Schnelle Entscheidung

Belgier Van Rompuy wird Präsident, Britin Ashton Außenministerin

20. November 2009, 02:00
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    foto: apa/hopi

    Wo wollen die Sozialdemokraten hin? Wer soll EU-Außenminister werden? In der Brüsseler EU-Mission Österreichs rangen die roten Spitzen um Contenance und einen Kandidaten.

Überraschend schnelle Einigung der Staatschefs in Brüssel - Keine Vertretung Osteuropas an der EU-Spitze

Brüssel/Wien - Der belgische Ministerpräsident Herman Van Rompuy wird erster fixer Ratspräsident der EU. Auf den niederländischen Christdemokraten einigten sich die Staats- und Regierungschefs am Donnerstagabend bei einem Sondergipfel in Brüssel. Neue EU-Außenministerin wird die britische Sozialdemokratin Catherine Ashton. Sie ist seit einem Jahr EU-Außenhandelskommissarin.

Die beiden EU-Spitzenposten werden durch den Vertrag von Lissabon geschaffen, der am 1. Dezember in Kraft tritt. Der ständige Ratspräsident hat eine Amtszeit von zweieinhalb Jahren und soll für mehr Kontinuität sorgen. Ashton wird auch die nächsten fünf Jahre Vizepräsidentin der EU-Kommission sein. Bei den Fachministertagungen bleibt aber die bisherige Ratspräsidentschaft, die alle sechs Monate unter den Mitgliedsstaaten rotiert, erhalten.

Mit dieser Entscheidung hat kein Osteuropäer ein EU-Spitzenamt inne, denn Kommissionspräsident ist der Portugiese José Manuel Barroso. In den vergangenen Tagen hatte die frühere Präsidentin Lettlands, Vaira Vike-Freiberga, den Anspruch auf das EU-Präsidentenamt erhoben.

Während Van Rompuy sein Amt bereits Anfang Dezember antreten soll, muss sich Ashton in ihrer Funktion als Vizepräsidentin der EU-Kommission noch einem Zustimmungsvotum des Europaparlaments stellen. Die EU-Kommission kann erst nach Zustimmung des Europaparlaments ihr Amt antreten. Die Einigung auf Ashton erfolgte bei einem Treffen der sozialdemokratischen Regierungschefs in der österreichischen EU-Vertretung in Brüssel. Österreichs Regierung begrüßte die Personalentscheidungen.

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SP-Feuerwehraktion brachte Ashton an die Spitze

Der High Noon begann in Brüssel am Donnerstag erst ab 15.30 Uhr. In der Avenue Cortenbergh Nr. 30 in unmittelbarer Nähe des EU-Ratsgebäudes befindet sich die Ständige Vertretung Österreichs bei der Union.

Dorthin hatte Bundeskanzler Werner Faymann - einer der drei Vermittler der Sozialdemokraten für die beiden Spitzenjobs der EU - seine Parteifreunde in einer Blitzaktion zur Vorbesprechung des EU-Gipfels geladen.

Bereits dort fiel die wichtigste Vorentscheidung für das große EU-Personalpaket, über das die 27 Staats- und Regierungschefs seit fast drei Wochen heftig debattiert und gestritten hatten - und das wenig später im Eilzugstempo von nicht einmal 90 Minuten beschlossen wurde. Ein Gipfelrekord.

Die SP-Granden gaben den Weg zum Kompromiss - Schwedens Außenminister Carl Bildt sprach von einer "Minimal-Lösung", einer "historisch vertanen Chance" - vor: Nicht der bisherige Favorit der Sozialdemokraten, Italiens Ex-Premierminister Massimo D'Alema, sollte zum neuen EU-Außenminister vorgeschlagen werden, sondern die bisherige EU-Außenhandelskommissarin Catherine Baroness Ashton aus Großbritannien.

Der britische Premierminister Gordon Brown gab seine Zustimmung, hatte eingesehen, dass sein Vorschlag bis zuletzt, Tony Blair zum ständigen Präsidenten des Europäischen Rates zumachen, niemals eine Mehrheit finden würde.

Von da an ging es Schlag auf Schlag. Die Christdemokraten hatten durch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bereits signalisiert, dass Blair sicher keine Mehrheit finden würde, genauso wenig wie D'Alema. Gegen ihn gab es nicht nur Vorbehalte wegen seiner ex-kommunistischen Vergangenheit. Er hat sich als italienischer Außenminister 2006 freundlich gegenüber extremistischen Palästinensern geäußert - und Israel attackiert, was in den Augen vieler als keine ideale Voraussetzung für einen europäischen Außenminister angesehen wurde.

