Zehntausende gedachten des Studentenaufstands von 1973 - Über 200 Festnahmen
Athen - Nach einer Großdemonstration in
Athen ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Jugendlichen
und der Polizei gekommen. Dabei wurden 13 Polizisten verletzt.
Hunderte Jugendliche griffen die Beamten am Dienstagabend im
Zentrum der griechischen Hauptstadt mit Steinen und Brandbomben
an, zerstörten Autos und setzten Mülltonnen in Brand. Die
Polizei setzte Tränengas ein, um die Jugendlichen
auseinanderzutreiben. Mehr als 200 Menschen wurden festgenommen,
wie die Polizei mitteilte.
Zuvor hatten in der griechischen Hauptstadt mehr als 12.000 Menschen der blutigen Unterdrückung der
Studentenrevolte im Polytechnikum am 17. November 1973 durch die
damals regierende Militärjunta gedacht. Die Demonstranten zogen zur
Botschaft der USA, die seinerzeit die Obristenherrschaft
unterstützten.
An der Gedenkdemonstration in der zweitgrößten griechischen Stadt
Saloniki nahmen mehr als 5000 Menschen teil. Auch dort kam es zu
Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Bei der
Niederschlagung des Aufstands in der polytechnischen Fachhochschule
waren mindestens 44 Menschen getötet worden.
Putsch
Die November-Unruhen hatten zunächst die Entmachtung von Oberst
Georgios Papadopoulos, dem Anführer des April-Putsches von 1967, zur
Folge. General Phaedon Gizikis wurde neuer Staatschef, eigentlicher
starker Mann war aber der Chef der Militärpolizei, Dimitrios
Ioannides. Dieser inszenierte mit Billigung des US-Geheimdienstes CIA
den Putsch gegen den zypriotischen Präsidenten Erzbischof Makarios im
Juli 1974 und provozierte damit die türkische Zypern-Invasion und die
bis heute andauernde Teilung der Mittelmeerinsel. Nachdem sie noch
eine chaotische Generalmobilmachung angeordnet hatte, überlebte die
Diktatur das von ihr heraufbeschworene Debakel nicht. Der aus dem
Exil zurückgeholte konservative Ex-Premier Konstantinos Karamanlis
stellte die Demokratie wieder her. (red/Reuters/APA)