Der monströse Schlafzimmerblick

18. November 2009, 17:53
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    foto: thimfilm

    Unsichtbarer Störenfried im Visier der Kamera: In Oren Pelis Horrorfilm "Paranormal Activity"  entsteht der Schrecken aus der Nähe zu einer allzu vertrauten Bilderwelt

Mit "Paranormal Activity" gelang Regisseur Oren Peli das Kunststück eines No-Budget-Horrorfilms, der sich zur Kinosensation dieses Herbstes mauserte: über Ängste in einer alltagsdurchtränkten Gegenwart

Wien - Beginnen wir bei den messbaren Fakten: Ein übernatürliches Phänomen, das gegen alle durchschnittlichen Erfahrungswerte spricht, ist der Riesenerfolg dieses Films. Oren Peli, ein gebürtiger Israeli, der mit 19 Jahren ins kalifornische San Diego kam und dort als Computerspielprogrammierer arbeitete, wollte schon immer einen Film drehen. Also tat er es, im DIY-Modus, in sieben Tagen, im eigenen Haus - was ihn gerade mal 15.000 Dollar kostete.

Der Horrorfilm machte bereits 2007 auf diversen einschlägigen Filmfestivals die Runde. Irgendwann fiel er auch in die Hände von Steven Spielberg, der - so zumindest die werbeträchtige Nachrede - dafür mehrere Anläufe brauchte, weil er sich so gefürchtet haben soll. Paramount brachte ihn schließlich mit einer an "The Blair Witch Project" angelehnten Internet-Marketingstrategie - und neu gedrehtem Ende - ins Kino. Mittlerweile hat "Paranormal Activity" an der Box Office die 100-Millionen-Dollar-Grenze überschritten.

So effizient das Konzept des Films, so ökonomisch, geradezu simpel ist seine erzählerische Basis, die den Zuschauer zum wissbegierigen Voyeur einer Art "snuff movie" , eines nicht gestellten Horrorfalls, werden lässt. Micah (Micah Sloat) überrascht Freundin Katie (Katie Featherston) mit einer neu erworbenen Kamera. Seit einiger Zeit werden die beiden nachts von merkwürdigen Geräuschen geweckt, nun will man dem Verursacher auf die Schliche kommen und ihn optisch festhalten. Der Apparat wird auf der gegenüberliegenden Seite des Bettes postiert, das Geschehen im Dunkel aufgezeichnet.

Mögliche, das Paarleben animierende Nebeneffekte, die vor allem Micah vorschwebten, sind bald vergessen. Es beginnt, wie immer in solchen Fällen, mit kleinen Irritationen. Geräusche. Die Tür des Zimmers bewegt sich. Und dann steht Katie eines Nachts auf und wippt seltsam auf der Stelle, um in dieser Position schließlich stundenlang zu verharren. Man verrät nicht zu viel, wenn man noch erwähnt, dass dies erst der Anfang einer Konfrontation mit einer Macht ist, die Katie schon seit Kindheitstagen verfolgt.

Ein nomadischer Geist

Anders als in Haunted-House-Gruselfilmen, wo der Schrecken eines zurückliegenden Verbrechens gleichsam für immer eingezogen ist, hat man es in "Paranormal Activity" mit keinem sesshaften, sondern mit einem wendigen und persönlicheren Gegenüber zu tun. Micah betrachtet die Auseinandersetzung mit dem Eindringling so auch bald als seine Mannespflicht. Doch wie bekämpft man einen unsichtbaren Feind? Und lockt man den Konkurrenten mit Provokationen nicht noch mehr an? Oren Peli ist clever genug, nie zu viel an Informationen preiszugeben und nie zu viel zu visualisieren. Sympathisch altmodisch mutet sein Umgang mit dem Medium Video an, das hier gerade durch das Schüren der Erwartung, es würde etwas offenbaren, seine stärkste Wirkung entfaltet.

Umso zeitgenössischer erscheint dafür das Setting dieses so durchschnittlichen US-Haushalts und seiner so durchschnittlichen Bewohner, die von jedem Außen merkwürdig isoliert scheinen. Nichts deutet bei Katie und Micah auf etwas so Anachronistisches wie einen Dämon hin. In der Normalität des aufgezeichneten Alltags liegt aber der Kern des Films - ein Alltag, der den unzähligen profanen Lebensausschnitten, die über Plattformen wie Youtube abrufbar sind, recht ähnelt.

