ElBaradei hofft auf Einigung mit Teheran bis Jahresende

20. November 2009, 14:11

Scheidender IAEO-Chef lehnt neue Sanktionen ab

Berlin - Der scheidende Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO/IAEA), Mohammed ElBaradei, hofft im Atomstreit mit dem Iran auf eine Lösung bis zum Jahresende. ElBaradei, der in Kürze nach zwölfjähriger Amtszeit aus seiner Funktion an der Spitze der IAEO scheidet, sagte am Freitag in Berlin, dies wäre im Interesse aller Beteiligten.

ElBaradei forderte ein "äußerst pragmatisches" Herangehen an die Probleme. Der Iran habe ein Recht, misstrauisch gegenüber den westlichen Ländern zu sein. Aber auch bei diesen gebe es großes Misstrauen. Man befinde sich in einer Situation, in der beide Seiten nur gewinnen könnten. "Wenn man diese Gelegenheit nicht nutzen würde, wäre dies eine wirkliche Schande", sagte er.

Baradei lehnte neue Sanktionen gegen den Iran ab. Er sei "kein Fan von Sanktionen". Diese würden meist die Schwachen treffen.

Der IAEO-Chef forderte zugleich eine bessere Ausstattung und mehr Kompetenzen für die Atomenergie-Organisation, damit diese ihre Aufgaben besser erfüllen könne. Sonst werde die Öffentlichkeit getäuscht. ElBaradei hatte vorgeschlagen, dass niedrig angereichertes Uran aus dem Iran treuhänderisch in der Türkei zwischengelagert wird. Russland soll nach dem Plan aus eigenen Beständen Brennstoff für den Iran produzieren und das niedrig angereicherte Uran aus der Türkei erst dann bekommen, wenn die Lieferung im Iran angekommen ist.

Ball auf dem Feld Iran

Zu den Chancen für eine Entschärfung des Streits über die Uran-Anreicherung sagte IAEO-Chef ElBaradei in Berlin: "Der Ball liegt auf dem Feld des Iran. Ich hoffe, er wird diese sehr vergängliche Chance nicht vertun." Die jüngsten Bemühungen der US-Regierung um eine Lösung der Atomfrage mit dem Iran lobte ElBaradei als sehr pragmatisch. Zugleich warnte er vor den Folgen weiterer Sanktionen: Diese würden zu einer Verhärtung der iranischen Position führen.

Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama deutlich gemacht, dass er nun wieder die Verhängung von Sanktionen statt weiterer Verhandlungen in Erwägung ziehe. Hintergrund ist eine Äußerung des iranischen Außenministers Manouchehr Mottaki, die als Ablehnung des IAEO-Kompromissvorschlags gewertet wurde. El Baradei sagte jedoch: "Ich glaube nicht, dass ich bereits eine definitive Antwort bekommen habe. Ich hoffe, dass ich sehr bald eine Antwort bekomme."

Der Plan soll den Bau einer Atombombe in Iran verhindern. Er sieht vor, dass das Land drei Viertel seines niedrig angereicherten Urans ins Ausland verschifft. Dieses soll in Russland angereichert, in Frankreich zu Brennstäben gefertigt und dann an Iran geliefert werden. Mottaki hatte gesagt: "Wir werden unser um 5,3 Prozent angereichertes Uran definitiv nicht außer Landes verschicken."

El Baradei: Sanktionen lösen Problem nicht

El Baradei sagte, der Plan sei eine einzigartige Gelegenheit, den Konflikt zu entschärfen. "Für mich ist es immer noch eine Chance", meinte er. Von Sanktionen halte er dagegen nichts. Die gefährliche Konfrontation in der Region werde damit nicht gelöst. "Die Region steckt in einem totalen Chaos - chaotischer kann es wohl kaum werden", sagte der IAEO-Chef. Obama hatte erklärt, die USA und ihre Verbündeten wollten über neue mögliche Sanktionen diskutieren, um den Druck auf Teheran zu erhöhen. Weitere Strafmaßnahmen könnten vermutlich in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden.

