REZEPTFREIE PILLE DANACH

Kontra: Allzeit bereit!

19. November 2009, 18:41

Für den Notfall soll sie sein, die Pille danach. Wer sagt, was ein Notfall ist? Wohl selten gibt es in einem Fall ein derart buntes Spektrum an Notfällen.

Ein bisschen Kopfweh, ein bisschen Blut und weg ist sie, die mögliche Schwangerschaft. Ein Gang in die Apotheke innerhalb von 72 Stunden nach dem Ereignis wischt die Sache vom Tisch. Für den Notfall soll sie sein, die Pille danach. Wer sagt, was ein Notfall ist? Wohl selten gibt es in einem Fall ein derart buntes Spektrum an Notfällen. Vom falschen Mann in der falschen Nacht bis zur Vergewaltigung und zum geplatzten Kondom. Wann wirklich Not am Mann ist, bestimmt die Frau. Und sie muss ermächtigt sein, sich die nötige Hilfe zu verschaffen. Sich diese unter ärztlicher Begleitung zu verschaffen, ist möglich.

Aber geht es darum überhaupt in der Diskussion über die Rezeptbefreiung? Oder geht es darum, die sexuelle Verfügbarkeit der weiblichen Hälfte der Menschheit weiter auszudehnen? Ab jetzt gibt's keine Ausrede mehr für Sexverweigerinnen. Kein Kondom? Kein Problem! Wird die Anti-Baby-Pille von führenden Gynäkologen als Lifestyle-Produkt qualifiziert, gilt das für die Pille danach erst recht.

Sie ist das Pharma-Äquivalent zu Musikvideos, in denen anonymes Weibervolk alles, was es oben und unten rum hat, dem Superstar anbieten, zu einer pornografisierten Jugendkultur, in der die Mottos "Allzeit bereit" und "Verhütung ist Frauensache" zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen im (alten?) neuen Geschlechtervertrag gehört. Diesen zu diskutieren ist weitaus mühsamer, als sich eine pseudo-fortschrittliche Feder an den politischen Hut zu stecken. (Bettina Stimeder, DER STANDARD/Printausgabe 20.11.2009)

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Der kleine Lord
00
24.11.2009, 18:37
Bettina Stimeder: nettes Pseudonym, Frau Dr. Stenzel!

werwolfi
02
21.11.2009, 03:27
"Wann wirklich Not am Mann ist, bestimmt die Frau."

ganz recht. und das ist gut so!

dass die bisherige praxis, etwa an wochenenden auf gedeih und verderb der laune bzw. moralischen beurteilung einer durch den wochenenddienst womöglich nicht besonders gut aufgelegten person in der nachtdienstapotheke ausgeliefert zu sein, die bessere alternative sein soll, zeigt wohl nur, dass die autorin noch nie in so einer zwangslage war.

schön für sie, gnä' frau, wenn bei ihnen bisher immer der richtige mann, die richtige dosis alkohol, die richtige nacht und das richtige (=funktionierende!) kondom dabei war - aber allein die tatsache, daraus bei rezeptfreiheit der "pille danach" eine "allzeit-bereit"-mentalität anderer frauen abzuleiten, ist nicht "pseudo-fortschrittlich", sondern frauenverachtend.

herr_rechtsausleger
05
20.11.2009, 18:36
"Ab jetzt gibt's keine Ausrede mehr für Sexverweigerinnen"

hääh??
werte frau stimeder, sie hat man wohl eben erst aufgetaut?!
herzlich willkomen im 21. jahrhundert! heutzutage braucht frau keine ausreden mehr, ein simples "nein" genügt...

gutartiger Bösmensch
03
20.11.2009, 17:43
War es nicht schon die Pille die

"alle Frauen zu Huren macht" wie uns die damaligen Moralprediger vorhielten? Hier scheint die selbe abstruse Argumentationsschiene zu laufen.

Lala4
04
20.11.2009, 16:24
Eine Frage an die Autorin...

Frau Stimeder, haben Sie diesen Text freiwillig geschieben und glauben wirklich, was Sie da von sich geben?

Oder ist es einfach an Ihnen hängengeblieben, das "Contra" zu schreiben, und Sie haben sich redlich bemüht, wenigstens irgendwas dagegen zu finden, das eventuell, wenn man nicht drüber nachdenkt, im ersten Moment ernst gemeint wirken könnte?

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
22
20.11.2009, 15:39
Was für ein verzopftes Frauenbild, Frau Stimeder!

