Videospiel nimmt zum Start mehr ein, als jedes mediale Werk bisher - Und das ist nur der Anfang
Es ist offiziell: Das Kriegsspiel "Call of Duty: Modern Warfare 2" (MW2) hat den erfolgreichsten Markstart in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie hingelegt. Herausgeber Activision Blizzard will nach eigenen Angaben in den ersten fünf Tagen 8 Millionen Exemplare verkauft und damit rund 550 Millionen US-Dollar eingenommen haben. Im Vergleich bedeutet das, dass MW2 sämtliche bisherigen Schnellstarter wie "Harry Potter and the Deathly Hallows" (Buch), "The Dark Knight" (Film) und auch Grand Theft Auto IV (Videospiel) in den Schatten stellt.
Perfektes Timing
Dabei hat der Erfolg mehrere Väter. Neben dem den hohen Produktionsqualitäten und dem überaus erfolgreichen Vorgänger, verdanken die Hersteller auch dem Mitbewerb den Erfolg. So wurde eine ganze Hand voll vermeintliche Videospiel-Blockbuster in den vergangenen Monaten auf das kommende Jahr verschoben, was die verbleibenden Hits wohl definitiv begünstigte.
Dennoch haben die Entwickler selbst keine Kosten und Mühen gescheut, um das Spektakel des Jahres auf die Beine zu stellen. Laut einem Bericht der LA Times verschlang allein die Produktion des Spiels rund 40 bis 50 Millionen Dollar in nur zwei Jahren. Zwar gibt es teurere Spiele wie "Shenmue" (angeblich 100 Mio. Dollar), "GTA IV" (50 bis 70 Mio. Dollar) und das kommende "Gran Turismo 5" (bislang 60 Mio. Dollar), doch wurden diese Titel über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren geschaffen.
Marketing ohne Ende
Dem Bericht nach soll sich Activision Blizzard für die Vermarktung des Spiels weitere fast unglaubliche 150 Millionen Dollar gegönnt haben - wobei dies jedes bisherige Videospiel-Budget übertreffen würde. "Mein Ziel war es, einen Marktstart einzurichten, der sich mit den größten Box Offices aller Zeiten messen kann", sagt Unternehmenschef Bobby Kotick. Neben top Werbeplatzierungen in US- und internationalen Medien, wurde für Modern Warfare unter anderem ein eigener Twitter-Channel ins Leben gerufen. Die Bemühungen scheinen sich in jedem Fall auszuzahlen. Lazard Capital Markets-Analyst Colin
Sebastian prognostiziert, dass Modern Warfare 2 sich insgesamt 15 bis 20 Millionen Mal verkaufen und über 1 Milliarde Dollar einspielen wird.
Auf Augenhöhe mit Hollywood
Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, könnte sich Activision Blizzards Zugpferd spielend mit den größten Hits Hollywoods Filmemacher messen, die zum Kinostart naturgemäß weniger einnehmen aber sich später über DVD-Verkäufe nochmals kräftig profilieren.
Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass Videospiele Hollywood das Fürchten lehren. Bereits zum Start von Grand Theft Auto IV hieß es, Filmstudios würden große Kinostarts nach hinten verlegen, um keine Umsatzeinbrüche hinnehmen zu müssen.
Call of Duty: Die nächste Generation
Activision Blizzard ist sich seiner Sache jedenfalls sehr sicher. Jeder der drei letzten Teile der Call of Duty-Serie konnte problemlos die 10 Millionen-Marke durchbrechen und sich als verlässlicher Gewinnbringer beweisen. Neben den Gründern von Infinity Ward, die sich auch für MW2 verantwortlich zeichnen, arbeitet das Studio Treyarch quasi im Schichtbetrieb an Call of Duty-Auskoppelungen, um jedes Jahr einen neuen Teil veröffentlichen zu können. Doch damit ist es nicht genug, künftig wird sogar ein drittes Entwicklerstudio an der Serie arbeiten.
(zw)