Hahn droht in Brüssel Verlust von Kompetenz

22. November 2009, 18:06
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    foto: apa/jäger

    Beim Wechsel auf den Posten eines EU-Kommissars dürfte Wissenschaftsminister Johannes Hahn in Brüssel Kompetenzen verlieren.

Kommissar für Umwelt, Forschung abgespeckt - Erste Machtkämpfe: EU-Parlament zeigt Ashton die Zähne - eine Analyse

Brüssel/Wien - Beim Wechsel auf den Posten eines EU-Kommissars erwartet Wissenschaftsminister Johannes Hahn in Brüssel eine Einschränkung von Kompetenzen. Sowohl das Dossier für Umwelt als auch jenes für Forschung, für die Hahn laut Regierungskreisen im Gespräch sein soll ("Zukunftsressort"), dürfte in der neuen EU-Kommission an Bedeutung verlieren. Präsident José Manuel Barroso wird nach der Nominierung des letzten ausstehenden Kandidaten durch ein Mitgliedsland umgehend mit der Zuteilung der Kommissarsdossiers beginnen.

Es wird einen eigenen Klimaschutzkommissar geben, der Teile der "Umwelt" übernimmt. Deutschland fordert für "seinen" neuen Industriekommissar Günther Oettinger dem Vernehmen nach Teile der "Forschung": die budgetintensive industrienahe Forschung. Freuen dürfte sich Dänemark. Da bisher kein passender Agrarexperte nominiert ist, dürfte Ministerin Kjer Hansen nominiert werden - als Agrarkommissarin.

Das EU-Parlament drängt unterdessen auf rasche Anhörung der neuen EU-Außenministerin Catherine Ashton.

* * *

Schon diese Woche könnte die neue "Hohe Repräsentantin für die Außen- und Sicherheitspolitik", Catherine Baroness Ashton, im Europäischen Parlament eine erste Erklärung über künftige Ziele abgeben. Bei den EU-Abgeordneten in Straßburg wächst der Unmut über den Umstand, dass Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Britin ab 1. Dezember mit Inkrafttreten des EU-Vertrages von Lissabon auch als Vizepräsidentin mit voller Kompetenz und Stimme in der derzeitigen Interimskommission installieren will. Dies geschähe ohne Anhörung und Zustimmung im Parlament, wie das für alle Kandidaten im Vertrag an sich vorgesehen ist. Die Wahl der Kommission wird frühestens Mitte Jänner erfolgen. In den Fraktionen überlegt man, das Hearing der EU-Außenministerin vorzuverlegen oder das im außenpolitischen Ausschuss zu behandeln.

Wie vom Standard berichtet, scheint Barroso bemüht, gegenüber dem EU-Parlament ein deutliches Zeichen des guten Willens zu setzen. Was vordergründig nur nach einer kniffligen Rechtsfrage aussieht, ist in der Sache ein Vorspiel für künftige Machtkämpfe. Die Kür der außenpolitisch völlig unerfahrenen Ashton und des in EU-Belangen ebenso unbeleckten belgischen Premiers Herman Van Rompuys zum ständigen Ratspräsidenten hat drei klare Sieger und zwei Verlierer hervorgebracht.

Die Sieger: Zunächst einmal Barroso selbst. Er gilt als nicht gerade profiliert und mutig gegenüber den Staats- und Regierungschefs. In Ashton, die ihm seit Oktober 2008 als Handelskommissarin diente, muss er wenig Konkurrenz fürchten. Barroso bleibt der Stärkste unter den relativ Schwachen.

Als zweiter Sieger dürfen sich die großen EU-Länder fühlen, neben Frankreich und Deutschland vor allem Großbritannien. Ashtons Kür wird in Brüssel als Meisterstück der Einflussnahme durch eine EU-skeptische britischen Diplomatie auf die Union gesehen. Über Ashton könnte London den künftigen riesigen EU-Diplomatieapparat auf Jahrzehnte prägen.

