Fünf Jobs für Ashton, Blitzstart in zehn Tagen

20. November 2009 18:47

Die neue EU-Außenministerin Catherine Ashton hat praktisch fünf gewichtige Funktionen in einem auszuüben

Am 1. Dezember wird sie voll beginnen. An diesem Tag muss Benita Ferrero-Waldner den Job wechseln. 

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Nach mehr als fünf Jahren im Amt der EU-Außenkommissarin wird Benita Ferrero-Waldner ihren Abschied aus dieser Funktion sehr rasch und sehr fern ihrer Heimat in Baden feiern müssen. Am 30. November wird sie die Union zum letzten Mal bei einem Treffen auf Außenministerebene vertreten, in Nanjing, wo die EU und China diesmal verhandeln.

Der neue EU-Vertrag von Lissabon sehe das so vor, erfuhr der Standard am Freitag in Brüssel aus gut informierten Kreisen. Die am Donnerstag beim EU-Gipfel zur neuen "Hohen Vertreterin" der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik gewählte Britin Catherine Ashton muss ihr Amt am 1. Dezember mit Inkrafttreten des EU-Vertrags von Lissabon antreten: in voller rechtlicher Zuständigkeit mit Sitz und Stimme auch als Vizepräsidentin der EU-Kommission, die sie laut Vertrag auch ist.

Aus dem Europaparlament hatte es dagegen bisher Einwände gegeben. Denn noch ist die neue Kommission nicht im Amt, die Kandidaten - auch Ashton - müssen sich erst der Anhörung durch die EU-Abgeordneten stellen und von diesen gewählt werden (siehe Bericht unten). Nach dieser Lesart wäre Ferrero-Waldner mindestens bis Anfang Februar im Amt geblieben.

Aber das ist vorbei: "Präsident Barroso wird Frau Ferrero-Waldner eine neue Zuständigkeit zuteilen", heißt es in Brüssel. Ob das das bisherige Ressort der Außenhandelskommissarin Ashton sein wird, ist offen. Praktisch wäre es.

Denn die neue EU-Außenministerin wird eine "Superkompetenz" übernehmen bzw. neben Barroso und dem neuen ständigen Ratspräsidenten Herman Van Rompuy in ein "höchst komplexes System" der gemeinsamen Außenpolitik einsteigen, wie das bisher kaum denkbar schien. Zum Einstieg dürften ihr daher der Rat und das Know-how Ferrero-Waldners eher nützlich sein. Ashton wird offiziell zwei Funktionen haben, aber dabei de facto gleich fünf Jobs in einem zu bewältigen haben. Sie ist: 1.) Nachfolgerin von Javier Solana als Hohe Vertreterin der Außenpolitik mit eigener Hierarchie. 2.) Als Vizepräsidentin der Kommission verantwortet sie das gesamte Kommissionsdossier mit. 3.) Gleichzeitig ist sie Außenkommissarin. Sie muss 4.) den europäischen diplomatischen Dienst (EAD) aufbauen, als eigene Agentur zwischen Rat und Kommission. Der soll in fünf Jahren rund 8000 Diplomaten umfassen. Und sie muss 5.) den Vorsitz im Außenministerrat führen.

Experten sehen durch diese neue Funktion "den bisher größten Strukturumbau der gesamten EU-Bürokratie in der Geschichte" anstehen. Denn damit würden auch andere Generaldirektionen - "Ministerien" - wie etwa Außenwirtschaft unmittelbar betroffen sein.

Präsident Barroso betonte daher besonders Notwendigkeit der "Teamfähigkeit" der neuen Amtsträger. Er selbst, Ashton und Van Rompuy müssten in jeweils wechselnden Formationen der Außenpolitik zusammenspielen, um die Union etwa bei multilateralen Treffen wie den G-20 oder dem Klimagipfel vertreten zu können.

