L'Equipe stellt nach "katastrophalem Spiel" des Vize-Weltmeisters Teamchef Domenech infrage und fordert Konsequenzen - Irland fordert von FIFA Wiederholungsspiel
Paris - Die "Hand Gottes", die Kapitän Thierry Henry zur Vorbereitung des Ausgleichs zum Endstand (1:1 n.V.) am Mittwochabend in Paris gegen Irland zu Hilfe genommen hat, machte auch die Grande Nation nicht glücklich. "Darauf kann man nicht stolz sein", meinte am Tag nach der geschafften Fußball-WM-Qualifikation nicht nur die Zeitung "Le Figaro".
Facebook-Attacken
Das Sportblatt "L'Equipe" forderte nach dem "katastrophalen Spiel" des Zweiten der Österreich-Gruppe und aktuellen Vize-Weltmeisters Konsequenzen. Man müsse überlegen, ob der umstrittene Coach Raymond Domenech wirklich der richtige Mann für den WM-Job sei, heißt es auf Seite eins unter der großen Überschrift "Die Hand Gottes". Während Henrys Facebook-Seite von Tausenden wütenden irischen und auch französischen Fans attackiert wurde, machte sich auch im Pariser Regierungspalast die Enttäuschung breit. "Die Franzosen sind beunruhigt und enttäuscht", klagte Gesundheits- und Sport-Ministerin Roselyne Bachelot, nachdem nicht nur der irische Justizminister Dermot Ahern ein Wiederholungsspiel forderte. Auch der irische Verband hat am Donnerstag den Weltverband FIFA offiziell um ein Wiederholungsspiel gebeten. Der irische Teamchef Giovanni Trapattoni glaubt jedoch nicht, dass Irland eine realistische Chance auf ein Wiederholungsmatch hat.
Der französische Ex-Teampieler Jean-Michel Larque sagte als TV-Kommentator: "Ich fühle mich unwohl". Verbandsboss Jean-Pierre Escalettes meinte, man müsse "den Abend ganz schnell vergessen". Das werden die tapferen Iren, die in beiden Spielen mehr als ebenbürtig waren, nicht so schnell. Das "Handspiel von Räuber Henry versagt den Iren ihr WM-Märchen", bedauerte die "Daily Mirror", während "The Sun" die Parallele zum berühmten argentinischen Tor gegen England bei der WM 1986 zog: "Le Hand Gottes - Betrüger Thierry macht einen Maradona".
"Wir sind angewidert! Sie wollten uns nicht bei der WM", meinte Stürmer Robbie Keane, und sein Teamkollege Richard Dunne fand keinen Trost: "Henry hat mir gesagt, dass wir den Sieg verdient hätten. Aber was soll ich damit? So fühle ich mich noch schlechter".
Die 13. WM-Teilnahme der Equipe Tricolore rettete letztlich der Tormann. Hugo Lloris habe sein Team mit glänzenden Paraden "am Leben erhalten", stellte nicht nur L'Equipe" fest. In einer Online-Umfrage von "Le Monde" meinten 89 Prozent von 38.000 Lesern, Frankreich habe die WM-Qualifikation nicht verdient. Der Druck auf Domenech, Ribery & Co. wächst und wächst: "Raymond, Du und Deine Burschen, Ihr müsst Euch mobilisieren, sonst wird das nichts in Südafrika", warnte sogar Ministerin Bachelot. (APA/AFP)