Europas größte Rochenart steht vor der Ausrottung

21. November 2009 14:02

Der Glattrochen ist nicht eine, sondern zwei Spezies - und beide sind bedroht

Frankfurt - Kulinarische und zoologische Bezeichnungen können oft weit voneinander abweichen. Bekanntes Beispiel ist der "Seelachs": Eine Bezeichnung, unter der der Köhler vermarktet wird, der zu den Dorschartigen gehört und mit Lachsen nicht weiter verwandt ist. Noch viel weiter tut sich die Kluft bei der "Seeforelle" auf: Zwar gibt es tatsächlich eine Forellenart dieses Namens - doch wer in der Vergangenheit ein als "Seeforelle" bezeichnetes Produkt gekauft hat, hat gute Chancen in Wahrheit einen Rochen gegessen zu haben, der also nicht einmal zu den eigentlichen Fischen bzw. Knochenfischen gehört.

... und es ist nicht irgendein Rochen, sondern die größte Rochenart, die in europäischen Gewässern zu finden ist: Dipturus batis, der Glattrochen. Wegen Überfischung musste die einst weit verbreitete Spezies schon vor Jahren auf die Rote Liste der bedrohten Arten gesetzt werden. Der Status der Bedrohung ist aber komplizierter als gedacht: Französische Meeresbiologen zeigen nun in einer Studie, dass unter diesem Speziesnamen aufgrund eines 80 Jahre zurückliegenden Klassifikationsfehlers irrtümlich zwei Rochenarten geführt werden. Beide sind bedroht, aber die Größere steht sogar unmittelbar vor der Ausrottung.

Aus einer bedrohten Art werden zwei

Die neue Klassifikation erklärt eine Eigentümlichkeit des Glattrochens. Dieser erreicht gemäß der alten Taxonomie gewöhnlich eine Länge bis 1,40 Meter, wobei auffiel, dass manche Exemplare fast doppelt so groß wurden. Dabei handele es sich um verschiedene Arten, schreiben die Wissenschafter der Meeresbiologischen Station Concarneau im Fachblatt "Aquatic Conservation": Den kleineren Dipturus flossada und den größeren Dipturus intermedia, der besonders stark bedroht sei. Die Forscher begründen ihre neue Klassifikation mit zahlreichen Details zu Größe, Körperbau, Farbe und Entwicklung.

Ohne Prüfung und Anerkennung ihres eigenen Status könne die größere Rochenvariante in naher Zukunft ausgestorben sein, mahnen die Experten. Glattrochen besiedelten ursprünglich weite Teile der europäischen Atlantikküste inklusive Ärmelkanal, Nordsee und westlicher Ostsee. Das Fleisch der Tiere gilt als schmackhaft. 60 Prozent der dokumentierten Fänge gehen auf das Konto französischer Fischer. (APA/red)

Nickless
23.11.2009 11:45
Ab jetzt wird mehr im Meer geröchelt?

fuerTiere
23.11.2009 08:04
Die Meere werden geplündert.

Allein in einem einzigen Jahr holen die Fangflotten bis zu 100 Millionen Tonnen Fisch aus den Weltmeeren. Tonnen von sogenanntem Beifang (Fische, die nicht vermarktet werden können) werden tot wieder über Bord geworfen oder zu Fischmehl verarbeitet. Man schätzt, daß für eine Tonne Fische, die verkauft werden können, fünf Tonnen Fisch wieder im Wasser landen.

Irgendein Jürgen
22.11.2009 03:30

Ist das, in unserem aufgeklärten Europa, nicht Irreführung des Konsumenten? Wenn ich "Seelachs" bestelle, dann möchte ich auch einen Lachs bekommen. Rochen hat mit Lachs so viel zu tun wie Lamm mit Schwein. Ich verlangee Schadenersatz für meine Fischstäbchen...

Nick Tameer
22.11.2009 17:05

Wie ich mir schon lange dachte, ist

'der Name „Seelachs“ ... (ebenso wie „Alaska-Seelachs“) eine Erfindung der Lebensmittelindustrie und beruht auf der (aus der Zeit vor Einführung der Lachszucht stammenden) Verwendung des Fleisches als rot eingefärbter „Lachsersatz“.' (wiki)

- und damit eine klassische, betrügerische Irreführung des Konsumenten. Aber sie war so überaus erfolgreich, dass heute eigentlich niemand mehr irregeführt wird - warum also, wenn ich mir die Frage erlauben darf, ausgerechnet Sie?

Bei wiki erfährt man auch, dass der eigentliche Name dieses Fisches "Köhler" ist, und bei richtiger Strategie könnte man den guten, alten unsexy Seelachs vielleicht unter diesem Namen als neuen schicken Fress-Trend vermarkten.

h 90
22.11.2009 14:46

Ein Lamm und ein Schwein ist genau das Gleiche vergleichsweise.
Ein Rochen ist ein Knorpelfisch, das ist ein Design bevor es Knochen gab.
Ein Knochenfisch wie der Lachs ist ganz was anderes.
Weiss nicht vielleicht ist der Lachs sogar naeher dem Lamm als dem Rochen???

skipper2002
21.11.2009 22:59
die kroatischen fischer scheren sich eine dreck was ausstirbt

hab so einen rochen auf dem fischmarkt in pula gesehen,der war gerade mal 20 cm groß.

Fips Stein
24.11.2009 12:51
ich befürchte ned nur die kroatischen

sondern alle fischer,die ned für riesenkonzerne arbeiten,und schaun müssen,dass irgendwas daherbringen,so traurig es ist. und was die großen konzerne aufführen ( beifangproblem,finning etc) ist ja leider auch bekannt :-(
mfg

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