derStandard.at-Interview

"Das Wort 'Kinderpunsch' streichen"

Eva Tinsobin, 18. November 2009, 18:58
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    Peter Goldgruber führte als Polizist 14 Jahre lang Verkehrs- und Alkoholkontrollen durch. Auch heute kümmert er sich als Einsatzleiter um die ordnungsgemäße Abwicklung von Schwerpunktkontrollen.

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    "Es würde mir gut gefallen, wenn die Gewerbetreibenden das Wort 'Kinderpunsch' streichen würden."

Peter Goldgruber, Leiter der Sicherheits- und Verkehrspolizeilichen Abteilung Wien, über das "Planquadrat" in der Adventzeit

Über die "verdachtsfreie" Kontrolle, Kinderpunsch als cooles Getränk mit uncoolem Namen, oder die Meisterleistung des Polizisten, unbedachte Äußerungen nicht persönlich zu nehmen, berichtet ein Profi in Sachen Schwerpunktkontrolle.

derStandard.at: Sind im Advent mehr Alkoholisierte unterwegs, oder finden mehr Kontrollen statt, was zu einer höheren Quote und zu verstärkter medialer Berichterstattung führt?

Peter Goldgruber: In der Weihnachtszeit haben wir ein noch schärferes Auge auf Alkohol im Straßenverkehr als sonst. Das Verhältnis der kontrollierten zu den alkoholisierten Lenkern ist in den letzten Jahren geringfügig niedriger als sonst. Ein positiver Effekt, der auch der medialen Berichterstattung zu verdanken ist: Wer damit rechnen muss, kontrolliert zu werden, traut sich weniger, alkoholisiert fahren.

derStandard.at: Reicht Bewusstseinsbildung nicht aus? Brauchen wir immer Sanktionen, um uns selbst und andere nicht zu schädigen?

Goldgruber: Beides ist notwendig. In Wien ist die Bewusstseinsbildung relativ hoch, die Zahlen über die betrunkenen Unfallverursacher liegen hier unter dem Österreichschnitt. Aber Strafen wirken generalpräventiv: "Ich bin erwischt worden, es hat viel gekostet und ich musste zur verkehrspsychologischen Nachschulung." Wenn ich draufkomme, dass ich so etwas nicht mehr erleben möchte, haben die Sanktionen Sinn gemacht.

derStandard.at: Wo wird in der Vorweihnachtszeit kontrolliert?

Goldgruber: Das halten wir flexibel. Wir beobachten, welche Weihnachtsmärkte gut besucht sind, wo es besonders lustig zugeht und wo die Autos im Umfeld parken. In Wien wird es jeden Tag an einem Ort eine Schwerpunktaktion geben und es wird Tage mit vielen Schwerpunktaktionen geben.

derStandard.at: Ihre Empfehlungen für Punsch- und Glühweintrinker?

Goldgruber: Speziell in der Vorweihnachtszeit ist der Zugang zu Alkohol noch einfacher als sonst. Damit einher geht ein erhöhtes Risiko, dass man bei süßen Mischgetränken, wie Punsch oder Glühwein, den Alkoholgehalt nicht einschätzen kann. 

Ich empfehle, sich niemals an die größtmögliche Menge "heranzutrinken", sondern konsequent zu sagen: "Ich trinke etwas, oder ich trinke nichts." Und wenn ich der Fahrer bin, trinke ich alkoholfreien Punsch.

Es würde mir übrigens gut gefallen, wenn die Gewerbetreibenden das Wort "Kinderpunsch" streichen würden. Es ist furchtbar uncool, als Erwachsener Kinderpunsch zu trinken. Vor allem wenn man in Gesellschaft anderer ist, die dann gewisse Ausdrücke dafür finden. Damit man das aushält, muss man schon hart im Nehmen und ein beständiger Mensch sein.

derStandard.at: Wie laufen die Kontrollen ab?

Goldgruber: Vor allem in der Adventszeit führen wir viele Kontrollen durch, bei denen wir ein bestimmtes Gebiet absperren und alle Fahrzeuglenker testen. Bei der sogenannten "verdachtsfreien Kontrolle" braucht es keine Symptome oder Auffälligkeiten der Lenker. 

Da das Vortestgerät mittlerweile Standardausrüstung in jedem Streifenauto ist und der Test nur 20 Sekunden dauert, wird viel dichter kontrolliert. Deshalb gibt es mehr Anzeigen im niederschwelligen Bereich. Von 0,5 bis 0,8 Promille erkennt man bei den wenigsten Lenkern Auffälligkeiten, aber beim Vortest rutschen sie nicht durch.

derStandard.at: Kontrollieren Sie auch Radfahrer?

