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Zur Person
Käthe Schneider ist neu berufene Lehrstuhlinhaberin für Erwachsenenbildung am Institut für Bildung und Kultur der Universität Jena. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich unter anderem mit lebenslangem Lernen, Handlungsinitiierung und Bildungstheorie im Lebenslauf. Im Rahmen ihrer Promotion hat sie das Lernverhalten älterer Menschen systematisch untersucht.
derStandard.at: Sie haben sich im Rahmen Ihrer Forschung mit Handlungsinitiierung auseinandergesetzt. Was motiviert Menschen, sich beruflich weiterzubilden?
Schneider: Das war auch eine Kernfrage in meinem Forschungsprojekt. Das Ergebnis: Menschen wollen ihre Leistungsfähigkeit im Beruf verbessern, sich neuen Tätigkeitsanforderungen anpassen, sich persönlich weiterentwickeln, einen größeren Verantwortungsbereich übernehmen. Aber es geht auch um mehr Sicherheit vor einem Arbeitsplatzverlust, mehr Gehalt und bessere Aufstiegschancen. Neuorientierung im Beruf kann ebenso ein wichtiges Motiv sein.
derStandard.at: Das heißt Weiterbildung hat auch mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun.
Schneider: Ja, die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung sollte Kern der Weiterbildung sein. Wenn Motive und Ziele einer Person in einem Gleichgewicht sind, und diese betreffen im Kern die Persönlichkeit, ist die Person nicht nur leistungsfähiger, sie ist auch gesünder und psychisch stabiler. Dies wird zunehmend auch in der beruflichen Weiterbildung erkannt. Ich war zuvor an einer Businessschool tätig: Dort wie auch an anderen internationalen Business Schools stellt die Persönlichkeitsbildung einen zentralen Bereich des Studiums und der Weiterbildung dar.
derStandard.at: Sie befassen sich mit Gerontagogik, dem Lernverhalten älterer Menschen. Inwiefern tut sich eine Mittzwanziger leichter als ein 30- oder 40-Jähriger noch etwas zu lernen?
Schneider: In bestimmten Hinsichten lernt ein junger Mensch leichter als ein älterer: Der Vorteil der Jungen: Sie können schneller Informationen verarbeiten und Wissen erwerben. Die Aufmerksamkeit ist größer, das Schlussfolgern und die Fähigkeit, sich an neue Situationen anzupassen, erfolgen rascher. Das alles hängt mit der fluiden Intelligenz zusammen, die ab dem 30., 40. Lebensjahr zurückgeht.
derStandard.at: Ist diese fluide Intelligenz trainierbar oder muss man mit ihrem Verlust leben?
Schneider: Laut Studien ist sie sehr wohl trainierbar - recht gut sogar. Man kann beispielsweise ein neues Instrument erlernen, eine Fremdsprache oder sich in fremden Städten neu orientieren, um diese Form der Intelligenz zu fördern.
derStandard.at: Haben Ältere andere Vorteile beim Lernen?
Schneider: Auf jeden Fall. Wenn es um komplexere Transformationen der Persönlichkeit, um Bildung geht, haben ältere Menschen im Unterschied zu jüngeren Vorteile. Komplexere Teile des Selbst verändern sich mit höherer Wahrscheinlichkeit im fortgeschrittenen Alter, nicht in der Kindheit und Jugend.
derStandard.at: Sie befassen sich mit der Bildungstheorie im Lebenslauf. Inwiefern hat die Entwicklung des Selbst damit zu tun?
Schneider: Ich verstehe unter Bildung eine Selbstformung. Das Selbst ist ein Bedeutung bildendes System. Die Person gibt sich, dem eigenen Leben eine Bedeutung. Die Frage nach der Selbstformung ist gegenwärtig ein Thema von großer Relevanz: Die OECD hat in jüngster Zeit die autonome Handlungsfähigkeit zur Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts deklariert. Zu dieser zählt sie auch die Fähigkeit, selbst einen Lebensentwurf zu gestalten. Ich sehe das Gewicht dieses Themas auch vor dem Hintergrund der Sinnfrage, der Selbstentfremdung, aber auch der Frage zur Bedeutungslosigkeit überhaupt.
