Die Angst der Fremden

21. November 2009, 18:57

Wie sicher fühlen sich MigrantInnen in Österreich? Eine Studie zeigt, dass subjektive Bedrohungen nicht gleich verteilt sind

Von der „Angst vor den Fremden" ist oft die Rede. Doch welche Ängste haben „die Fremden" selbst? Über das Sicherheitsgefühl der Zugewanderten wurde kaum geforscht - und was man erforscht hat, wird scheinbar gern ignoriert. So geschah es zumindest bei der unlängst veröffentlichten Integrationsstudie" im Auftrag des Innenministeriums: Zwanzig Prozent der Mehrheitsbevölkerung hätten bereits negative Erfahrungen mit Zugewanderten gemacht, so hieß es da - demgegenüber hätten 60 Prozent der (türkischstämmigen) Zugewanderten schlechte Erlebnisse mit der Mehrheitsbevölkerung gehabt. Der Studienautor spricht von einem „augenfälligen Ungleichgewicht" - in den Presseaussendungen findet sich dennoch nichts darüber.

Nicht genug Sicherheit für alle

Für Kriminalsoziologen Arno Pilgram ist das symptomatisch: „In Politikerpredigten wird das Gefühl vermittelt, es sei nicht genügend Sicherheit für alle da." Geknǘpft daran sei die Frage: "Wer gehört zu uns und wer nicht?"

Grund genug fürs Sozialforschungsinstitut SORA, sich der Frage zu widmen, wie sicher sich in Österreich jene fühlen, die gemeinhin als „Fremde" definiert werden. In anonymen, qualitativen Interviews wurden Zugewanderte gefragt, wodurch sie sich bedroht sehen. Dem Projekt „SALOMON Next Step", das von SORA, der Sigmund Freud Privatuni und dem Forschungsinstitut des Roten Kreuzes initiiert wurde, liegt ein breiter Sicherheitsbegriff zugrunde: Alles, was Angst macht, beeinträchtigt das Sicherheitsgefühl, so die Annahme - und dazu gehören nicht nur die Angst vor Raub, Diebstahl und Verkehrsunfall, sondern auch die Angst, den Job zu verlieren, zu verarmen, zu vereinsamen.

Angst, zweitrangig zu sein

Ängste wie diese sind universell. Dennoch zeigt die SORA-Studie deutlich, dass es ganz migrantenspezifische Faktoren sind, die unter Zugewanderten für ein erheblich gesteigertes Unsicherheitsgefühl sorgen können. Befristete Aufenthaltstitel, Diskriminierung bei Behördengängen oder auf der Jobsuche, das Gefühl, aufgrund des Aussehens - Stichwort Hautfarbe oder Kopftuch - schlechter behandelt zu werden - all das führt zum Gefühl, es könne ständig irgendetwas passieren.Krankenstände werden nicht angetreten, weil die Angst vor einer Kündigung zu groß und die Erinnerung an die letzte langwierige Jobsuche noch zu stark sind.

Dazu kommen ganz alltägliche Ängste: Die Furcht, sich beim Deutsch-Sprechen zu blamieren, die Scheu, am Amt noch einmal nachzufragen, weil man die Rechtsauskunft beim ersten Mal nicht verstanden hat. Irgendwann führt das zum diffusen Eindruck, alle schlechten Erfahrungen geschähen nur deshalb, weil man nicht so heißt, aussieht oder spricht wie ein „gstandener Österreicher". Auch wenn die Benachteiligung nicht immer gleich bewusste Diskriminierung ist. .

Künstlich erzeugte Unsicherheit

Dass die Ängste vieler Zugewanderten quasi künstlich erzeugt werden, gibt Angela Magenheimer von Ehe ohne Grenzen zu bedenken. „Unsicherheit entsteht hauptsächlich durch das Fremdengesetz", sagt Magenheimer. Die Tatsache, dass dieses in den letzten Jahren mehrfach geändert wurde, trage nicht gerade zum Sicherheitsgefühl der Betroffenen bei.