Ashton jedenfalls sitzt wie eine Spinne im Netz an allen Schnittstellen der Institutionen. Sie hat angekündigt, weiter wirtschaftliche Belange im Auge zu behalten, wie das von ihr wie eine Trophäe präsentierte Freihandelsabkommen mit Südkorea. (Thomas Mayer aus Brüssel/DER STANDARD, Printausgabe, 21.11.2009)

 

Kommentar posten
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iohui
24.11.2009 07:42
für was braucht die eu 8000 diplomaten?

ersetzen die dann die diplomaten der mitgliedsländer oder was für neue aufgaben könnte es denn geben, die es bisher nicht gab?
bei realistischer betrachtung braucht man wahrscheinlich einfach nur zusätzliche hochbezahlte plätze um protektionskinder unterzubringen. wenn ashton so sozial ist wie behauptet wird, nimmt sie für diese statistenrollen hoffentlich wenigstens nur langzeitarbeitslose.

Longyearbyen
 
22.11.2009 17:09
Unsinn!

Ashton hat vielleicht Einfluss, aber keine Stimme. Sie ist eine Sprecherin der EU, eine Organisatorin, eine Mediatorin zwischen den Mitgliedsstaaten. Nur der Ministerrat der Mitgliedsstaaten bestimmt die Außenpolitik einstimmig, d.h. es wird keine gemeinsame Außenpolitik geben, wie bisher.

Laandaks
22.11.2009 15:50
Bitte, Herr Mayer, eine naive Frage zu Ihrem Punkt"4.)" (an sich schreibt man nur 4.)


Also dann: Diese 8.000 (schreibt man eigentl. auch mit Punkt) Diplomaten, die machen doch sicher ein paar andere Diplomaten überflüssig, oder?

Und wenn nicht: Was kosten eigentlich 8.000 Diplomaten? Bitte um genaue Recherche.

Und schließlich, damit es nicht zu ernst wird: Kann man nicht ein paar Telekom-Mitarbeiter zu Diplomaten ausbilden lassen und der Frau Ashton anbieten?

Ja, hallo...

sixela
21.11.2009 21:44
Welche Auswirkungen hat diese neue Struktur eigentlich auf die nationalen Außenministerien?

Ich nehme an, die machen einfach so weiter als wäre nichts gewesen...

Student der Magie
21.11.2009 18:16
man darf sich schon fragen:

warum werden mir und allen anderen EU-Bürgern zwei derartig unbekannt Leute aufs Auge gedrückt, ohne, dass alle EU-Bürger und somit ja auch ich die Möglichkeit bekommen hätten uns selbst für die geeignete Person abzustimmen?
Ist das die neue, verbesserte Demokratie, in der ich mir nicht einmal mehr zu Schein aussuchen kann, wer mich und alle anderen EU-Bürger im Ausland vertritt?

Das 2 so unbekannte Gesichter genommen wurden lässt den Schluss zu, dass jene den Eliten nicht im Weg stehen werden, sondern im Gegenteil ihnen weiter dienen. Schon wird eine EU-Steuer gefordert, die den Reichtum wieder weiter von Unten nach Oben verschiebt. Bald gibt es dort aber eh nichts mehr zu holen, dann ist dieses Projekt wenigstens abgeschlossen;(

sokra
21.11.2009 20:12

Aber wie würden Sie sich mehr Demokratie in diesem Bereich vorstellen? Direktwahl der Minister und der Kommissare? Den Kanzler oder den Kommissionschef direkt zu wählen wäre noch eine Möglichkeit, aber was darüber hinausgeht...

Ich finde dass die Bestätigung durch die Staaten und durch das Parlament für die "EU-Außenministerin" akzeptabel ist.

Das EU-Budget muss so oder so finanziert werden- ob das jetzt direkt über eine zweckgewidmete Steuer oder indirekt durch Beiträge passiert macht keinen großen Unterschied- Es entscheiden immer noch hauptsächlich die Staaten wie hoch das Budget zu sein hat.

Student der Magie
22.11.2009 14:58
Transparenter würde ich sie mir wünschen und vorstellen

Der hauptkritikpunkt an der EU ist von meiner Seite ohnehin, dass einerseits Demokratie nach und nach abgebaut wird, andererseits wird stets Politik für die Großindustrie gemacht.
Dafür gibt es viele Bspe.
Die Kritik hier ist eigentlich in 2 Dingen zu finden:

wie kann man einen EU-Aussenministerposten vergeben ohne die Menschen zu fragen?
Wie soll mich diese Person im Ausland vertreten? Funktioniert ja schon kaum mit dem österreichischen Aussenminister;)

Der andere Punkt ist, dass es nun sehr schwer zu beurteilen ist, welche Persönlichkeiten da nun in den Ämtern sitzen, und wie die sich für die Interessen der Menschen einsetzen und was sie durchsetzen können? Die 2 kennt ja niemand, ergo hätte sie auch niemand gewählt;(

sokra
22.11.2009 19:08

Habe jetzt nicht ganz verstanden ob sie den Posten EU-Außenminister prinzipiell ablehnen oder ob nur die Bestellung störend ist.

