Mutmaßungen über ein Hans-Moser-Stück

22. November 2009 18:19

Dass Franzobel im Auftrag des Wiener Josefstadt-Theaters an einer szenischen Biografie über Hans Moser arbeitet, hat zu einer kleinen Aufregung geführt

Wien - Die seit geraumer Zeit bekannte Tatsache, dass der heimische Autor Franzobel im Auftrag des Wiener Josefstadt-Theaters an einer szenischen Biografie über Hans Moser arbeitet, hat unlängst zu einer kleinen Aufregung geführt.

Franzobels Text werde sich um Mosers Rolle im Nationalsozialismus nicht herumdrücken - so wurde eilfertig ausgestreut, ohne dass irgendjemand das fertiggestellte Stück gelesen hat (Uraufführungstermin: 25. Februar 2010). Es blieb FPÖ-Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner vorbehalten, Moser vorsorglich in Schutz zu nehmen. Franzobel solle sich unter den ",meistbeschäftigen Künstlern der Gegenwart' umschauen", in seinem Umfeld gebe es "sicher genug Personen, die sich durch ein ,politisch korrektes' Verhalten auszeichnen". Franzobel antwortete, dass sein Stück in der Gegenwart spiele. Es gehe um den "Hans Moser in mir", und darum, "wie man sich anständig gegenüber einer Partei wie der Ihren, wenn sie an der Macht ist, verhält." (poh, DER STANDARD/Printausgabe 23.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2
cannery row
24.11.2009 12:56
tja..

auch das schwingen der populismuskeule will gelernt sein.. oder: eine gute provokation wächst nicht auf bäumen.
nebenbei, moser hatte eine jüdische frau, von der er sich auch nach interventionen des regimes (gegen das er kritisch auftrat) nicht trennte. sein fehler in franzobels augen (oder wem immer dieser himmelschreiende unsinn einfiel) war, zu überleben.

Bromer
24.11.2009 01:26

Ob sich Hans Moser das Stück verdient hat, weiß ich nicht.
Von einer FPÖ-Nuß mit derart dummen Worten in Schutz genommen zu werden, hat er sich jedenfalls nicht verdient.

Plaats van Samenkomst
23.11.2009 14:32
Bitte auch ein Stück über den Nazi Richard Eybner!

STIHL 026
23.11.2009 10:18
dieser wahnhafte nazi-fetischismus heimischer künstler ist nur mehr schwer auszuhalten

readymate
23.11.2009 16:16
Beim "Kettensägen Massaker"


was abgekriegt, NullZwoSechs...?

.

Thehillibillywilli
23.11.2009 16:00
warum?

ist 26 ihr Geburtsjahr?

Außerirdischer
23.11.2009 14:06
Zitat: "ohne dass irgendjemand das fertiggestellte Stück gelesen hat"

Dank an @wackelkanditat für die erheiternden Momente!

STIHL 026
23.11.2009 14:14

im kurier war bereits ausführlich über den inhalt dieses klamauk-stücks zu lesen.

Außerirdischer
23.11.2009 14:41
Es wird nichts an ihrer Meinung ändern, aber die Inhaltsbeschreibung eines Stückes ist nicht das Stück selber!

Man muß kein ganzes Weinfaß austrinken um den Wein beurteilen zu dürfen, aber die Kostprobe sollte schon vom Wein sein und nicht von einer Beschreibung! Meine Meinung!

Susanne Peschina2
23.11.2009 09:17

....Arbeitet er an dem Stück....
Ob es so spannend und erhellend wie Klaus Manns "Mephisto" wird, bleibt also abzuwarten!



Karli wien
23.11.2009 12:53

und ob es so tragisch und romanitsch wie Shakespeares "Romeo und Julia" wird, bleibt auch abzuwarten!


Caroline Schmelz
22.11.2009 23:32
franzobel

ist ein windiger vielschreiber und spekulant, ein glattauer für wohlhabende, der offenbar eine provokation für die samstagnachmittag-abonnenten der josefstadt (generation 80 plus) beabsichtigt. andere betrifft ein anklagestück über einen 1960 verstorbenen schauspieler, der sich zudem im dritten reich halbwegs akzeptabel verhalten haben dürfte, nämlich nicht. als sich elfriede jelinek mit dem stück „burgtheater" in den lawinenhang gestellt hat, waren bis auf paul hörbiger alle hauptpersonen noch am leben. dass nur keiner auf die idee kommt, das zu vergleichen!

Außerirdischer
23.11.2009 14:17
Wie sehen sie dann einen Shakespeare (tot) der über einen Julius Cäsar (sehr lange tot) schreibt?

Es kann sein, dass sie ein durchaus hellsichtiges posting verfaßt haben, über die Josefstadt, franzobel usw.

Trotzdem ist das Argument, ein Autor dürfe nur ein Stück über lebende Personen verfassen, die sich auch verteidigen können, ganz und gar nicht nicht haltbar!

Siehe die gesamte Weltliteratur, Filme, Theatstücke, Hörspiele über Hitler, Stalin, Augustinus, Einstein, Franz von Assisi, Jesus...

Caroline Schmelz
23.11.2009 19:07
sagte ich ja nicht.

es ist nur billig, risikolos und durchschaubar, sich an einem (übrigens genialen) kasperl der großelterngeneration schadlos zu halten, um sich ein krawallsüppchen zuzubereiten. an die jelinek habe ich erinnert, weil sie die damals als (noch) lebende ikonen verehrten hörbigers verdient dermaßen hart genommen hat, dass ihr morddrohungen zugegangen sind. franzobel bekommt höchstens beim verbeugen ein hörgerät an die birne geschleudert, hat aber seine publicity.

nebenerwerbsposter
23.11.2009 07:22

und wer wäre dann ihrer meinung nach ein "glattauer für bedürftige"?

Caroline Schmelz
23.11.2009 18:25
den will ich mir gar nicht

vorstellen müssen. barylli eventuell?

Bromer
24.11.2009 01:24

Doris Knecht. Klaus Nüchtern. Rainer Nikowitz.

Caroline Schmelz
24.11.2009 06:24
sehr trefflich,

aber bitte polly adler nicht vergessen. da ist mir sogar der glattauer noch beim bobo lieber als diese figuren, von denen ich allerdings nikowitz vorsichtig auszunehmen erwäge.

ilusionist
23.11.2009 17:01

phettberg

Plaats van Samenkomst
23.11.2009 14:28
No, der GLATTAUER!

Caroline Schmelz
23.11.2009 00:04
noch was:

dass irgendwelcher ruaß gegen das stück protestiert, ist noch kein qualitätszeichen per se.

Robert Waloch
23.11.2009 13:45
Auch "Schmelz"

ist kein solches Zeichen - net amal per se...

Karli wien
23.11.2009 12:54

behauptet das wer?

cyber ferkel
23.11.2009 11:12

dass irgendwelcher ruaß FÜR das stück agiert, ist auch kein qualitätszeichen per se.

wackelkandidat
23.11.2009 05:21
noch was:

Zitat: "ohne dass irgendjemand das fertiggestellte Stück gelesen hat"

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.