EU-Zukunft ist fixiert: Staatenbund Europa

22. November 2009, 18:45

Die Personalentscheidungen des EU-Gipfels sind Resultate eines Kompromisses, der es ins sich hat

Man kann sich ärgern oder bloß enttäuscht sein: Die Personalentscheidungen des EU-Gipfels vergangene Woche sind konsequent. So wie das Grundgesetz der EU im Lauf der Monate verwässert und durch Ausnahmeregelungen (zuletzt die tschechische) abgeschwächt wurde, sind auch die neuen Top-Figuren Resultate eines Kompromisses.

Der aber hat es in sich. Denn im Verein mit dem Lissabonner Vertrag sind die Brüsseler Spitzen, was es im Wortsinn bedeutet: Dekoration, Verzierung, Behübschung eines für lange Jahre an sein Ende gekommenen Einigungsprozesses.

Dass Europa demnächst ein Bundesstaat wie die USA sein würde, das ist abgeblasen. Fixiert hingegen ist Europa als Staatenbund. Die Nationalstaaten dominieren weiterhin, nicht nur in der Kern-EU mit dem Euro als Währung. Die Polen und die Tschechen, die schon den EU-Vorläufer Österreich-Ungarn dank teutsch-ungarischem Starrsinn niedergestreckt haben, regieren von außen hinein.

Folgerichtig darf das Brüsseler Personal nicht allzu viel persönliches Rückgrat haben. Vermittler sind gefragt (derzeit sagt man "Mediatoren"). Wer wie Herman van Rompuy mit philosophischer Gelassenheit zwischen Wallonen und Flamen moderiert, mag daher ebenso geeignet sein wie eine selbst in England ziemlich unbekannte Baroness, die am Wochenende eine Patchwork-Familie managt.

Lieber das als ein "starker" Tony Blair, der sich wie sein Bush-Bruder nach veritablen Waffengängen sehnt. Oder ein polnischer Außenminister, der nach versäumten Gelegenheiten immer von Depressionen heimgesucht wird.

Dazu kommt das ausgeprägten nationalstaatliche Denken in den Mitgliedsländern. Hätte sich Sarkozy etwas von Herrn Blair sagen lassen? Oder Frau Merkel von Frau Freiberga? Die wollen nicht allzu Eigenständige in Brüssel. Kommissionspräsident Barroso ist so einer. Die Neuen scheinen ähnlich zu ticken. Wir werden es ja sehen.

Die Financial Times schrieb in ihrer Freitagausgabe, dass auch Washington und Bejing keineswegs so weit sind, mit "Europa" zu verhandeln. Für die - und natürlich auch für die Russen - sind nach wie vor Paris, London und Berlin die ersten Ansprechpartner.

Also ist Bescheidenheit angesagt - gelassener Stolz ob des Erreichten.

Vielleicht sollten wir deshalb auch einmal anders herum denken. Mitten in der Krise ist sogar den wankelmütigen und opportunistischen Österreichern eingefallen, was sie an der EU haben: einen Hafen, dessen Verwaltung manche Schiffe nicht im Griff hat, einiges an Schwarzhandel auch nicht. Der aber mehr Chancen und mehr Sicherheit bietet als eine von vielen, dem Wind und dem Wetter ausgesetzten Buchten. Auf einmal finden zwei Drittel der Österreicher die EU wieder ganz gut. Auf den Wien-Plakaten der FPÖ wird man das sicher nicht finden. So ein Mist, denken sich Strache und Vilimsky.

Gut so, denken sich viele Fans der EU. Jetzt kann vielleicht konzentrierter über zentrale europäische Anliegen nachgedacht werden. Über eine CO2-Steuer zum Beispiel oder über eine Steuer auf internationale Finanztransaktionen. (Gerfried Sperl/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 58
1 2
Allt sem ég fæ í dag, farið burt á morgun..
00
25.11.2009, 16:48

dieser artikel ist absoluter schwachsinn..

1116er
00
24.11.2009, 15:03
warum wird immer auf die schwäche und mangelnde bedeutung von rompuy und ashton verwiesen?

genau das ist doch DIE anforderung an politiker, egal ob eu oder national.
die wirklichen entscheidungsträger, die das sagen haben, sind doch eh nicht in der politik tätig, sondern sie treiben (weitgehend unsichtbar) im hintergrund ihre spielchen mit uns...

der tueftler
14
23.11.2009, 15:50
mit europa verhandeln...

