"Hinter dem Rest der Welt"

Osteuropa mit weltweit schwächstem Wachstum

17. November 2009 18:33

Die Krise hat Zentral- und Osteuropa stark getroffen. Nachhaltiges Wachstum könnte im Osten länger ausbleiben, dafür drohen neue Finanzblasen

Wien - Ein systemischer Zusammenbruch des Finanz- und Wirtschaftssystems sei in Zentral- und Osteuropa zwar verhindert worden. Aber die Folgen der Weltwirtschaftskrise werden die Region in den kommenden Jahren schwerer belasten als den Rest der Welt. Zu dieser Einschätzung gelangte der Chefökonom der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), Erik Berglöf, am Rande einer Tagung der Oesterreichischen Nationalbank zur Wirtschaftsintegration in der Region am Dienstag in Wien.

"Osteuropa wird in puncto Wachstum hinter dem Rest der Welt zurückbleiben", sagte Berglöf im Standard-Gespräch. "In den kommenden Jahren wird das die Region mit dem niedrigsten Wirtschaftswachstum sein." Nachsatz: "Das ist keine gute Sache für die österreichischeWirtschaft." Österreichs Unternehmen hätten aber nie eine andere Wahl gehabt, als in der Region zu expandieren.

Berglöf stellte in Wien zentrale Erkenntnisse des jüngst veröffentlichten EBRD-Bericht zur Transition der Wirtschaft in Osteuropa vor. In ihrem Bericht lobt die Bank zwar die Wirtschaftsintegration der ehemals kommunistischen Staaten in das westeuropäische Modell. Die Abhängigkeit des Ostens vom Westens sei aber zu hoch. Gleichzeitig kritisiert der EBRD, dass Banken durch exzessive Kreditvergabe die Krise mitangefacht haben.

Mit ungewöhnlich offenen Warnungen vor den Entwicklungen in Osteuropa überraschte am Dienstag auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Die Erholung an den Finanzmärkten in der Region sei fast ausschließlich auf den gestiegenen Risikoappetit der Anleger zurückzuführen, sagte der IWF-Ökonom Christoph Rosenberg.

Der Zufluss von in den USA und in Westeuropa frei gewordenem Kapital sei nicht auf eine Veränderung der wirtschaftlichen Ausgangslage zurückzuführen. "Es ist ein Problem, wenn die Märkte durch die Psychologie und nicht die fundamentalen Daten angetrieben werden." Rosenberg warnte zugleich vor dem platzen einer neuen Blase, der Zufluss von Kapital sei besonders in Russland und Polen sehr stark gewesen.

"Können nur warnen"

Tatsächlich ist der russische Börsenindex RTS seit März um über 140 Prozent gestiegen. Der polnische Index WIG 20 legte um 45 Prozent zu, das entspricht etwa den Zuwachs des ATX in Wien über die vergangenen Monate.

Auf Spekulationen, wann eine Korrektur der Märkte erfolgen wird, wollte sich Rosenberg nicht einlassen. Was der IWF tun könne, um einen neuerlichen Absturz im kommenden Jahr zu verhindern:"Wir können nur das tun, was wir auch vor der Wirtschaftskrise getan haben: warnen."

Die EBRD rechnet in den kommenden Monaten mit vermehrten Kapitalabfluss aus dem Osten. "Ein flächendeckender Rückzug der Banken ist wegen der öffentlichen Interventionen ausgeblieben", meint Berglöf. Bestimmte "Anpassungen" stünden aber bevor. Wenn ausländische Banken ihr Engagement in der Region zurückfahren und Tochterbanken weniger Kapital zur Verfügung stellen, sollte das nicht als Versagen des Bankensystems gewertet werden.

