Neue EU-Spitze

Europa der grauen Mäuse

19. November 2009 22:19

Einen unscheinbareren Präsidenten hätte man nicht finden können

Der schlimmste Fall ist eingetreten: Die Staats- und Regierungschefs haben mit Herman Van Rompuy und Catherine Ashton das wohl schwächste Duo in die wichtigsten neuen EU-Ämter gewählt, das überhaupt denkbar war. Alles Gerede vom breiten Kompromiss ist nutzlos.

Der belgische Premierminister mag ein reizender, älterer Herr sein, der für seine Verbindlichkeit und seine Literaturleidenschaft berühmt ist. Ein Mann, dem es gelang, die absurd zerstrittenen belgischen Parteien auf ein wackeliges Bündnis zu versöhnen. Aber er hat keinerlei Großtaten auf europäischer Ebene vorzuweisen. Von ihm sind keine Initiativen, keine Beiträge für ein besseres Europa bekannt. Er ist erst seit zehn Monaten im Rat dabei. Einen unscheinbareren Präsidenten hätte man nicht finden können.

Noch ärger ist es bei Catherine Baroness Ashton. Sie hat noch nie Außenpolitik gemacht. Sie wurde zur ersten EU-Außenministerin gewählt, weil sie 1.) Sozialdemokratin ist 2.) dazu Britin und langjährige Wegbegleiterin des Duos Blair/Brown, und 3.) weil sie eine Frau ist. Traurig zu sagen, sie wurde aus dem Hut gezaubert, weil die Briten keine qualifizierte Ex-Außenministerin hatten. Aber es musste unbedingt eine Ministerin in die Männerfront.

Nimmt man den auch nicht gerade charismatischen Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso dazu, dann ist die neue europäische Spitze komplett: eine harmlose Truppe grauer Mäuse, mit der die nationalen Regierungen Katz und Maus spielen werden. Wie dieses Spitzenpersonal Europa in der Welt Geltung verschaffen soll, wie es die eigenen Bürger mitreißen soll, das bleibt rätselhaft. Ein Desaster, ein Fehlstart des Lissabon-Vertrags. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2009)

Kommentar posten
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Walter Tiefenthaler
23.11.2009 03:14
vielleicht ist dies auch gut so...

...europa soll ruhig weitertraeumen. fuer eine reserve-usa sind wir nach diesem schrecklichen 20. jhd (mit mausen die teilweise feldgrau trugen) denkbar ungeeignet.

Let's agree not to agree
20.11.2009 19:25
Tja,

die Angies, Sarkos und Browns dieses Europas meinen sie könnten gleichzeitig fressen und speiben

Reinhold Loecker
20.11.2009 18:51
Na ja,

Karl Heinz Grasser würde sich auf den Titelseiten von "BUNTE" und "Frau im Spiegel" besser machen, doch Europa ist nicht so reich, daß es sich das leisten könnte.

Tschuri Cazzino
 
20.11.2009 18:44
Der schlimmste Fall ist eingetreten: Der schwächst mögliche Kommentar.

Dass die Beiden im Gegensatz zu z.B. Schüssel, Gusenbauer, Molterer, Ferrero, Molterer und Hahn nicht erst in EU-Ämter abgeschoben werden sollen, nachdem sie national in der Spitzenpolitik wegen Skandalen, politischen Misserfolgen oder verlorener Wahlen nicht mehr tragbar sind, sondern am bisherigen Zenit ihrer Laufbahn in wichtige Ämter gehoben werden, ist kein Nachteil. Muss man wirklich erst kapital und öffentlichkeitswirksam scheitern?

bob langer
20.11.2009 18:04
2 politische leichtgewichte

und dafür die ankündigung, dass 1000e diplomaten eingestellt werden...
noch nicht angelobt, aber schon werden milliarden verbraten
(1000e für mind 5 jahre samt facilities und assistenten, diäten, autos, fahrern, essen.....)