Die Zeiten, in denen sich eine Frau hinter "Migräne" verbergen musste, sollten eigentlich vorbei sein. Und wenn doch nicht ganz, so kann das doch heute nicht als "Schutz" verteidigt werden. Wie wäre es, würde man einfach propagieren(!), dass frau auch "Nein!" sagen kann.

secondthought
01
20.11.2009, 14:59
Es muss ja nicht sein

Es gibt wirklich ausreichend Frauen, die zu ihrem Sexualtrieb offen stehen und ihn sich nicht zum Problem machen lassen. Weibliches Selbstbewusstsein heißt auch weibliche Lust. Die, die nicht wissen, wie sie mit ihrer Lust umgehen sollen, die ständig meinen, Diät machen zu müssen, weil sie die Finger nicht von der Schoki lassen können, die sind genau die, die mit Verhütung nicht umgehen können und die noch eine schnelle Lösung hinten nach brauchen.

chez guevara
00
20.11.2009, 13:25

soll das jetzt lobbyismus für die ausschabung sein? oder was auch immer momentan state of the art in der verhütung des schlimmsten sein soll?

Der Mann im Fass
 
01
20.11.2009, 13:23
Kopfschütteln.

Verallgemeinerungen wie diese sind es, die jegliche Diskussion im Keim ersticken. " ... Verhütung ist Frauensache ... " wenn ich das schön lese!

Meine Holde nimmt die Pille nicht (sie will keine künstlichen Hormone im Körper haben) und wir verhüten ausschließlich mit Kondomen. Bisher habe wir damit keine größeren Probleme, aber: wenn es sein sollte, dann möchte ich zumindest die Möglichkeit haben, ohne vorherige Konsultation eines Arztes über das Ergebnis eine "technischen Gebrechens" oder einer "falschen Handhabung" zu entscheiden. Ganz ohne "Freie Fahrt für Freie Bürger" sonder ganz einfach "Selbstbestimmung für Jedermann und Jederfrau". Und dazu brauch ich in dem Fall keinen Arzt. Und keine Todschlagargumente die am Ende gar keine sin

Angelika70
28
20.11.2009, 11:45

Bereits in ihren ersten beiden Sätzen enthüllt Stimeder, dass sie von Vikela keine Ahnung hat. Es ist nämlich weit unangenehmer und jede, die das einmal probieren musste, wird sich vor leichtfertiger Wiederholung schützen. Unangenehmer ist nur der operative Abbruch.

Ich halte es für offensichtlich, welche Geisteshaltung die Vikela-Verhinderer haben: Ein Schwangerschaftsabbruch sollte - wenn schon möglich - so grauslich und unangehm wie möglich sein. Sonst kapieren es die Frauen ja nie, dass sie hier Sünde begehen. :-(

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
12
20.11.2009, 16:15
Richtig, Angelika 70,

und die andere Botschaft ist an die Männer gerichtet: "Frauen bedeuten Unglück. Wer sich mit Frauen einläßt, muss mit Schwierigkeiten rechnen ...!" - Schwärzester Katechismus. Und das ganze noch als "Schutz für die Frau" zu verkaufen, zeigt, wie verquer das ganze Denken ist.

Bromer
04
20.11.2009, 11:18

1. Wer entscheidet in der Standard-Redaktion, ob es zu einem Thema "Pro und Contra" geben muß?
2. Entscheidet man sich freiwillig, quasi aus sportlichen Gründen, Contra zu geben, selbst wenn man nur ausgesprochen schwachsinnige Argumente wie etwa "Ab jetzt gibt's keine Ausrede mehr für Sexverweigerinnen" zur Hand hat?

High Hopes
01
20.11.2009, 10:54
Hä?

Hab ich das richtig verstanden? Keine Pille danach, weil dann Frau nicht mehr 'Nein' sagen kann?

bösartiger gutmensch
02
20.11.2009, 13:10

ist doch ganz einfach: damit der mythos frau = opfer aufrecht erhalten werden kann, ist

- das verbot der leichteren abgabe der pille danach einem typisch reaktionären frauenbild entsprungen, das die frau nicht über ihren körper entscheiden lässt.

- das erlauben der leichteren abgabe der pille danach einem typisch reaktionären frauenbild entsprungen, das die frau zu einem jederzeit willigen und verfügbaren objekt degradiert.

mit ein bisserl doppeldenk ist alles möglich!

Ko Prolyt
05
20.11.2009, 08:30
also ganz kapier ich das eh nicht...

heutzutage nur den aspekt der verhütung zu betrachten und krankheiten aussen vor zu lassen ist grob fahrlässig.

ein geplatztes kondom ist ein geplatztes kondom. punkt.

wer ohne kondom mit einer frau schläft, welche prinzipiell mit der pille danach verhütet ist selbst schuld. russisches roulette wäre hier im gegensatz sogar noch vernünftiger...