Zum Selbst gibt es sehr interessante interdisziplinäre Entwicklungstheorien, die die Erkenntnistheorie mit einbeziehen. Das Selbst entwickle sich im Verlauf des gesamten Lebens, bestimmte Systeme des Selbst können sich im 20. Lebensjahr noch nicht transformieren. Somit vollzieht sich auch Bildung über den gesamten Lebenslauf..
derStandard.at: Was bedeutet diese Entwicklung des Selbst im Lebenslauf?
Schneider: Die Selbstentwicklung basiert auf einem Objektivationsprozess. Das bedeutet: Die Teile des Selbst, die ich von meiner eigenen Person betrachten kann, die ein Objekt sind, nehmen im Laufe des Lebens zu und werden komplexer. Im Laufe der Zeit kann die Person ihre eigenen Werte- und Denksysteme betrachten und somit verändern. Dies ist in der Kindheit oder Jugendzeit auch aus Gründen der Erkenntnisentwicklung noch nicht möglich. Es ist der Vorzug des fortgeschrittenen Alters, dass die komplexer werdende Objektivation eine größere Selbst-Bestimmung ermöglicht.
Studien haben gezeigt, , dass diese intentionale Selbstformung mit zunehmendem Alter an Bedeutung gewinnt, also dass man selbst immer mehr Einfluss darauf nehmen möchte, was aus einem selbst wird.
derStandard.at: Was ist für Sie nachhaltige berufliche Weiterbildung?
Schneider: Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass der Erwachsene in der beruflichen Weiterbildung die Lernumgebung vorfindet, in der er seine Lernziele erreichen kann. Ich habe in der beruflichen Weiterbildung oftmals beobachtet, dass bei der Entwicklung von Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung die Ziele nicht präzise sind oder die Inhalte und Methoden nicht den Zielen entsprechen. Es dominieren Inhalte und Methoden, die der Förderung von Wissenszielen dienen, obwohl Handlungsziele gemeint sind.
Ich möchte ein Beispiel dazu nennen: Für eine Führungsperson ist es nicht ausreichend, ein Wissen um Führungstheorien zu erwerben oder ein Wissen darum, dass unter Stresssituationen ein Abweichen von ursprünglichen Zielen bei bestimmten Persönlichkeitstypen wahrscheinlich ist. Es ist viel wichtiger, sich mit den eigenen Handlungsmustern der Führung auseinanderzusetzen und diese bewusst zu erfahren. Dies aber ist zeitkonsumatorisch. Hier sollte deshalb zukünftig sehr viel mehr Zeit auf Selbsterfahrung und Übung im klassisch didaktischen Sinne verwendet werden! Allgemein gilt, dass für nachhaltige berufliche Weiterbildung eine Klarheit über die Ziele sowie ein Wissen über zielförderliche Methoden unabdingbar sind.
derStandard.at:Was raten Sie Menschen, die sich gerne weiterbilden möchten, aber nicht genau wissen, was sie machen sollen?