weil die botschafter der eu in der welt werden....
na dann können wir unsere ja einsparen, denn die anderen müssten wirtrotz redundanz mitzahlen....oder?

ebenfalls schwach: es wurden die "statisten" für diese funktion ausgewählt, nicht weil sie die besten wären oder dafür besonders gut geeignet wären,nein sie wurden es deshalb, weil sie keiner kennt, und daher auch von niemandem abgelehnt werden.

und das sind die ,welche die eu in den nächsten jahren (also auch sie und mich) nach außen vertreten werden, zb ge

SchelmWahnsinn
20.11.2009 17:54

Hier wird immer wieder Wolfgang Schüssel genannt, als vermeintlich bessere (oder schlechtere, je nach dem) Alternative genannt.

Meine Meinung: Schüssel spielt in der gleichen Liga wie Van Rompuy oder Balkenende. Die drei wären letztlich austauschbar gewesen für Merkozy. Es ist doch völlig egal, wer den bescheidenen EU-Verwalter mimt. Für Merkozy war nur wichtig, dass der Präsident kein globaler Zampano ist und aus einem eher kleineren Mitgliedsstaat kommt. Der Name ist letztlich zweitrangig.

Jambala Magdalena
20.11.2009 17:02

Die Frau Ashton scheint gute Nerven zu haben, sie und die Frau Merkel sind nicht stutenbissig, genauso wenig wie die Frau Clinton . Das passt schon.

huachzszua
20.11.2009 16:35
Keine schlechte Wahl

für Ämter, die man als experimentell bezeichnen kann. Egomanen wie Blair oder wären ein viel zu hohes Risiko.
Sehen wir erst einmal, wie sich das bizarre Gebilde des Lissabon Vertrags überhaupt leben lässt.

salome pockerl
 
20.11.2009 16:21
eine logische geschichte


die weltpolitik bleibt deutschland, frankreich und england vorbehalten und die beiden sind schaufensterpuppen.

bei der innenpolitik blaibt alles wie gehabt.

den europäern ist das schlechteste passiert, was nur passieren konnte.
den politikern ist das beste passiert.

immer dieselbe g´schicht.

Bromer
20.11.2009 16:00

Nur mal interessehalber, ad "Frau, britisch, Außenerfahrung, Sozi" - wieso haben die Engländer da nicht auf Margaret Beckett zurückgegriffen?

taufrisch
20.11.2009 16:17
Schade um die vertane Chance - für Großmächte ist die EU jetzt eine Lachnummer !!

Tschuri Cazzino
 
20.11.2009 18:48
Können Sie das auch begründen?

Ich erinnere in diesem Zusammenhang an einen gewissen Putin, dem man nichts zutraute. Und jetzt?
Wer will kann sich jederzeit darüber informieren, dass z.B bei Rompuy Zielsetzung und Umsetzung im Einklang sind. Großsprecher wie Blair oder Gusenbauer, die nachweislich versagt haben, sind nicht die bessere Wahl.

Srta. Ofelia
20.11.2009 16:24

Ihr posting aber auch !

Heiner Müller
20.11.2009 15:22
Jetzt mal

ohne auf den Herrn Mayer einzugehen. Was hat denn der EU-Ratspräsident für Kompetenzen? Soweit ich das mitgekriegt habe, ist er im EU-Rat, dem er vorsitzt, doch nicht mal stimmberechtigt. Und mit eigenständigen Entscheidungen hörts ja doch auch wohl mit der Einberufung der EU-Rats auf. Damit bleibt er mehr oder minder ein Moderator zwischen den Regierungschefs. Das ist sicher auch eine wichtige Funktion, aber ist dafür nicht ohnedies ein Rompuy besser geeignet als etwa ein Tony Blair?

