Lässt sich das Format 1:1 übernehmen? Ab Jahreswechsel wartet Dominic Heinzl auf die gebührenzahlenden Zuseher
Die Vorbereitungen zur neuen Gesellschaftskolumne im ORF laufen auf Hochtouren. Ab Jahreswechsel wartet Dominic Heinzl, der mit Hi Society bei ATV seine Marke schuf, auf die gebührenzahlenden Zuseher. Im Zuge der Vorbereitungen tauchen einige grundsätzliche Fragen auf, die gegenwärtig offenbar auch Produktionsteam und ORF beschäftigen.
Lässt sich das Format 1:1 übernehmen? Teile im ORF meinen: ja. Andere fürchten die Beliebigkeitsfalle: Was wird zum Beispiel aus Heinzls Kolumnisten, die zweifelsfrei eher ins Private als in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehören. Wöchentlich verliest Krone-Kolumnist Michael Jeannée bei Heinzl seine Post. Die unter die Gürtellinie zielenden Rabiatbriefe zu übernehmen stünde dem ORF schlecht zu Gesicht. Verleger Christian W. Mucha liegt seit Jahren im Clinch mit Seitenblicke-Produzent Rudolf Klingohr. Für Mucha wäre es bestimmt eine diebische Freude, im Konkurrenzformat (des eigenen Senders, wohlgemerkt) weiterhin Promissar zu spielen. Aber was sagt Klingohr - oder ist das egal?
Überhaupt komisch wird es bei der Filmrubrik mit Rudolf John. Wird der Kurier-Kritiker im Ruhestand weiterhin für Heinzl ins Kino gehen und ORF-Filmleute wie P. A. Straubinger ersetzen? Und was, wenn alle drei verabschiedet werden? Wie kommt dann das neue Format in den Medien von Jeannée und Mucha, Krone und Extradienst weg? Schlechte Presse verunsichert in einer Phase allgemeiner Verunsicherung.
Wie auch immer die Sendung letztlich aussieht: Mit der Entscheidung, sich ein Format des Privatfernsehens zu holen, hat sich der ORF selbst in die Beliebigkeitsfalle manövriert. Man wird sehen, wie er da wieder rauskommt. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 23.11.2009)