Pröll will Transferkonto bei Mindestsicherung testen

17. November 2009 15:34

Mehr Transparenz und "Verhinderung von Missbrauch" als Ziel - Alle Sozialleistungen sollen aufscheinen

Wien/Krems - Am Rande der heutigen Klubklausur der ÖVP in Niederösterreich konkretisierte VP-Chef Josef Pröll seine Vorstellungen vom Transferkonto. Und dürfte damit für einiges Aufsehen sorgen: Als "Testballon" fürs Transferkonto stellt sich Pröll die Mindestsicherung vor. Für deren Bezieher könnte es ein Transferkonto "mit allen Sozialleistungen" geben, wie Pröll meint.

Es gehe aber nicht um die Streichung von Sozialleistungen, sondern um mehr Transparenz und die Verhinderung von Missbrauch. Pröll bemühte folgendes Bild: "Wir können nicht das Trampolin zur Hängematte werden lassen." Die Klubklausur stand laut VP-Aussendung unter dem Motto: "Leistung muss sich lohnen". Klubobmann Karlheinz Kopf dazu: "Denn wenn Leistung sich nicht lohnt, ist der Sozialstaat in Gefahr". Das "Mäntelchen der sozialen Kälte" lasse sich die Volkspartei nicht umhängen. "Wir bekennen uns zu Sozialtransfers, zu sozialem Ausgleich", versicherte Kopf. Die Balance zwischen Leistung und Solidarität müsse aber gesichert bleiben. "Soziale Transfers oder eine überbordende Verteilungswirkung von sozialen Transfers dürfen nicht zur Anreizfalle für die Zahler werden", so der VP-Klubchef.

SPÖ: "Sozialexperimente"

Nach dem medienöffentlichen Teil der Klubklausur mit einer zu Mittag angesetzten Rede von Parteichef Pröll und einer anschließenden Pressekonferenz stand für die ÖVP-Abgeordneten am Nachmittag noch eine Klubsitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Programm. Im Jänner 2010 soll es laut ÖVP außerdem eine zweitägige parlamentarische Enquete zum Transferkonto geben.

In der SPÖ zeigt man sich erbost über den Vorschlag Prölls. Das seien "Sozialexperimente auf dem Rücken der Allerärmsten", betont heißt es gegenüber derStandard.at aus roten Regierungskreisen. Eine "vollkommen unausgegorene Politidee soll mit jenen getestet werden, die für die jetzige Krise gar nichts können, aber jetzt über Einsparungen und Sozialabbau für die Kosten der Krise herhalten sollen."

Sozialminister Rudolf Hundstorfer kann mit Prölls Idee wenig anfangen: "Es ist längst klar, dass die Mindestsicherung keine soziale Hängematte sein wird, sondern ein Trampolin, das den Menschen den Weg zurück zum Arbeitsmarkt ermöglicht", so Hundstorfer in einer Aussendung. "Es gibt bei der Mindestsicherung klare und transparente Regeln, die dem Missbrauch einen Riegel vorschieben. Die Frage einer Verknüpfung der Mindestsicherung mit dem sogenannten Transferkonto stellt sich somit nicht".

ÖGB: "Transferkonto schafft nicht Gerechtigkeit"

ÖGB-Präsident Erich Foglar ist weiterhin gegen ein Transferkonto. Dieses "sorgt nicht für mehr Gerechtigkeit, sondern nur für mehr Verwaltungsaufwand", so Foglar in einer Aussendung: "Wenn man den Menschen vorrechnet wie viel Geld sie bekommen, trägt das noch keinen einzigen Schritt zu mehr Transparenz bei. Die Menschen wissen sehr gut, welche Sozialleistungen sie in Anspruch nehmen, sie müssen ja jede einzelne beantragen." (red, derStandard.at, 16.11.2009)

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k_otin
30.11.2009 11:16

Diese Metapher mit der Hängematte geht mir schon ziemlich auf den Keks. Ich kenne nur Menschen, die genug Kohle haben, die im Winter irgendwo im Süden in der Hängematte liegen. Und nicht alle von denen haben sich das Geld hart erarbeitet.
Die meisten Sozialhilfeempfänger und ihre Familien haben genug damit zu tun, irgendwie über die Runden zu kommen und genug zum Essen zu haben.

Die Hängematten dieses Landes - so es sie je gab - sind so rissig und schlecht geknüpft geworden, dass die Menschen durch- und auf die Schnauze fallen.

kotttan
23.11.2009 23:01
Wenn die neoliberale ÖVP eine Idee hat,

dann kann es nur eine weitere Verteilung von unten nach oben sein.
Noch mehr Hetzkampagnen, alle gegeneinander aufzuhetzen.