Der rote Deal zugunsten einer Frau nahm der Kritik an männerdominierten Entscheidungen den Wind aus den Segeln und machte den Weg frei für den belgischen Premierminister Herman Van Rompuy. Auf ihn hatten sich die Christdemokraten bereits vor längerem verständigt. Die Einwände gegen ihn durch Briten und Osteuropäer fielen mit dem Verzicht auf Blair de facto zusammen.

Die EU-Spitzen hatten kaum den Aperitiv beendet, da verlautete aus Ratskreisen bereits, dass Ashton und Rompuy vom schwedischen Premierminister Fredrik Reinfeldt vorgeschlagen worden seien, und dass es kaum Probleme gäbe. Noch beim Dessert wurde dann die frohe Botschaft von der Einigung verkündet.

Königsmacherin Merkel

Dabei hatte es im Vorfeld noch große Nervosität gegeben. Bis weit nach Mitternacht habe der Bundeskanzler am Vortag mit halb Europa telefoniert, und am Donnerstag sei das gleich in der Früh so weitergegangen, hieß es im Lager der Österreicher. Neben Faymann verhandelten Spaniens Premierminister José Luis Zapatero und SPE-Chef Poul Nyrup Rasmussen mit den Christdemokraten.

Dort zog neben "Königsmacherin" Angela Merkel, der deutschen Kanzlerin, noch der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Fäden. Merkel sprach bereits zu Beginn der Sitzung davon, sie sei überzeugt davon, dass es einen "breiten Kompromiss" geben werde. Damit wollte sie auch sicherstellen, dass es in der Runde der höchsten politischen Autoritäten am Ende nicht doch noch zu einer Kampfabstimmung kommen könnte. Denn der EU-Vertrag von Lissabon sieht bei Personalbestellungen vor, dass die Entscheidung mit qualifizierter Mehrheit getroffen wird. Einzelne Staaten haben nicht mehr die Möglichkeit, die anderen mit einem Veto zu erpressen.

Aber genau das sollte, bei allem Streit im Vorfeld, um jeden Preis vermieden werden, um der Welt ein Bild der Geschlossenheit zu bieten; und um zu vermeiden, dass einzelne Länder sich bei derartig wichtigen Personalien überfahren fühlen könnten. Reinfeldt hatte angekündigt, dass er notfalls nicht vor einer Abstimmung zurückschrecken würde und so den Druck auf eine gütliche Einigung erhöht.

Da die großen Parteifamilien sich beim letzten EU-Gipfel im Oktober darauf verständigt hatten, die beiden neuen Ämter untereinander aufzuteilen, und das niemand in Frage stellte, war viel Sprengkraft aus dem Gipfel genommen. Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn betonte zu Beginn der Sitzungen in Brüssel, dass der EU-Außenminister jedenfalls aus der SPE kommen müsse. Nur so könne der Einfluss der Sozialdemokraten in der EU-Kommission gestärkt werden.

Bei den Christdemokraten siegte trotz einzelner Widerstände gegen Rompuy letztlich die Überzeugung, dass sich stärkere andere Kandidaten nicht finden ließen. Da klar war, dass der Präsident aus einem kleinen EU-Land kommen müsse, wenn ein mächtiges Mitglied wie Großbritannien den Außenminister stellt, wäre die Alternative bloß Jan Peter Balkenende oder Jean-Claude Juncker aus Luxemburg gewesen.

Alle diese drei sind politisch auf einer sehr ähnlichen Linie: Unter anderem forcieren sie europäische Verteidigungsbündnisse außerhalb der Nato. Aber das war für Brown kein Thema mehr. (Thomas Mayer aus Brüssel/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2009)

Kommentar posten
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mattk
00
20.11.2009, 16:11
Ich dachte, Gusi und tlane Woifi hätten nicht das Kaliber für diesen Job.