Anton adelt artig an Autoreifen.
00
20.11.2009, 12:45

Genau darum geht's und das blenden der Artikel und weite Teile der Diskussion aus

Graf Bobby
00
20.11.2009, 10:40

Ich denke nur, dass vielen eben das Wissen dafür abhanden kommen wird.

Studien zeigen, dass AIDS wieder ein wenig mehr auf dem Vormarsch ist, weil "eh" schon therabierbar. Mit einer allgemein zugänglichen Pille danach wird man meinen ohnehin verhüten zu können und eben den sonstigen Ansteckungsschutz noch mehr aus den Augen verlieren.

Poldi Prettljausn
03
20.11.2009, 08:28
Wenn man gegen die Pille danach ist, muss man auch gegen Abtreibung sein.

Denn die gleiche Argumentationslogik gegen die Pille danach lässt sich auch gegen die Abtreibung anwenden: Kein Kondom? Kein Problem! Frau kann eh danach abtreiben, falls wirklich was passieren sollte.

Das Problem liegt also nicht in der Existenz einer solchen Pille, sondern darin dass frau sich durch solche Argumente zum GV überreden ließ, obwohl sie nicht wollte.

Die Pille danach ist vor allem deshalb gut, um in Notsituationen blutigere Folgen durch Abtreibung oder gar ein ungewolltes Kind zu vermeiden. Die Senkung ungewollter Schwangerschaften durch sexuelle Aufklärung ist voran zu treiben. Aber auch durch die Pille danach.

tartaros
11
20.11.2009, 08:23

das ist der tunnelblick von jemandem, der zuviel gender mainstreaming literatur liest.
und gegen die pille bin ich sowieso, aber aus anderen gründen.

JonBut
00
20.11.2009, 06:38
Maschine

Wird Lust zur Last, so wird auch Last zur Lust.
Aber, wem das sagen, die ihre Körper und ihre Geister zur Maschine degradieren.

Es lebe die Efrauzipation.

angus1
020
20.11.2009, 04:51

das hört sich so an als wären frauen an sex nicht interessiert. Als ich kenn das anders. Liebe Frau stimeder ! es gibt damen die wollen von sich aus sex - gell da staunen sie ?
Genaus so könnte man viagra erwähnen , das uns männer zu allzeitbereiten lustsklaven verwandelt.

Ihr Ansatz geht weit am thema vorbei.

Pool Snoopy
 
05
20.11.2009, 01:39

einer frau das recht abzusprechen eine schwangerschaft - aus welchen gründen auch immer - zu verhindern oder rechtzeitig abzubrechen kann ja wirklich kein normaler mensch für falsch halten.
ein ungewolltes kind wird nur selten glücklich aufwachsen. und einer frau in so einem fall die pflicht aufzuerlegen, das kind "auszutragen" und dann zur adoption freizugeben, halte ich für ebenso bescheuert und unmenschlich.

capcom
13
20.11.2009, 08:59

ad 1. absatz: ich glaube, "recht auf" ist hier der falsche ausdruck, weil dann würde das selbe recht auch für männer gelten.

ad 2. absatz: ich kenne einige frauen, die ungewollt schwanger wurden und alle haben sie nun ihr kind gern und würde es nicht mehr hergeben wollen. natürlich gibt es andere fälle, die tragisch sind. was aber bei den jungen müttern fast immer der fall ist, dass sie meistens unter prekären finanziellen umständen leben müssen, vor allem, wenn sie keinen fixen partner haben. dass da ließe sich noch viel machen, bevor eine abtreibung nötig ist. die politik müsste nur ein wahres interesse an der zukunft haben.

Para Dox
01
20.11.2009, 13:30
Genau das ist das Problem

Wenn junge Mütter keinen guten familiären Background haben, stürzen sie mit ziemlicher Sicherheit in die (finanzielle) Unterschicht ab.

Aus diesem Grund kann man jungen Frauen ohne Ausbildung und Berufserfahrung aufgrund der aktuellen Gesellschaftlichen Verhältnisse eigentlich nur zur Abtreibung raten (leider).

Angelika70
02
20.11.2009, 11:51

Kennen sie auch Frauen, die sich zur Abtreibung entschieden haben und jetzt mit dieser Entscheidung glücklich sind?

Ich schon. Es ist nämlich die Mehrheit.

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