1:0-Erfolg im Entscheidungsspiel gegen Ägypten auf neutralem Boden - Yahia der Goldtorschütze - Randale in Frankreich
Khartoum - Algerien hat das nicht nur sportlich
hochbrisante Kräftemessen mit Ägypten für sich entschieden und damit als letzte
afrikanische Mannschaft den Sprung zur Fußball-WM 2010 auf dem eigenen Kontinent
geschafft. Auf neutralem Boden in Khartoum im Sudan setzten sich die Algerier im
Entscheidungsspiel der Gruppe C 1:0 (1:0) durch. Matchwinner war vor 35.000 Fans
und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen (15.000 Polizisten im Stadion)
Verteidiger Antar Yahia.
Der VfL-Bochum-Legionär und Teamkollege von Christian Fuchs traf aus spitzem
Winkel genau unter die Latte und schoss seine Heimat nach 1982 und 1986 zum
dritten Mal zu einer WM. Das Entscheidungsspiel war aufgrund des 2:0 der Ägypter
im Heimspiel am vergangenen Samstag gegen die Algerier nötig geworden. Beide
Mannschaften waren nach Abschluss ihrer sechs Spiele in der
Qualifikations-Gruppe C mit jeweils 13 Zählern und 9:4 Treffern punkt- und
torgleich gewesen.
Daraufin waren tausende Fans per Flugzeug und Bus in den Sudan gereist, die
Ägypter hatten dabei die deutlich kürzere Anreise. Zwischenzeitlich hatte das
Duell der nordafrikanischen Rivalen dann wenig mit Fußball zu tun, Härteeinlagen
prägten das Geschehen. Ägypten gegen Algerien war das erste
FIFA-Entscheidungsspiel seit 1985 (Irak-Syrien). Die Brisanz hatte die Partie
aber vor allem durch die politische Ausgangslage erhalten. Beide Seiten hatten
nach den Vorfällen vom vergangenen Samstag immer wieder verbale Giftpfeile
abgefeuert.
Gegenseitige Beschuldigungen wegen Übergriffen auf Einwohner beider Länder in
Nordafrika und Frankreich, Drohungen aller Art und haarsträubende Erzählungen
von Spielern hatten das Kräftemessen zu einer Hochsicherheitspartie werden
lassen. Der spätere Torschütze Yahia hatte sogar gemeint, dass er und seine
Kollegen beim Match in Ägypten um ihr Leben gefürchtet hätten. Ägyptische Fans
hatten in Kairo den Teambus der Algerier mit Steinen beschossen und dabei auch
drei Spieler verletzt.
Algerische Politiker hatten daraufhin von "unzivilisiertem Verhalten" und
"Schande" gesprochen und eine Sperre für Ägypten gefordert. Umso größer war die
Freude nun am Mittwoch nach Schlusspfiff in ganz Algerien, in allen großen
Städten des Landes starteten Freudenfeiern. Bei den Feierlichkeiten im Stadion
von Khartoum gab es unmittelbar nach der Partie bereits zumindest fünf
Verletzte. Vor der Partie hatte die Polizei Tränengas einsetzen müssen.
Randale in Frankreich
Nach dem Sieg Algeriens ist es in Frankreich, vor allem in Paris und in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille, zu Ausschreitungen gekommen. Nach Polizeiangaben versammelten sich rund 12.000 Personen auf den Pariser Champs-Elysees und rund 10.000 Personen in den Straßen von Marseille, um den Sieg zu feiern. In Paris wurden insgesamt 63 Personen festgenommen, in Marseille 15 Personen, von denen mehrere minderjährig waren. In beiden Städten wurden zahlreiche Auslagen zerbrochen, Dutzende Autos und Container in Brand gesteckt und Gegenstände auf die Polizei geworfen. (APA/AFP/Reuters)
AFRIKA - Gruppe C, Entscheidungsspiel auf neutralem Boden:
Algerien - Ägypten 1:0 (1:0)
Khartoum/Sudan, Tor: Yahia (40.)
Algerien für die WM qualifiziert