Das wars aber offenbar gar nicht, dafür hätte es locker gelangt....

dr.no3
00
20.11.2009, 12:47
bizarr

Basisgruppenplenum Europäischer Rat
00
20.11.2009, 11:41

ziemlich unkonventionelle haikus: kein bezug zur jahreszeit (das kann ok sein). es wird kein augenblick festgehalten; kein kontrast (beides nicht ok).
haikus dichten ist keine einfache kunst.

klausenpown
10
20.11.2009, 10:55
Unterstellungen

Hier wird unterstellt, dass Frau Ashton aus England keinerlei Erfahrung besitze. Sie hat als Baroness und ehemalige Vorsitzende des House of Lords Erfahrung darin, undemokratisch zu politischen Ämtern zu kommen - das kommt ihr jetzt als Außen'ministerin' der EU zugute. In einem solchen Amt wäre es nur hinderlich, selbst einmal durch eine demokratische Wahl gegangen zu sein, was sie ja glücklicherweise nicht durchmachen musste...

QuePasa
00
20.11.2009, 16:31

So eine EU Weite Personenwahl wäre sicher spannend, allerdings wenn ich mir überlege wie lange das gedauert hat bis in manchen Ländern der Lissabon Vertrag endlich ratifiziert werden, kann man sich ausrechnen wie lange es bis zum nächsten Reformschritt dauern wird. Der Tscheche Klaus, seine polnischen Gesinnungsbrüder und die englische Opposition lachen sich ins Fäustchen, denn schimpfen tun die Leute über "die EU" (also sich selbst) und nicht über diejenigen die sich querstellen nur um sich wichtig zu machen.

Ggg14
00
20.11.2009, 16:44

Spannend vielleicht, aber es geht hier um keinen Staatspräsidenten, sondern um einen Ratsvorsitzenden, so was wie Parlamentspräsident. Warum sollte den das Volk wählen?

lines1810
00
20.11.2009, 10:50
Lasst die Quoten beginnen..

Fr. Ashton die von sich selbst behauptet keine Spezialistin in der Aussenpolitik zu sein, verantwortet nun eben diese - mir ist egal ob Sie Ahnung vom Geschäft hat hauptsache eine Frau. Doch halt - ist es nicht genau das was die Frauen den Männern immer vorwerfen. Verflixt noch eins jetzt sind die Frauen doch wirklich um nix besser als die Männer. Wo soll das noch hin führen.

Rampouy ist in der Welt aber so was von unbekannt -Ich hoffe wir können unsere Vertreter bald selber wählen ohne Quoten und Hinterzimmerpolitik, losgelöst von Geschlecht und Staatszugehörigkeit. Einfach nur nach Qualifikation - i have a dream.

travelmike
01
20.11.2009, 13:01
"ist egal ob sie Ahnung vom Geschäft hat, hauptsache sie ist eine Frau"

Warum erinnert mich dieser Satz an eine bestimmte politische Partei in Österreich......?

gutartiger Bösmensch
00
20.11.2009, 10:54
Na ja

Herr Spindelegger ist auch nicht gerade ein außenpolitisches Ass. Und Herr Westerwelle kann ja noch nicht mal richtig Englisch und seine außenpolitischen Erfahrungen beschränkten sich bis vor 3 Monaten auf ein paar Ibizaurlaube.

travelmike
00
20.11.2009, 13:03
Als Nachfolger der Frau Plassnik, kann man dem Spindlegger getrost einmal Rosen streuen.

Und der Frau Merkl wirds relativ wurscht sein, wer formell Deutsche Außenminister ist.

Der gelernte Österreicher
23
20.11.2009, 10:44
NIE! NIE WIEDER WILL ICH VON EINEM EU-SONNTAGSREDNER HOEREN, DASS WIR BUERGERiNNEN UEBER DEN TELLERRAND SCHAUEN MUESSEN, NICHT NATIONALSTAATLICH DENKEN DUERFEN, MICHT SO KLEINKARIERTE SPIESSER SEIN SOLLTEN!

eine erbaermlichere leistung, ein armseeligeres herumlavieren hat ja nicht einmal die wiener oevp bei der obfrau-suche geschafft.

aber wahrscheinlich haben sie einfach auch zu wenig zeit gehabt. die kommission muss ja vor dem 1.12 noch jeden menge buergerueberwachungsgesetze und bankdatentauschabkommen mit den USA beschliessen. weil nachher koennte das ja durch das parlament verhindert werden.

net-diver
 
01
20.11.2009, 13:46
Hehe...

... nomen est omen.

Orakel1
00
20.11.2009, 10:42
Dass sich bei so dominierenden Alphatieren wie Merkel,.....