Bezüglich Bestellung: Bei unserem Außenminister gab es auch keine transparente Diskussion. Der ist dann auch auf einmal einfach da.

Wenn Sie aber grundsätzlich daran zweifeln ob es sowas wie ein "gemeinsames Interesse" der europäischen Völker gibt (wovon ich überzeugt bin) dann ist Ihre Meinung zumindest nachvollziehbar.


Orjares
21.11.2009 19:24
Das habe ich mir auch überlegt

Dann aber bin ich draufgekommen, dass in unseren Medien nichts! von den Kandidaten zu lesen war, nicht mal hier.

Gerade mal über "unseren Schüssel" und "unseren Gusenbauer" hat man berichtet, das war es aber auch schon.

Ist daran wirklich die EU schuld?

t-bonesteak
22.11.2009 19:31
über die beiden wurde nicht berichtet

weil sie bis zu jener dinnerparty auf der die würfel gefallen sind, gar nicht mal zur wahl standen.

Student der Magie
22.11.2009 14:39
dass darüber nicht berichtet wurde

ist vielleicht nicht die schuld der EU. Die Medien können aber nicht jeden Politiker, der in einem EU-Land tätig ist vorstellen. Würde ja irgendwann niemand mehr lesen.

Es kommt also auf die Perspektive an: hat man ein schlüssiges Verfahren, wo es verschiedene Kandidaten gibt, die aufgestellt werden, und gibt man nach Aufstellung dieser allen eine Frist von 2 bis 4 Wochen, in denen - wie auch immer nun - entschieden wird, dann haben auch die Medien mehr Chancen auf die einzelnen Kandidaten einzugehen.
Hier ist das aber alles ganz anders gelaufen. Da sprach man über verschiedene Kandidaten, und plötzlich zauberte man wen ganz anderen aus dem Hut.
Das ist vorgesetzt. Zudem besteht hier die Gefahr, dass Unbekannte nur der Elite dienen;(

Christoph ************
21.11.2009 18:57

Mir war gar nicht bewusst, dass wir eine Möglichkeit hatten Spindelegger für die Vertretung nach außen zu wählen. Da muss mir wohl etwas entgangen sein...

Student der Magie
21.11.2009 19:20
hatten wir ja auch nicht

ist ja, wenn sie des sinnerfassenden Lesens mächtig sind, Teil der Kritik, dass wir als EU Bürger nicht bestimmen kömme, oder wählen, wer uns vertreten soll...

sixela
21.11.2009 21:46

Wir haben in Österreich auch noch nie den Bundeskanzler direkt gewählt. In einer repräsentativen Demokratie ist es halt so, dass Regierungen vom Parlament bestätigt oder abgelehnt werden (in Österreich muss die Regierung allerdings nicht mal bestätigt werden, kann nur über Misstrauensvotum abgewählt werden).

Student der Magie
22.11.2009 14:45
ganz so stimmt das nicht

wenn sie zur Wahl gehen, dann wissen sie, welche Kandidaten als Bundeskanzler zur Verfügung stehen. Oder wußten Sie vielleicht nicht, wenn bei der letzten Wahl die SPÖ gewinnt, dann wird der Bundeskanzler Faymann heißen?

Es ist vor der Wahl klar, wer im jeweiligen Fall den Bundeskanzler stellen würde.
Und Sie werden mir doch, bei all ihrer Liebe zur EU, nicht erzählen wollen, dass hier die gleiche Transparenz herrscht, oder?

