Gestorben wird immer, für die Deutsche Bank zu spät

20. November 2009, 19:08

Die Deutsche Bank wettete mit Anlegergeldern auf Lebens­ver­sicherungen - Pläne gingen nicht auf

Die Deutsche Bank wettete mit Anlegergeldern auf Lebensversicherungen: Wenn die Versicherten früher sterben, verdient ihr Fonds. Doch die Pläne gingen nicht auf, dafür klagen die Investoren das Institut jetzt. 

***

Frankfurt/Wien - Die kritisierten beiden Lebensversicherungsfonds Kompass Life I und II der Deutschen Bank bescheren dem Finanzkonzern neben herben Verlusten nun auch noch eine Strafanzeige, weil sich Anleger getäuscht fühlen. Stein des Anstoßes ist die verfehlte Strategie der Bank.

Die Fonds kaufen US-Bürgern deren Lebensversicherungen ab und zahlen weiter die monatlichen Raten. Stirbt der ursprüngliche Polizze-Nehmer, geht die Auszahlungssumme an die Fonds, so das Kalkül. Problematisch nur, wenn die Lebensversicherten nicht so schnell sterben, wie von den Finanzstrategen kalkuliert.

Der Hamburger Jurist Gerhard Strate hat nun bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen die Bank gestellt. Einem Bericht des Spiegel zufolge will auch ein Münchner Anwalt gegen die Bank vorgehen. Er soll mehrere Dutzend Mandanten vertreten. Es bestehe der Verdacht, "dass von Vornherein unter keinen realistischen Annahmen die versprochenen Ausschüttungen realisierbar waren", zitiert der Bericht Strate aus einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft.

"Wissentlich getäuscht"

Strate sieht im vorliegenden Fall den Tatbestand des Betrugs oder zumindest den der Untreue. Im Jahresbericht des Kompass Life I für das Jahr 2006 wurde nur für zwei der Assekuranzen eine wahrscheinliche Laufzeit unter vier Jahren berechnet. Viele sollten den Berechnungen nach sogar erst nach zehn Jahren fällig werden. Es wurden eine Rendite von 7,25 Prozent pro Jahr und bereits für 2007 Auszahlungen prognostiziert. "Meines Erachtens sind die Anleger wissentlich getäuscht worden", so der Rechtsanwalt Karl-Georg von Ferber.

"Dieses Geschäft, das längst nicht nur von der Deutschen Bank allein betrieben wird, ist für sich genommen, höchst spekulativ. Selbst in der Hochzeit der Krise haben wir den Vertrieb solcher Produkte abgelehnt", kritisiert Erwin Pollex von der Vermögensverwaltungsgesellschaft Incam AG die Vorgangsweise gegenüber "pressetext". Der Ärger der Anleger ist groß, denn obwohl die Deutsche Bank bisher eine halbe Mrd. Euro eingesammelt hat, ist bis heute keine einzige Ausschüttung erfolgt.

Die Bank selbst weißt den Täuschungsvorwurf entschieden zurück. Es sei korrekt informiert worden. Die schlechte Performance der Fonds wurde kürzlich mit der steigenden Lebenserwartung der Amerikaner begründet, wegen der "weniger Polizzen fällig geworden sind als erwartet". Die Sterbetafeln, auf deren Basis die Banker ihre Fonds auslegen, seien geändert worden. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.11.2009)

Kommentar posten
11 Postings
mistvieh666
 
00
27.11.2009, 20:48

versteh das nicht:
die leute haben spekuliert und die spekulation ist nicht aufgegangen.
ich hab in meinem leben zum beispiel darauf gesetzt, dass man auch mit 47 noch ein gefragter techniker ist - und verloren.
wen soll ich jetzt klagen:
- die tu wien?
- zeitungen die einen schmarrn betreffend IT branche schreiben?
spekulanten moegen ja notwendig sein, aber wer zum teufel braucht diese weinerlichen gesellen, die "von vollprofis uebers ohr gehauen werden"?
schleimmenschen.

jaja-nein
 
00
22.3.2010, 13:22
mist..

so einfach ist das nicht !
bei der spekulation wurden falsche angaben gemacht

das ist grad so wie wenn ich spekuliere das ein unternehmen gute zahlen hat ein stetiges wachstum usw ..der Vorstand sich hinstellt und das in aussicht stellt und nach einem monat sagt wir haben kein kunden es gibt keine verträge wir haben von a bis z gelogen

sieh Metabox ..schua unter google was da war ....

johannes mayer1
00
23.11.2009, 08:23
Was sind das für Leute, die solche Anlageprodukte kaufen??

Das ist doch der Abschaum der Gesellschaft!! Pfui deibel!!! Geschäfte machen, egal mit was, Hauptsache der Profit ist maximal. Gerade diese Leute haben die Krise herbeigeschafft!!

Knochenmann
00
22.11.2009, 09:46
Verdammte Amerikaner

sind fett, haben Diambetis und bluthochdruck, keine Krankenversicherung und was weiß ich noch nicht alles, aber wollen nicht und nicht sterben.

Wie unsozial!

Christoph Karl Steininger
00
22.11.2009, 01:15
In den USA ist ein solcher Verkauf

oft die einzige Möglichkeit offene Arztrechnungen nach schweren Erkrankungen zu bezahlen, da es keine universelle Pflichtversicherung gibt.
Selbst wenn man in einer Krankenversicherung ist endet diese meist durch die Kündigung die von der Erkrankung hervorgerufen wird.

DirtyHarry
00
21.11.2009, 18:35


"Der Ärger der Anleger ist groß...."

Sorry, aber wer solche Finanzprodukte kauft, verdient kein Mitleid.

sepp ultura
14
20.11.2009, 19:33
solche...

...Veranlagungen sind einfach ungustiös. Pfui.

Ehemaliger ösi
01
21.11.2009, 08:32
Wissen Sie eigentlich, was wirklich "Pfui" ist ?


Der Rücknahmepreis, den Ihnen Ihre Versicherung bietet, wenn Sie Ihre angesparte Police vorzeitig zurückgeben wollen !
Solche Kaufangebote durch andere Unternehmen sind eine Segen für jeden, der aus seiner Lebensversicherung aussteigen möchte.
Daß die Deutsche Bank damit im Moment Miese macht, zeigt ausserdem, sie sehr gute Preise bezahlt haben muß.

4311503
01
20.11.2009, 23:06

Das ist eigentlich ein Win-Win-Geschäft für beide Seiten. Die Person, die aus ihrer Versicherung raus will und das Geld schon vor seinem Ableben selbst haben will bekommt dadurch eine Chance.

Andererseits hat ein anderer eine Chance dadurch Geld zu verdienen.

Ein Kauf gegen Leibrente, wie es bei Lokalen öfters gemacht wird ist im Prinzip nichts anderes.

Man muss es nicht gut heißen, aber die Leute so etwas machen (auf beiden Seiten; also Käufer und Verkäufer der Versicherung) werden schon ihren Grund haben.

Bailout 2.0
00
12.12.2009, 00:31
Es könnte ein win-win Geschäft sein,...

aber mir graut vor dem Gedanken daß die Handelspartner der Statistik ein wenig "nachhelfen" könnten, damit sie für die Käufer der Second-Hand Polizzen (wieder) etwas besser ausschaut!

...

Management Quatscher
10
20.11.2009, 19:13

verdammt. Die Leute sterben zu spät oder zu früh aber nie zum richtigen Zeitpunkt.

Wir suchen händeringend nach zum-richtigen-Zeitpunkt-sterbing-High Potentials.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.