Sarkozy u. a. keine profilierten Kanditaten, wie Juncker, sich durchsetzen würden, musste jedem klar sein. Eine Kondition war übrigens auch, dass es sich um jemanden handelt, dessen Herkunftsland seine pro EU-Einstellung nicht so ambivalent darstellt wie bei uns, damit war der die Chancenlosigkeit der österreichischen Kanditaten vorhersehbar;
sie hatten nur eine Alibifunktion. Wer dem dem Mitautor Gusenbauer des Briefes an die KRONE, eine der größten Dummheiten der österreichischen Aussenpolitik, je eine Chance einräumte, war ein Ilussionist. Aber nicht so schnell aburteilen der jetzt Gewählten, denn bekanntlich sollen Persönlichkeiten mit dem Amt wachsen.

schlau meier
01
20.11.2009, 10:38
ich würd wetten...

dass der herr faymann und die meisten anderen, die sich das ausgeschnapst haben, frau ashton bis gestern nicht gekannt haben.
da haben wir was gemeinsam.

die_eidechse
 
00
20.11.2009, 10:24
no, we can't

Truthlobby
00
20.11.2009, 10:24
macht ja nix,

der lissabon-vertrag ist durch, und das amt eines tatsächlichen eu-präsidenten, der auch von der europäischen bevölkerung gewählt wurde, kann entstehen.

gutartiger Bösmensch
00
20.11.2009, 10:30
Aber gerade jetzt

wären zwei charismatische Spitzenleute, die die Menschen und die Mitgliedsländer hinter der Idee der EU vereinen könnten und der EU nach außen hin ein einprägsames Gesicht geben könnten eine große Hilfe. Stattdessen zwei augenscheinliche Pappkameraden. Vielleicht mausern sie sich ja noch, aber die Voraussetzungen sind nicht gut.

Enrico Furioso
00
20.11.2009, 10:37
"Vielleicht mausern sie sich ja noch"

wenn diese Gefahr bestünde, hätte man sie gewiss nicht gewählt. Die beiden werden ihre Amtszeit brav durchdienen, und dann mit vielen lobenden Wortspenden der Politiker ins Ausgedinge geschickt.

Der Vertrag von Lissabon ist durch. Jetzt bleibt zu hoffen, dass jene, die an eine moderne demokratische! EU glauben, sich wieder mehr damit befassen. Es gehören Rechte aus der Kommission ins Parlament, und vor allen an die Wähler verlagert. Repräsentative Demokratie schön und gut, aber in manchen Bereichen sind wir schon auf der "repräsentativen repräsentativen Demokratie" angelangt: nicht direkt gewählte Politiker sollten nicht das Recht haben politische Posten zu besetzen, weder hierzulande, noch in der EU.

die_eidechse
 
00
20.11.2009, 10:24

was ist schlecht an einer "kommunistischen vergangneheit"? und warum darf man sich nicht kritisch z.b. gegenüber israel äußern?


rechtskonservativer meinungsterror. aber an einer "austrofaschistischen vergangenheit", die bei der övp nach wie vor gelebt wird (dollfuß porträt!) ist natürlich nix schlecht...gehts doch....

Walter R. Liechtenecker
41
20.11.2009, 10:18
Die

Pat and Patachons der Neuzeit.

Klar, daß die Amerikaner gratulieren.

Bei Ansicht des Fotos kam mir ein schallender Lacher aus.

Aber man soll ja auf die inneren Werte schauen.

barstow
00
20.11.2009, 10:15
Jurassic Park wir kommen


ChristianderGuru
00
20.11.2009, 10:10
Zwei echte Charismatiker, somt sichern sich Deutschland und Frankreich auch weiterhin den Einfluss in der EU!

Der G€RRµ
10
20.11.2009, 10:06
Ein ganz schlechte Entscheidung

Wie von vielen befürchtet wurden also die beiden geringsten Übel an die EU-Spitze gestellt. Und nicht, wie der Vertrag von Lissabon wahrscheinlich vorgesehen hätte, zwei echte Persönlichkeiten, um der EU eben das berühmte "Gesicht" zu geben, was so notwendig wäre.

Man musste ja nicht unbedingt Blair nehmen, aber der farblose Van Rompuy und die fachferne Ashton sind eine echte Enttäuschung. Ein wohl folgenschwerer Fehler der EU, insbesondere was die Außendarstellung betrifft!

Ich hoffe wirklich ich täusche mich und die beiden belehren mich eines besseren!

Enrico Furioso
00
20.11.2009, 10:03
ich glaube

so etwas nennt man "Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner". Die beiden lieben Menschen werden niemanden auf der EU auf die Zehen treten, daher wurden sie gewählt.

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