Man tut hier bei der EU so, als wären die Nationalstaaten böse und schafft aber mit dieser EU einen Supranationalstaat. Demokratie funktioniert am besten, je kleiner die Gemeinde ist. je größer das Ganze, um so weniger Demokratie gibt es auch, wie man gut in der EU beobachten kann.
Ich bin für direkte Demokratie

Christoph ************
22.11.2009 21:53

Wer bei der EU Wahl gewählt hat und sich nur ein bisschen informiert hat, wusste dass eine Wahl der Konservativen Barroso als Kommissionspräsidenten bedeutet.

Wo ist da jetzt genau der Unterschied?

sixela
22.11.2009 20:04

Ich stimme Ihnen ja zu. Meine Liebe zur EU ist gar nicht ganz so groß...

t-bonesteak
22.11.2009 19:33
wenn der herr bp gemein ist

dann beauftragt er jemand anderen als den spitzenkandidaten des wahlsiegers mit der regierungsbildung. das geht nämlich auch

sokra
22.11.2009 19:13

Bezüglich der Größe der Gemeinde: So einfach ist es auch nicht; Letzten Endes kommt es aber darauf an was ich mit meiner Stimme erreichen kann:

In einer großen Einheit kann man theoretisch fast alles umsetzen, aber der Beitrag des einzelnen hat eine geringe Gewichtung.

In einer kleinen Einheit hat die einzelne Stimme großes Gewicht, aber man ist in der Entscheidung stärker von Rahmenbedingungen abhängig und ist damit beschränkt.

Es braucht daher eine sinnvolle Aufgabenteilung – über die man im Detail herrlich streiten kann;)

unbeeindruckt
21.11.2009 14:44
farbrauschen
21.11.2009 17:17
ja, der unterberger. in seiner rührenden, liebevollen hingabe an den doppel-ex-kanzler, doppel-ex-klubobmann w.schüssel:


"Dabei wären von Tony Blair bis Wolfgang Schüssel mehrere exzellente und starke Persönlichkeiten mit etlicher Regierungserfahrungen und mit Wahlerfolgen zur Verfügung gestanden."

hihi.
den blair hat er bloß dazugeschrieben, um bei "wahlerfolg" die mehrzahl schreiben zu können.

w.schüssel hatte nämlich bloß einen einzigen.
trotz all der vielen, teuren, bei ihm günstig scheinendem wind von ihm vom zaun gebrochenen frühzeitigen wahlen.

und diesen einzigen hat er einerseits dem teflonglatten grasser zu verdanken,
andrerseits massen an treuen, aber von schwarzblau entsetzten övplern, die geglaubt haben,
er hat es jetzt kapiert und tut es nie mehr wieder.

die haben sich aber reingelegt gefühlt.
und ihm dann die verdiente wähler

EU-Austretter
21.11.2009 13:25

Mein posting ist ja noch immer nicht online, es scheint sich um gröbere technische Probleme zu handeln, denn zensieren würde der Standard bestimmt nie und nimmer, schon gar nicht besonders kritische postings.

Christoph ************
21.11.2009 01:46

Ergänzung:
Jetzt weiß ich wie sie das wieder gelöst haben. Das Parlament wird für Frau Ashton ein eigenes vorgezogenes Hearing abhalten um ihre Eignung abzuprüfen und ihre Vorhaben abzuklären. Dadurch kann es sozusagen noch vor dem 1. Dezember grünes Licht für sie geben.

Ein halbwegs akzeptabler Kompromiss. Wie sie Vizepräsidenten einer Kommission sein kann, die es gar nicht gibt, geht mir trotzdem nicht ein. Ich kann nur hoffen dass man in 5 Jahren, ohne das neue Vertragschaos, das geordneter und geradliniger ablaufen wird.

Christoph ************
21.11.2009 01:42

Wie kann Mrs Ashton den Job schon voll antreten bevor sie sich dem Hearing des Parlaments gestellt hat? Es hat doch sie selbst bei Interviews gesagt, vorläufig sei ihre einzige Priorität sich auf dieses Hearing vorzubereiten welches doch erst im Laufe des Dezembers oder Jänners stattfinden wird.

Wie kann sie einen Vizekommisarsposten einer Kommission ausüben die es noch gar nicht gibt?

Ich muss das vorher in anderen Quellen nachlesen bevor ich das alles glaube.

EU-Austretter
20.11.2009 21:46

Na, bekommen die Techniker das Problem noch in den Griff, bei den vielen postings, erscheint mein Beitrag heute noch?

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