Goldgruber: Ich empfehle niemandem, auf das Fahrrad umzusteigen, wenn er einen Punschstand besuchen möchte. Wir kontrollieren alle, die mit einem Fahrzeug unterwegs sind. Alkoholisierte Lenker am Fahrrad, Moped oder Mopedauto werden genauso streng bestraft wie Pkw-Lenker.

derStandard.at: Was passiert, wenn ich keinen Alkotest machen will?

Goldgruber: Wer glaubt, den Test verweigern zu können, der irrt sich, denn er ist dazu verpflichtet. Im Fall einer Weigerung wird der Lenker so behandelt, als ob er 1,6 Promille hätte. Das bedeutet 1.600 Euro Mindeststrafe und Führerscheinentzug im höchsten Ausmaß. Verweigern ist also überhaupt nicht empfehlenswert.

derStandard.at: Wie sind die Reaktionen der Lenker, die in ein "Planquadrat" kommen?

Goldgruber: Im Großen und Ganzen verständnisvoll. Die Leute sagen: "Gut, dass ihr kontrolliert". Sie sind daran interessiert, voranzukommen und nicht von jemandem abgeschossen zu werden, der sein Fahrzeug nicht unter Kontrolle hat. 

Es gibt natürlich auch Stimmen, die sagen: "Geht's lieber Verbrecher fangen."  Wenn jemand vorschnell Dinge äußert, die er sich nicht überlegt hat, halten wir das aus. Nur weil jemand heiße Luft verbreitet, muss man sich nicht gleich daran erwärmen. Wenn er sich sonst ordentlich benimmt, hat das keine Folgen.

derStandard.at: Nimmt man solche "vorschnellen Äußerungen" persönlich?

Goldgruber: Es ist die Meisterleistung des Polizisten, unbedachte Äußerungen nicht persönlich zu nehmen. Die Verkehrskontrolle ist ja vielleicht nur ein letzter Punkt in einer Reihe von Unglückseligkeiten, die diesem Menschen den ganzen Tag über widerfahren sind. Deshalb trainieren wir ein gewisses Verständnis. Viele entschuldigen sich, wenn man ihr Verhalten spiegelt: "Wissen Sie eh, was Sie da gerade gesagt haben?"

derStandard.at: Zeigen sich Lenker reuig, wenn sie alkoholisiert am Steuer erwischt werden?

Goldgruber: Die meisten genieren sich, zahlen die Geldstrafe und sind froh, wenn die Sache aus der Welt ist. Deshalb gibt es auch kaum Berufungen an den Unabhängigen Verwaltungssenat. 

Für viele Lenker ist eine Anzeige wegen Alkohol am Steuer Existenz bedrohend, aber es ist sinnlos, einen Polizisten anzujammern und ihm die ganze Lebensgeschichte zu erzählen. Für ihn gibt es keine Möglichkeit, nicht einzuschreiten. Das wäre Amtsmissbrauch, was fünf Jahre Haft und Jobverlust bedeutet.

derStandard.at: Sind die Österreicher diszipliniert, was den Alkoholkonsum betrifft?

Goldgruber: Man kann durchaus "Ja" sagen. Die meisten Alkolenker sind knapp über der erlaubten Promillegrenze unterwegs. Etwa vier Prozent der Gesamtverursacher von schweren Unfällen sind von Alkohol beeinträchtigt.

Im ländlichen Bereich ist Alkoholkonsum am Steuer häufiger als in der Stadt. Vor allem, weil es die Infrastruktur nicht gibt und das Auto einen höheren Stellenwert hat.

Im privaten Bereich sehe ich, dass sich Jugendliche immer besser organisieren. Sie nehmen Shuttledienste in Anspruch oder sprechen sich vor dem Fortgehen ab, wer nüchtern bleibt und fährt. In meiner Jugend habe ich das noch nicht so erlebt.

derStandard.at: Ist Alkohol am Steuer immer noch ein Kavaliersdelikt?

Goldgruber: Die soziale Kontrolle funktioniert ein Stück besser, als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Wer heute wegen Alkohol am Steuer erwischt wird, ist ganz sicher kein Held in seinem Bekannten- und Kollegenkreis. Nicht weil er sich erwischen lassen hat, sondern weil er überhaupt gefahren ist. Vorwürfe und Beschimpfungen sind vorprogrammiert. Es ist das Schändliche, das überbleibt.

derStandard.at: Ihre Strategien für Alkoholkontrollen?

