Festkommers am Samstag in Wiener Hofburg - Medien von Burschenschaftern ausgeschlossen - Polizei rechnet mit Ausschreitungen
Wien - Vor dem umstrittenen Burschenschafter-Festkommers am Samstagabend haben sich FPÖ und SPÖ einen verbalen Schlagabtausch geliefert. FPÖ-Nationalratsabgeordneter Christian Höbart warf den Gegnern Gewaltbereitschaft vor und erklärte SPÖ und Grüne für moralisch mitverantwortlich. Die SPÖ plädierte dagegen für "Demokratie und Toleranz statt reaktionärer Parolen". Die Sozialdemokraten beteiligen sich an der Aktion "Wiener Lichter", bei der mit Kerzen ein Zeichen gegen Ausgrenzung gesetzt werden soll.
Medien ausgeschlossen
Die Medien sind vom umstrittenen
Burschenschafter-Festkommers in der Wiener Hofburg
ausgeschlossen, das haben die Organisatoren am Freitagnachmittag
bekanntgegeben. Die Medienöffentlichkeit beschränkt sich nun auf eine
Pressekonferenz um 19:15 mit FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und dem
Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf. Man habe
damit auf die angekündigten Demonstrationen reagiert, hieß es in
einer Aussendung.
Grüne für Verbot
Die Wiener Grünen haben am Freitag unterdessen eine "Untersagung"
des umstrittenen Burschenschafter-Festkommers gefordert. "Antisemitismus, Rassismus und
Ausgrenzung dürfen in Wien des 21. Jahrhunderts keinen Platz mehr
haben", so Niki Kunrath von den Grünen am Freitag in einer
Aussendung. Die ARGE Festkommers wies unterdessen die
"undemokratischen Angriffe aus dem linken Lager" zurück.
Die zum Teil schlagenden und als rechtsextrem eingestuften
Burschenschaften wollen mit dem Festkommers dreier Daten gedenken:
"150 Jahre Deutsche Burschenschaft in Österreich", "90 Jahre
Friedensdiktate von von St. Germain, Versaille, Trianon" sowie "200
Jahre Tiroler Freiheitskampf". Die Festrede wird FPÖ-Obmann Heinz
Christian Strache halten. Die Polizei rechnet mit Ausschreitungen bei
den Gegendemonstrationen rund um die Veranstaltung und hat deshalb
zahlreiche Platzverbote für die Innenstadt ausgesprochen.
Die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten - Kunst, Medien, Sport,
freie Berufe hält die Demo gegen die schlagenden Burschenschaften für
"sehr unterstützenswert": "Wo Festkommers draufsteht, ist in diesem
Fall altes rechtes Gedankengut drin. Und dafür darf in Österreich
kein Platz mehr sein", erklärte der Vorsitzende Christian Meidlinger.
"150 Jahre Burschenschaft Olympia ist kein Grund zu feiern", stellte
auch die ÖH Uni Wien fest. Sie forderte die Regierung auf, sich gegen
Organisationen wie Olympia, welche "Antisemitismus, Rassismus,
Sexismus und Homophobie verkörpern", zu wenden.
Gewaltfreier Protest
Unter dem Motto "Wiener Lichter" haben sich etwa ZARA und die
Gemeinnützige Entwicklungszusammenarbeit GmbH oder auch die Wiener
SPÖ zusammengeschlossen. Sie rufen die Wiener auf, als Symbol am
Samstagabend eine Kerze anzuzünden und ins Fenster zu stellen. Die
Aktion sei ein gewaltfreier Protest gegen das offene Zuschautragen
einer "intoleranten, reaktionären und revisionistischen"
Geisteshaltung. Am Samstag um 19.00 Uhr wird außerdem zu einem
Fototermin am Friedrich-Schmidt-Platz hinter dem Rathaus geladen.
Dabei werden Besucher aus Kerzen den Schriftzug "Wiener Lichter"
formen, um ein Zeichen gegen Ausgrenzung zu setzen. Auch
ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser rief zur Teilnahme auf.
Die ARGE Festkommers wies die Vorwürfe zurück. Die "hasserfüllten"
Demonstrationsaufrufe linker Gruppierungen würden von einer
demokratiefeindlichen Grundeinstellung zeugen, hieß es in einer
Aussendung. Die Organisatoren des Kommerses seien "besorgt" über die
"Radikalisierung" im linken Lager. (APA)