Als Verlierer bleiben demgegenüber die beiden wichtigsten EU- Institutionen übrig - das EU-Parlament und die Kommission. Sie sollten durch den neuen Vertrag von Lissabon eigentlich mehr Entscheidungskompetenzen und stärkere Führungspersönlichkeiten mehr Einfluss bekommen. Das muss von den Neulingen nun erst einmal aufgebaut werden. Mit-Verlierer sind damit aber auch die kleinen EU-Länder.

Mitte der Woche will Kommissionspräsident José Manuel Barroso beginnen, die definitive Zuteilung der Zuständigkeiten seiner neuen Kommissare vorzunehmen. Vier Länder hatten bis Freitag noch nicht nominiert.

Hahns Kompetenzproblem

Wie berichtet, soll der Franzose Michel Barnier das einflussreiche Binnenmarktdossier bekommen, der deutsche Günther Oettinger die Industrie. Offen ist noch, inwieweit Oettinger jene Teile des Forschungsressorts bekommt, die mit angewandter industrienaher Forschung zu tun haben, sprich mit großen Budgetmitteln. Sollte Wissenschaftsminister Johannes Hahn Forschungskommissar werden, wie von Bundeskanzler Faymann angedeutet, könnte er weniger Kompetenz haben. Gleiches wird gelten, sollte Hahn Umweltkommissar werden: Barroso wird dieses Ressort aufspalten, einen eigenen Kommissar für Klimaschutz installieren.

Das mächtige Agrarressort, das Ex-Vizekanzler Wilhelm Molterer bekommen hätte können, dürfte Dänemark zufallen, das seine Agrarministerin Eva Kjer Hansen nominieren dürfte. Barroso hat keinen Kandidaten mit Agrarkompetenz, weil Rumänien seinen Kandidaten zurückziehen soll. (Thomas Mayer aus Brüssel /DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2009)

Kommentar posten
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Sternchen100
02
24.11.2009, 11:53

Wozu brauchen die Hahn dann, wenn sowohl Umwelt als auch Forschung ohnehin eigene Kommissäre erhalten, die könnten den Mini-Rest von Hahn wenn schon gleich selbst machen!

Christine P.
 
01
24.11.2009, 11:04
Ein zweitklassiges Ressort für einen zweitklassigen Politiker.

Was soll die Aufregung? Wenn man Hahns Agieren bei den Studentenprotesten sowie seine letzte Äußerung - lieber Studiengebühren zu verlangen, als mit Deutschland über eine Ausgleichszahlung zu verhandeln - beobachtet hat, dient es der Schadensbegrenzung, wenn sein Einfluss nicht allzu hoch ist. Warum wir ausgerechnet das Agrarressort besetzen sollten, ist unverständlich. Die österreichische Bevölkerung besteht nicht nur aus Bauern. Auch wenn die Strukturen der ÖVP dies vermuten lassen. Zudem hat ein Kommissar nationale Interessen hintan zu stellen. Darüber hinaus ist die Behauptungung, Molterer hätte das Agraressort bekommen, völlig unbeweisbar. Besser wäre gewesen, die ÖVP hätte Ferrero-Waldner benannt.

ABC123
00
25.11.2009, 13:40

ist zweitklassig nicht zu gut?

iohui
21
24.11.2009, 07:27
was für eine unverschämte farce

für was braucht man agrarerfahrung, wenn außenpolitikerfahrung auch nicht nötig ist? ashton soll laut orf.at angeblich eh nur eine neue behörde mit mehreren tausend neuen beamten, die auch alle von nix a ahnung haben, einrichten. daneben ist der völlig ungeeignete hahn eh nur ein klitzekleines übel.

aber das ganze fügt sich mehr und mehr zu einem klaren bild:
die eu bringt für uns in allem das denkbar niedrigste qualitätsniveau.

wir werden den tag des beitritts zu diesem aufgeblasenen verfilzten grauen einheitsnichts verfluchen, wenn wir endlich draufkommen, welchen tollen standard wir für diesen untersten durchschnitt unwiederbringlich geopfert haben.