Goldgruber: Früher hieß es: "Haltet die Kontrollen geheim, damit möglichst viele erwischt werden." Heute verfolge ich eine andere Philosophie. Wir informieren über die Kontrollen und auch über die Zahl der Führerscheine, die wir abnehmen mussten. Anhand der Kontrolldichtezahlen lässt sich nachweisen, dass wir mehr kontrollieren als früher. Nachdem wir trotzdem weniger Alko-Lenker erwischen, erfüllt das Reden über die Kontrollen seinen Sinn. Deshalb spreche ich auch heute mit Ihnen darüber.  (derStandard.at, Eva Tinsobin, 18. 11. 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 166
1 2 3 4
Dein schönster Traum
10
22.12.2009, 15:26
Kluger Mann!

Wäre ich Autofahrer, ich würde mir wünschen, von ihm kontrolliert zu werden. :-)

Alles Gute bei der Jagd!

Kayo Chin
 
01
22.12.2009, 03:25
Vier Prozent

"Etwa vier Prozent der Gesamtverursacher von schweren Unfällen sind von Alkohol beeinträchtigt", sagt der Polizist.

Ich bin überrascht, das halte ich für gring, angesichts die Debatte beinahe 100% vom Thema Verkehr und Sicherheit vereinnahmt.

Das Menschlein versucht für sein erbärmliches Leben alle Gefahr aus der Welt zu schaffen, und das Wenige, das es greifen kann, das schlagt es blind getrieben in den Tod.

Vielleicht erkennt die alles hetzende Intelligenz bald den katastrophalen Einfluss von Curry auf das soziale Verhalten, dann fürchtet sich alles vor den Curry-Planquadraten.

Schön wenn ein intelligenter Mensch dann mit uns darüber spricht; ein Polizist, eine Verkehrsministerin.

Alleine die Ankündigung, dass tausende Spitzel

Arthur D Little
 
41
25.11.2009, 22:07
Frechheit

dieser Typ gehört mA fristlos entlassen! Anstatt seiner Aufgabe nachzukommen, die Einhaltung bestehender Promillegrenzen sicherzustellen und effektive Kontrollen durchzuführen, sinniert der Sesselsitzer über die Bennenung von Punsch, was Privatsache der Wirten ist!
Glaubt der denn wirklich mit der Umbennenung die Unfallbilanzen verbessern zu können?

Sofort feuern!

Voronwe
00
24.11.2009, 22:40
Kinderpunsch umbenennen?!

Oh ja, und zwar gleich mit dem anderen Zeugs in:


- Extrasüß (ehem. Punsch)
- Läuterzucker (ehem. Kinderpunsch)
- Hollersirup (ehem. Glühwein)

Ringweltler
01
24.11.2009, 10:03
Kinderpunsch

Mir hat es noch nie etwas ausgemacht, einen Kinderpunsch zu bestellen oder zu trinken - was die Anderen sagen, ist mir doch egal. Aber so denkt nicht jeder, deshalb find ich die Idee ganz gut. Vielleicht "Autofahrerpunsch"? oder "Fahrerpunsch"?

immer schön freundlich
00
23.11.2009, 16:13

ich finde Kinderpunsch ok.

berzn hammi
00
23.11.2009, 08:30

Entwaffnet die Polizei und gibt ihnen Alkotester!

japsa
33
19.11.2009, 18:10
Geh bitte die Sinnlosen stellen sich schon wieder selbst so gut dar,

dass man sich nur wundern kann. Mir können diese gewalttätigen, fremdenfeindlichen, ungebildeten, präpotenten Grossstadtcowboys im angeheiterten wie im nüchternen Zustand gestohlen bleiben. Nix wie abkassieren für einen schönen Jahresbonus und die Aufklärungsquote bei Verbrechen ist gleichzeitig wie immer unter der Wahrnehmungsschwelle.

Angelika70
14
20.11.2009, 13:54

Ärgern sie sich nicht. Irgendwann bekommen auch sie ihren Führerschein zurück.

cannery row
01
19.11.2009, 17:01
konsequent..

also, ich hab lang nachgedacht und es mir wirklich nicht leichtgemacht. aber ich hab mich entschieden: ich trink was.

Klemens Dickbauer
01
24.11.2009, 01:21
Eine gute Entscheidung.

Der Tod durch Dehydrierung ist kein angenehmer.
Ich empfehle Radenska.