Um die Anpassungen zu ermöglichen müssen auch internationale Vereinbarungen modifiziert werden. Die Finanzinstitutionen, darunter EBRD und IWF, haben im Rahmen der "Wiener Initiative" mehreren westeuropäischen Banken milliardenhohe Finanzspritzen gegeben. Im Gegenzug sollen diese Banken ihre Töchter im Osten weiter finanzieren. Die UniCredit bekam etwa 430 Mio. Euro. Nun finde eine Umstellung statt, sagte Berglöf. Die von den Banken verlangte Refinanzierungsquote werde von 100 auf 90 Prozent zurückgefahren. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2009)

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Seppppp peppppp
18.11.2009 18:06
"Osteuropa mit weltweit schwächstem Wachstum"

Was, das sind doch die Powerhäuser aus der Osteweiterung, ohne denen unsere Wirtschaft beinahe zusammenbrechen würde.

Der Wählerwille
 
18.11.2009 17:35
nun ..

.. unsere europäische aufgabe ist es eben, den europäischen brderstaaten aus dem tiefen loch zu helfen dass der kommunismus einerseits, und der unkontrollierte übergang in eine art absoluten kapitalismus gerissen haben.

wird ein hartes stück arbeit .. aber ich denke dass ist die eigentliche herausforderung für europa.

Herr Plumm
18.11.2009 17:22

na. die sind halt auch ein bissl faul...das habens jetzt davon...

Friedrich Gruber
18.11.2009 16:28
Aber unsere "Großbanken" stecken bis zum Hals in den Osteuropageschäften

und werden nicht müde, uns zu erklären, wie super dieser Ostschwerpunkt sei und welche Zukunftsmärkte dort sind.

net-diver
 
26.11.2009 13:24
Ui zwick...

... da hätten wir doch nächstes Monat aufgrund des enormen Interesses in Rumänien und Bulgarien Zweigstellen eröffnet. Umsatz geschätzte € 40 Mio. Aber wenn dort alles so böse ist, überlegen wir uns das nochmals...

MA neu in Rumänien: 5
MA neu in Bulgarien: 7
MA neu in A zur Betreuung und Abwicklung: 5

Naja, wird eben nichts werden wenn es dort um die Geschäfte so schlecht steht - LOL

Jeff Smart
18.11.2009 14:29

Also ich war selbst bei der Konferenz und hab die zitierten Aussagen dort so nicht gehört - im Gegenteil waren sowohl Herr Rosenberg als auch Herr Berglöf vorsichtig optimistisch (was sich auch an deren zuletzt veröffentlichten Prognosen widerspiegelt)

Wenn die Aussagen abseits der Vorträge gefallen sind würde es mich wundern, da weder IWF noch EBRD an einer solchen Revolverbereichterstattung Interesse haben können...

1 Wolfgang 1
18.11.2009 15:11

...man hört halt auch, was man hören will....und gibt das dann entsprechend wieder

also dann ...
18.11.2009 14:46
a h a ... sie waren dort. die EBRD warnte schon öfters

von den grossen risken im osten - nicht nur f.d. banken, d.h. hohe insolvenzen, arblosigkeit usw.

die BIZ...
stellt schon vor ca. 1 jahr fest, dass die össi-banken
im osten ein immenses risiko eingehen, denn
wenn auch nur 15 % des obligos abzuwerten sei,
- das eigenkapital futsch... ist.

fazit :
k r u g m a n...hatte doch recht !

Jeff Smart
18.11.2009 16:48

Sie wissen scheinbar nicht allzuviel über die EBRD, deren einzige Aufgabe darin besteht in den mittel- und osteuropäischen Reformstaaten in den Aufbau der Infrastruktur (daher auch "Bank für Wiederaufbau und Entwicklung") - und dazu zählen nunmal auch die Banken - zu investieren...

Und die von der BIS veröffentlichten Zahlen belegen auch, dass die österreichischen Banken zwar in CEE exponiert sind - dafür aber praktisch nicht in den anderen großen Krisenregionen wie US, UK, Irland etc...

Insofern hatte Krugman absolut unrecht wie Österreichs relativ gute Finanzgebarung im internationalen Vergleich zeigt...

also dann ...
18.11.2009 19:00
hmhm ... sie wiederholen mich - danke.

ad. EBRD ... sagte ich doch.

ad. BIZ... detto.
bereits im vor 1 jahr wies sie auf das sehr hohe kreditobligo hin ( damals ca. 300 mrd = BIP)
und auf die bedrohung durch währungsabwertungen (der konsumkredite) und risken des wirtschaftsumfeldes.

stimmt : krugman hatte recht,
... wie ich ja sagte.