Oren Pelis Strategie der Verunsicherung setzt auf die Störung dieses vertrauten Bilderarchivs - das Unheimliche liegt hier ganz nah beim Heimlichen, dem allzu Bekannten, wie das schon Freud bemerkt hat. Das mag auch die Faszination von "Paranormal Activity" erklären, einem Film, der keine inhaltlichen Neuerungen aufbietet, sondern seinen ganzen Schrecken durch eine mediale Übertragung generiert. Er findet ein Fenster zu einer von vielen geteilten Intimität - und damit auch zu ihren inneren Ängsten. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.11.2009)

 

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Andreas Schmidt
01
20.11.2009, 20:42
Der Wappler kann in der herrlichen Kühle mit der Nina Lammbraten essen

Also ich fand den Film scheiße: keine sinnvolle Handlung, immer dieselben Handlungsmomente, überhaupt nicht zum Fürchten. Das Einzige, das wirklich horrorhaft ist, ist das ewige hysterische Schreien und Herumgezicke der Hauptakteurin, wo mir dann wirklich die Ohren schon geschmerzt haben. Ein dummer film für ein beschränktes Publikum! Da war Orphan, das Waisenmädchen viel horrorhafter!

Olivio Tasso
00
19.11.2009, 17:08
"Drag Me To Hell"

war gruseligerrr . . . Das hat der Raimi nach Spider-"Spinnereien" ganz vortrefflich hingekriegt.

Übrigens hier ein interessantes Interview mit PA-Regisseur Oren Peli, unter http://www.filmstarts.de/specials/... ivity.html

Lethawae
02
19.11.2009, 15:45

Mich hat's nach einer halben Stunde gegruselt. Da wurde mir klar, daß der Film noch eine Stunde geht.

Eiffel LaTour
00
19.11.2009, 11:49
Hab den Film gesehen...

und ich habe ihn gruselig und wirklich toll gefunden! Ja... das Rad ist nicht neu erfunden worden und sicherlich ist das Marketing drum herum übertrieben (Spielberg brauchte mehrere Anläufe, weil er so gruselig ist, blah blah). Aber für mich endlich wieder richtig Gänsehaut bei einem "Haunted House" Film seit "Ju On" (japan. Original natürlich).

Naschgul
00
19.11.2009, 13:49

Der Film lässt sich allen Ernstes mit Ju-On vergleichen?? Ju-On ist der einzige Film, von dem ich auch nach Jahren noch Albträume hab, also wenn Sie mit Ihrem Vergleich nicht übertreiben, dann frage ich mich, ob Paranormal Activity was für mich ist - noch mehr Albträume brauch ich nämlich nicht *g*

Jeannot81
 
00
19.11.2009, 16:14
Ich bin auch kein schreckhafter Mensch...

...jedenfalls nicht, was Filme angeht. Aber Paranormal Activity hat bei mir tatsächlich Wirkung hinterlassen. Am ersten Abend, nachdem ich das Licht ausgeschaltet hatte um zu schlafen, da haben sich einige ungute Gedanken eingeschlichen. Nichts, das sich mit etwas Ratio nicht beseitigen ließ, aber immerhin...so was hab ich fast nie :D
Ein großartiger Film!

Naschgul
00
19.11.2009, 16:32

So ging's mir mit Ju-On - tagsüber angeschaut, hab mir gedacht, naja, war ja nicht sooo schlimm. Beim Schlafengehen kamen dann Gedanken wie "Bin ich froh, dass mein Bett mit dem Kopfende zur Wand steht" *g* Und normalerweise kann ich nach einem x-beliebigen Horrorfilm schlafen, als wäre nix gewesen :)

Eiffel LaTour
00
19.11.2009, 16:49

Ju-On ist schon noch ein Eck fieser, als ich den das erste Mal gesehen habe, konnte ich nicht mehr alleine aufs Klo gehen :-D... aber ich finde Paranormal Activity jedenfalls sehenswert, ich mag einfach Geisterfilme und PA ist definitiv (meines Erachtens) einer der besseren.

Naschgul
00
20.11.2009, 10:12

Ich merk mir den mal vor, jetzt bin ich endgültig neugierig geworden. Und seit Ju-On denke ich mir, dass ich so ziemlich alles aushalte, was es im Horrorgenre gibt. Naja, einen großen Teil :)

Little Miss-Scare-All
00
21.11.2009, 13:38
nehmt euch ein hotel ihr zwei!

mazzu
23
19.11.2009, 10:59
100.000.000.- Dollar?!?!

Der Film hat in Amerika über 100.000.000.- Dollar eingespielt! Ich habe mir den Film angesehen und finde ihn wahnsinnnig langweilig.

Priscillah
35
19.11.2009, 11:23
nicht...

...alle menschen gruseln sich gleich.
manchen stehen die haare bei vampiren und poltergeistern zu berge, andere schlottern vor dämonen und hexen. das grauen vielfältig. dass sie sich gelangweilt haben heist gar nichts. und interessieren tut ers recht niemanden.

