Erziehung

Zuviel Elternkontrolle ist kontraproduktiv

17. November 2009 14:43

Jugendliche verlieren ab bestimmter Strenge Vernunftgefühl

Örebo - Fühlen sich pubertierende Jugendliche von ihren Eltern zu sehr kontrolliert, erkennen sie deren gute Absichten nicht mehr. Das zeigen Forscher der schwedischen Universität Örebro in der Fachzeitschrift Child Development.

Sie legten US-amerikanischen Kinder im Alter von 13 und 17 Jahren einen Fragebogen vor, in dem sie ihre eigene Reaktion bei zahlreichen verschiedenen hypothetische Szenarien einschätzen mussten. Dabei stellte sich heraus, dass Kontrollmaßnahmen der Erziehung ab einer gewissen Grenze ihre beabsichtigte Wirkung verlieren.

Verhaltens- und Psychokontrolle

Es gibt zwei Typen der Elternkontrolle, behaupten zumindest die Forscher. Eine davon, die als "Verhaltenskontrolle" bezeichnet wurde, tritt ein wenn Eltern ihren Kindern Rückmeldung geben oder Grenzen und Regeln setzen, damit sich diese selbst kontrollieren lernen und dabei deren eigene Kompetenzen steigern.

Während die Jugendlichen diese Kontrolle grundsätzlich akzeptierten, war das bei der "psychologischen Kontrolle" nicht der Fall. Bei dieser Erziehungsform verhalten sich Eltern manipulativ und bezwecken damit Gefühle wie Schuld, Zurückweisung oder des fehlenden Geliebtseins.

Aufdringlichkeit verfehlt Wirkung

Hielt sich das Ausmaß der Kontrolle in Grenzen, so unterschieden die Jugendlichen zwischen diesen beiden Kontrolltypen und bewerteten die Verhaltensvariante positiver. Gab es zu viel Kontrolle, so fiel diese Unterscheidung völlig weg. Die Jugendlichen empfanden in diesem Fall die hypothetischen Eltern als aufdringlich und fühlten, dass sie als Individuen nur wenig zählten. "Handeln Eltern so, verfehlen sie ihre Ziele, denn sie bewirken damit eine Einstellung, die wenig positiven Einfluss durch Erziehung erlaubt", so Studienleiterin Fumiko Kakihara.  (pte)

Kommentar posten
23 Postings
Emilix
02.12.2009 08:01
Na hoffentlich liest meine Mutter den Artikel....

Lorelei Sonnenschein
10.12.2009 18:07
@Emilix

Sie könnten ja "zufällig" den Artikel am Wohnzimmer oder wahlweise Frisiertisch liegen lassen... :-)

Mitgefühl...kann Ihr Statement gut nachvollziehen!

solandre
 
18.11.2009 17:54

der wachtmeister beim heer hat es also doch nur gut mit mir gemeint .... schluchtz!

byron sully
18.11.2009 14:49
immer wieder interessant,

wie studien anno 2009 so völlig überraschend auf etwas draufkommen, was eigentich jeder mensch bei gesundem verstand wissen müßte.

eze eze
 
26.12.2009 13:25

Schon, aber es gibt tatsächlich auch PädagogInnen, die sich an allen möglichen und unmöglichen vermeintlichen Delikten und Provokationen (wie z.B. einem Schluck aus der Wasserflasche während des Unterrichts oder Schreiben der Schularbeit mit einer nichtgenehmen Farbe wie z.B. violett oder farbige Notizen ins eigene Schulbuch machen) stören und auch noch allen Ernstes meinen, es wäre pädagogisch sinnvoll, solch "widerspenstige" SchülerInnen hier in die Schranken verweisen zu müssen und sich zudem noch ausgerechnet DAVON dann Respekt erwarten?

nina yankow
09.12.2009 22:27

nur hat halt nicht jeder einen "gesunden verstand", und viele glauben ja, dass die erziehung, die sie selbst erlebt haben, ja nicht so falsch gewesen sein kann, und dass es deshalb sinnvoll sei, die eigenen kinder dann wieder ebenso zu behandeln. diesen leuten kann ein therapeut oder eben die zeitung nun sagen, dass übermäßige kontrolle oder bestimmte kommunikationsweisen kontraproduktiv sind.

Lorelei Sonnenschein
10.12.2009 18:10
@nina yankow

...stimmt...alles sehr subjektiv...und sich selbst zu "durch-schauen" (egal mit welcher Hilfe), dazu muss man/frau unter anderem viel Mut u. Geduld aufbringen...!

A Voice
18.11.2009 13:10
Wer nie

Verantwortung (in dem Fall für sich selbst) übernehmen muß kann damit auch nicht umgehen. Nix Neues.

hawkwind -
18.11.2009 08:52
Ganz simpel

Wenn jede/r auf seine innere Stimme bei der "Erziehung" der Kinder hören würde, dann wären sämtliche Studien völlig unnötig. Das bedingt natürlich auch, dass man seinen A***h gegebenenfalls hebt und sich auch dann seinen Kindern widmet, wenn man gerade nicht mag.

