Keine Atom-Tauben im Iran

22. November 2009, 22:41

Oppositionelle Kräfte gegen nuklearen Deal und "Ausverkauf der Interessen"

Im Iran werden soeben die Anhänger der Opposition, die sich mit dem Ergebnis der Präsidentenwahlen im Juni nicht abfinden wollten, von den Gerichten hart abgestraft: Wer jedoch aus der offenen Spaltung der iranischen politischen Elite und Gesellschaft Rückschlüsse auf die inneriranische Debatte über den Atomstreit - hier die Tauben der Opposition, da die Falken des Regimes - ziehen wollte, irrt.

Gerade das Gegenteil ist der Fall: Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad wird nicht nur von rechten Hardlinern die Einwilligung zum von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) ausgearbeiteten "Atomdeal" - der Ausfuhr niedrig angereicherten Urans ins Ausland und dessen Weiterverarbeitung zu Brennstoff - erschwert, sondern auch von Kräften rund um die Opposition. Das Uran aus der Hand zu geben sei ein Ausverkauf der Interessen des Iran, sagen sie - vor allem angesichts der Gefahr, dass der Iran, wenn in dem zur Abwicklung des Deals vorgesehenen Jahr etwas schiefläuft, womöglich nicht einmal etwas zurückbekommt. Daher stammt die Forderung nach einem gleichzeitigen "Tausch" , und zwar, das einzig wirklich Sichere, auf iranischem Boden: Uran gegen Brennstoff.

Wobei die Rechten jedoch letztlich auf Ahmadi-Nejad hören würden. Sie wissen, aus ihm spricht His Master's Voice - die des religiösen Führers Ali Khamenei. Die anderen, deren Freunde soeben vor Gericht als "schlechte" Iraner verurteilt werden, würden Ahmadi-Nejad ein eventuelles Einlenken hingegen mit Genuss vorhalten und als die Wahrer der iranischen nationalen Interessen dastehen.

Wobei aber ein Nachgeben der internationalen Verhandler in dieser Frage schwer vorstellbar ist: Ein gleichzeitiger Tausch käme einem Kaufgeschäft gleich, der Iran würde ja quasi nicht sein eigenes, weiterverarbeitetes Uran zurückbekommen, sondern Brennstäbe erwerben. Das ist unter den bestehenden Uno-Sicherheitsratsresolutionen, die alle Atomgeschäfte mit dem Iran verbieten, nicht leicht zu rechtfertigen. Auch für den jetzigen IAEO-Plan müssten die Sanktionen schon teilweise "neuinterpretiert" werden.

Das iranische Regime kümmert dieses Argument wenig, denn es sieht in dem Deal sehr wohl - anders als von den internationalen Verhandlern beteuert - ein Abgehen von der Forderung nach einem prinzipiellen Urananreicherungsstopp. Die internationale Gemeinschaft wiederum nimmt dieses bewusste Missverständnis in Kauf, wenn sie dafür dem Iran die Möglichkeit entzieht, sein Uran weiter anzureichern, bis zur Waffenfähigkeit. Wobei niedrig angereichertes jedoch ohnehin laufend nachproduziert wird.

Obwohl es nicht kontroversiell, sondern nur in eine Richtung diskutiert wird, ist das Atomthema durch die umstrittenen Wahlen noch viel mehr ein zentrales innenpolitisches, ja ein Staatsthema im Iran geworden. Nur mit dem nuklearen Thema kann Ahmadi-Nejad so etwas wie einen nationalen Konsens herstellen. Dennoch wäre sein allergrößter Erfolg eine Annäherung an die USA. Um den USA auf gleicher Augenhöhe entgegenzutreten und einen "Grand Bargain" abzuschließen, braucht er - das ist zumindest die iranische Auffassung - wiederum das Atomprogramm.

