Für den Notfall soll sie sein, die Pille danach. Wer sagt, was ein Notfall ist? Wohl selten gibt es in einem Fall ein derart buntes Spektrum an Notfällen.
Ein bisschen Kopfweh, ein bisschen Blut und weg ist sie, die mögliche Schwangerschaft. Ein Gang in die Apotheke innerhalb von 72 Stunden nach dem Ereignis wischt die Sache vom Tisch. Für den Notfall soll sie sein, die Pille danach. Wer sagt, was ein Notfall ist? Wohl selten gibt es in einem Fall ein derart buntes Spektrum an Notfällen. Vom falschen Mann in der falschen Nacht bis zur Vergewaltigung und zum geplatzten Kondom. Wann wirklich Not am Mann ist, bestimmt die Frau. Und sie muss ermächtigt sein, sich die nötige Hilfe zu verschaffen. Sich diese unter ärztlicher Begleitung zu verschaffen, ist möglich.
Aber geht es darum überhaupt in der Diskussion über die Rezeptbefreiung? Oder geht es darum, die sexuelle Verfügbarkeit der weiblichen Hälfte der Menschheit weiter auszudehnen? Ab jetzt gibt's keine Ausrede mehr für Sexverweigerinnen. Kein Kondom? Kein Problem! Wird die Anti-Baby-Pille von führenden Gynäkologen als Lifestyle-Produkt qualifiziert, gilt das für die Pille danach erst recht.
Sie ist das Pharma-Äquivalent zu Musikvideos, in denen anonymes Weibervolk alles, was es oben und unten rum hat, dem Superstar anbieten, zu einer pornografisierten Jugendkultur, in der die Mottos "Allzeit bereit" und "Verhütung ist Frauensache" zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen im (alten?) neuen Geschlechtervertrag gehört. Diesen zu diskutieren ist weitaus mühsamer, als sich eine pseudo-fortschrittliche Feder an den politischen Hut zu stecken. (Bettina Stimeder, DER STANDARD/Printausgabe 20.11.2009)