Neue Ideologie

Putin schwört Russland auf Veränderungen ein

22. November 2009 18:12

Russlands Regierungspartei versucht Spagat zwischen Stabilität und Modernisierung - Kritik kommt vom Präsidenten

Die Wirtschaftskrise ist auch an der russischen Regierungspartei Einiges Russland (Jedinaja Rossija) nicht spurlos vorübergegangen. Der 11. Parteikongress in St. Petersburg fand im Vergleich zum Vorjahr in deutlich abgespecktem Rahmen statt. Gespart wurde nicht nur beim angemieteten Saal, sondern auch beim Buffet.

Die Krise verfolgte die rund 600 Delegierten aber auch in den Reden von Regierungschef Wladimir Putin und Präsident Dmitri Medwedew. Die Wirtschaftskrise habe gezeigt, dass es ein Land teuer zu stehen komme, sich den Innovationen zu verweigern, Ressourcen zu verschwenden und zu viel Bürokratie zu haben, sagte Putin. Es gebe zwar Anzeichen, dass der Abschwung in diesem Jahr weniger tief als befürchtet ausfallen wird. "Das bedeutet aber ganz und gar nicht, dass die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, automatisch verschwinden", sagte Putin.

Der Regierungschef forderte "große Veränderungen", damit Russland in zwei bis drei Jahren wieder das wirtschaftliche Niveau vor der Krise erreiche. Putin kündigte einen harten Anti-Inflations-Kurs, Investitionen von rund neun Milliarden Euro in die Hightechbranche, die Erhöhung der staatlichen Rüstungsaufträge um 8,5 Prozent, sowie eine Abwrackprämie für russische Autos an.

Das Hauptaugenmerk der Kongressteilnehmer galt jedoch dem Zusammenspiel zwischen Putin und seinem Nachfolger Medwedew. Der russische Präsident hatte vor eineinhalb Wochen in seiner Rede zur Lage der Nation einen Modernisierungskurs für die russische Gesellschaft gefordert. Medwedew legte bei seiner Rede vor dem Parteikongress sogar noch nach. Die Partei, die von Putin geführt werde, müsse lernen, im offenen Wettstreit Wahlen zu gewinnen. Damit griff der Präsident die Kritik der Opposition auf, die der Regierungspartei bei den Regionalwahlen im Oktober massive Wahlmanipulationen vorwarf. "Demokratie ist für das Volk da, nicht Parteien", sagte Medwedew.

Trotz der Bemühungen des russischen Führungstandems, Geschlossenheit zu demonstrieren, orteten Beobachter Anzeichen von Verunsicherung in der Partei. Denn während Medwedew unentwegt die Modernisierung predigt, verabschiedete die Putin-Partei am Wochenende ein neues Programm im Zeichen des "russischen Konservatismus". Die Modernisierung unter dem Banner des Konservatismus herbeiführen zu wollen sei eine harte Nuss, sagte der Politologe Gleb Pawlowski laut der russische Tageszeitung Gazeta. Denn: "Der Kampf gegen den Konservatismus ist eine Voraussetzung für die Modernisierung."

Der russische Journalist Maxim Trudoljubow versuchte in der New York Times, die offensichtlichen Widersprüche zwischen Präsident und Regierungschef zu erklären. Demnach würden Putin und Medwedew die Bevölkerung nicht als Wähler, sondern als Publikum sehen. Während der eine die Zielgruppe der Älteren und Etablierten bedient, spricht der andere für die Jüngeren und die internationale Gemeinschaft. Die Widersprüche in ihren Aussagen seien daher nicht politisch zu sehen, sondern rein taktisch. Nachdem Putins Publikum größer ist, kann er mehr durchsetzen als er ankündigt, während Medwedew mehr ankündigt, als er durchsetzen kann, schreibt Trudoljubow. (Verena Diethelm aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2009)

Kommentar posten
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Sushi Pizza Science
 
21.12.2009 03:11

russen sind halt gut/böse bzw. schwarz/weiss empfindlich. daher ist es schwierig "was zu verändern". es war eh nie besser, wenn man ehrlich ist war die russische vergangenheit sogar viel schwierigier. also, lassen wir ihnen ihr system langsam werkerln. solange keine blutigen revolutionen gut und böse austauschen, seh ich kein problem in russlands langsamer "entwicklung". sie probieren es zumindest auf eine gewisse symbolische art.

papst benedikt
28.11.2009 12:17

schon wieder "the change". eigentlich müsste der standard jetzt jubeln und kirchengast sollte putin zum messias erklären ;-)

rechterungustl
23.11.2009 18:18
Gleichschaltung

Tut mir leid, aber ich kann einfach keinen Unterschied zwischen den russischen und europäischen Medien in Sachen Gleichschaltung und Kritiklosigkeit gegenüber den Mächtigen erkennen. Und ich bezeichne mich als Russlandkenner. Ich verstehe nicht warum dieses Russlandbashing bei uns so beliebt ist. Nachwirkungen der antislawischen Propaganda des NS- Regimes? Oder gar der antikommunistischen West- Propaganda?

Alexei Pavlov
25.11.2009 18:30

Woher soll auch dieser Unterschied kommen, wenn die meisten russischen Medien bzw. deren Inhaber die westliche Medienlandschaft eifrig kopieren.

papst benedikt
24.11.2009 10:23

wie in russland gehören auch bei uns die medien nicht dem volk, sondern kleinen gruppen, die interessen haben und durchsetzen wollen, und deren machtstruktur nicht demokratisch sondern diktatorisch angelegt ist. und während in russland politischer einfluss die freiheit der medien diskreditiert, tut es bei uns ökonomischer (anzeigenkunden) oder einfluss der eigentümerseite...
bei uns lügt man sich freiheit und unabhängigkeit nur lauter vor...

zimbo
 
24.11.2009 08:07
Bashing von Zeitung oder Poster ?