Je härter Ahmadi-Nejad jetzt auftritt, desto leichter könnte er später einen Deal innen verkaufen. Aber durch diese Härte könnten ihm in der Zwischenzeit die internationalen Verhandlungspartner abhandenkommen, und zwar schneller, als er vielleicht glaubt. Je nach der Dramatik eines Abbruchs der Gespräche könnte sich die iranische Strategie verhärten: Geht heute die Mehrzahl der Analysten davon aus, dass dem Iran eine voll ausgebaute Atomoption genügt, könnte es dann wirklich um Waffen gehen.  (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 44
1 2
1116er
00
24.11.2009, 15:08
unverständlich

ist für mich diese angst vor einer atommacht iran.

1. die wahrscheinlichkeit, dass ein staat atomwaffen einsetzt, ist ungemein klein. ist bis jetzt auch nur zweimal vorgekommen...

2. die wahre gefahr geht von durchgeknallten einzelpersonen oder kleingruppen aus, die sich irgendwo solch eine bombe besorgen/bauen lassen.
und die dafür benötigten materialen bzw das knowhow lassen sich in sehr vielen ländern leichter besorgen als ausgerechnet im iran.

Oschus Mox
40
23.11.2009, 16:21
rund um die "Friedensnobelpreis"-Verleihung am 10. Dezember, in Oslo

wird Obama wohl doch nicht die Raketen gegen den Iran abschießen lassen. Dann ist Weihnachten und damit wird's wohl erst nächstes Jahr heiß werden.

Außer die Israelis gehen den Iranern jetzt schon in die Falle und beginnen einen Luftschlag gegen den Iran.

RichardRoe
00
24.11.2009, 08:06


Nein, die Israelis müssen vorher ihren Raketenabwehrschild zusammengebastelt haben. Der besteht teils aus US-Kriegsschiffen und teils aus israelischen U-Booten und teils aus in Israel selbst stehenden Radar- und Raketenstationen. Die Zusammenarbeit all dieser Teile wurde kürzlich getestet und scheinbar muß noch einiges nachgebessert werden. Auch der Raketenschirm gegen die Kassam / Silkworm der Hamas und Hisb'Allah funkt noch nicht. Die Hisb'Allah wird im Falle des Falles zumindest 10.000 Raketen Richtung Israel schießen. Andererseits liefern die Russen den Iranern die gekauften S300 Boden-Luft Raketen nicht - weil sie den Saudis eine volles S400 System verkauft haben und die das so verlangt haben.

tartaros
12
23.11.2009, 15:24
Ahmadi-Nejad hat neue Freunde

wie beispielsweise Erdogan, Putin und Chavez
fehlt nur noch Mugabe, Gadaffi und Kim Jong-il
dann wäre die Achse der Wahnsinnigen perfekt

eagle13
 
20
23.11.2009, 15:24
Im Iran würden Politiker, wie sie in Europa herumlaufen eine Halbwertzeit im Sekundenbereich haben. Man sollte bedenken, das iranische Offiziere sich freiwillig zum Kampf gegen den von der USA aufgestachelten Irak aus den Gefängnissen meldeten, um

die Heimat zu verteidigen, obwohl sie immernoch Treu dem alten Persien waren. Natürlich kann man anführen, dass die Front besser als der Knast ist. Nur im Iran ist der Waffendienst ein Ehrendienst und wenn es Zivis gebe, so würden sie von der eigenen Familie verstoßen. Generell gilt, dass der Iran sich durch ein entgegenkommen erpressbar machen würde. Daher gibt es nur eine Möglichkeit für den Iran erst die Brennstäbe dann da Uran in das Ausland. Denn wer vertraut schon dem Westen?

Georg Schütt
02
23.11.2009, 10:30
Ich bezweifle, dass es der Opposition darum geht, den "Ausverkauf nationaler Interessen" zu verhindern.

Zunächst kann man durchaus geteilter Meinung sein, ob es sich um ein nationales Interesse handelt, den Atomkonflikt weiter eskalieren zu lassen. Eine einvernehmliche, friedliche Lösung wäre durchaus auch im Interesse des Iran.

Zum anderen ist gerade die Atompolitik ein wichtiges Thema, um die Situation im Iran nicht zu vergessen. Wie im Iran mit der Opposition umgegangen wird, interessiert doch um so mehr, als wir es mit einer potentiellen Nuklearmacht zu tun haben.