...klingt nicht schlecht, ist aber völlig unrealistisch. was wäre passiert, wenn ein bekannterer - und damit untrennbar verbunden - manischerer selbstdarsteller wie zb schröder gewählt worden wäre? europa bzw. die mächtigen hätten sich vor aller welt und zum gaudium von russen und chinesen zerfleischt, vielleicht um so wesentliche fragen wie etwa wer wo am großen tisch platz nehmen darf.

rompuy erinnert mich eher an ghandi als an bush und reagan. und wir wissen alle, dass gerade in der ruhe und bescheidenheit viel kraft liegt... wer solche menschen unterschätzt wird meist überrascht.

StandardLeser2
01
23.11.2009, 15:22
Großer SPIEGEL-Artikel über CO2-Steuervorschläge

http://www.spiegel.de/spiegel/0... 08,00.html

Prädikat: lesenswert

Geh!danke
00
23.11.2009, 17:55
Danke für den interessanten Hinweis!

Demian Höllwarth
 
00
23.11.2009, 14:40

einen europäischen Andrew Jackson würde es brauchen, der es schafft eine europaweite Volksbewegung von unten zu kreieren und die direkte Einflussnahme des Volkes auf Rat und Kommission erhöht. Dass sich die Regierenden nicht weh tun und eine "Lichtgestalt" berufen, ist im nachhinein eigentlich klar. Sie müssten von innen her dazu gezwungen werden, aber nachdem die große Mehrheit immer noch nicht gecheckt hat, wie wichtig die Europäische Einigung prinzipiell wäre...

Es drängen sich Analogien zu den griechischen Stadtstaaten der Antike auf: an mangelnder Geschlossenheit politisch gescheitert...

Wischi-Waschi-Politik statt Europa ohne Wenn und Aber macht auf Dauer nur die Nationalisten immer stärker.

ruthwinkler
11
23.11.2009, 13:44
Dass Europa demnächst ein Bundesstaat wie die USA sein würde

ist spätestens seit dem Urteil von Karlsruhe widerlegt. Aber auch vorher hätte ein "Bundesstaat" nach US-Muster kaum Mehrheiten bei den Menschen Europas gefunden. Wieso träumen manche Journalisten solche Dinge zusammen, die eh nie zur Diskussion standen?

Kontra
00
23.11.2009, 15:29
Verfassungsgerichtshöfe können allerdings nur gemäß aktueller Verfassung entscheiden.

Und die Verfassung ist immer auch veränderbar!

Christoph ************
00
23.11.2009, 23:42

Nicht zu vergessen, dass die Beurteilung des Europäischen Parlaments auch nicht in Stein gemeißelt ist. Sollte die EU Wahl eines Tages eine demokratische Dynamik entwicklen wie aus den Mitgliedsstaaten bekannt, stürzt ein maßgebliches Argument des Verfassungsgerichtsurteils ein. Das ist natürlich ein Blick in die Zukunft und lediglich ein mögliches Szenario. Dass eine Stimme nicht überall gleich wert ist kann ja kaum alleine als Argument ausreichen, da würden viele Demokratien in der Welt als undemokratisch deklariert werden, nicht zuletzt die USA.

Armin Breuer
249
23.11.2009, 11:35
Was genau ist GUT an den "Vereinigten Staaten von Europa"?

Mehr Verwaltung? Mehr Bürokratie? Mehr Regulierungen? Mehr Steuern? Mehr Korruption? Mehr Polizeistaat? Weniger Souveränität? Weniger Freiheit?

Was?

Auf dem Weg zur NEW WORLD ORDER, zur Weltregierung. Ich kann NICHTS gutes daran erkennen. Dafür, dass wir als Österreicher nicht einmal darüber abstimmen durften ob wir das eigentlich wollten. Plattgefahren wie ein Frosch auf der Autobahn ...

Christoph ************
00
23.11.2009, 23:44

Ein Staat kann effektiver handeln als eine supranationaler Verbund welcher wiederum effektiver handeln kann als eine reine internationale Organisation.

Das sei vollkommen wertfrei gesagt.

zimbo
 
20
23.11.2009, 16:16
Mehr Umverteilung durch mehr Kriege.

In den USA haben 1% soviel, wie die restlichen 99%.

Das muss auch in Europa her.

