Intellektuelle Schwäche oder politische Absicht?

20. November 2009 11:22

Tiefer Kursverfall und starker Anstieg: Ähnlich der Entwicklung der Banken verlief die der Börsen - Von Paul Kellermann

Um die seit September 2008 sich verschärfende "Finanzkrise" - also Probleme zu nächst der Geschäftsbanken, von ihnen auch Privatkunden großzügig vergebenes Geld termingerecht verzinst zurück zu bekommen - zu mildern, stellten Zentralbanken und Regierungen Geldmengen in bisher nicht bekannter Höhe zur Verfügung. Die dafür verlangten Zinsen lagen zwischen fast null (Zentralbanken) und knapp zehn (Regierungen) Prozent. Öffentlich beklagt wurde dann, dass die Geschäftsbanken das ihnen zugängliche Geld nicht mit üblichem Aufschlag der "Realwirtschaft" - also Unternehmen, die Güter und Dienstleistungen erzeugen und anbieten - weitergaben. Danach rief Verwunderung - teilweise Bewunderung, aber auch Erleichterung - hervor, dass einige Banken, die vor kurzem noch "zusammenzubrechen" drohten, wieder große Gewinne vermelden konnten.

Wie ist das zu erklären und wie das Folgende? Ähnlich der Entwicklung jener Banken verlief die der Börsen: Zunächst tiefer Kursverfall, dann starker Anstieg. So lag in den letzten 52 Wochen seit November 2009 der tiefste Wert beispielsweise der Bank "Raiffeisen International" bei 13,00 und der höchste bei 47,86 Euro; das entspricht einer Steigerung von 268 Prozent.

Wie lassen sich nun diese beiden Entwicklungen erklären? Indem beide Entwicklungen - die der Banken und die der Börsenkurse - zusammen gesehen werden: Wer billig erhaltenes Geld statt zur "Ankurbelung der Wirtschaft" in Finanzmärkte investierte, erhöhte dort die Nachfrage, was deren Kurse steigen ließ. Diese Entwicklung beobachteten andere, setzten ebenfalls billig erhaltenes Geld in der Finanzwelt ein, was weiteren Kursanstieg bewirkte. Wer anfangs investierte hatte, konnte bei rechtzeitigem Ausstieg großen Gewinn machen. "Rechtzeitig" kann sich dabei auf längere Dauer - etwa März 2009 Einstieg und November 2009 Ausstieg - beziehen, aber ebenso auf "day trading", also auf täglichen, gar kürzeren Handel, um Kursschwankungen zu nutzen.

Ist es nun intellektuelle Schwäche oder politische Absicht derer, die so vergleichsweise preiswert Geld zur Verfügung stellten, dass einige "kluge Köpfe" beziehungsweise Spekulanten so reichen Gewinn machen konnten? Vermutlich gilt beides, beides nicht zum Wohl der gesamten Gesellschaft. War es eigentlich nicht die Absicht, volkswirtschaftlich bedeutsame Banken und die "Realwirtschaft" vor Zusammenbrüchen zu schützen? Wenn ja, dann hätte man die Spekulation unterbinden müssen. Freilich wären dann die Börsenkurse erheblich niedriger und die Börsen weiter entfernt von einer erneuten "Blase" , also von luftgefüllten, das heißt von bloß virtuellen Finanzvermögen ... Die "Arbeitslosigkeit", also Erwerbslosigkeit, wäre freilich dennoch nicht geringer, weil das den Unternehmen verfügbare Geld generell in produktivere Apparate und Verfahren investiert wird, wodurch regelmäßig weniger Arbeitskraft gebraucht wird. Was das nun bedeutet und wie politisch mit intellektueller Stärke vernünftiger gehandelt werden müsste, wäre noch zu diskutieren. (Paul Kellermann)

Zur Person:

Paul Kellermann, Jg. 1937, ist emeritierter Soziologie-Professor und Mitglied des Forschungsbeirats an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Wirtschafts-, Bildungs- und Geldsoziologie. Er ist Herausgeber einschlägiger, interdisziplinärer Bücher wie "Die Geldgesellschaft und ihr Glaube" und "Geld und Gesellschaft".

 

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  • 8.11.2011
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Posting 1 bis 25 von 26
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wolfgang rosar
 
22.11.2009 16:54

hat ein spielsüchtiger das geborgte geld für miete und essen wieder ins Kasino getragen?

wolfgang rosar
 
22.11.2009 16:53

haben die banken die "hilfspakete" wieder nur für spekulationen verwendet?