Die Bedeutung eines für (den heutigen) Freitag anberaumten Treffens der sogenannten Sechsergruppe - USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China sowie Deutschland - in Brüssel spielte ElBaradei herunter. Das sei wohl eher ein Akt der Verzweiflung, sagte er und wiederholte: "Sanktionen werden die Sache eher verschlimmern." Ferner wurde der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu zu einem Treffen mit Präsident Mahmoud Ahmadinejad im Iran erwartet. Ankara setzt sich für eine friedliche Lösung des Konflikts ein, um eine etwaige Verschärfung der Sanktionen gegen das Land zu verhindern. (APA) 

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13 Postings
universelles recht auf atomwaffen
22
24.11.2009, 22:13
ankara ist auf seiten des irans, es wird daher keinen kompromiss benötigt

der westen möge sich bitte mit den geschätzten 200-300 atombomben seines verzogenen kindes, israel beschäftigen...

Georg Schütt
21
21.11.2009, 08:06
Es ist sicher notwendig, gleich fünfmal zu schreiben, dass Baradei Sanktionen ablehnt. Er hat ja recht, dass sie meist nur die Schwachen treffen.

Auch die Sanktionen gegen den Irak trafen nur die Schwächsten. Saddam hat deswegen nicht auf einen neuen Palast, nicht auf ein neues Auto verzichtet.

Die Frage aber drängt sich auf, was anstelle solche Sanktionen denn ein Weg ist, um zu einer Einigung zu kommen? Es sei denn, Baradei sieht ohnehin keine Chance darauf.

Aber so, wie er es gegenwärtig darstellt, muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, die Position des Iran zu stärken, wenn er Strafmaßnahmen für den wiederholten Bruch bestehender UN-Resolutionen wie auch des NPT ablehnt.

soseies
32
21.11.2009, 10:48

vielleicht ist er aber nur eine person, der sanktionen z. b. 500.000 tote kinder, wie im falle der irak sanktionen, nicht wert sind...

was wir im westen ja anders sehen....zumindest frau madeleine albright, ihres zeichen us außenministerin, die meinte, dass die sanktionen gegen den irak 500.000 tote kinder wert seien....

p.ervers, nich wahr....

Fritz Wunderlich
32
21.11.2009, 14:20

genaues zitat kannst du angeben, oder nur diffamierung?

Fritz Wunderlich
10
22.11.2009, 20:10

the price is worth it, schnitt
tja, kein zitat, da der vollständige satz nicht vorhanden ist

magnum1
00
22.11.2009, 00:46

Es handelt sich um keine Diffamierung lieber Fritz. Madeleine Albright tätigte am 12 Mai 1996 diese Aussage.

Wer es nicht glauben will, hier das Interview: http://www.youtube.com/watch?v=FbIX1CP9qr4

soseies
00
21.11.2009, 15:00

ändert das was an der kernaussage?

Fritz Wunderlich
31
21.11.2009, 18:40

aha, diffamierung, du siehst dich also im krieg gegen die usa

soseies
31
21.11.2009, 20:27

so ein blödsinn...

ich seh mich, wenn sie`s schon so wollen, im krieg, gegen unmenschlichkeit, für eine gerechtere welt, die wieder die interessen der überwiegenden mehrheit der menschen wiederspiegelt...

ich weiss....ich bin ein gutmensch...

da sehen sie wo wir als menschheit stehen, wenn es eine interessensgruppe schafft "gutmensch" (und deren anliegen) als schimpfwort und deren anliegen als verunglimpfung darzustellen...

scheiß welt...sie kann nur besser werden...und dazu bedarf es menschen, die anders ticken als sie...

depp am huegel
01
20.11.2009, 16:35

da wird der ElBaradei schon lang in pension sein werden sich die noch nicht geeinigt haben. warum? weil einigung nicht das ziel ist.

xx Hour1
30
20.11.2009, 14:32

Ich hoffedaß die Einigung kommt.
es muß aber eineFaire und sicheren Vertrag sein.

Es geht nicht so, lifer mir alle dein Uran , Ich verarbeitesie und lieferedie irgenwann, nächste, übernächstes jahr.

Austausch der Brennstoff wird in Echtzeit und in iran gemacht.

d_parker
12
21.11.2009, 11:46
UN-SC-Resolution 1737 (aus 2006): welchen Teil von "SUSPEND" belieben Sie bzw. die Führung der IRI nicht zu verstehen?

The Security Council,
[...]
2. Decides, in this context, that Iran shall without further delay suspend the
following proliferation sensitive nuclear activities:
(a) all enrichment-related and reprocessing activities, including research and
development, to be verified by the IAEA; and
(b) work on all heavy water-related projects, including the construction of a
research reactor moderated by heavy water, also to be verified by the IAEA;
[...]

http://www.iaea.org/NewsCente... 7-2006.pdf

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