Diskutierte man vor einigen Jahren mit Entwicklungstechnikern der deutschen Autoindustrie, kam beim Stichwort "Hybridantrieb" keine Freude auf
Viel zu aufwändig, dabei wenig effektiv, war sinngemäß die Antwort. Doch der enorme Erfolg von Toyota und dann Lexus brachte die Ingenieure unter Zugzwang. Mit einiger Verspätung schritt man zur Tat und bildete sogar Konsortien, die bis dahin nicht einmal vorstellbar waren. BMW mit Daimler-Chrysler und GM etwa. Auch die jüngere Entwicklung des Hybrid-7ers geschah in Kooperation mit Erzrivale Mercedes.
Ausgangspunkt war einerseits der enorme Erfolg der Japaner. Andererseits zwangen US-amerikanische Gesetzesvorlagen zum Handeln. Dazu kam noch die Vorstellung, Autos in Ballungsgebieten nur mehr elektrisch fahren zu lassen. Anders ist der enorme zusätzliche Aufwand für reinen Elektrobetrieb nicht erklärbar. Denn der positive Effekt für den Verbrauch ist bei einem viel billigeren milden Hybrid kaum geringer. Dabei schiebt man den Umweltaspekt gerne in den Vordergrund. Im konkreten Fall des X6 geht es aber eher um die Rettung der Saurier vor dem Aussterben oder zumindest um Lebensverlängerung.
Das Publikum lügt sich naturgemäß auch gerne in den Sack, wenn es darum geht, Gewohnheiten und Verhaltensmuster beizubehalten. Es ist einfach schön, in einem mächtigen SUV zu sitzen und sagen zu können, ich rette die Umwelt, indem ich Hybrid fahre.
Und noch etwas kommt dazu: In den oberen Preisregionen schmerzt offenbar der zusätzliche Aufwand weniger. BMW schafft es jedenfalls bravourös, den Umweltpionier hervorzukehren und dabei auch noch die Kernkompetenz "Dynamik" zu überhöhen. Die Intelligenz in Richtung schlanker Linie bleibt dabei aber völlig auf der Strecke. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/20.11.2009)