Susanne Starkl
11.12.2009 21:03
scheint so zu sein

ich finde die Schlussfolgerungen vom Prof. Kellermann logisch und das erklärt auch logisch die mir zuerst unerklärlichen Anstiege der Aktienmärkte. Eine Sauerei jagt hier die Andere. Was dürfen sich die Damen und Herren noch alles erlauben bis wir Bürger aufstehen und sie zum Teufel jagen?

Kapitalismus Luege
22.11.2009 09:17
Risiko- und Zeittransformation

das beherrschen die Banken noch.

Doch nicht mehr im klassischen Sinn, wo die Bank Einlagen in Kredite transformiert, sondern in (ab)zockerischer Art und Weise.

Die Trennung Geschäftsbank/Investmentbank ist absichtlich aufgeweicht. Einmal geht's noch fest in Commodities, dann fällt die Währung um - vielleicht verbunden mit gewaltigem gesellschaftlichem Umbruch.

Nirvanacharly
 
21.11.2009 19:12
ja so etwas nennt man

betrug wenn ich mich recht entsinne! die kriminalität der wirtschaft ist unbegrenzt tätig.

David Mungo
21.11.2009 14:31
Was ist eigentlich das Problem

an dieser "schrecklichen" Krise, wenn fast keiner (Mensch) was davon spürt?

Charles Mackay
21.11.2009 23:34

Wo lebst du denn, David - aufm Mond?

David Mungo
22.11.2009 09:39

Ja, manche würden das wohl so bezeichnen, wo ich lebe.

seeallevil
20.11.2009 20:28

Ein furchtbar schlechter Artikel - sowohl stilistisch als auch thematisch auf dem Niveau einer Deutscharbeit.

Roman Santos
11.12.2009 21:06
Da bin ich total anderer Meinung

Der Artikel ist verständlich geschrieben und was noch wichtiger ist - der Inhalt ist logisch und trifft meiner Ansicht nach den Nagel auf den Kopf.
Ich frage mich, wann es genug ist und wir den Verantwortlichen, die mit unserem Geld diese Spiele spielen, eine auf den Kopf hauen.

L.B.1
21.11.2009 17:22
Wie Ihr Posting: Mit thematisch meinen Sie wohl inhaltlich.

Hauptsache, Sie können rummotzen, dann ist der Tag gerettet, richtig?

Roman Santos
11.12.2009 21:10
mit Ihrer Bemerkung haben Sie sicher Recht

- der gewählte Nick manchen Poster eröffnet einem ja einen tiefen Blick in das Innere dieser Menschen.
see all evil sagt ja mehr als deutlich aus von welcher Geisteshaltung der Poster ist.....

seeallevil
22.11.2009 16:47

Stimmt, "inhaltlich" wäre besser gewesen.

Regis 1
21.11.2009 10:44
Ein furchtbar schlechter Artikel ...

schon mal die überlegung gehabt, dass mann/frau sich manchmal einer sehr einfachen sprache bewusst bedient, um sich für die allgemeinheit verständlcih zu machen?

Friedel Marksteiner
 
20.11.2009 18:29
Es geht ja leider nicht nur um die Börse

die Spekulation ist ja bei Öl, Rohstoffen und Nahrungsmitteln (Getreide, Reis etc.) und Währungen längst wieder auf Touren - mit dem billigen Geld der Zentralbanken. Goldman Sachs schüttet für die Gewinne aus der Spekaulation an seine Mitarbieter allein in 2009 34 Milliarden $ an Boni aus und der Chef, Herr Goldstein, entschuldigt sich sogar.
Und unsere Politiker sehen weitgehend unbeirrt zu - ebenso die Meiden.
Ja, man fragt sich, was noch alles passieren muss, bis etwas passiert.

birka
22.11.2009 08:22

"34 Milliarden $ an Boni"?