Was passiert, wenn sich Menschen in ihrer Umgebung unsicher fühlen? Sie ziehen sich zurück oder werden aggressiv, erklärt Alfred Pritz, Leiter der Sigmund Freud Privatuni in Wien. Da beides gesellschaftlich kaum erwünscht ist, lohne es sich, Sicherheitspolitik einmal auf anderes zu konzentrieren als „objektive" Faktoren wie Terrorismus oder organisierte Vermögenskriminalität.
Zumal das subjektive Sicherheits-Gefühl sich ohnehin wenig durch politische Sicherheitsmaßnahmen verstärken lässt - im Gegenteil, meint Ogris: „Wenn ich an jeder Ecke einen Polizisten sehe, dann wittere ich Gefahr, und nicht Sicherheit". (mas, derStandard.at, 21.11.2009)

 

Kommentar posten
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Hans Müller1
 
17
22.11.2009, 17:05
Sagen wir so: Es gibt Volksgruppen bzw. ethnische Gruppen die

tatsächlich Diskriminierung ausgesetzt sind (und trotzdem of recht erfolgreich sind), und es gibt Volksgruppen die obwohl selbst supernationalistisch und bildungsfeindlich ihr Versagen immer mit Diskriminierung erklären müssen

Diese politisch korrekten Studien wo erstens alle Zuwanderer in einen Topf geworfen werden und zweitens immer nur eine Seite betrachtet wird sind völlig für die Fisch

de-xpat
00
23.11.2009, 11:26

genau, ich bin auch dafür, dass die Volksgruppe der Ö nicht ständig aus solchen Studien ausgeschlossen werden darf, nur weil es bisserl länger her ist, das wir alle irgendwo zugewandert sind. Die dementsprechenden Ängste und Erklärungsversuche (supernat. u. bildungsfeindlich) kann ma ja auch bestens auf die Ö-Volksgruppe anwenden

Madame Haram
14
22.11.2009, 15:05
"demgegenüber hätten 60 Prozent der (türkischstämmigen) Zugewanderten schlechte Erlebnisse mit der Mehrheitsbevölkerung gehabt."

Tja leider, zu viele Autochthone haben den Kotau vor den erhabenen AnhängerInnen der Friedensreligion noch immer nicht drauf.
So kann ein harmonisches Miteinander natürlich nicht funktionieren.

ali__
 
12
22.11.2009, 14:10
.

endlich mal eine studie aus 'migrantensicht' - wenn man das so sagen kann/darf - , die publiziert wird.

diese sichtweise wird eh so gut wie nie kommuniziert, dabei ist das doch so wichtig fürs verständnis.

kann die politik bitte den dialog in der öffentlichkeit zwischen den menschen fördern? 'minderheiten' und schwierigkeiten,die menschen mit migrationshintergrund haben, sollen nicht nur von sozialarbeitern erkannt und 'behandelt' werden, sondern auch von der 'normalen' bevölkerung!

ein miteinander ist wichtig! nein gegen abgrenzung!

Madame Haram
01
22.11.2009, 17:54
"nein gegen abgrenzung!"

Das erzählen Sie am besten jenen Zuwanderern, die sich vom "dekadenten Westen" angewidert abgrenzen, ohne dabei erklären zu können, warum sie eigentlich hier eingewandert sind.

Kaffe und Kuchen
174
22.11.2009, 13:54
Lasst uns damit beginnen

Migrantinnen und Migranten in Österreich bessere Bedingungen zu bieten und so zu einer Milderung von Ängsten und Unsicherheiten beizutragen

http://www.agenda2020.at/a20_migul... t/?entry=0

mitmachen und weitersagen!

peter kadlec
714
22.11.2009, 13:38
Soziologie, Statistik und Prozentrechnung...

