Hypo Alpe Adria droht beim Leasinggeschäft ein Abschreibungsbedarf von 1,4 bis 1,7 Milliarden. Die OeNB bewertete die Hypo zu optimistisch
Wien - Ein sehr großer Teil der Probleme, mit denen die Kärntner Hypo Group Alpe Adria kämpft, liegt im Bereich des Leasinggeschäfts, besonders in Kroatien und Bulgarien. Das ergibt sich aus dem Bericht zur Sonderprüfung, den die Wirtschaftsprüfer Deloitte und PriceWaterhouseCoopers (PwC) gerade fertigstellen. Wie berichtet, besitzt die Hypo in Österreich eine Leasing Holdinggesellschaft, deren Töchter in Südosteuropa große Räder gedreht haben.
Die Crux dabei: Leasinggeschäfte werden in den Nicht-EU-Ländern nicht zum Bankgeschäft gerechnet, die lokalen Aufsichtsbehörden haben daher nicht die Möglichkeit, Einschau zu nehmen. Diese Geschäfte spiegeln sich daher auch nicht im ohnedies schon kritischen Prüfbericht der österreichischen Finanzmarktaufsicht wider, der nach monatelanger Vor-Ort-Prüfung der Hypo unter Einbeziehung der lokalen Aufsichtsbehörden 2007 erstellt wurde.
Notleidende Kredite
Für die Hypo Leasing wird es dem Vernehmen nach auch groben Abwertungsbedarf geben: Sie wurde nach Bekanntwerden der Spekulationsverluste des Jahres 2004 (flogen 2006 auf) von 44 Mio. Euro auf rund 900 Mio. aufgewertet - damals beriefen sich die Banker auf ein Gutachten aus dem Jahr 2004, das sogar noch einen höheren Wertansatz erlaubt hätte.
Insgesamt dürfte der Wertberichtigungs- und Abschreibungsbedarf bei 1,4 bis 1,7 Mrd. Euro liegen, neben den Leasingproblemen hat sich die Zahl der notleidenden Kredite vor allem am Balkan massiv erhöht, zudem haben die Wirtschaftsprüfer bei ihrem Asset-Screening "in vielen Geschäftsbereichen in vielen Märkten flächendeckende Betrugsfälle aufgestöbert", sagt ein Involvierter. All das sei in der Zeit vor dem Einstieg der Bayern geschehen.
Für Diskussionen sorgt auch eine Nationalbank-Prüfung vom Vorjahr. Weil die OeNB die Ertragslage der Bank äußerst positiv einschätzte, wurde die Bank als nicht notleidend (nicht distressed) eingestuft und die Staatshilfe von 900 Mio. Euro genehmigt. Für 2009 und die Folgejahre wurden von der OeNB laut Profil sogar Gewinne erwartet. Tatsächlich wird heuer aber ein Verlust von mehr als einer Milliarde eingefahren.
Vom Ergebnis der OeNB-Prüfung hingen die Konditionen für das Staatsgeld ab, die Höhe der Zinsen etwa (bei kranken Banken sind es bis zu zwölf Prozent). Gemäß EU-Regeln müssen nämlich die Konditionen für absturzgefährdete Banken wesentlich strenger sein, damit die staatliche Hilfe nicht als verdeckte Beihilfe gilt.
Keine ausführliche Prüfung
Eine ausführliche Prüfung oder gar ein Asset-Screenig wie jetzt lag dieser Befundaufnahme der Notenbanker nicht zugrunde - wohl aber ein genauer Zeitablauf: Zuerst schossen die Bayern 700 Mio. Euro an Kapital in die Hypo ein, was ihre Eigenmittelquote über die gesetzliche Mindestquote hob, und dann erst diagnostizierte die OeNB, dass die Bank "sound", also gesund, sei. In der Folge schoss der Staat 900 Mio. Euro Partizipationskapital ein, was die Eigenmittelquote auf 8,2 Prozent schraubte. Fallengelassen hätte man die ehemalige Kärntner Landesbank damals aber in keinem Fall: Sie galt und gilt als systemrelevant, weil ihr Sturz die gesamte Bankenlandschaft in arge Mitleidenschaft gezogen und einen Dominoeffekt ausgelöst hätte.
Der Streit, wer nun die rund 1,5 Mrd. Euro an dringend nötigen Eigenmittel in die Hypo Group Alpe Adria einschießen wird (die BayernLB fordert, dass die österreichischen Minderheitsaktionäre Grawe und Land Kärnten ihre rund 500 Mio. Euro beitragen oder eben die Republik einspringt), geht unterdessen weiter, demnächst soll es ein Treffen der Bayern mit dem Finanzminister geben.
Stand der Dinge: Kärnten wird gezwungen werden, einen Beitrag zu leisten, denn "es geht nicht darum, die Aktionäre der Bank zu retten, sondern darum, ihre Gläubiger und den Finanzmarkt zu schützen", bringt es ein Banker auf den Punkt.(Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23.11.2009)