Sowjet-Dokumente machen wenig Hoffnung auf friedliche Lösung
20. November 2009, 07:25
foto: reuters/kai pfaffenbach
Schrottplatz außerhalb des deutschen Camps im nordafghanischen Kunduz.
foto: reuters/sergei karpukhin
Sowjetsoldat in Termez, Usbekistan, 30 Kilometer von der Grenze: Heute benutzen die Streitkräfte Deutschlands und der Niederlande den Militärflughafen.
foto: reuters/tim johnston
Die Sowjets ließen bei ihrem Abzug große Mengen militärischen Geräts zurück. Diese Mi-24-Hubschrauber wurde noch 1997 von Taliban-Kämpfern benutzt.
foto: ap/david guttenfelder
Von den Sowjets erbautes Schwimmbecken mit Sprungturm in Kabul: trotz milliardenschwerer Finanzhilfe gelang es nicht, die Bevölkerung für die Absichten der Invasoren zu begeistern.
Protokolle mehrerer Politbüro-Debatten über Moskaus Afghanistan-Politik veröffentlicht
"Wir kontrollieren Kabul und die Provinzhauptstädte, aber wir schaffen es nicht, in den besetzten Gebieten unsere Herrschaft zu etablieren. Wir haben den Kampf um die afghanische Bevölkerung verloren." Der Satz stammt nicht aus einer aktuellen Lagebeurteilung eines westlichen Geheimdienstes, sondern ist im kürzlich veröffentlichten Protokoll der Politbüro-Debatte am 13. November 1986 nachzulesen.
Die vom US-National Security Archive ins Netz gestellten Sowjet-Dokumente belegen, dass die Invasoren damals vor ähnlichen Problemen wie heute die US-geführten Koalitionstruppen standen. "Wir müssen sicherstellen, dass das Endergebnis nicht wie eine vernichtende Niederlage aussieht: so viele Männer verloren zu haben und dann aufzugeben", beurteilte Michail Gorbatschow damals die Lage. Die Sowjetverluste beliefen sich damals auf über 10.000 Soldaten.
Korruption
Den Sowjets war es trotz milliardenschwerer Hilfszahlungen nicht gelungen, die Lebensbedingungen der afghanischen Bevölkerung zu verbessern, weil die Gelder von korrupten Eliten unterschlagen wurden. "1981 haben wir ihnen hundert Millionen Rubel gegeben, die alle bei der Oberschicht landeten", antwortete Marschall Sergei Sokolov in der Debatte über neue Forderungen der Afghanen, "in den Dörfern gibt es nichts, nicht einmal Streichhölzer oder Kerosin".
Der Beschluss, sich aus dem Land am Hindukusch zurückzuziehen und in Kabul eine sowjetfreundliche Regierung zu installieren, die mit einer gut ausgebildeten und hochgerüsteten Armee die Aufständischen bekämpfen sollte, lag damals bereits ein Jahr zurück. Das afghanische Militär war damals mit 160.000 Soldaten doppelt so groß wie die Armee, die die NATO ausgebildet hat. Trotzdem konnte sie sich nicht gegen die von des USA unterstützten Mudjahedin-Kämpfer behaupten, und der letzte Sowjetsoldat verließ erst 1989 Afghanistan. In den letzten drei Jahren des Krieges verlor die Rote Armee noch 5.000 Mann. (bed/derStandard.at, 20.11.2009)
Karzai unterzeichnet Partnerschaftsabkommen bei Berlin-Besuch - Kabul kann nach 2014 pro Jahr mit etwa 150 Millionen Euro aus Deutschland rechnen kann.
hm, ich will hier keinerlei eine wertung darüber abgeben,
wer sich schlechter verhält/verhalten hat: die sowjets oder die nato.
ich war ca. ein jahr vor dem sowjet-einmarsch in afghanistan.
soweit ich mich erinnern kann, war das land vorher unter einem allgemein akzeptierten könig halbwegs stabil und wurde durch kommunistische umtriebe nachhaltig destabilisiert.
danach regierte nur mehr krieg und chaos. nebenbei brachen stammeskonflikte (wieder?) auf.