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
19.11.2009, 20:02
Z'fleiß, wegen der Bullerei?

(C:

Londo Mollari
 
95
19.11.2009, 14:35
jaaaa das ist jetzt urwichtig

dass gleichzeitig ganze bezirke von einbrecherbanden geplündert werden, und die polizei rein gar nix zusammen bringt, scheinbar weniger.
lassts ein jahr die autofahrer in ruh und kümmerts euch um echte delikte, nicht so überhysterisierte pseudo-verbrechen wie auto fahren in der stadt (also mit 30kmh im schnitt) nach einem punsch zu viel. ausser blechschaden droht da gar nix, entgegen der seit jahren anhaltenden greuel-propaganda von polizei´, dem "kuratorium für verkehrssicherheit" etc.

selber habe ich übrigens kein auto, sondern gehe zu fuss oder nehme strassenbahn oder taxi. und punsch ist mir zuwider. aber da jedes jahr eine solche hexenjagd loszutreten ist reine gier auf die strafgelder.

Georg Scholz
12
19.11.2009, 16:20

"Ausser Blechschaden droht da gar nichts" --- Bei Ihnen offenbar Dachschaden - Sie wurden wohl schon angefahren?

OidaVoda
01
19.11.2009, 16:08

soll ich sie mal mit 30 km/h anfahren?

wenn sie dann immer noch an ihren ansichten festhalten, können wir gerne über eine gesetzesänderung sprechen.

Londo Mollari
 
11
19.11.2009, 16:13
ob sie angesäuselt sind oder nicht macht da keinen unterschied, oder ?

m - k - w
00
19.11.2009, 14:34
Kinderpunsch umbennen?

Was? Wie will man sonst Kinder zu potentiellen Alkoholikern machen? Außerdem, was ist aus der guten alten Kaugummi-Zigarette geworden?

Sachen gibts!

OidaVoda
05
19.11.2009, 13:52
kinderpunsch

"Damit man das aushält, muss man schon hart im Nehmen und ein beständiger Mensch sein."

geh bitte, wie hart im nehmen muss man sein, um ein paar witzeleien wegstecken zu können? das ist doch lächerlich. wer das nicht aushält ist auch nicht reif genug, überhaupt ein fahrzeug zu lenken.

und zum thema generell:
wer trinkt, soll mit dem taxi fahren. die kosten fallen bei den glühweinpreisen nicht einmal mehr ins gewicht.

Ringweltler
00
24.11.2009, 10:07

Da hast du absolut recht - aber beobachten sie mal eine Runde von Freunden und Bekannten - da wird dann oft gescherzelt und dann trinken die Personen doch noch einen Alk. "wos, bist jetzt schwoch?" "hey was ist mir dir du schwachstelle" - sowas hört man doch oft. mir persönlich ist das völlig egal - ich sag dann immer, dass ich noch autofahren muss - und übrigends, bei Frauen kommt sowas gut an ;-)

OidaVoda
00
25.11.2009, 12:23

sicher steht man unter einem gewissen "druck". aber der kommt nur zum teil von den verführungsversuchen der runde, sondern eher vom inneren schweinehund der einem sagt, dass man ja eh gerne etwas trinken würde aber nur halt nicht darf. wenn man dem nachgibt und schwach wird isses aber auch nicht weiter schlimm. auto stehen lassen und taxi nehmen.
dann werden sichs die "verführer" vielleicht auch verkneifen beim nächsten mal, die haben dann nämlich ihre mitfahrgelegenheit verloren :)

Dr Grulka
 
00
19.11.2009, 19:29

Nun, der Herr Goldgruber ist halt sehr sensibel. Er ist ja auch bei der Polizei.

Georg Scholz
00
19.11.2009, 16:27

Ich denke mir auch oft, das vieles lächerlich ist. Die Realität schaut aber halt anders aus, das ist ein Faktum.

Dante Alighieri
00
19.11.2009, 16:19

Wer solche Freunde hat sollte überhaupt einmal überdenken in welchen Kreisen er sich aufhält.

Der kleine Lord
01
19.11.2009, 14:13
"nicht reif genug, überhaupt ein fahrzeug zu lenken"

geschweige denn, Alkohol zu trinken....

melhor
01
19.11.2009, 13:42

Bei den Wiener Christkindlmärkten wäre eine Blutzuckerkontrolle der Sozialversicherungen sinnvoller als eine Alkoholkontrolle. Habe nach jedem Weihnachtsmarkt-Besuch den Zuckerspiegel eines Diabetikers

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