caranx
21.11.2009 15:48
Um die Börse geht es überhaupt nicht

Das ist lediglich ein Marktplatz.
Es hat sich sehr viel mehr geändert als man vulgo denkt. Vor allem die wesentlich vorsichtigere Vergabe von Krediten. Und das ist ein Riesenproblem, auch wenn das ein Arbeitnehmer nicht sieht (er merkt es nur später durch evtl.Entlassung).
Man soll auch nicht ständig Boni in den Mittelpunkt rücken. Das sind Prozente am verdienten, real existierenden Gewinn, also Erfolgsprämien und keine fixen Zahlungen. Das macht allemal mehr Sinn als regelmässige Zahlungen unabhängig von Erfolg.
Wieviele Arbeitnehmer würden das selbst bei möglichen hohen (aber nicht sicheren) Prämien akzeptieren?

t-bonesteak
22.11.2009 15:23
deshalb haben auch kapazunder wie z.b. von aig oder dresdner kleinworth

boni bekommen, weil die ein gerechter anteil am erfolg sind?

die praxis zeigt leider, dass ihre definition von bonuszahlungen nur in der theorie existiert

Charles Mackay
21.11.2009 23:52
Danke!

"Und das ist ein Riesenproblem, auch wenn das ein Arbeitnehmer nicht sieht (er merkt es nur später durch evtl.Entlassung)"

Das geht runter wie Butter!

her wig
20.11.2009 14:45

Wenn die Börsenkurse krachen, dann tun dies auch die Bewertungen von Wertpapierbeständen. Falls ein Unternehmen so etwas zur Kreditbesicherung verwenden wollte, würde natürlich entsprechend weniger Geld "weitergegeben".

Ich habe keine Ahnung wie relevant dieser Zusammenhang für die Ausdehnung der Krise in die Realwirtschaft ist, was ich sagen will ist dass man sich die Zusammenhänge genauer ansehen sollte. Damit man erkennen kann wo man Sicherheitsgrenzen einzuziehen sind, im Sinne von Brandschutzmauern.

RichardRoe
22.11.2009 11:00

Banken nahmen kaum je Aktien als Besicherung an und wenn, dann nur mit Abschlag: -50% und mehr.

Das heutige Problem ist aber, dass Firmen kaum mehr Kredite bekommen, weil die Banken das vorhandene Geld zum Zocken verwenden. Ist ja auch logisch, man kann an der Börse innerhalb weniger Wochen aus 1000 Euro 5000 machen, ein Kredit von 1000 Euro bringt dagegen wenig, nur Arbeit. Natürlich birgt die Zockerei auch Risken, aber die hohe Gewinnchance lockt. Die Frechheit ist, dass die Banken versuchen, diese ihre Untätigkeit als Geschäftsbanken zu verschleiern. Sie lassen bei Subunternehmen zocken und sie geben dafür einen Kredit (an sich selbst) - die ausgewiesene Kreditsumme steigt!

lessismore
20.11.2009 14:08

Es herrscht eben die Finanzoligarchie. (Ich weiß, ich weiß. Böse Wörter ...).

Der Joker
 
20.11.2009 12:14
„Wer billig erhaltenes Geld statt zur "Ankurbelung der Wirtschaft" in Finanzmärkte investierte, erhöhte dort die Nachfrage, was deren Kurse steigen ließ.“


Wie haben die Banken das gemacht? Was haben denn die Banken mit dem Geld das sie vom Staat geliehen bekommen haben, getan?

„Diese Entwicklung beobachteten andere, setzten ebenfalls billig erhaltenes Geld in der Finanzwelt ein, was weiteren Kursanstieg bewirkte.“
Welche anderen außer den Banken haben denn noch billig Geld erhalten?

Charles Mackay
22.11.2009 00:34

"Wie haben die Banken das gemacht? Was haben denn die Banken mit dem Geld das sie vom Staat geliehen bekommen haben, getan?"

Nochmal, l-a-a-a-ngsam: mit dem Geld haben sie den (Aktien)Markt wieder aufgeblasen und eine weitere
Luftnummer (Blase) kreiert. Zur Erinnerung: wir hatten die .com-Blase., nachdem die geplatzt war, wurde die Immobilien-Balse kreiert, welche schon relativ künstlich war im Gegensatz zur .com-Blase (neue Technik, tatsächliche Aufbruchsstimmung und Kontakt zur Real-Wirtschaft) - die jetzige Luftnummer allerdings ist einzigartig kunstvoll geblasen und ich würde es vorziehen, nicht dabeisein zu müssen, wenn sie hops geht ...

GevatterTod
20.11.2009 21:46
denken sie mal ueber den Oelpreis nach!

dann haben sie eine moegliche Antwort fuer Geld, das eine Anlage sucht.

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