War heuer im Urlaub mit einer Ruissin unterwegs.Manche Leute sind, wenn Sie hörten, woher sie ist, kurz zusammengezuckt.
Schätze es sind die dämlichen Nachtfilme, wo die Bösewichte immer einen russischen Akzent haben.
Und Xenophobie ist ja auch was verbreitetetes.
RT ist relativ kritisch, vermisse sowas in Ö.

diamant
 
24.11.2009 10:01
Probierens sies mal mit der Krone.....

Alexei Pavlov
25.11.2009 18:32

Warum nicht mit dem Inhalt der Flasche?

Oder haben Sie die schon leer gesaufen?

zimbo
 
24.11.2009 12:31
Die Krone ist schon ok, da wird oft die Pro-EU-Propaganda entlarvt.

http://www.oe24.at/welt/welt... 322441.ece

diamant
 
24.11.2009 14:30
Na dann ist ja alles gut.....

papst benedikt
24.11.2009 11:32

mach ich eh. meine krone ist lachsrosa ;-)

max 1231
 
23.11.2009 13:43
die können sich nicht verändern

dazu sind russen viel zu konservativ und eingefahren. was vielleicht wieder kommen wird sind die üblichen kosmetischen wischi waschi.

Alpenrambo
23.11.2009 16:56
Also...

Es hat in Russland noch nie eine Regierung gegeben, weder in St. Petersburg/Leningrad noch in Moskau, die eine taugliche Antwort darauf gewusst hätte, wie man dieses riesige Land mit 11 Zeitzonen regieren kann.

max 1231
 
23.11.2009 18:57
das ist eine mentale sache die russen haben das stadium des neutralen regierens noch nicht erreicht, die sind im grund total totalitär durchwirkt von militär, geheindienst usw. die

brauchen wenigstens noch 3 generationen um demokratietauglich zu werden. ich hab in 1989 meiner sekretärin in moskau, der natascha, die hatte zwei todkranke eltern in der wohnung plus einen mann der zu nichts zu gebrauchen war und eine tochter die unbedingt ein mann werden wollte, gesagt, warte mal in 10 jahren wird alles besser sein, jedoch ich hab mich kollosal und mega geirrt, ich hätte sagen sollen in 50 jahren, vielleicht wirds dann besser. es ist eigentlich eine totale schande des menschlichen kreativen geistes wenn man sieht dass ein land wie russland auf dem niveau von obervolta dahindümpelt. der einzig der dies jemals in worte fasste war der deutsche altkanzler schmidt der sagte russland = obervolta mit A raketen und er hatte recht

Alexei Pavlov
23.11.2009 20:44

Es scheint, Ihr Fehler mit 10 vs. 50 Jahren war keine Ausnahme.

"russland = obervolta mit A raketen "

Schmidt war wohl nicht so dumm, um es zu sagen. Das Zitat gehört der eisernen Maggi.

Und sie lag auch hier falsch: Der Unterschied zwischen der SU und Obervolta bestand eben darin, daß die SU Hochtechnologien, die für die Nukes notwendig sind, eben besaß, und zwar noch in den 40ern. Und Obervolta ...

sljudanka
23.11.2009 18:27
Altes Märchen von "Nichtregierbarkeit": kein Volk ist regierbar oder unregierbar (o.k. mit Ausnahme gewisser afrikanischer Regionen)

Kanada, die USA oder Brasilien sind auch "regierbar".

Die Fehlvermutung, dass nur mit autoritären Methoden ein grosses Land regierbar ist, ist bullshit.

G. Kasparov hat das beim Interview gesagt: "es ist absoluter nonsense, dass Russland nicht "reif" für Demokratie ist. Genauso könnte man sagen, dass Ostdeutschland oder NOrdkorea nicht reif für die Demokratie ist, weil die Deutschen oder Koreaner eben so sind.
Der Fall der Mauer hat das GEgenteil bewiesen....

Sibirien ist zwar riesig, die Orte reihen sich aber entlang der Transsib auf, sonst - riesige Leere mit einigen Rohstoffstädten!!
Genauso könnte Kanada oder Alaska auch "unregierbar" sein, nur weils so gross ist.

ÜProbleme sind eher im Kaukasus anzutreffen -> Islamismus.

rm2000
23.11.2009 12:46
Jetzt geht´s los?

Emil+ Andabak
 
23.11.2009 12:11
Putin und die Reformen

Es war Zeit, dass Russische Fuehrung begriffen hat, dass man alleine mit dem Export von Rohstoffen kein Land voranbringen koenne. Es ist zu hoffen und zu wuenschen, dass es dem Land und Menschen nuetzlich ist. MfG. Emil Andabak

diamant
 
23.11.2009 11:27
Neue Gesichter braucht das Land.....

aniac amoniac
23.11.2009 10:13
Russland

sollte damit anfangen, den Prem/Dikator Putin und Medwedevitsch los zu werden. Am besten die Mafiachefs am roten Platz haengen; dann wird sich die Reinigung von selbst vollziehen!

papst benedikt
23.11.2009 13:39

das wird nicht so einfach sein, einen soros oder beresowsky am roten platz zu hängen...

Alexei Pavlov
23.11.2009 20:46

...denn die beiden standesgemäß auf das Köpfen im Tower warten.

Lalai Dama
23.11.2009 13:12
Am besten wäre

eine neue Revolution

wireless
23.11.2009 10:12

zwischen demokratie predigen und diese dann auch zulassen bzw. eigene macht abgeben liegen welten! leider

Dr Mabuse
23.11.2009 08:43
oje...

http://www.disbelief-film.com/indexDE.htm

...wenn putin einschwört,
sterben immer menschen...

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