Schneider: Wenn Personen nicht genau wissen, für welche Weiterbildung sie sich entscheiden sollen, rate ich ihnen, sich zuerst grundlegend mit den eigenen Werten, Verhaltensmotoren, Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen. Ebenso rate ich zur Klärung von grundlegenden Fragen: Soll die Selbstformung in den Dienst eines spezifischen Motivs, z.B. eines Leistungsmotivs, wie z.B. der Karriereentwicklung gestellt werden, oder möchte die Person ihrem Leben eine andere Bedeutung verleihen? Fragen, die den engen Zusammenhang von Bildung als Selbst-Bestimmung unterstreichen. (Marietta Türk, derStandard.at, 21.11.2009)
87 Prozent der Unternehmen bieten mindestens eine Form der Weiterbildung an
Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer erwarten sich großes Interesse
Die Situation berufsbegleitend Studierender ist angespannt. Eine Enquete suchte nach Lösungen für alle Beteiligten
Auch Fachkräftestipendium und leichte Verschärfungen bei der Bildungskarenz im Ministerrat beschlossen
Ein Großteil der Unternehmen ortet Notwendigkeit zur Weiterbildung
Startschuss für den zweisemestrigen Lehrgang an der LLL Academy fällt Anfang März
Immer mehr Menschen nutzen die Chancen einer Bildungskarenz, besonders Frauen und Höherqualifizierte schlagen zu
Arbeitnehmer sind gewohnt, sich ständig "upzudaten". Eine Studie zeigt, dass dieser Anspruch viele zunehmend belastet
Ab Herbst an der Universität Innsbruck
Studie der FH Wiener Neustadt über Situation berufstätiger FH-Studenten - Zeitmangel und fehlende Unterstützung durch Arbeitgeber sind häufige Probleme
Die Fähigkeit, die Karriereleiter durch opportunistische Anpassung emporzuklettern? Zitat des Forschungsziels: "...Leistungsfähigkeit im Beruf verbessern, sich neuen Tätigkeitsanforderungen anpassen...". Ist das Intelligenz? Wahrscheinlich schon, im Sinne der Sternschen Definition, dass es ist, was ein Intelligenztest misst. Wird das "business" unkritisch mit dem Realen an sich verwechselt, dann mag diese Schule richtig liegen und ihr Standpunkt korrekt sein. Weniger fluide und im eigentlichen Sinn KOMPLEXER wird die Lage, wenn nicht die positivistische Standpunktlosigkeit, sondern ein kultur- und gesellschaftskritsicher Stanpunkt vertreten wird. Heißt das kritisch-reflektierte Selbst-Bewusstsein neudeutsch "Alters-Starrsinn"?
würde meinen, dass es nur eine intelligenz gibt, beim älterwerden: das sich ansammeln von erinnerungen und erlebnissen, man nennt das dann erfahrung.
und die mag für viele im berufsleben eher negativ sein beim älterwerden.
fluid sollten die vertrauensverhältnisse bleiben, dann bleibt auch die leistungsfähigkeit und lernoffenheit, kurz motivation - ja die ist sogar oft größer als bei jüngeren.
themen wie vereinbarkeit von beruf und familie, möglicherweise erkennen und absichern der persönlichen entwicklung und lebensqualität stehen klarerweise mehr im vordergrund, weil der vor dem menschen liegende lebensabschnitt überschaubar wird.
da könnte sich auch die corporate intelligence ein wenig fluider erweisen - bei soviel intelligenz.
Der springende Punkt ist doch auch was man vom Leben erwartet. Ich kenne leider zu viele ältere Kollegen, die Weiterbildung für unnötig halten, weil sie eh schon alles wissen. Lieber fernsehen als sich für was neues interessieren.
Aber mehr verdienen als Junge Kollegen wollen sie schon. Eh kloa.
mit 20 muessen mehr menschen mehr lernen als mit 40 und haben deswegen mehr uebung im lernen.
meine erfahrung, seit einiger zeit arbeitslos und studiere bwl:
mit 47 jahren lernt man viel effizienter, man nutzt google und wikipedia - etwas was die heutige internetgeneration kaum macht.
man ist frecher und weiss was man will.
und konzentrationsprobleme: sehr theoretisch, ich kann cirka 8 stunden am tag lernen und tu das auch. wenn ich das vor 30 jahren auch gemacht haette, haette ich fuers studium nicht 7 sondern 5 jahre gebraucht - und waer jetzt nicht "da".
abschliessend: die 20% performanceverlust ueberkompensierst mit 100% mehr motivation - ich bin im alter, in dem ein scheitern ein endgueltiges sein kann.
uebrigens, morgen: 2 pruef
mit 20 muessen mehr menschen mehr lernen als mit 40 und haben deswegen mehr uebung im lernen.
meine erfahrung, seit einiger zeit arbeitslos und studiere bwl:
mit 47 jahren lernt man viel effizienter, man nutzt google und wikipedia - etwas was die heutige internetgeneration kaum macht.
man ist frecher und weiss was man will.
und konzentrationsprobleme: sehr theoretisch, ich kann cirka 8 stunden am tag lernen und tu das auch. wenn ich das vor 30 jahren auch gemacht haette, haette ich fuers studium nicht 7 sondern 5 jahre gebraucht - und waer jetzt nicht "da".
abschliessend: die 20% performanceverlust ueberkompensierst mit 100% mehr motivation - ich bin im alter, in dem ein scheitern ein endgueltiges sein kann.
uebrigens, morgen: 2 pruef
... nach mehr Ellbogen in Abfallskalen bemessen. Je Tonne Mehrbelastung der Umwelt 3% mehr Steuern.