Philippe Glatz
22.11.2009 17:38
Bitte erst einmal Pröll testen

Mehr Transparenz und "Verhinderung von Missbrauch" als Ziel -

dann sehen wir weiter.

nun denne ...
19.11.2009 01:14
wieso ... startet pröll nicht mit dem v e r m ö g e n, das ja überhaupt nicht statistisch erfasst wird ...

zum 2. machen die SUBVENTIONEN 9 mrd aus !
...und sie starten mit der mindestsicherung ?

zum 3. (siehe studie des wifo - umverteilung)
sind die haushalte des obersten eink.terzil`s
2 x so gross (mehr kinder !) als jene im untersten, d.h.
- von ca. 4,4 mrd (FBH, KDG) p r o f i t i e r e n
die "reichen"... ungleich mehr als die niedrigeren einkommen.

auch klar, weil im untersten bereich 90 % aus
- pensionisten
- lehrlingen
- teilzeitkräften besteht, die eben weniger kinder
als jene haben, die es sich leisten können.
- - -

D E N K E N - hr. pröll - ist nicht ihre stärke !
und das
meine ich persönlich und gar nicht oberflächlich...

Karl Bauer4
18.11.2009 21:29

Jeder Arbeitslose kriegt sein Geld nur mit einem Bescheid

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
18.11.2009 19:54
Wenn sich Leistung lohnen soll ...

... wäre es zuerst notwendig menschenwürdige Mindestlöhne festzusetzen und jenen denen man die "soziale Hängematte" vorwirft echte Jobs anzubieten.

Derzeit kommen ca. 10 Arbeitssuchende auf eine freie Stelle.

Herr Pröll machen Sie endlich ihren Job, statt andere in der Öffentlichkeit mit Schmutz zu bewerfen!

Gertrud
18.11.2009 18:19
Pröll will Transferkonto bei Mindestsicherung testen 

Die Zeiten haben sich fürwahr "gebessert". Früher war die ÖVP zumindest noch bemüht, ihre christlich soziale und die daraus resultierende "menschenfreundliche" Haltung vorzutäuschen. Jetzt sind wir einen sehr großen Schritt weiter in Richtung "Ehrlichkeit": Es ist salonfähig geworden, das zu sagen und das mit aller Gewalt durchsetzen zu wollen, nämlich: Die Schwächsten und Ärmsten der Gesellschaft vorzuführen. Dankeschön, Herr Josef Pröll, für diese Ihre gelungene "Vorführung!" Ich hoffe, dass sich die Sozialdemokraten nun endlich auf die Ideologie ihres Begründers rückbesinnen und zu ihren getätigten Äusserungen und eingenommenen Positionen stehen und diese auch in Hinkunft verteidigen.

springflower
19.11.2009 11:31
Das ist ein geschickter Schachzug,

der selbst in diesem Forum seine Wirkung zeigt. Man muss nur mit dem Finger auf ein kleines Übel zeigen (jemand könnte sich in die "soziale Hängematte" legen) und schon schaut keiner mehr auf den täglich stattfindenden Steuerbetrug durch Unternehmen und ihre Lobbyisten, der sich in der Höhe auf ein Vielfaches des eventuellen Sozialmissbrauchs belaufen dürfte.

shangl
18.11.2009 14:32
warum ist ein transferkonto ein problem???...

...ich war im gegenteil geschockt, dass es sowas (zumindest intern) nicht schon lange gibt

freigeist ungeist
23.11.2009 23:20

Ich bin auch geschockt. Denn das einzige gerechte Transferkonto wäre das bedingungslose Grundeinkommen für ALLE. Und weg mit allen anderen Transfers. Man braucht dann auch weniger Verwaltung.....
Weg mit Lohn-und Einkommenssteuer und hin zu einer höheren Konsumsteuer (MWST).
Die Arbeitsplätze in der Produktion sind (gottseidank) wegen der Rationslisierung weg und eine Vollbeschäftigung wie wir sie von früher kennen wird es einfach nicht mehr geben.

shangl
24.11.2009 01:11
höhere konsumsteuern...

...die in ihrer höhe lohnsteuern ausgleichen können wären eine katastrophe...flucht in geld statt in konsum --> deflation = sch****

Gertrud
19.11.2009 20:05
Pröll will Transferkonto bei Mindestsicherung testen 

Vielen Dank für Ihre Antwort auf mein Posting und die hierin getätigten klaren, unmissverständlichen und nicht zu widerlegenden Äusserungen!

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
18.11.2009 14:44
Wozu soll es dienen ...

... wenn nicht zur politischen Propaganda?

Glauben Sie im Ernst das AMS gibt Geld aus, ohne das festzuhalten?

shangl
18.11.2009 14:51
zur zentralen...

