Sterben geht weiter

22. November 2009, 12:31

Erneut Tote und Verletzte bei Serie von Anschlägen am Wochenende - Regierung will Sicherheitskräfte auf 400.000 Mann ausbauen

Kabul/Islamabad/London - Ein Bombenanschlag im Süden Afghanistans hat am Sonntag fünf Grenzsoldaten das Leben gekostet. Der am Straßenrand versteckte Sprengsatz explodierte vor dem Morgengrauen im Bezirk Spin Boldak in der südlichen Provinz Kandahar, wie ein Sprecher der Grenztruppen mitteilte. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu der Tat. Der Tatort liegt in der Nähe der pakistanischen Grenze. In Pakistan kamen am Wochenende bei Anschlägen und Gefechten mindestens 20 Aufständische und zehn Soldaten ums Leben.

Nur wenige Stunden vor der Explosion in Kandahar war neben einem Luxushotel in der afghanischen Hauptstadt Kabul eine Rakete eingeschlagen. Nach verschiedenen Angaben wurden zwischen zwei und sieben Menschen dabei verletzt. Das bei Diplomaten und anderen ausländischen Gästen beliebte "Serena"-Hotel war schon häufiger Ziel von Angriffen der Taliban.

Unterdessen wurden bei verschiedenen Operationen südlich von Kabul und in der Taliban-Hochburg Kandahar mehr als zehn mutmaßliche Extremisten festgenommen. Einige von ihnen sollen Verbindungen zu ranghohen Taliban-Mitgliedern haben und in Anschläge verwickelt sein, wie die NATO am Sonntag mitteilte.

Am Freitag kam ein 13-Jähriger in Südafghanistan ums Leben, als er auf Anweisung von Aufständischen eine Bombe verstecken sollte und diese vorzeitig hochging. Der Bub habe den Sprengsatz unter einer Brücke im Verwaltungsbezirk Sahri deponieren sollen und dabei im Auftrag von "Terroristen" gehandelt, teilte das Innenministerium mit. Die Aufständischen "belügen Kinder und benutzen sie, um ihre schlimmen Ziele zu erreichen", hieß es weiter.

Rund 80 Taliban legten am Samstag in der südafghanischen Stadt Herat ihre Waffen nieder und nahmen ein Amnestie-Angebot von Präsident Hamid Karzai an. Der Anführer der Gruppe, ein ehemaliger Kommandant bei den Grenztruppen, erklärte, er habe sich den Taliban angeschlossen, nachdem ihm vor einem Jahr vorgeworfen worden war, Waffen und Munition gestohlen zu haben.

Die Regierung in Kabul will die afghanischen Polizei- und Militärkräfte auf 400.000 Mann ausbauen - mehr als doppelt so stark wie bisher angestrebt. Damit sollen die Vorgaben der USA und der NATO erfüllt werden, die mehr Verantwortung in die Hände der afghanischen Sicherheitskräfte legen wollen, sagte Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak. Laut US-Medienberichten setzen die Regierungen in Washington und Kabul im Kampf gegen die Taliban auch verstärkt auf afghanische Stammesmilizen. Wie die "New York Times" am Sonntag berichtete, sei in Teilen Afghanistans bereits damit begonnen worden, solche Milizen zu unterstützen. "Die Idee ist, die Leute dazu zu bringen, Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zu übernehmen", zitiert die Zeitung einen führender Vertreter des US-Militärs in Kabul, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Der britische Außenminister David Miliband warnte angesichts der prekären Sicherheitslage vor einem schnellen Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan. Die afghanische Regierung würde in diesem Falle innerhalb weniger Wochen zerbrechen, sagte Miliband der Zeitung "The Guardian". Ohne internationale Militärpräsenz würden die Aufständischen die afghanischen Truppen sehr schnell überrollen, sagte Miliband nach einem Besuch in Kabul. Daher müsse die NATO so lange bleiben wie nötig. "Künstliche Zeitpläne kommen nur dem Feind zugute", fügte er hinzu.

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bezeichnete die Zusammenarbeit von NATO und UNO als unerlässlich für den Erfolg internationaler Missionen. "Die NATO kann nur etwas bewegen, (....) wenn die Zusammenarbeit zwischen der Allianz und den Vereinten Nationen in der Praxis auch tatsächlich funktioniert". Das zeige das Beispiel Afghanistan, sagte Guttenberg am Freitagabend bei einer internationalen Sicherheitskonferenz in Halifax in Kanada.

