Der Goldpreis setzt seine Rally fort und beginnt die Woche mit einem neuen Rekordhoch
Der Goldpreis setzt seine Rally fort und beginnt die Woche mit einem neuen Rekordhoch. Neben politischen und konjunkturellen Sorgen treiben vor allem Spekulanten den Preis für das Edelmetall nach oben.
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Frankfurt/Wien - Angst vor Inflation, politische Turbulenzen, ein schwacher Dollar und Spekulanten: Aus diesem Rezept ist die Rekordjagd beim Goldpreis derzeit gemacht. Am Montag hat eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls 1167,45 Dollar (788,02 Euro) gekostet - knapp 20 Dollar mehr als im späten Freitagsgeschäft.
Vor allem der schwache Dollar treibt die Anleger in Gold-Investments. Die US-Währung ist unter Druck geraten, nachdem ein führender Vertreter der US-Notenbank (Fed) eine Ausweitung der Wertpapierrückkäufe durch die Fed gefordert und einen langfristig niedrig bleibenden Leitzins prognostiziert hatte. Auch Unsicherheiten über die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung führen dazu, dass Anleger wieder vermehrt Gold kaufen.
Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg flüchten Anleger auch in Reaktion auf neue Spannungen im Nahen Osten in das sichere Gold. Der Iran hat am Wochenende ein großangelegtes Militär-Manöver begonnen, bei dem der Schutz der Atomanlagen des Landes trainiert werden sollte. Gleichzeitig drohte die islamische Republik damit, Raketen auf Israel abzuschießen, sollten seine Atomanlagen angegriffen werden.
Ein nicht zu unterschätzender Grund für die Goldpreisrally ist die hohe Nachfrage von Finanzinvestoren. "Es ist ganz klar, der Markt will die 1200 Dollar sehen", sagte LBBW-Rohstoffexperte Frank Schallenberger. Er weist darauf hin, dass Gold im Vergleich zu anderen Anlageklassen noch ein erhebliches Nachholpotenzial habe. Seit Jahresbeginn hat sich Kupfer um 130 Prozent verteuert, Blei sogar um 140 Prozent, Öl kostet mehr als das Doppelte. Der Preisanstieg beim Gold liegt bei vergleichsweise mageren 30 Prozent.
Neben den eher theoretischen Faktoren gebe es auch fundamentale Gründe für einen weiter steigenden Goldpreis, so Schallenberger. Zum einen kaufe Indien wieder mehr Gold für die Schmuckherstellung. "Aber ein viel entscheidenderer Punkt ist, dass Notenbanken inzwischen zu Netto-Käufern werden", so Schallenberger. Seit 2001 hätten die internationalen Notenbanken pro Jahr rund 500 Tonnen Gold verkauft. 2009 seien es gerade einmal 26 Tonnen gewesen, im dritten Quartal sei unter dem Strich bereits mehr Gold gekauft als verkauft worden. "Offenbar sind einige Notenbanken wie die indische, die chinesische oder die russische unterversorgt mit Gold", sagte Schallenberger.
Die Spannungen mit dem Iran schürten auch die Sorge vor einer Angebotsverknappung beim Rohöl, was den Preis ebenfalls in die Höhe treibt. Händler begründen den Preisaufschlag aber auch mit dem Anstieg der Ölnachfrage in China - das heißt Nettoimporte plus Produktion - um mehr als zehn Prozent im Oktober im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Ein Fass US-Leichtöl (WTI) kostete am Montag mit 78,42 Dollar 1,2 Prozent mehr als am Freitag, Nordseeöl stieg um 1,4 Prozent auf 78,31 Dollar. (Reuters, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2009)