Alkohol im Strassenverkehr

Verkehrspsychologischer Check im Test

26. November 2009, 17:09
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    foto: florian vetter

    Die Steuerungstastatur: Für die Leistungstests sind keine Computerkenntnisse erforderlich.

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    Hochtechnologie einstweilen noch im Forschungsstadium: Tests zur peripheren Wahrnehmung und Sensomotorik werden mittels Messbalken in Augenhöhe vorgenommen.

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    Für ein erfolgreiches Absolvieren der Computersimulationen muss nicht nur in die Tasten gehauen sondern auch in die Pedale getreten werden.

Ab 1,6 Promille ist der Führerschein für 6 Monate weg und die verkehrspsychologische Untersuchung fix. Durchwurschteln kann man sich bei dieser nicht - derStandard.at hat es getestet

Der Mensch als Mosaik aus Reizen: Gelb leuchtet auf, also muss Gelb weggedrückt werden. Dann ein flinker Fußkontakt mit dem linken Pedal, daraufhin ertönt ein lautes tiefes Signal: Der schwarze Knopf in der Mitte ist der richtige, weg ist der Ton. So geht es abwechslungsreich weiter, der Testbildschirm zeigt Farben, lässt akustische Signale erklingen und Pedale aufleuchten, auf die allesamt reagiert werden muss. Vier Minuten dauert die Übung, das ist anstrengend. Die Bilanz dafür: 88 Prozent. Bei 19 Fehlern und zehn ausgelassenen Reizen. 

Schlechtesten-Auslese

Der Determinationstest misst die reaktive Belastbarkeit im Verkehr und ist der aussagekräftigste Test bei der verkehrspsychologischen Untersuchung. Streng wird nicht bewertet. "Das war überdurchschnittlich gut, wir haben aber eine Schlechtesten-Auslese : 16 Prozent ist das Minimum für ein positives Abschneiden. Der 70-Jährige rüstige Großvater schafft es auch, die Vorgabegeschwindigkeit passt sich an das Leistungsniveau an", sagt Bettina Schützhofer, Verkehrspsychologin bei "sicher unterwegs". 

Die gesamte Untersuchung gliedert sich in einen Leistungs-, einen Persönlichkeitstest und ein Explorationsgespräch. Dauer des Procedere: Normalerweise etwa zwei Stunden. Einem Lienzer dürfte es im Vorjahr schlimmer ergangen sein. Er beklagte sich nach mehr als fünf Stunden intensiven verkehrspsychologischen Screenings laut "Tiroler Tageszeitung" bei der Volksanwaltschaft weil er nicht glauben konnte, dass ein derartiger Test dermaßen lang, ermüdend und belastend sein darf. Schützhofer: "Ein Einzelfall. Die Aufgaben sind standardisiert, mit Pausen kann es vielleicht auch drei Stunden dauern, die Untersuchung ist aber wirklich zu schaffen. Man muss das ganze ja nicht nach einem schweren Arbeitstag absolvieren." 

Bereit zum Risiko

Mehr als 50 Prozent aller Teilnehmer an verkehrspsychologischen Untersuchungen sind Alko-Lenker. Dann gibt es noch die drogenauffälligen Autofahrer, sie sind vor allem in Wien ein Thema wo es einige tausend Substitutionspatienten gibt. Menschen, die im Verkehr riskant überholen, einen Bus lenken wollen oder sehr viele Radar-oder Parkstrafen erhalten, müssen auch zur Untersuchung. Ebenso: Führerscheinprüflinge, die viermal den praktischen oder fünfmal den theoretischen Teil nicht bestehen.

Die Eingangsprüfung ist ein Risikobereitschaftstest, eine Verkehrssequenz wird simuliert. Am Bildschirm ist ein Zebrastreifen zu sehen, ein Fußgänger nähert sich aus einigen Schritten Entfernung. Die Füße an den Pedalen, gilt es zu dem Zeitpunkt zu drücken, ab dem der Schutzweg nicht mehr überfahren werden soll. Geht es sich noch aus weiterzufahren? Eher nicht. Das Ganze lässt sich auch beim Abbiegen und beim Überholen herausfinden. 

