Fusion

Globalisiertes Volkskundemuseum

18. November 2009, 18:38
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    Grafik aus dem Konzept für das neue Museum der Kulturen im Corps de Logis der Hofburg: Im Hochparterre soll es neben Ausstellungsräumen Burggarten-seitig ein Restaurant geben.

     

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    Die Leitung des Museums für Völkerkunde ist zum Schweigen angehalten. Im Konzept für das neue Museum wagt man aber doch Kritik.

     

Volks- und Völkerkundemuseum wollen fusionieren - das Konzept ist durchdacht, die Kosten sind kalkuliert

Das Kunstministerium steht den Plänen wohlwollend gegenüber – denkt aber nur an eine Schmalspurvariante

Wien - Das der Autonomie beraubte Museum für Völkerkunde in der Neuen Burg leidet: Die Sonderausstellungsräume nutzt das Kunsthistorische Museum, derzeit ist das Gebäude geschlossen, und für die Einrichtung der Schausammlung gibt es kein Budget. Auch das Volkskundemuseum ist in einer misslichen Lage: Die Stadt Wien verlangt die Sanierung des ramponierten Palais, die man ob der mickrigen Unterstützung durch den Bund nicht finanzieren kann.

Gemeinsam haben sich die beiden Institutionen aus dem Sumpf zu ziehen versucht - und dabei ganze Arbeit geleistet: Schon im Frühsommer legten sie ein durchdachtes Konzept für die Fusion im Corps de Logis vor. Einen Namen für dieses neuartige Museum der Kulturen hat man noch nicht gefunden: Im 43-seitigen Konzept, das dem Standard (und der APA) zugespielt wurde, wird es lediglich als MuseumNEU bezeichnet.

Michael Franz, der Leiter der Kunstsektion, machte das Projekt zu seinem eigenen: Er setzte Peter Menasse als Moderator ein und gehörte dem übergeordneten Lenkungsausschuss an. In einer Zusammenfassung für Kulturministerin Claudia Schmied, die dem Standard vorliegt, schreibt er:"Das vorliegende Ergebnis hat die Zustimmung aller Mitglieder des Lenkungsausschusses, wird von der Stadt Wien positiv gesehen und stellt aus Sicht der Sektion IV einen Vorschlag dar, mit der aus einer Problemlösung gleichzeitig eine kulturpolitische Weichenstellung wird. Beide Museen werden dadurch wieder handlungsfähig."

Unabdingbar ist etwa die Selbstständigkeit. In der Arbeitsgruppe herrschte, wie es im Konzept heißt, "Einigkeit darüber, dass die bisherige Konstellation des Museums für Völkerkunde als untergeordnete Institution des Kunsthistorischen Museums (KHM) aus unterschiedlichen Gründen nicht funktioniert hat." Das neue Museum erfordere den "Status einer eigenen unabhängigen wissenschaftlichen Anstalt und juristischen Person."

Entscheidung noch 2009

Das KHM dürfte nichts dagegen haben, das Volkskundemuseum aufzugeben: Generaldirektorin Sabine Haag, Finanzchef Paul Frey und Peter Püspök, der Vorsitzende des Kuratoriums, saßen in eben jenem Lenkungsausschuss, der dem Konzept zustimmte - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Kunstkammer realisiert wird, deren Wiedereinrichtung Schmied vor nun schon eineinhalb Jahren bei Haags Bestellung versprach.

Das Autorenteam hat auch konkrete Ideen zur Umsetzung, die von Franz in seiner Zusammenfassung übernommen wurden: Noch 2009 "Entscheidung" - der Ministerin bleibt also nicht mehr viel Zeit. 2010 folgt der "Übergang" : Abspaltung des Völkerkundemuseums aus dem KHM-Konzern, Konzeptarbeit für die neue Schausammlung zu den Themenfeldern "Weltenschätze" und "Geschichte und Geschichten" . 2011 kommt es dann zum "Neustart" : Namenswechsel, Eröffnung der neu gestalteten Bereiche im Hochparterre des Corps de Logis, Einzug des Volkskundemuseums, Beginn der Vermittlungsaktivitäten im neuen "Labor" . Und von 2012 bis 2016 schließlich die "Fertigstellung" : Eröffnung der restlichen Schausammlungsbereiche in drei Segmenten.