StandardLeser2
10
23.11.2009, 15:25
wer "Vereinigte Staaten von Europa" will, hat nicht nachgedacht

Der Macher und Mann hinter den Top-Personalentscheidungen ist http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%... e_Davignon

einfach Rompuy als Textsuche eingeben, wer nicht alles lesen will :-)

vi-de dot com
 
21
23.11.2009, 15:23
besser eine Weltregierung

als das was Österreich in den letzten Jahrzehnten als Regierungen ertragen musste ...

zensur passiert
04
23.11.2009, 14:16
all das tun ihnnen ÖSTERREICHISCHE politiker in der HEIMAT an

und nicht die EU, das genaue Gegenteil ist der Fall, allein Wiens Beamtenheer ist größer als das der EU!

Graf Bobby
00
23.11.2009, 16:08

das ist unredlich. Der Wiener öffentliche Dienst bewältigt ganz andere Aufgaben (Spitäler, Feuerwehr, Standeswesen, Mll usw.) als die Organe der EU.

zensur passiert
00
24.11.2009, 00:17
EU: 600,000.000 Bewohner

Wien: 1,800.000 Einwohner
und bisher musste jedem noch so "dämlichen" Gesetz die österreichische Bundesregierung zustimmen, anders gesagt, ohne österreichische Mitwirkung gibt es das EU-Gesetz gar nicht. Da gibt es hierzulande noch viel dämlichere aber anscheinend "bessere" Gesetze weil die der österreichischen Durchschnittsintelligenz entsprechen

Orakel1
00
23.11.2009, 14:15
Sie brechen sich auch beim Nasenbohren den Finger ab.

Verwaltung ist ein Verbrechen
05
23.11.2009, 12:44
ja zu Europa, weil es einer Welt näher kommt, die es gäbe, wenn es nicht so viele machtsüchtige Psychos gäbe, also eine Welt ohne Grenzen und mit wenig Verwaltung ...

nein, EU ist nicht mehr Verwaltung, sondern weniger, wenn erstmal diese nationalen Barbareien überwunden sind und ein Europa der Regionen wirklichkeit wird. Dagegen kämpfen diese geistig armen Machtbonzen natürlich an, aber nationale Verwaltung muss Geschichte werden! Regionale Verwaltung auf Gemeinde oder Bundesländerebene und Verwaltung auf EU-Ebene, sonst nix und dann ist die EU weniger Verwaltung! weniger Bürokratie! weniger Regierungen! weniger Steuern! weniger Korruption! mehr Souveränität! und mehr Frieden und Freiheit!

Aber um das zu erkennen braucht man einen gewissen geistigen Rahmen ...

lehrerlämpel
20
23.11.2009, 12:26
weniger (lokal)patriotismus

weniger "mir san mir"

ich geh jetzt übrigens mein schnitzel essen :)

styx12
01
23.11.2009, 14:02

Der Lokalpatriotismus wird halt dann zum Europapatriotismus, wie er eh schon ansatzweise gepflegt wird (z.B. Europahymne und gemeinsame Währung). Die Aussenstehenden und Feindbilder werden dann halt USA, Russland oder China heissen.

lehrerlämpel
00
23.11.2009, 16:19
stimmt

langfristig sollte man dann global denken.

limonade
13
23.11.2009, 11:48
keine sorge!

..in den vereinigten staaten von europa wuerde ihnen niemand das geliebte wiener schnitzel wegnehmen.auch die sachertorte koennte sich an einem verbot vorbeischwindeln.
sie koennen also beruhigt schlafen.

NONE
31
23.11.2009, 14:01

Wen kümmert ein Schnitzel?

der tueftler
07
23.11.2009, 11:11
begehre nie ein glück zu groß, oder ein weib zu schön, sonst...

...könnt es der himmel in seinem zorn dir zugestehn.

einen europäischen bundesstaat nach us-vorbild wünsche ich mir nicht. das wäre um jahrzehnte zu früh!

die wahl der beiden personen ist konsequent, das stimmt, aber deshalb nicht weniger richtig. gerade jetzt braucht es kluge vermittler ohne drang zur selbstdarstellung. genau solche personen wurden ausgesucht. dass die neue außenbeauftragte eher in justiz- und handelssachen erfahrung hat, ist unschön, aber sie ist ein besonders sympathischer, umgänglicher mensch (ein verwandter kennt sie persönlich) und das erscheint jetzt eine sehr wichtige eigenschaft.
die erwähnung "baroness" ist eine ihrer unwürdige manipulation hr. sperl!

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