Wahrnehmungsgrenzen

Ziel eines jeden Klienten muss sein, eine günstige Verkehrsverhaltensprognose zu erhalten. Zum Autofahren kann man demnach geeignet, bedingt oder nicht geeignet sein. Das Gutachten wird in Zusammenarbeit mit dem Amtsarzt erstellt, die Möglichkeit eine Beurteilung mit "bedingt geeignet" abschließen zu können, findet Schützhofer besonders sinnvoll: "Die Frage ist, ob sich das Alkoholkonsum-Verhalten ändert. Steht der Klient etwa leichter auf, hat er ein besseres Beziehungsleben oder nehmen die Freizeitaktivitäten zu, klingt das plausibel. Er muss das aber über einen längeren Zeitraum beweisen. Schöne Leberwerte beim Amtsarzt am Tag X reichen nicht. Einmal im Quartal müssen die Laborwerte einen positiven Trend bestätigen."

Wo werden die Wahrnehmungsgrenzen berührt? Der Testcomputer zeigt eine Verkehrssituation, nach jedem Bild soll angeben werden, was darauf zu sehen war. Fußgänger, Auto, Verkehrsschild etc. Die Bilder wechseln flott, Nummer zwei und drei haben sicher ein Auto und ein Verkehrszeichen gezeigt. Oh nein, die Ampel wurde vergessen! Der Verkehrsauffassungstest ist eine echte Prüfung für das Ultrakurzeitgedächtnis. 

Kein Durchschwindeln

Abschließend gibt es das Explorationsgespräch. Persönliche Details, soziales Umfeld, die Verkehrsvorgeschichte, ein etwaiger emotioneller Zugang zum Autofahren, das alles wird im Zwiegespräch eruiert. "Durschwindeln funktioniere eher nicht", beschönigende Tendenzen werden recht schnell erkannt. Bettina Schützhofer: "Die alkoholtypische Problemverleugnungshaltung lässt sich mit den Leistungs- und Leberwerten überprüfen. Jemand der eine Fahne als einmaligen Ausrutscher tituliert, schafft es nicht mehr sich mit 1,6 Promille hinters Steuer zu setzen. Setzt man Alkoholmenge und -spiegel mit dem Körpergewicht in Beziehung, ergibt das ein eindeutiges Bild."

Viele Untersuchten schmerzt nicht nur der Verlust des Führerscheins und der Gang zum Verkehrspsychologen, sondern auch das Börsel. 363 Euro Testgebühr sind für die am Weg zur Läuterung befindlichen Alko-Lenker jedenfalls mehr Peanuts, verglichen mit den 1.600 bis 5.900 Euro, die im neuen Strafrahmen allein für das Delikt fällig sind. Manche sind auch ehrlich, Schützhofer erinnert sich an die Aussage eines Klienten, der mit 1,6 Promille normal sprechen und fahren konnte: "Na hearn's, des muss ma scho trainieren." (Florian Vetter, derStandard.at, 26.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 52
1 2
Rekoo
00
23.2.2010, 12:47
..was ich heute lesen "darf"

als erstes drüben das "strassen-wimmerl" (microcar) jetzt hier der psychologe wegen strafzettel... bitte nehmt uns die autos weg, der alexander ist doch auch zu fuß bis nach makedonien gegangen... aber den hahn möcht ich persönlich nach brüssel mit der peitsche treiben..

star observer
00
26.1.2010, 17:03

wie ist "sehr viele" parkstrafen definiert?
und:
was hat mein psychischer gesundheitszustand mit der tatsache zu tun, dass bei mir in der nähe ab ca. 21:00 uhr manchmal kein, wirklich kein parkplatz zu finden ist, der auch nur annähernd legal sein könnte?