Prinzipiell müssen wir Menschen lernen, dass wir aus der Bedeutungslosigkeit kommen und dahin wieder zurückkehren. Übrig bleibt Mist, weniger Kompost als Plastik.
Selten sowas Schwachsinniges gelesen, warum soll man mit 40 - oh ein alter Greis - nicht mehr des Lernens so fähig sein, Blödsinn, ganz im Gegenteil. Ich tat mir mit 40 zigmal leichter, einen komplett neuen Beruf mit zig Prüfungen anzulernen, als in meinen 20ern. Solche Artikel fördern wieder mal das dämliche Vorurteil, ab 40 kann man sich beruflich gleich die Kugel geben, da es ja abwärts geht.
ich stimme ihnen zu 100% zu! ich habe mit 28 jahren zum studieren begonnen und natürlich ist es etwas mühsamer als wenn man mit frischen 18 gleich mit dem lernen fortsetzt, aber dafür haben sich mittlerweile synapsen gebildet, die die jüngeren kollegInnen nicht haben und so gibt es immer vor und nachteile, aber dieses abstempeln "dumm" "intelligent", gut schlecht nervt mich total!
Menschen mit 70 machen an der Uni ihr Doktor... in Spanien sitzen Menschen ab 70 auf der Schulbank, da sie nie zur Schule gingen... Das Gehirn nimmt das ganze Leben lang neue Informationen auf. Das es da Unterschiede gibt zwischen jung und alt - no na. Nur wenn den Menschen kein Anreiz geboten wird, wenn sie ab 40 auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gebraucht werden... ja, dann nutzt den meisten kein weiteres Lernen.
Österreich ist ein sehr starres Land, was Bildung, also Formung, anlangt.
Eine dieser Starrheiten ist, dass nur jungen Leuten gewisse Fähigkeiten zugeschrieben werden, hier die "fluide" Intelligenz.
Das widerspricht allen Erkenntnissen über die Neuroplastizität.
http://en.wikipedia.org/wiki/Neur... plasticity
Die Ausgeglichenheit in dieser Rubrik ist erstaunlich, einmal werden die Jungen diskreditiert (sie hätten zuwenig soziale Kompetenz, nona), dann wird von der "verschiedenen" Lernfähigkeit der Älteren geschrieben. Hauptsache gegen die Leute. Uääääh ...
Eine Gesellschaft, eine Wirtschaft (& Medien), die die Menschen in aller 1. Linie mit negativer Brille betrachten, können einpacken.
nur bei der alten Lehrmeinung, die leider noch zu oft vertreten wird. Die moderne Gehirnforschung ist fortgeschritten. Eine der letzten Erkenntnisse: auch im Limbischen System werden neue Stammzellen produziert. Somit ist klar, dass der Körper selbst abbaut, aber das gesunde Gehirn bis zum Schluß fit sein kann - wenn man es benutzt. Etwa ein 20-jähriger ist nicht automatisch neuronal fitter als ein 90-jähriger. Der legendäre Pablo Casal probierte täglich im Alter von 93 Jahren drei bis vier Stunden Cello. Auf die Frage, warum er das mache, antwortete er: Ich glaube, ich mache Fortschritte.
das finde ich auch. ich bin über 30 und sitze ebenfalls auf der uni und habe die steigerung meiner kapazitäten miterlebt und gesehen, dass ich diese die letzten jahre um sicherlich 100% verbessert habe. nach 4 jahren kampf auf der uni ernte ich die früchte und merke, dass lernen, bildung, aufnahmefähigkeit, intelligenz... nur trainigsache ist. leider ist dieses eingefahrene system in österreich für viele das aus. in österreich ist man intelligent oder nicht. entweder man ist gebildet oder nicht. entweder man ist reich oder arm. aber das man all diese punkte mit harter arbeit, training und offenheit erreichen kann, wird leider nicht vermittelt und das finde ich extrem schade.
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