Besser 16 Jahre zu spät als nie! Kommenden Montag spielen die grandiosen Fießlinge von Clutch in der Wiener Arena!
Clutch!
Schon der Name klingt wie das Einschlagsgeräusch einer Gewalttat, verübt mit
bloßen Händen. Als 1993 ihr erstes Album "Transnational Speedway League:
Anthems, Anecdotes and Undeniable Truths" erschien, war es quasi Liebe auf den
ersten Satz heißer Ohren. Mit der Präzision von Helmet wurde ein tendenziell
bösartiger Heavy-Rock gespielt, der sich in US-amerikanischen
Kleinstadt-Klischees suhlte.
Das begann beim Titel (deppert im Kreis fahren!)
und ging über grantscherbige Songs wie "Rats" (mit rollendem "R"!) über "Bacchanal"
bis zu Blödheiten wie "A Shogun Named Marcus". Am Cover ist ein feuchter
White-Trash-Traum abgebildet: Eine Lampe mit dem Huf eines, was weiß ich,
Hirschen – zumindest zeigt der Lampenschirm einen solchen. Siehe
dazu auch ähnliche Humorkanonen wie Killdozer! Das Booklet zeigt vier eher
feiste Weißbrote aus fucking Germantown, Maryland, denen man als Freizeitspass
die Jagd, Viertelmeilenrennen und Dosenbier zutraut.
Ein Höhepunkt auf dem Album ist das quälend langsame "Binge And Purge", das mit seinen ebenso zähen
Gewaltausbrüchen bis heute meine Lieblingsnummer von Clutch ist: „Come on
motherfucker, let’s go! I make you wish that you’ve never been born!“, brüllt
Sänger Neil Fallon darin, und es klingt, als meinte er es. Hehe!
Eine andere
Weltnummer ist "Spacegrass" vom zweiten titellosen Album. Hier wird ein blöder
Bolide besungen, bis hin zum Jesus am Armaturenbrett. Auch wieder zäh, brutal,
gemein.
Wenn ich mich recht entsinne, haben Clutch damals noch vor ihrem ersten
Album im Wiener Rockhouse gespielt. Möglich, dass dieses damals sogar
noch Fritz hieß, ewig her. Jedenfalls habe ich sie nicht gesehen. Zum zweiten
Mal waren sie als Vorgruppe von Therapy? in Salzburg, ungefähr nach ihrem
1998er-Album "Elephant Riders", das eher schwach war. Wegen 40 Minuten
Vorprogramm extra nach Salzburg fahren? War nicht.
Es folgte "Jam
Room", dann "Pure Rock Fury". Alles grandiose Fießlinge mit herrlich bescheuerten
Titeln wie "Release the Kraken". Ich habe jedes Clutch-Album immer gekauft,
nur "Elephant Riders" und eine EP mit Stücken, die sie auf Earache veröffentlicht
haben, habe ich nicht mehr. Auf "Beale Street To Oblivion" haben sie dann etwas
seltsamen Blues-Rock gespielt – brrr!
Dass heuer auch ein Album erschienen ist,
merke ich gerade erst: "Strange Cousins from the West". Kenn ich nicht, werde ich
mir aber kommenden Montag in der Wiener Arena zulegen. Da sehe ich Clutch
endlich. 16 Jahre zu spät, aber besser als nie. Und wenn nur ein Song aus den
ersten beiden Alben oder aus "Jam Room" kommt, dann hat sich der Weg schon
gelohnt! (18. 11. 2009, derStandard.at, Karl Fluch)
Clutch live: 23. 11. Arena Wien. 20.00
Love, hate & more: kopfhoerer@derstandard.at
SUPPORT YOUR LOCAL RECORD STORES, ARTISTS TOO!!!