Weichspüler
01
15.12.2009, 22:40
... die Vorgabegeschwindigkeit passt sich an das Leistungsniveau an ...

... also ein Holler.

Es kann nur absolute Werte als Messgröße geben.

Entweder reagiert jemand schnell genug oder nicht, egal ob er 85 Jahre alt ist oder Alkohol getrunken hat.

cantanto
34
28.11.2009, 20:22
So ein Schwachsinn!

Und wieder einmal vom unnötigsten Berufsstand erfunden.

Jeder halbwegs intelligente Mensch bindet denen einen derart großen Bären auf, dass sie nur mehr Fell sehen...

interessant und hübsch
 
25
27.11.2009, 16:31

die bettina ...

etwas unfreundlicheres habe ich noch nicht erlebt! Ein wahnsinn die dame ... *schauder*


übrigens sehr sinnig diese untersuchung ...

und vonwegen kein durschwindln ... da werden fragen gestellt bei denen man sich nur am kopf greifen muss ..

z.b." wenn ich eine pfütze sehe :"

Beispielantworten: 1.) fahre ich extra schnell durch, damit es möglcihst hoch spritzt


ist so ein test ernstzunehmen? ich behaupte NEIN

sabber
22
27.11.2009, 13:44
"die Vorgabegeschwindigkeit passt sich an das Leistungsniveau an"

und der Verkehr paßt sich in der Realität dann auch an. Kommt ein Opa mit Hut im Auto daher fahren wir nur noch Schrittgeschwindigkeit, damit er nicht überfordert wird.

Henry Flower
02
29.11.2009, 11:29
na eben nicht, und deswegen ist die unfallstatistik der über 50-jährigen nicht in griff zu kriegen

(zumindest bei ungeschützten verkehrsteilnehmerInnen eine mehrheit der todesfäle, seit jahren schon)

in vorrangsituationen wird dem gegenüber immer weniger zeit zum reagieren (evtl. zur korrektur) gegeben. wie soll das bei einer alternden bevölkerung weitergehen?

brutal ausgedrückt - die jungen zahlen den alten die pension, dafür dürfens sie nach lust und laune übern haufen fahren? aber angeknackste alte kosten uU noch mehr...

mit dem tempo des modernen lebens hat das nix zu tun, weil die sekunde bzw der meter raum, die/den man dem benachrangten schenken müsste, um eine kollision zu vermeiden, die würden niemandem abgehen.

nein, das ist reine dummheit und unkultur.

Alexander Reiter
00
28.11.2009, 01:05

Stichwort Vertrauensgrundsatz ;)

Henry Flower
00
29.11.2009, 11:44
der interessanterweise in unseren nachbarländern DE und CH

nicht so einseitig formuliert ist, weil dort haben auch jene die im vorrang sind die gesetzliche pflicht, auf die benachrangten verkehrsteilnehmerInnen rücksicht zu nehmen.

hier klescht man einfach in die kreuzung hiein nach dem motto "ich hab eh grün, soll er sich schleichen, der lahm**sch! tu weiter, du sa..." TUSCH!

Elfmeter
01
27.11.2009, 12:45
Ich fahre seit 1978 Auto: Noch NIE einen Alkotest, noch NIE ein Planquadrat, oder ähnliches

Fahre aber doch um die 40.000,- km im Jahr. Also, wo sind sie, die Polizisten?

Die kindliche Kaiserin
00
16.12.2009, 11:10

Dann wohnen sie entweder im Weinachtel, äh, -viertel oder in der Südsteiermark - stimmts? ;-))

Thomas Bernhard3
 
42
27.11.2009, 17:05
...

vom bauernhof zum acker zählt aber nicht gell

von Thronstahl
 
41
27.11.2009, 12:32

Na typisch Österreich: Hauptsache wir haben eineige tausend Giftler"p.c: drogenauffällige Substitutionspatienten" die Auto fahren dürfen... und wir laden die Radar- und Parkstrafensammler zu den Tests...

spoiled ballot
01
27.11.2009, 17:28
"Dann gibt es noch die drogenauffälligen Autofahrer"

also erstens müssen die zum test, und zweitens ist die anzahl im vergleich zu den alkoholikern gering.