The Alien
 
01
19.11.2009, 15:04
Unterschiede des Gruselns

Mich gruselt es am meisten bei Nachrichtensendungen, vor allem, bei den politischen Themen.

Die anschauliche Darstellung des Faktums, dass man als Bürger völlig machtlos einer pseudo-demokratischen Diktatur durch eine völlig skrupel- und kompetenzlose Bürokratie ausgesetzt ist (die durch ihre Regeln und Bestimmungen in jedem Lebensbereich massiv Einfluss nimmt), führt bei mir zu Albträumen von schlecht vergoldeten Käfigen, aus denen es kein Entrinnen gibt, nur das allgegenwärtige Hamsterrad, in dem man laufen muss, um gefüttert zu werden ... brrrr - gruselig!

Naschgul
02
19.11.2009, 11:41

Naja, ich find's schon spannend zu lesen, wie unterschiedliche Menschen den Film wahrnehmen anstatt mich nur auf die Kritik zu verlassen - klar sollte man sich letzten Endes eine eigene Meinung bilden, und jeder fürchtet sich vor was anderem. Ich hatte mal eine Mitschülerin, der durfte ich nicht mal erzählen, dass ich "Dracula" von Bram Stoker lese, die hat das nicht ausgehalten. Meine Mutter fand "Interview mit einem Vampir" grauslich, selber krieg ich Albträume, wenn ich mir japanische Horrorfilme anschaue, während mir irgendwelche CGI-Monster völlig wurscht sind.

Sergio Martino
01
19.11.2009, 09:58
Ich befürchte: Wenn österreichische "Kultur"politiker davon erfahren, kommen sie auf dumme Ideen.

Im Sinne von: "No, Herr Prochaska, wie wär's, wenn Sie den dritten Teil von 'In 3 Tagen bist du tot' mit 10.000 Euro Budget drehen? Ich hab' gehört, das geht und führt zu internationalem Erfolg!"
Brrrrrrrr.
Dann könnte endlich noch mehr Geld in noch mehr Filmfestivals und Festivalintendanten und Kuratoren und Retrospektiven fließen - denn genau das ist es, was österreichische "Kultur"politiker so lieben. Denn da können sie auftreten und Reden schwingen und in Programmheften mit Dank erwähnt werden. Wenn aber einfach ein Film ermöglicht wird, ist das natürlich nicht möglich.
Was der österreichische Film von "Paranormal Activity" lernen sollte: Dass Marketing, PR & Co nicht filmfremd und böse, sondern ganz, ganz wichtig sind.

KomaPoster
201
19.11.2009, 08:42
Von dieser Kinosensation habe ich rein gar nix mitbekommen.

Lieber Hr. Redakteur,
bitte um Nachreichen der Fakten. Zuschauerzahlen, etc.

Ich lese tägl. Zeitung. Bisher (siehe onlinearchiv derstandard.at) taucht dieser Film nicht auf. Bloß weil sich Profi-Cineasten auf Festivals treffen? Naja, sensationell.

Auch du bist DKE!
21
19.11.2009, 16:38

Tja du kleinkarierter Österreicher. Wie wäre es wenn du internationale Zeitungen liest.

.

Timagoras
 
11
19.11.2009, 15:12
@KomaPoster: "Von dieser Kinosensation habe ich rein gar nix mitbekommen"


wie denn auch? - im koma!

d3m3t3r
 
10
19.11.2009, 10:22
Von dieser Kinosensation habe ich rein gar nix mitbekommen.

Heisst gar nichts...

thomazz
01
19.11.2009, 10:21

was ist denn das für eine logik? du hast noch nichts davon gehört, also kann der film gar nicht so bekannt und erfolgreich sein wie es der standard schreibt?
fakten: der film ist jetzt seit 6 wochen in den us-kinocharts unter den top 10. zwischenzeitig (ende oktober) auch mal auf platz 1. ich weiß nicht, ob man da noch von einem cineasten-geheimtipp sprechen kann.

KomaPoster
40
19.11.2009, 12:20
Die Logik ist die: Filmstart 2007 und im Nov. 2009 entdeckt derstandard.at diese Tatsache. Wow. Echt sensationell.

Simon Ponyhof
00
20.11.2009, 09:43
hirnkoma, oder?

Roman01
01
19.11.2009, 22:29
Haha muss grad ziemlich lachen...

...wie beschränkt du sein musst ;-) Steht doch eh klar und deutlich alles im Text.

Liest du den Artikel auch bevor du herumstänkerst, oder hast du beim Film Titel in der 1. Zeile aufgehört und dir gedacht, "kenn ich nicht - warum bringt der Standard über so einen Film einen Bericht?"

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