Fernchen
00
25.11.2009, 08:39
Ich hoffe Ihnen ist bewusst, dass

... Mrs. Ashton lange Zeit Komissarin fuer Aussenhandel war - ihr demnach zu unterstellen, sie haette keine Erfahrung mit Aussenpolitik waere falsch.

Klarerweise ist das Vertreten der Wirtschaft und das Vertreten der Politik zwei Paar Schuhe, aber ich glaube kaum, dass der Unterschied so gross ist, dass man Ashton "absolut keine Ahnung" zu haben.

iohui
00
25.11.2009, 09:49

das steht im artikel
"...Die Kür der außenpolitisch völlig unerfahrenen Ashton und des in EU-Belangen ebenso unbeleckten belgischen Premiers Herman Van Rompuys..."

Sternchen100
02
24.11.2009, 11:56

Die EU bringt uns nicht nur das niedrigste Qualitätsniveau, sondern auch absolute Hörigkeit zur USA (Nato), zur WTO und zur Weltbank. Der Bürger zählt immer weniger, die Demokratie zählt immer weniger, nur die Oligrachen und multinationalen Konzerne regieren, ihrem Profit darf gar nichts im Wege stehen. Kein Bürger, kein Staat, kein Gesetz.

ministry of silly walks
00
27.11.2009, 02:34
Kopfschüttel

Für mich ist es völlig unverständlich dass gerade jetzt wo so viele fragwürdige Dinge im Zentrum der EU passieren, die Zustimmung in Österreich am höchsten ist.

iohui
00
25.11.2009, 10:34

ja. auf der einen seite finde ich es empörend, dass die beteiligten politiker und beamten offensichtlich das stück vom kuchen, das sie für das heranzüchten dieses desaströsen systems bekommen, für gross genug halten, um vor sich zu rechtfertigen, 500 mio. von ihnen abhängige eu-bürger ins verderben zu führen,
auf der anderen seite ist mir unbegreiflich, wie die so verblendet sein können, zu glauben, dass sie selbst nach beendigung ihrer politischen karriere bis zu ihrem lebensende - und auch ihre eigenen familien, kinder, enkel... - NICHT unter diesen immer menschenunwürdigeren machtverhältnissen zu leiden hätten.

Student der Magie
02
23.11.2009, 21:00
Verlust der Kompetenz

doch schon alleine der Kompetenz selbst wegen, die sich im Auftreten wiederspiegelt;)

das ist alles sehr kompliziert!
 
03
23.11.2009, 18:59

Da soll noch einer behaupten, Hahn könne in Brüssel nichts bewegen!
Noch bevor er überhaupt seinen Posten antritt, verändern sich schon seine potentiellen Ressorts.

amber103
00
23.11.2009, 18:54
Europäisches Kaiserreich für Robert Heinrich I.

Bei unseren Politikern hat sich das Peter-Prinzip voll durchgesetzt. Es werden nur noch solche Personen mit hohen Posten die den aktiven Politikern nicht mehr gefährlich werden können.

So bekommen wir eine von Fachwissen unbeschwerte Aussenkommisarin, eine neoliberale Agrarkommisarin ohne Argarwissen, einen Kommisar aus Österreich, für den gar kein Ressort passt. Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Offensichtlich wollen uns unsere Politiker die Vorteile einer Monarchie durch schlechtest mögliches Vorbild schmackhaft machen. Ich schlage mal Kaiser Robert Heinrich I. vor.

Sternchen100
02
24.11.2009, 11:58

Richtig, warum überlassen wir nicht gleich den Hintermännern der WTO, Europa zu regieren. Statt einer gefakten Demokratie gleich Diktatur. Der Reichste darf schon Weltherrscher spielen.

Christine P.
 