...feststellung, wer wieviel geld vom staat erhält...wenns fair ist - gut...sollte sich aber rausstellen, dass manche aufgrund von tricks überdurchschnittlich viel bekommen, gehört da ein riegel vor...basta

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
18.11.2009 14:56
Was gibt es das festzustellen?

Dass die Armen (bzw. Erwerbslosen) mehr Sozialleistungen bekommen als Spitzenverdiener muss wohl kaum erhoben werden.

Sozialleistungen sind wie der Name schon sagt, für sozial Bedürftige gedacht!

shangl
18.11.2009 16:02
natürlich für bedürftige...

...wenn du die aussagen der övp liest, wirst du auch feststellen, dass sie dagegen nichts haben (zitat: "wir bekennen uns zu transferleistungen"), jedoch muss man schon schauen, wer wieviel erhält und warum...es ist doch wahnsinn, das geld rauszugeben ohne eine ahnung zu haben, wer wieviel davon bekommt...das ist schon alleine unverantwortlich gegenüber den härtefällen die verglichen mit leute, die viel erhalten, absolut benachteiligt sind

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
18.11.2009 19:46
Bitte nicht dumm stellen!

Die Mindestsicherung ist für alle gleich hoch und alle anderen Transferleistungen werden von den entsprechenden Ämtern geprüft nzw. die Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden.

Was also soll die Doppelbürokratie?

shangl
18.11.2009 22:07
bitte nicht naiv stellen...

...die entsprechenden ämter wissen genau 0 darüber, welche beihilfen man bereits erhält...und da ist es relativ leicht bedürftigkeit nachzuweisen, wenn man nur das fehlende einkommen betrachtet

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
19.11.2009 06:46
Das AMS hat Einblick in das Konto!

Bei der Mindestsicherung wird man zusätzlich (noch schlimmer als bei Hartz IV) völlig enteignet bis ~3000.-

Eigentumswohnungen werden im Grundbuch belastet.

Was wollen Sie noch mehr?
Rektaluntersuchungen?

Gegenfrage:
Wer führt ein öffentliches Konto über die Verluste von Managern? Wer holt das Geld zurück?

shangl
19.11.2009 14:57
verluste von managern...

...sind privat (das equivalent zur "arbeiterklasse" wäre, die gehälter offenzulegen)...die "richtige" forderung, die auf der einen seite das gleiche bedeuten würde, wäre die offenlegung der subventionen für unternehmen...und ja, das konto gehört auch her...und siehe da, die övp will das sogar ;)...wenn man ein bisschen denken lernt, kommt man drauf, dass es gar nicht solche a****löcher sind, wie du sie hier hintstellen willst

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
19.11.2009 15:03
Die Manager ...

... von AUA, ÖBB, Asfinag ... und diverser Banken existieren nur nach dank Rettungszahlungen der SteuerzahlerInnen.

Im Übrigen unterstütze ich eine Offenlegung aller Einkommen, aber nicht NUR bei den Ärmsten!

shangl
19.11.2009 21:24
da ist eine andre sache...

...und natürlich hätten da konsequenzen folgen müssen...aber wieder mal vermischst du zahlungen mit garantien und krediten...

Michael Mitiszek
 
18.11.2009 14:16
Maßstab für die soziale Hängematte

Menschen gibt, die am Hungertuch nagen und die, auch wenn sie noch kein Klassenbewusstsein haben, für solche Wortspielereien (Soziale Hängematte wurde als Unwort des Jahres 2009 vorgeschlagen) sicher kein Verständnis haben werden. Aber spätestens dann werdet auch ihr, liebe "Sozialpartner", erkennen, dass Eigentum Diebstahl ist und dass ihr bloß auf der aufgehäuften Arbeit der Proletarier (=Mensch, der außer seiner Arbeitskraft nichts zu verkaufen hat) sitzt. Aber dann Gnade euch Gott!

Bertel Mann
 
18.11.2009 09:08
Wieso testen wir es nicht beim Kindergeld?

Wobei ich dann gerne auch ein Konto hätte, auf dem ausgewiesen wird, wer einzahlt...

springflower
18.11.2009 09:03
Kleine gedankliche Anregung,

wenn man vom Gedanken der eventuell zu viel bezogenen staatlichen Leistungen durch unselbständig Erwerbstätige einfach nicht wegkommt:
Insolvent gewordene Unternehmer schulden den Krankenkassen 456,2 Mio Euro. Dieses Geld gehört eigentlich dem Staat und fehlt uns bei der Gesundheitsversorgung: Nutznießer: Unternehmer!
Steht niemals als Transferleistung auf irgendeinem Konto!

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