Dann schauen wir uns doch mal die Zahlen im Detail an: Wien hat ca. 1,8 Mio. Einwohner, davon sind ca. 25% mit Migrationshintergrund, also 450.000 Mitbürger. Von diesen haben laut Studie 60% schlechte Erfahrungen gemacht. Das sind also 270.000 Personen.
Demgegenüber stehen die 1.350.000 "Eingeborenen". Von denen haben 20% schlechte Erfahrungen gemacht. Das sind in absoluten Zahlen 270.000 Personen!! Wo also ist das "augenfällige Ungleichgewicht", von dem der Herr Soziologe Pilgram plaudert? Und dass sich Arbeiter bei der derzeitigen Wirtschaftslage nicht trauen, in den Krankenstand zu gehen, hat wohl nix mit der Herkunft zu tun.



karina becker
00
23.11.2009, 09:26
Und dass sich Arbeiter bei der derzeitigen Wirtschaftslage nicht trauen, in den Krankenstand zu gehen, hat wohl nix mit der Herkunft zu tun.

die studie ist eh zum krenreiben. Ich wüsste z.b. gerne wie der begriff "schlechte Erfahrung" definiert wurde. Es gibt sicher österreicher, die mit "schlechter erfahrung" bereits das laute schreien eines türkischen kindes in der bim meinen. Und dann gibt es sicher türken in wien, die es als diskriminierung verbuchen, dass sich österreichische frauen nicht in sackartige gewänder hüllen und den gläubigen moslem mit diesem anblick belästigen. studien dieser art haben nur einen einzigen sinn: den berufsstand der soziologen um einige arbeitslose zu vermindern.

anders and
 
15
22.11.2009, 16:51
interessanter Ansatz!

Wenn es also bei drei Millionen Schreibtischjobs jährlich drei tödliche Arbeitsunfälle gibt, und bei 200 Berufsjägern jährlich zwei tödliche Arbeitsunfälle, dann ist die Arbeit am Computer um 50% gefährlicher, als die Arbeit eines Berufsjägers.
Sie haben es wirklich erfasst!

ciao4zampe
 
00
22.11.2009, 15:45

schlechte erfahrungen
bei den von ihnen genannten echten (270k allochthonen vs 270k autochthonen)
werden ja nie quantifiziert:

bsp. wird einer 1x angepöbelt -
und zieht daraus seinen "einzelschluss" (induktiv)
oder wer wird wiederholt konkret runter gemacht (auf beiden seiten: deduktiv) denn:

man möge mal immigranten schon unterscheiden
(hach: immer wird differenzierung angepriesen?)

a) in solche welche aus freien stücken nach österreich einwandern - diese haben sich das land höchstselber ausgesucht
b) in jene welche aus diversen gründen (polit-verfolgung oder ökonomisch-destabilisierter perspektive in at. quasi "stranden")
- solche sind oft baff erstaunt dass es
nur
ein schlaraffenland von pur milch&honig auch hierzuland

Herzerzog Johann
02
22.11.2009, 12:33

»Du kennst mich doch, ich hab' nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier!«
(Methusalix)

Nikos S.
1712
22.11.2009, 12:09
wird sehr oft vernachlässigt

danke für diesen artikel! es ist schwer, die perspektive von migrantInnen zu verstehen, da können solche studien sehr hilfreich sein. wenn wir endlich anfangen würden, menschen als menschen zu behandeln und nicht in bürger und nicht-bürger zu unterteilen, dann könnte sich einiges ändern in diesem land (und auf der welt). aber man will sich ja gar nicht mit sowas befassen, denn dann könnte man ja skrupel bekommen...und skrupel sind in der politik und in der wirtschaft unerwünscht!

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
159
22.11.2009, 14:07

ich frag mich wirklich, wie tief man gesunken sein muss, um diesem kommentar einen roten strich zu geben...

sowas kann doch für ö nicht repräsentativ sein, und wenn, dann ist es allerhöchste eisenbahn zu handeln:

www.agenda2020.at/a20_migulist/

REHLEIN STATT STUR SEIN.

Menschlichkeit vor Krämertum und Ignoranz.



ali__
 
22
22.11.2009, 14:06
.

sehr gut!

dem kann ich nur zustimmen

meine persönliche meinung in einem absatz schön ausgedrückt!

hopper
717
22.11.2009, 08:42
Was mir eigentlich dauernd auffällt und mir nicht ganz einleuchtet

ist der Umgang beim Einkaufen, speziell an der Kasse.
Kassiererin begrüßt, Reaktion keine.
...
Kassiererin verabschiedet, Reaktion keine.