"Die (...) Sowjet-Dokumente belegen, dass die Invasoren damals vor ähnlichen Problemen wie heute die US-geführten Koalitionstruppen standen"
Falsch.
Der Unteschied liegt darin, daß die SU-Truppen in der Anfangsphase des Krieges durchaus Erfolg sowie die breite Unterstützung unter der Bevölkerung hatten.
Erst nach der massiven US-Einmischung einschl. Lieferungen der modernen Waffen (v.a. Stinger) brachten der Sowjetarmee Riesenprobleme.
Die Natis machten sich solche Riesenprobleme aus eigener Kraft (einschl. die Taliban, die ja von Pakistan, den USA und GB großgezogen wurden).
1) Auf einem Auge sind Sie blind: nämlich dass auch Sowjets und Russen mitunter durchaus zu den Natis gehört haben. Das sollte eigentlich offensichtlich sein (und auch Sie selbst nutzen in Ihrer Argumentation recht gerne Nati-Methoden).
2) Wo ist der Unterschied? Auch die USA hatten am Beginn des Krieges große Erfolge und die Unterstützung der Bevölkerung. Wie könnten Sie das Gegenteil beweisen?
...die SU hätte Afghanistan schon längst befriedet gehabt...
...wenn die USA und Pakistan nicht aus kurzsichtigen, rein narzistischen Gründen und wirtschaftlichen Gründen sich eingemischt hätten...
Mann kann froh sein, dass sich Russland heute nicht so verhält wie die USA damals... sonst würden die USA noch "besch....." in Afghanistan aussehen... Ausserdem konnten die SU nicht auf pakistanisches Gebiet Einsätze fliegen, wie die USA heute....daher konnte die SU die Taliban und ihre Unterstützer nicht im eigenen Haus bekämpfen...
Gorbi hatte auch wesentlich zur Beendigung des Krieges beigetragen.
1) es gab narzistische Gründe - die Schande der Vietnamniederlage
2) es gab keine wirtschaftliche Gründe
3) es gab auch sehr rationale politische Gründe: mit einem Minimum an Einsatz wurde der Zusammenbruch der SU erreicht, und damit mehr Sicherheit und Einfluß für die USA
dem kaltenkriegsgegner eine zweite front aufmachen, die ihn 100 mio rubel im jahr wirtschaftshilfe, plus militärausgaben für eine riesige armee, plus entsprchende umstellungen hin zu noch mehr rüstungsindustrie, plus mehr soldaten, weniger arbeiter, plus entsprechender unmut im eigenen land
also ich würd sagen, die ursachen sind auch wirtschaftlicher art, insgesamt aber weit darüber hinausgehend
nicht umsonst rühmte sich brzezinski den russen eine entsetzliche falle gestellt zu haben
"Rabbani floh in den Norden und kehrte erst nach dem Sturz der Taliban 2001 nach Kabul zurück. Hekmatyar floh zunächst in den Iran, schlug sich dann aber auf die Seite von Al-Kaida-Chef Obama bin Laden und kämpft heute offenbar wieder in Afghanistan gegen seine ehemaligen Förderer, die USA."
Für Normalsterbliche ist es mit dem nacktem Auge nicht ersichtlich, aber
die Perser
die Mazedonier
die Araber
die Mongolen
die Briten
die Soviets
die Taliban
die Amerikaner
marschieren in Afghanistan immer munter ein, so als ob es dort Freibier gäbe.
Sollten die Marsianer uns attackieren, wird das erste Ziel Afghnistan sein. Geschichte wiederholt sich.
Start von "Enduring Freedom"!! Die Amis wussten es, und auch die Europäer die mitziehen (mussten?).
Immerhin waren die Russen nicht die ersten die sich an Afghanistan die Zähne ausgebissen haben. Lange vor denen haben's die Briten auch nicht geschafft. Und beide Invasoren waren bestimmt weit weniger zimperlich als die ITF die jetzt in ihren Camps auf die nächsten Raketeneinschläge wartet!
Für die Amis ist Afghanistan ein Rachefeldzug für 9/11.
Sie bomben sich durch Afghanistan ohne Rücksicht auf menschliches Leben. Am Ende bleibt ein zerstörtes Land, ein traumatiserets Volk und viele Tote.
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