A Voice
18.11.2009 13:11
Die innere Stimme

in der Erziehung ist geprägt von den eigenen Erfahrungen. Auf die unbedingt zu hören kann für das Kind suboptimal sein.

hawkwind -
18.11.2009 13:16
Na gut

Ich will mich hier auf keine philosophische Diskussion einlassen, damit wäre auch keinem gedient. Ich gewinne den Eindruck, dass ihre Ansicht auf mehr Gegenliebe stößt, als meine. Jedoch finde ich es erschreckend, dass die eigenen Erfahrungen und Empfindungen nicht mehr als Handlungsrichtlinie herangezogen werden sollen. Weil man auf sich selbst nicht mehr vertrauen darf? Statt dessen soll man auf den Rat der Experten hören - deren Grundsätze sich in der Regel zyklisch um 180 Grad drehen.

nina yankow
09.12.2009 22:32

die eigenen erfahrungen werden mit der zeit oft so umgedeutet, dass die erziehung, die man selbst genossen hat, ja eh einen guten menschen aus einem gemacht hat, und daher die erlebten erziehungsmaßnahmen eh ok sein müssen. außerdem kann auch nicht jeder das eigene empfinden rational betrachten und sich in den anderen hineinversetzen.
wer eine bestimmte erziehung genossen hat, der kann zB ein "fehlverhalten" des sprösslings nur als persönliche kränkung empfinden und gemäß der in der eigenen erziehung erlernten kommunikationsmuster nur mit kontraproduktiver kommunkation/aggression reagieren, wenn ihm nicht bewusst wird, dass dies eben kontraproduktiv ist.

A Voice
19.11.2009 09:12
Das ist eine

eigenwillige Interpretation meines Posts.

Extreme sind immer schlecht. Zu 100% auf andere hören genauso idiotisch wie sie zu 100% zu ignorieren. Beschäftigen Sie sich ein bisschen mit der Materie Erziehungsmuster.

hawkwind -
19.11.2009 09:45
Eigenwillige Interpretation?

Sicher nicht. Ihr Posting legt den Schluss nahe, dass man besser nicht auf das eigene Empfinden hören soll. Und diese Meinung kann ich nicht teilen.
Und zur "Materie Erziehungsmuster" kann ich nur sagen, dass ich nicht weiß, was genau sie damit meinen. Ich habe mich statt dessen mit dem "Mensch Kind" beschäftigt. Bis jetzt habe ich den Eindruck, dass das die richtige Vorgehensweise war.

A Voice
24.11.2009 13:40
Nein, tut es nicht

es sagt nur, dass man besser ergründet, worauf sich das eigene Empfinden stützt.
Erziehungsmuster: werden in der Kindheit geprägt - man macht es den Erziehenden nach.

Georg Scholz
18.11.2009 12:11

Da höre ich aber einen gewaltigen Widerspruch, dernn was ist, wenn die innere Stimme den A** eben nicht erheben will?

hawkwind -
18.11.2009 12:34
Ja, klar

es kommt halt immer darauf an, auf welche innere Stimme man hört ;-)

AlBundyFan
 
18.11.2009 10:10
das gilt vielleicht für einen geistig vollkommen gesunden menschen

es gibt aber einen sehr hohen prozentsatz an menschen, die eben nicht geistig gesund ist und bei denen "auf die innere stimme hören" das schlimmstmögliche szenario bedeutet.
auch eltern die ihre kinder permanent schlagen hören auf ihre "innere stimme" die meint, daß das das beste für die kinder sei

hawkwind -
18.11.2009 12:36
Ich verstehe was sie meinen

Aber ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen durchaus geistig gesund sind, nur eben oft zu faul um das zu tun, was gut für sie und ihre Kinder wäre. Selbstverständlich haben sie recht damit, dass geschädigte Menschen professionelle Hilfe brauchen.

Gallo Way
18.11.2009 00:45

Zuviel Kontrolle = kontraproduktiv. :/ Ja warum hören sich psychologische Studien wohl immer nach Alltagsweisheiten an? Warum schreibens denn nicht wie Kontrolle und deren Maß überhaupt operationalisiert worden sind. Kann man doch den Lesern zumuten. Wird doch nicht das Gehirn wegschmelzen beim lesen.

Juergen Hoffmann
 
17.11.2009 18:44

gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Angestellte (und Ehemänner, hehe).

ulli52
 
17.11.2009 18:26
eine studie ist eine studie eine studie

....

Digitalme
17.11.2009 16:48

Wow, ich werd nicht mehr.. Wer hätte das gedacht?

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