Ich weiß ja nicht aber ich habs bisher in jedem Land geschafft in Landessprache höflich zu sein, sind ja eh nur 2-3 Worte, auch wenn es sich gebrochen anhört wirkt es immer noch besser als gar nichts zu sagen oder würde zumindest zeigen, dass man sich bemüht.

P.S.: In Wien gilt das natürlich nicht, da bringen die Wiener auch selten Laute raus, die einem Bitte oder Danke ähneln könnten.

Araquin
21
22.11.2009, 14:49

Ich würde sagen, beide Seiten sind in Wien unfreundlicher, als ich es aus west- und südeuropäischen Staaten kenne.

Wo sie meinen Erfahrungen nach allerdings noch unfreundlicher als hier sind, sind Staaten, die östlich und nordöstlich von uns liegen.

Womit wieder klar wird, wo die Wiener mehrheitlich herkommen...

anders and
 
01
22.11.2009, 16:54

dass Polen, Ungarn und Slowaken so unfreundlich sind ist mir bisher noch nicht aufgefallen.

Mynnia
01
22.11.2009, 14:23

Ich kenn das andersherum aber öfter als in die Richtung...also grüßende Kunden sind eher die Ausnahme (zurückgrüßen eingeschlossen).

depp am huegel
00
22.11.2009, 14:00

kann das nicht nachvollziehen: beim billa/spar/hofer/etc. grüssen die alle immer brav ...

depp am huegel
10
22.11.2009, 14:03

oh mist, ich verstand, die kassierer(innen) grüssten nicht. man soll im fieber nicht posten ...

johannes mayer1
631
22.11.2009, 08:37
Diese ganze Untersuchung ist für die runde Ablage!

Immer wieder wird so getan, als ob 100 % der Zugewanderten Türken seien!! Man sollte andere Zuwanderer auch mitberücksichtigen!! Die Türken sind sehr integrationsunwillig!! Das ist mehrfach auch mit Untersuchungen bewiesen worden.

anders and
 
10
22.11.2009, 16:55

welche Untersuchungen meinen Sie?
Haben Sie überhaupt welche gelesen, oder "weiß man das eh"?

el duende
 
41
22.11.2009, 16:00

blödsinn. TürkInnen kann man lediglich als "integrationsunwillig" bezeichnen, wenn man unter Integration pure Assimilation versteht. Denn die Mehrheit der TürkInnen sind nicht bereit, ihre Kultur und Sprache aufzugeben und sich 100% zu assimilieren. Wenn man Integration aber zwischen Assimilation und Segregation ansiedelt, dann sind TürkInnen meist bestens integriert. Und DAZU gibt es hunderte Studien, siehe bsp.weise Geißler, Buttewegge, Weber-Mentges u.v.m.

Madame Haram
11
22.11.2009, 17:58
Ja, wenn man unter "Integration" versteht,

dass eine Minderheit hier ihr eigenes Süppchen kocht und die Mehrheitsgesellschaft dazu applaudiert und dafür zahlt, sind die türk. MigrantInnen mehrheitlich perfekt integriert.

ali__
 
41
22.11.2009, 14:19
.

jaja,DIE türken sind integrationsunwillig! was soll das bitte heißen + aussagen????

können Sie sowas auch vor realen türken rechtfertigen?????

find das wahnwitzig, gefählich, gemein und dumm so eine aussage zu machen.

wie kann es sein, daß ich - als "grüner"/"liberaler"/"weltoffener" - keine probleme hab, aber leute mit - anscheinend nach rechts tendierenden ansichten - schon? ich mein, das ist doch blöd. muss man seine ansichten propagieren, in dem man dumme pseudofakten ausspricht?

es ist so unfair, den menschen gegenüber, die aus der türkei kommen!

holen Sie sich mal eine dosis realität, fpöler, burschenschafter, neo-nazis etc, anstatt sich nur untereinander zu treffen!

charakter anhand von herkunft festzumachen ist däm

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