Pavle-Begräbnis in Belgrad als Machtdemonstration

19. November 2009, 18:02

Serbisch-orthodoxe Kirche nützt Trauerfeiern, um ihren Einfluss zu stärken – Kritiker: Staat gibt leichtfertig nach

Das Zentrum Belgrads ist am Donnerstag für Verkehr gesperrt. Rund 200.000 Menschen folgen bedächtig dem offenen Sarg, in dem der Patriarch der serbisch-orthodoxen Kirche, Pavle, liegt. Von der Kirche "Saborna Crkva" , genau gegenüber der österreichischen Botschaft, führen orthodoxe Würdenträger die Kolonne zur Kathedrale des Heiligen Sava an. Es ist der größte moderne orthodoxe Kirchenbau der Welt, der auf einem Hügel über der serbischen Hauptstadt steht. Nach dem Ende des Kommunismus, im zerfallenden Jugoslawien, sollte der monumentale Tempel das orthodoxe Serbentum glorifizieren, im ideologischen Vakuum den Serben zur Wiederentdeckung der eigenen Identität verhelfen.

Der Totenmesse wohnt die gesamte Regierung bei. Angereist sind auch die Präsidenten Montenegros, Mazedoniens und der Premier der bosnischen Serben. Der ökumenische Patriarch Bartolomeus erinnert an die Bescheidenheit des frommen Mannes, den die Serben auch den "wandelnden Heiligen" nannten. Sie liebten ihren Patriarchen, der selbst seine Schuhe reparierte und mit öffentlichen Verkehrsmitteln fuhr.

Während der dreitägigen Staatstrauer sollen rund eine halbe Million Menschen durch die "Saborna Crkva" gegangen sein, um dem toten Patriarchen die letzte Ehre zu erweisen. Sie küssten die heiligen Ikonen über dem offenen Sarg, das Kreuz in der Hand des Toten, das Pavle selbst aus Holz geschnitzt hatte. Als geschmacklos, gar blasphemisch, wurde Kritik abgetan, dass das Gesetz die Ausstellung von Leichen verbiete, und dass das massenhafte Küssen der Ikonen während der Pandemie der Schweinegrippe unvernünftig sei.

Schulen und Universitäten blieben während der Staatstrauer geschlossen, die Regierung empfahlt Arbeitgebern den Angestellten am Tag der Beisetzung frei zu geben. Der Staat organisierte kostenlosen Transport nach Belgrad.

Klerikalisierung

Uni-Professor Ljubisa Rajic aus Belgrad ging das alles zu weit: "Der Staatsapparat lässt eine Klerikalisierung des Staates zu" , sagte er. Die Religion werde mit der Nation gleichgestellt und die Maximen eines säkularen Staates missachtet. Und die serbisch-orthodoxe Kirche ihrerseits verheimliche ihre Ambitionen, sich in Staatsangelegenheiten einzumischen, nicht. (Andrej Ivanji aus Belgrad/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2009)

 

Kommentar posten
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Bari
 
00
15.12.2009, 21:52
Ignoranz

Ich hab noch nie so viel freundliche Ignoranz gegenüber der stütze Milosrvic gesehen, der Patriarchat Pavle sollte eigentlich vor Gericht stehen, dieser mann hatt sogar mit Karadic und Mladic in Bosnien eine Messe abgehalten und deren Waffen gesegnet, die Fotos kennt doch jeder.

Ludansky
04
22.11.2009, 10:46
Die Berichte von Ivanji

sind eine Machtdemonstration der Monopolpresse.

Slozni_smo
12
22.11.2009, 09:36
Geh bitte Ivanji

jeder weiss, dass Ihr Herr Papa zu Tito´s Gefolgschaft gehörte und Religion in der SFRJ halt nicht zu den populärsten Dingen gezählt wurde ... Ihr Bericht strotzt vor Befangenheit.

Ich bin ja nicht unbedingt der Gläubigste, aber Pavle war eine Seele von Mensch.

Ich finde, von jedem guten Menschen sollte man sich so verabschieden können, ob derjenige nun ein Geistlicher war oder nicht, spielt keine Rolle.

Sie haben es sogar geschafft die Schweinegrippe in diesen Bericht zu verpacken ... echt traurig ...

Sie tun auch so, als hätte der Vatikan, die jüdischgläubige Gemeinschaft, die islamisch geistlichen Führer, der Dalai Lama etc. keinen Einfluß auf Politik ... das Religionen eben Einfluss haben, ist kein serb. gepachtetes Phänomen

Bari
 
00
15.12.2009, 21:56
Eine Seele von Mensch?

Pavle mit seinem Kumpel Mladic und Karadcic, eigentlich, sollte Pavle neben Karadic in DenHaag sitzen.

http://img45.imageshack.us/img45/985... jkaxx1.jpg

Aca Rankovic
03
21.11.2009, 12:55

Die größte Demonstration seit dem Begräbnis Rankovic´ 1984. Klar dass das den Westlern sauer aufstösst. Sollen´s es schlechtmachen, bald kümmert es keinen mehr, was die westlichen Anachronisten zu sagen haben.

Vollmeise
 
00
21.11.2009, 18:09

Demonstration? Tztztztz.

Aca Rankovic
02
21.11.2009, 23:35

Sogar Ivanji sagt das, was regst dich auf?

Vollmeise
 
01
22.11.2009, 16:09

Wenn Sie sich Ivanji als Vorbild nehmen, dann bitte.

Ich rege mich nicht auf, ich finde es unpassend, Menschen, die zum Begräbnis gekommen sind, Demonstranten zu nennen.