SchelmWahnsinn
20.11.2009 17:56

Wenns nur das wäre, hätten Sie Recht. Er repräsentiert den Europäischen Rat aber auch. Er sollte das Gesicht Europas sein. Das wird nun aber schwierig, da seine mediale Präsenz entsprechend gering sein wird. Es mag nicht fair sein, aber das mediale Interesse an der Pressekonferenz eines Tony Blair wäre deutlich höher gewesen.

Salz Burger
20.11.2009 15:13

Mir sind "graue Mäuse" viel lieber als diese Selbstdarsteller. Für ein demokratisch gestaltetes Europa passen sie auch viel besser als Führungsfiguren, die gerne mal ihre Meinung diktieren wollen.

Srta. Ofelia
20.11.2009 15:06

Mir ist eine graue Maus lieber als ein schillernder Volkstribun a la Berlusconi. Lassen wir die beiden doch erst einmal in Ruhe arbeiten !

Enrico Furioso
20.11.2009 15:58
wenn die Wahl alleine zwischen einem Volkstribun

a la Berlusconi und einer grauen Maus gewesen wäre, ich könnte beipflichen. Alleine, so arm an Persönlichkeiten ist das politische Europa denn doch nicht, dass nur diese Alternativen zur Wahl gestanden wären. Was ist zb. mit einem Herrn Juncker? Oder einem Vaclav Havel? Es gäbe etliche interessante Persönlichkeiten innerhalb der EU zu nennen, und einige davon sind sogar als Persönlichkeiten durchaus integer.

Putin Okotie
20.11.2009 14:18
echt ein wahnsinn

Enrico Furioso
20.11.2009 14:11
Europa erntet

was es säte. Die Kritik am Vertrag von Lissabon, dass er die Demokratiedefizite nicht abbaut, sondern eher noch legitimiert, wurde als Defätismus denunziert. Diese Wahl zeigt sehr schön, was wir realpolitisch bekommen: einen Vertrag, in dem Politiker, die großteils selber ernannt, aber nicht gewählt wurden, ihrerseits Leute ohne Wahl in politische Ämter hieven.

hedgehog
20.11.2009 17:56

Da allerorten stets krampfhaft das demokratische Wahlrecht bemüht wird - in Österreich z.B. auch dafür, um den Lissabon-Vertrag zu kippen. Ich meine dazu, dass jemand nicht per Volkswahl (was auch immer das in der EU sein soll) bestimmt werden muss, um eine gute Führungsfigur abzugeben. Ob Blair und dessen Nachfolger Brown, Schröder, zum Teil auch Sarkozy - um nur einige nationale (außerösterreichische) Beispiele zu nennen: all deren Beliebtheitsgrad ist in der "Mühsal der Ebene" gekippt. Und ein demokratisch gewählter Plutokrat wie Berlusconi ist auch nicht gerade eine Vorzeigefigur der Demokratie.

frettchenalarm
20.11.2009 14:16
so läuft das in der EUSSR

und wird noch viel ärger

frettchenalarm
20.11.2009 14:08
immerhin ist er ein Katholik

und noch kein....

mehr darf man nicht schreiben, da aufgrund der Zensurbestimmungen sonst überhaupt kein Posting mehr erscheint

survival of the fattest
20.11.2009 14:06
Mit Sudern und vorsorglichem Verzweifeln ist aber auch niemandem gedient, Herr Mayer.

Messt die beiden doch an ihren Taten - sie sind am internationalen Parkett politisch noch unverbraucht und können eigenes Profil entwickeln. Was sie auch tun werden, gerade weil jeder sie für graue Mäuse hält.

Schlimmer als ein Egomane mit Profilierungssucht à la Blair können sie gar nicht werden. Seien wir doch vorsichtig optimistisch!

Johanna Orleans
20.11.2009 14:44
Auch ich glaube...

Wenn sich die beiden "grauen Mäuse" ebenso gut, d.h.durchaus zielstrebig aber mit Kompromissbereitschaft bewähren wie der ebenfalls "graue" Barroso, können wir m.e. zufrieden sein.

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