelfall !

ad vocem
01
23.11.2009, 17:03
Klar müssen einzelne LäuferInnen nicht ...

... "nicht bescheid wissen wie die verhaeltnisse oben am gipfel sind"

Aber es schadet nicht, sich selber zu infomieren und letztlich kann es jede/r Teilnehmende SELBER ENTSCHEIDEN, den Lauf abzubrechen und Schutz zu suchen, wenn die Witterung eben doch anders ist, als (nicht) angekündigt.

Wenn für einen Marathon 15 Grad angekündigt sind und dann doch die Sonne rauskommt und sie laufen die Strecke in voller Montur in praller Sonne - bis der Kreislauf umkippt - dann wird man wohl auch kaum den Veranstalter in die Pflicht nehmen können ...

aber geh ;-)
01
23.11.2009, 18:30

naja, eine fleecejacke ausziehen und um die hüfte binden ist halt leichter als etwas anzuiehen, dass unten im tal liegt. ;-)

Poldi Fesch
01
23.11.2009, 18:44
und umdrehen

ist so schwierig ?

ad vocem
01
23.11.2009, 18:38
Schon klar.

Aber es ist durchaus zuzumuten, einen Wärmeschutz mitzunehmen.

Wenn sie auf den Berg gehen, werden sie sich ja hoffentlich auch vorher über das Wetter informieren und Wetterschutz mitnehmen, auch wenn es in der Früh gut ausschaut (oder eben gar nicht erst weggehen).

Nur weil es einen Veranstalter gibt heißt das mE nicht, dass man sonst auch übliche Vorkehrungen völlig außer acht lässt und sich nur auf Dritte verlässt ...

mitch21
03
23.11.2009, 16:22

und wenn der veranstalter nichts sagt, laufen Sie eben bis zum tode, sonst könnte Sie schließlich jmd. "weichei, warmduscher oder unmännl." nennen?

Club-der-dichten-Toten
03
23.11.2009, 16:21
ist gefahr im verzug, oder eben schlechtwetter im anflug, dann muss der veranstalter reagieren!

Wieviele Läufer haben da mitgemacht?
Wieviele waren mit entsprechender Kleidung unterwegs?
Wieviele waren mit nicht angepasster Kleidung unterwegs?
Und welche haben schlußendlich ein Problem bekommen?

Ich bin 100%ig sicher, dass sich genau die, die ein Problem bekommen haben, fürchterlich aufgeregt hätten, wenn der Organisator sie wegen unzureichender Kleidung nicht hätte starten lassen.
"Das kann ich selbst entscheiden", "mir wird eh immer viel zu heiß beim Laufen", etc. pipapo.

Es GIBT eine Eigenverantwortung der Läufer, nicht für alles kann der Organisator zur Verantwortung gezogen werden.

ach, ach
00
23.11.2009, 16:48
freilich! darum schrieb ich ja: auch

aber hier gehts darum: hat der veranstalter die laeufer auf das risiko/wetterbedingungen hingewiesen oder nicht.
entscheiden die laeufer: wurscht, ich lauf trotzdem.
sind sie sskm.
ich rede nicht von bevormundung, sondern davon dass eben auch die organisatoren ihren teil leisten muessen.
vielfach wird zwar gern das nenngeld genommen; viel geworben - und damit ev. auch nicht die professionellsten laeufer dafuer gewonnen.
und wer bitte schoen kann schon erfahrung im bergauflauf vorweisen? also sollte ich als veranstalter nicht nur dafuer werben, sondern auch auf die gefahren hinweisen.

readymate
02
23.11.2009, 15:45
Ein Veranstalter


muss immer auch für ausreichende Sicherheitsmaßnahmen sorgen!

Start- und Zielflagge aufstellen und Teilnahmegebühren kassieren ist zuwenig...!

.

Poldi Fesch
00
23.11.2009, 18:47
wenigstens konsequent

von einem, der sich so viel gern v. Staat beschuetzen laesst

die Resi-Tant Evil
00
23.11.2009, 18:09
Zustimmung


Nicht von ungefähr steht der "Beruf" des "Event Managers" im Ruf, von und für gelangweilte Zahnarzt Trophäengattinen erfunden worden zu sein, wenn zum einen Gnädigster der Hauptberuf Hausfrau nicht mehr langt, zum anderen aber langt es bei Gnädigster nicht für einen richtigen Beruf.

readymate
00
23.11.2009, 18:29
So?


Steht er in dem Ruch...?

Ich habe eher das Gefühl, dass Sie hier nur einer Obsession Luft machen wollen...!

.

NegR h.c.
07
23.11.2009, 15:43

"trotz des Dramas"

Welches Drama?

Sportler haben sich unzureichend ausgerüstet in ein gefährliches Unterfangen eingelassen.
Dabei sind Verletzungen erwartbar, keine dramatischen Überraschungen.

Ähnliches Beispiel: die hunderten Turnschuh-/Leiberl-/Geldbörsel-Wanderer am Traunstein.
Die schau'n mich immer komisch an, wenn cih mit Biwaksack, Wasser, Helm und Notration hinaufgeh...

Der Frühstücker
01
23.11.2009, 18:48

100% ihrer meinung!
nahezu jedesmal wenn ich am traunstoa unterwegs bin
sehe ich diese von ihnen beschriebene spezies ...

taul
 
00
23.11.2009, 17:03
Komisch

Ich würde Sie aber auch komisch anschauen, wenn sie aufgezählten Dinge aussen am Rucksack befestigt haben (sonst würde es ja keiner sehen!) ;-)).
Aber es stimmt, es gibt genügend Leute die nicht ausreichend ausgerüstetet sind bzw. einfach zu wenig Erfahrung haben.
Andererseits nur aus Fehlern wird man klug.

NegR h.c.
00
23.11.2009, 20:31

Naja, ein 10kg-Rucksack lässt sich auch von weitem von einem Geldbörsel unterscheiden (auch wenn nicht alles aussen hängt)... :P

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