Es liegt auch eine Kostenkalkulation vor. Im Zuge des Diskussionen mit dem Ministerium kam es allerdings zu Redimensionierungen: Ursprünglich wurden die Kosten für alle Maßnahmen ("Vollversion" ) mit 24,12 Millionen Euro beziffert, derzeit steht man bei 22,76 Millionen. Allein die Einrichtung der Schausammlung kommt auf zumindest 10,66 Millionen Euro. In einem Fact-Sheet ans Ministerium halten die Konzeptautoren fest:"Weitere Einsparungspotentiale würden die Realisierung und den Erfolg des Projekts in Frage stellen. Ein Verzicht, beispielsweise auf die Gastronomie, würde eine negativer Entwicklung bzgl. Einkommen und Öffentlichkeitswirkung nach sich ziehen."

Im Papier von Franz, das die Grundlage für Schmieds Entscheidung bildet, werden allerdings nur grotesk niedrige Investitionskosten angeführt: 500.000 Euro 2009, 1,5 Millionen nächstes Jahr, zwei Millionen 2011, eine Million 2012, gar nichts 2013 und fünf Millionen erst 2014. Diese Ansätze seien, so heißt es, realisierbar.

"Knackpunkt" der Fusion ist also weniger, wie die APA glaubt, die angestrebte Autonomie, sondern das Budget - sowohl für den Umbau, also auch den Betrieb. In den beiden Museen schwankt man derzeit zwischen Euphorie und Ernüchterung. Denn ein Zeichen dafür, dass der Neustart doch nicht so schnell vonstatten gehen könnte, ist die neue Museumsordnung, die demnächst von Schmied erlassen wird: In dieser ist das Museum für Völkerkunde - wie auch das Theatermuseum - weiter Teil des KHM.

ÖVP-Kultursprecherin Silvia Fuhrmann findet die Zusammenlegung der Museen in Zeiten der Globalisierung einen sinnvollen Ansatz. Ihr Kollege von den Grünen, Wolfgang Zinggl, der schon seit Jahren ein Museum der Kulturen fordert, plädiert für die Umsetzung des Konzepts - ohne Abstriche. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.11.2009)

 

Albert Ottenbacher
00
14.6.2011, 09:48
Abgang "Kulturenmuseum"

Der Nachruf von Dr. Seipel für das aus Volks- und Völkerkunde zu fusionierende, aufwändig geplante, jetzt still entschlafene "Kulturenmuseum" am Heldenplatz :

"Sämtliche gerne unter dem Motto 'Wissenschaft' aufgeführten Argumente für die Zusammenlegung, wie etwa regelmäßig stattfindende Wissenschaftsgespräche oder internationale Workshops, der Ausbau der online-Recherchemöglichkeit oder die Kooperation mit internationalen Museen und Universitäten bzw. Kooperationen mit Herkunftsländern der Sammlungen sind bereits jetzt möglich und keineswegs von einer Zusammenführung der beiden Sammlungen abhängig."

http://www.bmukk.gv.at/medienpoo... 1/webm.pdf

Albert Ottenbacher
00
20.1.2011, 12:30
Luftschloß

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde mosert in der FAZ vom 12.1. über "museale Duodezfürstentümer" und "Starrsinn, Selbstüberschätzung und mangelnde Bereitschaft zur Kooperation" sowie "Eurozentrik und Designerschleim." Die Ethnologie versagt in der Ferne, weit weg vom Heldenplatz, im Berliner Luftschloß des Humboldt - Forums.