Arthur D Little
 
01
27.11.2009, 11:59
Parkstrafen

Könnte bitte näher erläutert werden, was es mit den Parkstrafen auf sich hat?
Warum sollte man deswegen zum Psychologen oder gar während der "Behandlung" seine Alkohoklgewohnheiten nachweisen ???

Henry Flower
14
29.11.2009, 11:37
weil wer dauernd falsch parkt,

hat ein problem die bedürfnisse seiner mitmenschen zu erkennen, bzw. anzuerkennen, was irgendwie eine psychologische grundvoraussetzung zur gelungenen teilnahme am strassenverkehr ist.

ein blinder fleck der ö. kultur: falschparken ist kein opferloses vergehen. in einer stadt wird dadurch praktisch immer jemand behindert (zB rollifahrer oder frau mit kinderwagerl bei 40 cm rest-gehsteigbreite, jemand der selbst einen parkplatz sucht findet keinen), gefährdet (durch blockierte sichtbeziehung an kreuzung oder schutzweg, durch zuwenig restbreite an der fahrbahn) oder selbst genötigt, eine stvo-übertretung zu begehen (zB von der verparkten radspur auszuweichen, wegen der verparkten ladezone den lkw in der 2. reihe anhalten).

Arthur D Little
 
00
30.11.2009, 08:56

ach ja, die vielen Mitmenschen, atmen die doch alle Ihnen den Sauerstoff weg und produzieren zuviel C02 ...

MIP1
01
27.11.2009, 16:23

Wenn einer auf die vielen Parkzettel nicht reagiert, reagiert er halt im fließenden Verkehr auch nicht rechtzeitig. Oder so ähnlich wird es sein.

Parkschwein
21
27.11.2009, 16:35

"Wenn einer auf die vielen Parkzettel nicht reagiert, reagiert er halt im fließenden Verkehr auch nicht rechtzeitig"
klingt ja wahnsinnig logisch.

Einer der Unsren
01
27.11.2009, 14:09

Naja, es kommt wohl darauf an wie man hier "viel" definiert.
Aber wen wer täglich einen Strafzettel wegen Falschparkens bekommt, der hat vermutlich schon irgendein Problem.

Arthur D Little
 
00
27.11.2009, 15:37

aber sicher kein Alkohol oder Reaktionsproblem!

ElGuancho1
02
27.11.2009, 15:01
vielleicht

hat er genug Geld und keine Lust Kreise zu fahren...

piroschka d.
00
27.11.2009, 13:27

weil man durch anhaeufen von xxx parkstrafen quasi unterstellt sich nicht in der richtigen geistigen verfassung zu befinden um sich im strassenverkehr zurechtzufinden.

so circa. auf welchen stvo § sich das genau bezieht kann ich leider nicht sagen. vielleicht § 58?

Arthur D Little
 
00
27.11.2009, 15:38

eben, Sie schreiben es, offensichtlich wird hier was unterstellt !

luke90
03
27.11.2009, 10:55

ich finde die verkehrspsychologische ist in den meisten fällen reine alibihandlung des amtsarztes auf kosten des alkohollenkers

meine situation: ich sitze im warteraum, dort ist auch noch ein anderer verkehrssünder. er bekommt ein sms - "es muss ein stiegel sein, braukunst auf höchster stufe" ertönt es aus dem handy
hat dieser herr wirklich etwas daraus gelernt?

viel sinnvoller ist hingegend die "anonyme" alkoholberatung weil bei dieser kann man als besucher auch wirklich 100% ehrlich sein und nicht alles verhamlosen weils später der amtsarzt zum lesen bekommt

in der praxis siehts so aus das der amtsarzt auch trotz nicht bestandener verkehrspsychologischen den führerschein mit auflagenen genehmigt oder dies zumindest machen könnte

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