John Denver
18.11.2009 14:15
Wachstum?

Wenn ich mir in großen Teilen von Osteuropa die Häuser, die Strassen, die Industrie, die Autos und die gesamte Infrastruktur anschaue, ist da so ein immenses (tw. qualitatives) Wachstum nötig, weil das alles mittelfristig kaputtgeht.

Darum verstehe ich nicht, warum da keine Perspektiven sind. Es hält eben alles nicht ewig, der 20-jährige Lada, der 50-jährige Plattenbau, ich sehe da überall ein großes Ablaufdatum, teilweise sogar überschritten.

Der Zyklus muß halt irgendwie anspringen - zB Häuser bauen -> Jobs schaffen -> Einkommen ermöglichen -> Privatkonsum -> kurbelt wieder die Wirtschaft an.

Oder verstehe ich da was nicht?

Esme Weatherwax
18.11.2009 16:20
Da kriegt der Oligarch...

... aber nicht die Renditen, die er sich vorstellt.

Otsch1
 
18.11.2009 14:32

Es gibt niemanden, der das was Sie aufzählen, bezahlt!

jimmydean
18.11.2009 15:25
da gebe ich ihnen recht

warum sollte man den leuten dort den kredit geben, wenn man weiß, sie werden ihn nie zurück bezahlen können... außerdem versickert der großteil der gelder in mafiösen strukturen...
auch in afrika gibt es massenhaft ausbaufähige infrastruktur... würden sie dort investieren ?

Alpenrambo
18.11.2009 18:03
warum sollte man den leuten dort den kredit geben, wenn man weiß, sie werden ihn nie zurück bezahlen können

Sie sprechen von den USA, oder?

Karl Krammer
18.11.2009 17:55
in Afrika nicht, wegen Rechtsunsicherheit,

Korruption und des noch immer wütenden Sozialismus. In Osteuropa gibt es dagegen kaum mehr Korruption als bei uns auch, es gibt stabile rechtliche Rahmenbedingungen und man hat sich vor allem glaubwürdig vom Kommunismus abgewendet. Die Arbeitsmoral scheint auch mindestens so hoch zu sein wie in Westeuropa, wenn nicht die Polen, Tschechen und Kroaten noch um einiges fleissiger sind als die saturierten Westler. Mit kleinen Ausnahmen (ist von all' dem in Afrika nichts zu sehen und es wird deswegen der verlorene Kontinent bleiben.

Mostbluzer
18.11.2009 16:41
zentrale frage

würde ich. ja ganz sicher wenn stabile verhältnisse wären wie in osteuropa.

also geben sie mir:

eine billion euro an krediten (300 mrd alleine aus öst.)
mind. eine billion unternehmensinvestitionen, finanzanlagen von anlegern, staatsförderungen, eu förderungen usw.

mit mind. 3 billionen euro - baue ich ihnen in 10 jahren einen afrikanischen kontinent, wogegen das paradies eine armenhütte sein wird.

das ist eine südfantasie ... dagegen ist china ein winderl (afrikan. bodenschätze, tourismus, öl, landwirtschaftl. erzeugnisse, usw).

jimmydean
18.11.2009 16:48
stabile verhältnisse in osteuropa ?

wenn man beinahe-staatsbankrott von ukraine und ungarn und den baltischen staaten als stabil bezeichnen kann...

wer wenn nicht er
18.11.2009 15:25
Es gibt aber andererseits viels, das jemand gerne bezahl

zB
- neue Pipelines, da die alten bereits zu viel Gas verlieren (rechnet sich),
- neue Autobahnen mit Privatmaut
- neue Kraftwerke, die Leute brauchen Strom
- durch die Abwertungen sind die nicht-Euro-Ostländer noch günstiger geworden, das lockt Arbeitsplätze an, die manche Westfirma als Strategie aus der Krise umlagern wird
- Neue Bergbauinvestments in Russland (die Preise für Rohstoffe sind hoch wie nie) - inkl. Gas und Öl
usw.