Das heißt, die Opposition hat aus meiner Sicht ein Interesse daran, dass der Atomkonflikt weitergeht; und dafür ist eine starre Haltung sinnvoll. Nicht um die eigenen Uran-Vorräte geht es der Opposition, sondern darum, international nicht völlig vergessen zu werden.

papst benedikt
33
23.11.2009, 14:31

was für eine gemeine zwickmühle: der böse ahmadi will die atombombe und die brave opposition steht in dieser frage hinter ihm. jetzt sind die redaktionsstuben aufgerufen, dieses dilemma schönzuschreiben, sonst kommt das angenehme schwarzweiss bild noch ganz durcheinander ;-)

diamant
02
24.11.2009, 16:36
Fuer mich ist das nur ein Zeichen wie tief der Wunsch nach

atomarer Bewaffnung in der iranischen Gesellschaft verwurzelt ist.
Fuer mich ein weiteres Indiz dass das Land an der Bombe baut, was im Iran ja sowieso kaum jemand bestreitet....

Oschus Mox
21
23.11.2009, 16:22

nur das nicht!

d_parker
01
23.11.2009, 10:19
Wenn der angebotene Anreicherungsdeal einen Ausverkauf von Interessen darstellt, dann einen der Interessen der int. Staatengemeinschaft.

Die UN-SC-Resolution 1737 ist doch recht eindeutig, das hat mit "Neuintepretation" nichts mehr zu tun. Für das strategische Gesamtbild dürfte zwischen einer voll ausgebauten Atomoption und Waffen kaum ein Unterschied bestehen.

"The Security Council,
[...]
2. Decides, in this context, that Iran shall without further delay suspend the
following proliferation sensitive nuclear activities:
(a) all enrichment-related and reprocessing activities, including research and
development, to be verified by the IAEA; and
(b) work on all heavy water-related projects, including the construction of a
research reactor moderated by heavy water, also to be verified by the IAEA; [...]"

http://www.iaea.org/NewsCente... s1737-2006

RichardRoe
00
23.11.2009, 09:42

Ob Khamenei der Master von Ahmadi Nejad ist, ist nach der putschartigen Präsidentenwahl zu bezweifeln. Es scheint so als hätte sich das Verhältnis von Khamenei zu Ahmadi Nejad umgekehrt. Khamenei hat verkündet, dass es kein Todesurteile wegen der Proteste geben würde. Was haben wir? Die ersten Todesurteile. Es gibt einige Anzeichen dafür, dass nun Ahmadi nejad das Ruder in der Hand hat. Wie er sich mit Rafsanjani einigen wird, das ist die große Frage. Deshalb läuft der Moussavi ja noch frei herum.

readymate
02
22.11.2009, 21:12
Wenn's da nicht mal zu einem Atom-Taubenschießen kommt...!

raymond a
42
22.11.2009, 20:25

Harrers Ansichten, wonach ein Embargo gegen die Atombestrebungen des Mullahstaates nur zu einer Verhärtung der Strategie und damit erst zu "Waffen" führen würden, entspricht genau dem, was sich das Mullah-Regime von westlichen Journalisten erwartet.

http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/09/2... eferanten/

die veröffentlichten Jubel-Postings für das Atomprogramm der Mullahs sollen Harrers Ansichten auch noch als ausgewogen darstehen lassen

papst benedikt
32
23.11.2009, 09:44

na wenn das aus ihrem pentagonfinanziertem sperberblog hervorgeht, muss es ja stimmen ;-)
was meint fox news dazu?

dekorhippe
12
23.11.2009, 18:14
wie immer:

andere meinung = bezahlt

*gähn*

Brücke
710
22.11.2009, 19:34

Sg. Fr. Harrer ,
etwa 20 000 real existierende Atombomben beherrschen und bedrohen die Erde .

Dieses künstlich medial gepushte
vielleicht-möglich Herumgetue um eine
iranische Atombombe bedient us/nato und israelische , z.T auch saudiarabische Machtinteressen im Nahen Osten .

Abrüstung kann nur in einer auf Konsens basierenden internationalen Abrüstung stattfinden .
Unter gegenwärtigen Bedingungen fühlen sich Staaten zurecht bedroht . Die Konsequenz ist eine Spirale der Aufrüstung .