Naja2008
00
22.11.2009, 18:48

Ui da sind wir mal einer Meinung

Vollmeise
 
00
23.11.2009, 00:02

Wir sind gar nicht so selten gleicher Meinung, möchte ich anmerken.

boris b.
02
21.11.2009, 12:36
Ängste

Es waren sechshunderttaausend Menschen bei dem Begräbnis.
Warum traut man sich es nicht zu sagen?

Magic Mike
02
21.11.2009, 11:03

"Nach dem Ende des Kommunismus, im zerfallenden Jugoslawien, sollte der monumentale Tempel das orthodoxe Serbentum glorifizieren..."

ich lese diesen satz...scrolle runter und ja, der autor passt zum zitat... ich scrolle wieder nach oben und weiss, von welchem geist der artikel beseelt ist...

Stani83
00
23.11.2009, 10:54
Was er aber nicht erwähnt ist wann mit dem Bau begonnen wurde

themistokles
13
20.11.2009, 21:21

Eine Frage sollten wir Herr Ivanji stellen:

Wie vermag denn die serbisch-orthodoxe Kirche ihren Einfluss in Serbien durch TRAUERFEIERN zu vergrößern? Durch das zur Verfügung stellen von Reisebussen etwa?

Wenn der Staat Busse für den Transport zur Totenmesse zur Verfügung stellt, dann könnte das auch eine vorbeugende Maßnahme sein, um einen Verkehrskollaps durch die Anreise in PKW´s von über einer Million Serben zu vermeiden (was widerrum auch ökologische Schäden zur Folge hätte). So what??
Wo sehen Sie wieder einmal einen Anlass für die Stigmatisierung dieses ohnehin schon ausgebluteten Volkes?

Bari
 
00
15.12.2009, 21:55

In Serbien ist es tradition dass der Staat die Menschen mit Busen abholt, und dann zu Demos bringt, oder nach Kosovo um ärger zu machen, eine art staatliche Mobilisierung, die manipulieren heute die Leute genauso wie vor 9 Jahren der Milosevic.

themistokles
04
20.11.2009, 20:50

Patriarch Pavle, eine lebendig gewordene Ikone, Brückenbauer zwischen Kulturen und Religionen, das Sinnbild von Frommigkeit, Toleranz und Nächstenliebe ist von uns gegangen und hat ein großes Loch in die Herzen der vielen frommen Serben weltweit gerissen... es herrscht ein kollektiver Schockzustand..
Herr Ivanji dagegen nützt den Tod dieses geliebten kleinen Serben mit großem Herzen um wieder einmal Serbien in den Schmutz zu ziehen...
Kritischer Journalismus ist schön und gut, jedoch sollte man in diesen Tagen der größten Trauer seiner Aversion gegen das Volk der Serben Einhalt gebieten!

fibiundchillie
312
20.11.2009, 10:07
Was für ein blühender Unsinn:

"Als geschmacklos, gar blasphemisch, wurde Kritik abgetan, dass das Gesetz die Ausstellung von Leichen verbiete, und dass das massenhafte Küssen der Ikonen während der Pandemie der Schweinegrippe unvernünftig sei."
1. ist ein Begräbnis keine "Ausstellung einer Leiche" (wie doof muß man sein, um das zu vergleichen, oder wie verhetzt...)
2. küssen die Orthodoxen seit fast 2000 Jahren ihre Ikonen, würden davon Pandemien ausgelöst, gäbe es keine orth. Völker mehr.
na, vielleicht ist ja sogar dieser GEdanke der Vater des Kritikpunktes?

borake
05
20.11.2009, 09:58
der nationalismus und der hass auf andere ethnien wie man in diesem forum gut sieht sowas von primitiv und dümmlich!

aber bitte nur weiter so von österreich aus kann man ja gut schmipfen und hetzen! leid tun mir ja nur die menschen die vor ort unter dieser schei.e leiden müssen!

akmk
220
20.11.2009, 09:44
ivanji

als in belgrad lebende oesterreicherin habe ich den eindruck, herr ivanji hat den auftrag, in jedem artikel serbien negativ darzustellen. die trauerfeierlichkeiten waren fuer mich als aussenstehende nicht uebertrieben und das volk hat den patriarchen wegen seiner froemmigkeit geliebt ...

Alex M
01
20.11.2009, 18:38
Ich weis nicht ob er den Auftrag dazu hat, aber er ...

... passt ganz gut ins derstandard.at Orchester rein, wenn es irgendwelche Serbienseifenopern spielt.

+ Cp6uja +
24
20.11.2009, 10:17
ja, als sohn eines kummerl-apperatschiks

hat er die transformation von hauptberuflicher sohn zu privatwirtschaft begriffen.

deswegen die bitterkeit, und auch weil - egal wie primitiv die serben auch sind - es dann im widerlichen belgrad doch angenehmer ist, als in einem der nachfolgereservate jugoslawiens (kroatien, restbosnien, etc.).

ethnisch würde er - in fast alle nachfolgereservate, nur albanische verwandschaft hat er wohl nicht - passen, nur "komischerweise" will er dort nicht hin ...

mfg

Herr und Frau Österreicher
 
30
20.11.2009, 11:33
ihre Tiraden sind aber auch nicht von schlechten Eltern...

Aca Rankovic
00
21.11.2009, 12:58

Hass gebiert Hass

Stani83
13
20.11.2009, 10:09
Lassen Sie Ivanj. SO ist er nunmal

slobodan nikolic1
 
00
20.11.2009, 20:05
stani,

auch wenn er so ist, trotzdem ist nicht inordnung wie der herr über serbien und über themen mit jugoslawienkrieg verbunden auf serben bezogen berichtet! von eine unabhängige zeitug erwarte mir eine berichterstatung ohne emotionen und ohne parteiergreifung, und das vermisse ich bei ihm .lg

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