Ich glaube nicht an ein langfristig niedrigeres Wachstum im Osten.

jimmydean
18.11.2009 15:47
neue autobahnen mit privatmaut

sehr richtig, mit 200 euro monatsgehalt kannst du dir sicher auch noch eine autobahnmaut leisten...
der einzige punkt, bei dem sie vielleicht recht haben, sind die rohstoffreserven, aber die sind hauptsächlich in russland...

wer wenn nicht er
18.11.2009 15:56
Mit 200 Euro Monatsgage...

...hat der gute Mann ohnehin kein Auto.

Sie werden zu Kenntnis nehmen müssen, dass auch bei einem geringeren Gehaltsniveau viele Menschen genug Geld verdienen. Vor 10 Jahren gab es bei uns auch noch um 1 Million Autos weniger als heute.

Dies bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass keine Autobahnen benötigt werden.

Im Übrigen zahlt den Großteil jeder Autobahn der LKW-Verkehr. Und dieser ist auf Autobahnen rentabler, auf bei Bemautung. Verkehr wird dadurch günstiger.

Aber warum sind die Rohstoffe der einzige Punkt? Was ist mit den besseren Wettbewerbschancen durch die Abwertungen? DIESE sind ein zentraler Punkt!!

Elke Karnoth
 
19.11.2009 06:31
Osteuropa- schwächstes Wachstum!

Ja, was hat man denn eigentlich erwartet? Die osteuropäischen Länder - die Ostblockstaaten - haben ihren Absatzmarkt verloren, nämlich die UdSSR. Ihre Produkte im westlichen Ausland zu verkaufen war auch kaum möglich, weil sie eben nicht deren Standard entsprachen. Statt dessen haben die "entwickelten Westler" hilfsbereit eingegriffen, Betriebe im Laufe der Privatisierungen für einen Spottpreis aufgekauft - die funktionierten damals noch einigermaßen, die Leute entlassen. Man hätte ja in die aufgekauften Betriebe Geld stecken müssen, damit sie verkaufbare Ware herstellen können (Anm.: mit der Ware, die jetzt China herstellt und die so sehr begehrt ist, konnten sie auf jeden Fall konkurrieren, im Gegenteil, sie war entschieden besser!!!).

wer wenn nicht er
19.11.2009 10:02
Geh bitte

Sie erzählen gerade die Probleme von vor 20 Jahren!!
In der Regel wurden vom Westen unternehmen gekauft und blitzartig saniert, weil sie sonst nicht wettbewerbsfähig gewesen wären.

Weiterhin NICHTS passiert ist eigentlich nur in weiterhin verstaatlichten Unternehmen.

Der große Schwung im Osten kommt jedoch aus NEUgründungen!! Welches Ostwerk wurde denn übernommen und nicht saniert, womit die Slowakei der 2.-größte Autoexporteur Europas wurde? (Nur als ein Beispiel)

Die Oststaaten haben einen irren Wandel hinter sich. Die UdSSR interessiert dort niemanden mehr...

jimmydean
18.11.2009 16:07
die abwertungen haben vor allem zur folge

daß
a) die leute die fremdwährungskredite nicht mehr zurückzahlen können
b) auslandsinvestitionen noch stärker zurückgefahren werden, weil die erlöse sinken...

und haben damit weitere abwertungen zur folge... bis zum staatsbankrott (siehe ukraine und die baltischen staaten)....

wer wenn nicht er
18.11.2009 16:31
Punkt a ist richtig

Dass aber Auslandsinvestitionen ZURÜCK gefahren werden kann ich nicht nachvollziehen:
Zugegeben, ein bisheriges Investment ist nun bei gleichem Wert in Zloty in EUR weniger Wert. Aber deshalb geht doch niemand aus dem Markt RAUS, es wird vielmehr NOCH interessanter:

Wenn z.B. die Wohnungspreise sinken, ist meine Wohnung plötzlich auch weniger wert. Aber deshalb verkaufe ich sie doch nicht!! Vielmehr ist es dann viel interessanter, in Wohnungen zu veranlagen. Das selbe gilt für Osteuropa.

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