In Pakistan kam es im Zuge der Mitte Oktober begonnenen Militäroffensive in Süd-Waziristan gegen die Taliban erneut zu schweren Gefechten in dem nordwestlichen Grenzgebiet zu Afghanistan mit Toten. Ein Bombenanschlag vor dem Hauptquartier einer Hilfsorganisation am Stadtrand von Peshawar endete laut örtlicher Polizei glimpflich: Ein Wachmann wurde verletzt. Bei Razzien an verschiedenen Orten seien umfangreiche Waffenlager ausgehoben worden. Hunderte Taliban-Kämpfer sollen vor der Militäroffensive ins benachbarte Nord-Waziristan geflohen sein, um sich dort neu zu formieren. (APA/AP/dpa/Reuters/AFP)

Gras_frisst_Ochs?
01
24.11.2009, 18:50
Die Aufständischen "belügen Kinder und benutzen sie, um ihre schlimmen Ziele zu erreichen"

Die Invasoren belügen ihre Soldaten und benutzen sie, um schlimme Ziele zu erreichen, im Irak genauso wie in Afghanistan ...

Der Alte vom Berge
00
23.11.2009, 12:28
Community Defense Initiative...

...nennt sich das Program, ist aus dem Irak entlehnt wo diese Vorgehensweise das Bündniss aufständischer Gruppen spaltete. Der Ansatz ist im Kern regionale Verteidigung durch Einheimische logistisch sowie auch mit Waffen zu Unterstützen nachdem diese, höflich ausgedrückt, in Sold genommen wurden. Zwar hat CDI im Irak Teilweise Erfolg, der Rückgang der Gewalt steht allerdings im Missverhältniss zum Aufwand. Zudem bleibt Unklar wie sich diese neuen Kräftegruppen nach einem Abzug und der mit einem Solchen verbundenen Einstellung der Zahlungen Orientieren.

Afghanistan ist nicht der Irak.

Die Paschtunen sind nicht wie Al Quaida im Irak eine multinationale Fraction sondern in der Region tief verwurzelt.


Sie kämpfen in ihrer Heimat. ^^

Der Alte vom Berge
01
23.11.2009, 12:34
Ein Afghanisches Sprichwort lautet:...

"Afghanen kann man nicht kaufen, man kann sie nur Mieten." ^^

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00
24.11.2009, 02:09
Das UNICEF-Foto 2007 belegt sehr anschaulich, dass man Afghanen sehr wohl kaufen kann und die nicht mal sonderlich teuer sind.

Als die Amis die Idee hatten, auf Kaida-Kämpfer ein Kopfgeld auszusetzen, sollen ihnen dem Vernehmen nach ebenfalls ein ganzer Haufen einfach von der Strasse weggefangene Afghanen verkauft worden sein.

VON Afghanen, wohlbemerkt.

Das Sprichwort is also irgendwie ziemlich unwahr.

Der Alte vom Berge
00
24.11.2009, 08:39
In Afghanistan...

...leitet sich das Ansehen einer Kontrolle ausübenden Autorität, ob als Khan oder "Warlord" bezeichnet, auch durch deren Potential ab Gegner zu "Mieten".

Eben dieses Prinzip möchte Washington nun Nutzen.

Es gab zu jeder Zeit gesprächsbereite Fractionen die allerdings aufgrund der Vorgabe durch die abgetretene Bush-Administration nicht angesprochen werden konnten.

Diese Vorgabe "Wir verhandeln nicht mit Terroristen" diente vor Allem dazu bilaterale Gespräche zwischen Mitgliedern der Alliancè und dem Gegenüber zu Unterbinden, sich Selbst das Prätoriat Verhandlungen zu Führen zu Sichern, zu Verhindern das Alternativen zur eigenen Strategie Entstehen.

Das ganze System ist seit jeher auf dieser Tradition, der Korruption Errichtet.^^

Der Alte vom Berge
00
24.11.2009, 08:47
Im Grossen und Ganzen...

...trifft diese pauschalisierte Bewertung der lokalen Traditionen also Durchaus zu, wobei natürlich einige hundert Widerstandskämpfer Ausgeliefert/Übergeben wurden.

Auf höherer Ebene war diese Bereitschaft sich dem jeweils Höchstbietenden Unterzuordnen sowohl während des Vormarsches der als "Taleban" bezeichneten Kräftegruppe auf Kabul als auch während der Offensive der Nordalliance zu beobachten, vielen doch zahlreiche als schwer Einzunehmende Schlüsselstellungen und Städte ohne einen Schuss in die Hände der jeweiligen Angreifer.

Die als militärische Wunderkinder gepriesenen "Taleban" verdanken ebenso wie die Nordalliance ihren Erfolgszug nach Kabul schlicht und ergreifend der Tatsache das sich ihre Gegner haben "Mieten" lassen. ^^

Der Alte vom Berge
00
24.11.2009, 08:51
In Afghanistan...

...standen damals wie auch heute Wieder grob 28.000 Widerstandskämpfer unter Waffen.

Die Hanvoll von "Verkauften" fällt statistisch betrachtet kaum ins Gewicht.

Die mediale Aufbereitung des Ereignisses allerdings. ,)

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