Einen unscheinbareren Präsidenten hätte man nicht finden können
Der schlimmste Fall ist eingetreten: Die Staats- und Regierungschefs haben mit Herman Van Rompuy und Catherine Ashton das wohl schwächste Duo in die wichtigsten neuen EU-Ämter gewählt, das überhaupt denkbar war. Alles Gerede vom breiten Kompromiss ist nutzlos.
Der belgische Premierminister mag ein reizender, älterer Herr sein, der für seine Verbindlichkeit und seine Literaturleidenschaft berühmt ist. Ein Mann, dem es gelang, die absurd zerstrittenen belgischen Parteien auf ein wackeliges Bündnis zu versöhnen. Aber er hat keinerlei Großtaten auf europäischer Ebene vorzuweisen. Von ihm sind keine Initiativen, keine Beiträge für ein besseres Europa bekannt. Er ist erst seit zehn Monaten im Rat dabei. Einen unscheinbareren Präsidenten hätte man nicht finden können.
Noch ärger ist es bei Catherine Baroness Ashton. Sie hat noch nie Außenpolitik gemacht. Sie wurde zur ersten EU-Außenministerin gewählt, weil sie 1.) Sozialdemokratin ist 2.) dazu Britin und langjährige Wegbegleiterin des Duos Blair/Brown, und 3.) weil sie eine Frau ist. Traurig zu sagen, sie wurde aus dem Hut gezaubert, weil die Briten keine qualifizierte Ex-Außenministerin hatten. Aber es musste unbedingt eine Ministerin in die Männerfront.
Nimmt man den auch nicht gerade charismatischen Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso dazu, dann ist die neue europäische Spitze komplett: eine harmlose Truppe grauer Mäuse, mit der die nationalen Regierungen Katz und Maus spielen werden. Wie dieses Spitzenpersonal Europa in der Welt Geltung verschaffen soll, wie es die eigenen Bürger mitreißen soll, das bleibt rätselhaft. Ein Desaster, ein Fehlstart des Lissabon-Vertrags. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2009)