Ab sofort ist die TV-Serie "Kottan ermittelt" als DVD-Sammlung im Handel erhältlich
Wien - Die Schachtel, die alle 19 Folgen der legendären Krimiserie "Kottan ermittelt" auf vier DVDs (Hoanzl) gepresst enthält, prangt nicht zufällig in den österreichischen Landesfarben. Es bedurfte der gemeinschaftlichen Anstrengung von Helmut Zenker (Buch) und Peter Patzak (Regie), dem heimischen Selbstverständnis auf hinterfotzige Art zu schmeicheln.
Trist war jenes Wien, das in der ersten Folge (Hartlgasse 16, gedreht 1976) kriminologisch erkundet wurde: ein Labyrinth aus Bassena-Wohnungen und hässlichen Brachen, über die ein cholerischer Polizeimajor namens Adolf Kottan (Peter Vogel) übellaunig schlurfte. Die Fortbestehen der Nachkriegszeit schien auf ewig gesichert - und mit ihr auch der autoritäre Charakter des Kleinbürgertums.
Doch die Kommissare wechselten; auf Vogel folgte Franz Buchrieser, auf diesen 1980 wiederum Lukas Resetarits.
Die polizeilich zu lösenden "Fälle" wurden mit hämischem Grinsen zu bloßem Beiwerk degradiert. Autor Zenker ging beim Absurden Theater in die Schule. Ein Zwangsspießer wurde Polizeipräsident (Kurt Weinzierl), dem die Tücke des Objekts (Kaffeemaschine) jeglichen Anschein von Würde kostete. Pop-Art traf auf Slapstick, der sich wiederum mit der österreichischen Alltagswelt gemein machte: Nie wieder war das heimische Fernsehen derart anarchisch. Wien erschien mit einem Mal als Versuchsstation des ewigen Karnevals, in dem konsequent Autoritäten zerstört und Bedeutungen verkehrt wurden.
Kottan ermittelt ist das ingeniöse Dokument eines Übermuts, in dessen Ausbrüchen die Hoffnungen der Kreisky-Ära nachhallen. So lustig sollte es auf dem Küniglberg nie mehr werden. Zenker ist schon länger tot; einen Inspektor hat es sowieso nie gegeben. (poh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.11.2009)