00
24.11.2009, 11:17
Leider hat der persönliche Machterhalt

für nahezu alle PolitikerInnen höchste Priorität. Anstatt der EU mit einem populären Ratspräsidenten ein "Gesicht" zu geben und so die europäische Identität zu stärken, versuchten Staats- und Regierungschefs sich jede auch nur scheinbare Konkurrenz vom Halse zu schaffen. Deshalb wurde auch eine Direktwahl des Kommissionspräsidenten abgelehnt. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Vielleicht schafft es gerade der unspektakuläre Van Rumpoy dem neuen Amt Glanz zu verleihen. Delors Amtsausübung als Kommissionspräsident war seinerzeit auch nicht in dieser aktiven Form geplant.

ich finde keinen namen
04
23.11.2009, 18:36
wie kann jemandem wie dem ÖVP gockel

kompetenz abhanden kommen, wenn er nie welche hatte...ciau gio !!

ministry of silly walks
00
27.11.2009, 02:38
ich traue mir zu sagen...

...gegenüber einem Öttinger ist er eine Lichtgestalt.

rosa parks
05
23.11.2009, 18:33
je weniger kompetenzen....

...hahn hat, desto weniger kann er kaputtmachen. am besten sollte er bei vollen bezügen spazierengehen. dann beschränkt sich der schaden auf das gehalt.

amber103
03
23.11.2009, 18:29
Eva Kjer Hansen - Über Risiken und Nebenwirkungen informieren Sie sich am besten gar nicht.

Eva Kjer Hansen ist ein Vertreterin einer Rechtsliberalen Partei, für die die wachsende ökonomische Ungelichheit kein Problem darstellt. Das reicht um dänische Sozialminiterin bleiben zu dürften.

Dass die ausgebildete Journalistin irgend eine Ahnung von Landwirtschaft hätte, ist nicht überliefert.

Die Sektkorken der Industie knallen vermutlich schon, und wir dürfen uns auf billiges Käse- und Wurstimitat freuen, dass sich auch die dann arbeitslosen Bauern leisten können.

Über Risiken und Nebenwirkungen informieren Sie sich am besten gar nicht, sonst würde Ihnen der Appetit vergehen.

Wer glaubt, dass es egal sei, wer Agrarkommisar wird, dem ist auch sein tägliches Essen recht egal.


Beati pauperes spiritu
02
23.11.2009, 18:21
Die Überschrift ist ja diesmal Gold wert :) "Hahn droht in Brüssel Verlust von Kompetenz"

Kleine Zwischenfrage: hatte der Mann jemals Kompetenz? ;)

Therimon
02
23.11.2009, 18:20
Die Kompetenz einer Person kann doch nicht ins Negative rutschen, oder?

Ansonsten verliert die Funktion, die angestrebte vielleicht an Einfluss, OK.

Hadik1
02
23.11.2009, 18:13
Wo nichts ist, kann nichts verloren gehen

"Hahn droht in Brüssel Verlust von Kompetenz"

Hahn hat schon in Wien nicht viel Kompetenz gezeigt, sonst müssten die Studenten jetzt nicht demonstrieren. Verloren an Kompetenz und Ansehen hat einzig Österreich, das einen Versager der heimischen Politik nach Brüssel abschiebt.

Oppositioneller Schwarzmaler
02
23.11.2009, 17:56
Der Schläfer mit Woody Allen!

Eine Frechheit dass man soviel Geld hat einen Hahn nach Brüssel zu schicken und dort zu unterhalten!
Schastrommel statt Blechtrommel!
Und gleichzeitig auch noch die Marek als Clubchefin - ÖVP Du gehst bergab!

der unverbesserwisserliche
05
23.11.2009, 17:50

coq au vin - hahn beim weinen

Christ in der Zeit
00
23.11.2009, 17:48
Apropos: DIE EU IST UND BLEIBT DAS GRÖSSTE FRIEDENSPROJEKT

Da kommt es auf die Kompetenz von Gio Hahn nicht wirklich an !

luxx
00
23.11.2009, 17:46
Lasst uns Feiern!

Nicht nur, dass dieses neue Resort eines der wichtigsten ist - die einzigartige Kompetenz Österreichs in Umweltfragen ist geradezu prädistiniert für diese Besetzung!
Umgekehrt wars in Brüssel auch klar: wenn schon beim Umweltschutz abspecken, dann aber nachhaltig!

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