Demo gegen Faschismus auf Wiener Ringstraße - Mit Video
Wien - Im Zusammenhang mit dem umstrittenen
Burschenschafter-Kommers in der Wiener Hofburg haben am Samstagabend linke Gruppierungen am Ring gegen Faschismus demonstriert. Die
Polizei zählte rund 500 Teilnehmer. Zeitgleich fand auch die Aktion
"Wiener Lichter" hinter dem Rathaus statt.
Die Demonstranten trafen sich vor der Universität und zogen gegen
19.00 Uhr gegen die Fahrtrichtung am Ring zur Hofburg. Laut
Polizeiangaben kamen rund 500 Teilnehmer, die Aktion verlief
gesittet. Die Protestierer forderten in Sprechchören unter anderem
"Nieder mit der FPÖ" oder "Nazis aus der Hofburg raus".
Unterstützt wurden sie von Audimax-Besetzern, so stand etwa auf
einem Plakat "Unis besetzen, Nazis räumen". Aufmerksamkeit erregte
der Demozug bei den Besuchern des Christkindlmarkts vor dem Rathaus.
Hinter dem Rathaus fand unterdessen die Aktion "Wiener Lichter"
statt, bei der Kerzen symbolisch gegen die "dunkle Vergangenheit"
entzündet wurden.
"Spontankundgebung" vor der US-Botschaft
Die Demonstration hatte sich gegen 21.00
Uhr vor der Universität aufgelöst. Ein Teil der Protestierenden zog sich ins besetzte Audimax zurück. Insgesamt haben sich an der
Aktion laut Polizeiangaben rund 500 Personen beteiligt.
Zu vereinzelten, aber weitgehend unspektakulären
Ausklängen der Antifaschismus-Demonstration am Ring kam es in Wien am
Samstagabend um die Universität und die US-Botschaft, nach Angaben
der Polizei gab es eine Festnahme nach einer Attacke auf einen
Exekutivbeamten.
Vor der US-Botschaft in der Boltzmanngasse in Wien-Alsergrund
versammelten sich nach Polizeiangaben rund 60 Personen zu einer
"Spontankundgebung".
Kurzfristig etwas lebhafter zu ging es im Zuge der Auflösung der
Kundgebung in der Nähe der Uni, wo eine Gruppe Vermummter drei
Passanten attackierte. Die Polizei schritt ein, im Zuge der
Identitätsfeststellungen wurde ein Beamter attackiert, worauf eine
Person festgenommen wurde.
Strache: Kommers friedlich
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat am Samstag
betont, dass es sich bei dem umstrittenen Festkommers der
Burschenschafter in der Wiener Hofburg um eine "friedliche
Veranstaltung" handle. Schon im Vorfeld habe man aber "deutlich
erkennen können, wie es in Österreich im 21. Jahrhundert um die
Versammlungs- und Meinungsfreiheit bestellt ist", kritisierte Strache
bei einer Pressekonferenz die angekündigten Gegendemonstrationen.
Linke Gruppierungen würden "bewusste Hetze" gegen die
Burschenschafter betreiben.
Die "Vorväter" der Burschenschafter hätten stets für Demokratie
und Freiheitsrechte gekämpft, meinte Strache, der bei der
Veranstaltung auch die Festrede halten wird. Daran wolle man sich bei
der Feier anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Burschenschaften
erinnern.
Die angekündigten Gegendemonstrationen kritisierte der FPÖ-Chef
heftig: Dem "linken Lager" gehe es nicht um eine objektive Debatte,
sondern ausschließlich um "Hetze und Hass gegen eine demokratische
Bewegung".
Warum sich die Medienöffentlichkeit der Veranstaltung auf eine
Pressekonferenz mit ihm und dem Dritten Nationalratspräsidenten
Martin Graf (FPÖ) beschränkt, wollte Strache nicht ausführlich
kommentieren: Er wisse nichts davon, dass man Medienvertreter
zunächst zum Kommers eingeladen und dann wieder ausgeladen hatte. In
der Vergangenheit sei die Berichterstattung aber oft "einseitig" und
"diffamierend" gewesen. Ein Sprecher der Burschenschafter bat
daraufhin um Verständnis, dass die Feier "nicht gestört" werden
wolle.
SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas nannte Straches Auftritt
beim Kommers unterdessen "peinlich". Statt an Lösungen für ein
friedliches Zusammenleben interessiert zu sein, widme sich der
FPÖ-Chef lieber "im Kreise dubioser Gestalten ewiggestrigem
Gedankengut, Deutschtümelei und absurden Ritualen", meinte sie in
einer Aussendung. Straches Auftritt sei aber "wenig erstaunlich", da
sich die Freiheitlichen in den vergangenen Jahren zum "Auffangbecken
von Burschenschaftern aus rechtsrabiaten Studentenverbindungen"
entwickelt hätten. "Bezeichnend" ist für Rudas außerdem, dass Medien
bei dem Kommers nicht zugelassen sind.
Bei der Veranstaltung der Burschenschafter werden über tausend
Teilnehmer aus ganz Europa erwartet. Die Polizei hat aufgrund der
Gegendemonstrationen ein umfangreiches Platzverbot rund um die
Hofburg ausgesprochen. (APA/red)