. Diogenes
11
23.11.2009, 13:36
Komisch

Jedes neue Atomkraftwerk in der Nachbarschaft Österreichs wird mit Vehemenz bekämpft obwohl eines mehr oder weniger ja auch das Kraut nicht fett macht. Aber bei Atombomben wollen wir mal nicht so sein, die werden eh nur auf Tel Aviv abgeladen, das geht uns ja nichts an....

Clemo
20
23.11.2009, 00:56
Beherrschen und Bedrohen

Wie jeder weiß, beherrschen Ratten die Welt, nicht wir Menschen oder gar Atombomben...

Ich stimme zu, Atombomben sind eine Bedrohung. Aber die Welt beherrschen, Nein. Sie sind eines von vielen Mitteln in gewissen Situationen, das gewissen Staaten (durch deren Machthaber, Menschen) die Macht geben kann, andere zu beherrschen.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass unsere Welt sehr vielfältig ist und nicht auf die simple Aussage, dass Atombomben die Erde beherrschen, reduziert werden kann. Ich persönlich werde von keinem beherrscht, wenn auch viele Menschen und Sachen auf mich Einfluss haben bzw noch viel mehr Menschen und Sachen auf mich Einfluss haben könnten.

Carlito336
28
22.11.2009, 19:30
Abbruch der Gespräche - na und?

Das wird der Iran locker verkraften.

Warum sich wohl die USA und ihre Gefolgschaft dagegen wehren, den Tausch Brennstäbe gegen Uran zu machen? Was führen sie denn im Schilde?

der Rabe
13
23.11.2009, 14:00
Die USA wollen vor allem den Krisenherd am Lodern halten


und damit ihre militärische Präsenz in der Region begründen.
An einer Eskalation haben sie sicher kein Interesse, das würde sie überfordern und ihnen damit das Genick brechen.
Ich glaube auch, dass dem Iran im Moment keine Gefahr droht.
Militärische Drohungen - Maulhelden
Wirtschaftsdrohungen - wer hat das Öl?

karl radek1
13
23.11.2009, 15:17
Die Präsenz in der Region ist den USA sicher wichtig

Die Straße von Hormus und der Persische Golf sind ja so was wie die Einfahrt in den Ölhafen.
Wer dort seine Kriegsschiffe hat, immer schön Flagge zeigt, hat auch Chancen, dass Öl in seiner Währung fakturiert wird.


Ava Tar
1014
22.11.2009, 19:07
Es sind 200 Krankenhäuser

von den Strahlungsquellen abhängig (Krebspatienten, Strahlungstherapie, etc)

Der Iran hat gesehen, wie der Westen im Irak 500.000 Kinder sterben ließ (Embargo)

Der Westen ist kein vertrauenswürdiger Vertragspartner

er erweist sich in dieser Weltgegend immer wieder als kaltblütiger Massenmörder

Ich würde mich auch nicht darauf verlassen. In 3 Jahren ist der lächelnde Obama weg, und was dann?

RichardRoe
40
23.11.2009, 09:50

Niemand hätte im Iraq sterben müssen, doch Saddam und seine Clique haben medizinische Geräte und Medikamente prompt verscherbelt. Die Oil-for-food Initiative wurde von Saddam zur persönlichen Bereicherung und zur Stillhaltung der zahllosen irakischen Gruppen benutzt. Jede andere story ist schlichte Propaganda.

pepitant
00
29.11.2009, 20:02
Ms Albright hat die Frage, ob

sie verantworten könne, dass im Irak auf Grund des Embargos jährlich 50.000 Kinder sterben, mit einem einfachen Ja beantwortet.
Die Reaktionen der Medien ? - Heftiges Entschlafen des Themas. Nur nicht anstreifen.

Wessen Story ist schlichte Propaganda ?

Christian S
00
3.12.2009, 02:49
Sie haben eine Null vergessen

Albright wurde nach 500 000 Kindern gefragt.

http://www.youtube.com/watch?v=FbIX1CP9qr4

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 44
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.