Ottenbacher
00
31.8.2010, 09:02
Hohe Hürden

In der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde werden Anforderungen für eine Zusammenlegung zum "MuseumNEU" gestellt : "Der Standpunkt der Museumsdirektion ist klar und eindeutig. Für den Erfolg eines neuen Kulturmuseums ist eine klare Positionierung im Kreis der Bundesmuseen notwendig."

Für die Fusion von Volks- und Völkerkundemuseum müsste erst das Bundesmuseengesetz geändert und die Ethnologie wieder aus der jüngst hergestellten Verbindung mit dem Kunsthistorischen Museum gelöst werden.

Ob es wenigstens gelingt, eine Gedenktafel und eine kleine Dauerausstellung für Eugenie Goldstern im Palais Schönborn zu schaffen ?

Ottenbacher
00
28.8.2010, 09:23
Langer Traum

Zinggl träumt von einem Kulturenmuseum, das aus dem Volks- und Völkerkundemuseum, der Ägyptisch-Orientalischen und der Antikensammlung des KHMs, der Frühgeschichtesammlung des Naturhistorischen Museums etc. bestehen soll.

DER STANDARD, 22./23.01.2005

http://derstandard.at/1926281

Albert Ottenbacher
00
12.6.2010, 09:36
MuseumNEU in der Hofburg abgehakt

Ähnlich dem Humboldt - Forum im Berliner Stadtschloß dürfte das MuseumNEU in der Wiener Hofburg erstmal aus der Welt sein. Oder ?

Albert Ottenbacher
00
"Museum oder so"

In der Grafik aus dem Konzept für das neue Museum der Kulturen in der Hofburg gibt es keine Volkskunde mehr.

Dass ausgerechnet am Heldenplatz zwei Museen den Namen wechseln und ihrer Geschichte entfliehen wollen. Der Plan dafür bleibt geheim. Als Alias passt "Museum oder so" besser als "MuseumNeu" oder "Museum der Kulturen"

Im Unterrichtsministerium besteht eine Abteilung für Denkmalschutz. Schaut Sie dem Verfall des Schönbornpalais genauso gelassen zu, wie das Bundesdenkmalamt ?

Albert Ottenbacher
01
23.12.2009, 09:55
Schönbornpalais vergessen ?

Das „Ehem. Palais Schönborn, Volkskundemuseum, Laudongasse 15-19, EZ 1156“ steht als „unbewegliches Denkmal“ durch eine Verordnung vom 15.6.2006 unter den Bestimmungen des österreichischen Denkmalschutzgesetzes. Seitdem gilt für den Fall, daß das Denkmal „zerstört, verändert oder veräußert werden und dadurch das Interesse an der unversehrten Erhaltung des Denkmals wesentlich geschädigt würde“, die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde auf Antrag des Bundesdenkmalamtes oder - bei Gefahr im Verzug - „von Amts wegen die jeweils geeigneten Maßnahmen, Verfügungen und Verbote zur Abwendung dieser Gefahr zu treffen hätte.“

Bei allen Plänen in der Hofburg sollte das schöne Haus in der Josefstadt berücksichtigt werden.

Peter Silie
01
19.11.2009, 11:14
Instandhaltung auf Kosten der Steuerzahler verschlampt

Dem Verein der Museumsbetreiber wurde das Palais Schönborn seitens der Stadt Wien unentgeltlich überlassen, Bedingung war dessen Instandhaltung. Dies wurde über Jahre nicht beachtet. Die unrühmliche, dafür beliebige Schausammlung ist in zwei Räume im Erdgeschoß zusammengepfercht, dafür stehen dem Bezirksvorstand jederzeit gerne Räumlichkeiten für seine (politschen) Veranstaltungen zur Verfügung. Diese Besucher zählen als Besucher des Museums, wodurch Bedarf für dieses Museum behauptet wird. Für den Steuerzahler entlastend wäre tatsächlich, die Schausammlung ins Völkerkundemuseum zu einzubringen.

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