Gutachten soll VGT-Obmann Martin Balluch schwer belasten - Sprachwissenschafter fanden "ganze Reihe von Fehlern"
Wien - Herbe Kritik an einem Gerichtsgutachten in der Causa Tierschützer erheben drei heimische Sprachwissenschafter. Das Gutachten stellt Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken (VGT), als Verfasser anonymer Bekennerschreiben und Leserbriefe dar.
"Es bezichtigt mich 'mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit' der Autor einer Reihe von Schriften zu sein, die nachweislich von ganz anderen Autoren stammen", meinte Balluch in einer Aussendung am Dienstag.
Zu wenige Daten
Manfred Kienpointner vom Institut für Sprachen und Literaturen der Universität Innsbruck sowie Florian Menz und Martin Reisigl vom Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien kritisierten das Gutachten ebenfalls. Das Gutachten sei nicht haltbar, kritisiert Kienpointner, der ein Gegengutachten geschrieben hat. Erstens sei die verwendete Datenmenge zu klein, um substanzielle Aussagen treffen zu können, zweitens widerspreche der Autor seinen eigenen Kriterien und gebe Beispiele an, die man falsifizieren könne. Er habe "eine ganze Reihe von Fehlern" gefunden, so Kienpointner.
Verfasser meldete sich
Auch habe sich der Verfasser eines im Gutachten verwendeten Leserbriefes von selbst gemeldet - der Sachverständige soll in seiner Expertise allerdings gemeint haben, in diesem Leserbrief Hinweise auf Balluch als Ersteller zu finden. Außerdem würde die forensische Wissenschaft generell "wesentlich vorsichtiger formulieren", sagte Kienpointner - in Anspielung darauf, dass Balluch im Gutachten "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" als Täter dargestellt wird.
Kritik gibt es auch an den Kosten des Gutachtens: "Aus meiner Sicht ist der (dafür bezahlte, Anm.) Betrag astronomisch überzogen, nach dazu für ein derart unhaltbares Gutachten", wird Reisigl in der VGT-Aussendung zitiert. (APA)