Armin Soyka, 19-jährige Zukunftshoffnung der Wiener Grünen, über fehlende Perspektiven für Junge und seinen Platz bei den Grünen
Nach der Listenwahl der Grünen für die Wiener Gemeinderatswahl waren die Reaktionen auf Twitter eindeutig: Den 19-jährigen Schüler Armin Soyka auf den aussichtslosen 24. Platz zu wählen, damit sei viel Potential verschenkt worden, solche Leute würde man brauchen. Seine Rede wurde eifrig beklatscht. Im Interview mit derStandard.at sieht sich Soyka "mäßig gut in der Politik" vertreten, sieht keine Mitgestaltungsmöglichkeiten für Jugendliche und erzählt warum für ihn auch andere Parteien als die Grünen in Frage gekommen sind. Die Fragen stellte Michael Kremmel.
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derStandard.at: Enttäuscht von Platz 24?
Armin Soyka: Nein, ich bin nicht enttäuscht. Ein 24. Platz für jemanden, den in der Partei niemand gekannt hat, ist ein großer Erfolg. Die Rückmeldungen die ich bekommen habe waren extrem gut. Damit hab ich mir eine Basis geschaffen, auf der ich sehr gut aufbauen kann.
derStandard.at: Auf Ihrer Homepage heißt es: "Ich will das Richtige tun. Weil es glücklich macht. Das Problem ist aber, dass ich nicht weiß (und niemals wissen werde), was richtig ist". War es richtig zu kandidieren?
Soyka: Meine subjektive Wahrheit ist, dass es richtig war. Die Rückmeldungen sagen klar: Ja, das war wichtig, das war gut. Das war ein Hoffnungsschimmer am Horizont, haben manche gesagt. Ich hab auch Kritik bekommen. Einige haben gesagt: "Ich will dich nicht, du bist zu jung." Andere: "In fünf Jahren dann." Einige Leute haben mir gewünscht, ich solle sehr viel Erfahrung sammeln, aber ja nicht hineinkommen, sonst werde ich nur korrumpiert. Das ist natürlich eine Gefahr als 19-Jähriger, wenn man diese Verantwortung übernehmen darf. Darum fordere ich ja auch immer Rückmeldungen und die Rückmeldungen sagen, dass es richtig war.
derStandard.at: Mitgestaltung und Wertschätzung waren zentrale Punkte in Ihrer Rede bei der Kandidatur für die Grüne Landesliste. Gibt es nach der Listenerstellung etwas, das Sie weniger wertschätzen können?
Soyka: Nein, ich kann ja immer noch mitgestalten. Ich kann nicht in dieser Funktion gestalten, aber Politik macht man nicht auf Mandatsplätzen. Politik macht man die ganze Zeit. Politik heißt Umfeld und Zukunft gestalten. Im Gegenteil kann ich es sogar mehr wertschätzen, ich weiß jetzt wie die Prozesse ablaufen. Mit dieser demokratischen Entscheidung kann ich wunderbar leben. Es wäre eine Chance gewesen für die Grünen einen sehr, sehr jungen, sehr fähigen Menschen an sich zu binden.
derStandard.at: Ein Kernsatz Ihrer Rede war: "Unsere Identität ist nicht die Abgrenzung von einer anderen Partei, unsere Identität sind unsere Themen!" Können Sie sich vorstellen, ihre Themen bei einer anderen Partei umzusetzen?
Soyka: Ich glaube sehr wohl, dass ich bei einer anderen Partei hätte mitmachen können. Sowohl SPÖ als auch ÖVP hätten da sicher Chancen geboten. Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt mir FPÖ oder BZÖ anzuschauen. Es geht ja nicht darum alles mitzutragen, was andere sagen, sondern es geht darum man selbst zu sein und das in einer Partei auszuleben, was ich für richtig halte und abzugrenzen und zu schwächen was ich für falsch halte. Bei manchen Parteien geht das leichter bei manchen schwerer. Ich will nicht gegen etwas sein, ich will für etwas sein.
derStandard.at: Finden Sie die Jugend in der Politik gut vertreten?
Soyka: Nein. Wo ich mich gut vertreten fühle sind Landes- und Bundesschülervertretungen. Die sind hochprofessionell, machen gute Arbeit und werden nicht ernst genommen. Was sie vorschlagen wird angehört und in den Papierkorb befördert. Das ist problematisch. Von der Politik fühle ich mich mäßig gut vertreten. Das heißt nicht, dass ich nicht gut vertreten bin, nur, dass ich es nicht weiß. Die Kommunikation politischer Themen ist eine Katastrophe in diesem Land.
derStandard.at: Glauben Sie, dass es mehr junge PolitikerInnen braucht?
Soyka: Ja. Ich weiß, in einer repräsentativen Demokratie kann auch eine Frau einen Mann vertreten, ein Alter einen Jungen, ein Schwuler einen Heterosexuellen, das ist an sich möglich. Aber ich muss auf diese Menschen eingehen. Ich muss mich einfühlen können in eine Frau, wenn ich sie als Mann vertreten möchte. Das gelingt relativ wenigen Leuten jungen Menschen gegenüber.
derStandard.at: Können sich männliche Politiker besser in Frauen hineinversetzen, als ältere Politiker in Jugendliche?
Soyka: Erfahrung und Umgang - ich hab viel mehr Umgang mit Frauen als Mann als ich mir als Fünfzigjähriger Zeit nehme mit Dreizehnjährigen zu sprechen.
derStandard.at: Wie kann man mit dem Problem umgehen?
Soyka: Ich hab vor kurzem mit Dreizehnjährigen gesprochen. Ich habe sie gefragt was sie mit Politik verbinden. Die sagen "langweilig" und als zweites Schlagwort fällt ihnen SPÖ ein. Wenn man aber nachhakt, da ist viel Verständnis und Wissen da, das aber unbewusst irgendwo aufgeschnappt wurde. Das Problem ist, dass Jugendliche nirgends mitgestalten dürfen, dass sie sich nirgendwo einbringen können. Sie können sich nicht einbringen, beispielsweise wie ein Park gestaltet wird. Es wäre ja nicht schlimm die Jugendlichen zu fragen und aufzufordern sich einzubringen. Wenn man das tut, dann tun sie es auch. Man muss Menschen Angebote machen.
derStandard.at: Wie soll die Politik Jugendliche ansprechen?
Soyka: Ganz einfach: Du gehst hin, sagst wofür du stehst und was du möchtest und stellst auch Fragen und lässt dich kritisieren. Wenn du es ehrlich meinst, dann bist du authentisch. Authentizität ist das wichtigste. Dann kommen die Fragen der Jugendlichen von selbst, dann muss man nur noch die Zeit finden sie zu beantworten.
derStandard.at: Fühlen Sie sich bei den Grünen bei Jugendanliegen auch von älteren PolitikerInnen gut vertreten?
Soyka: Ja, weil diese Leute sehr offen sind. Ich glaube aber auch, dass es in anderen Parteien fähige Leute gibt. Ich bin zu den Grünen gekommen, weil sie mich angezogen haben, weil sie mich ernst genommen haben, weil sie mir Angebote gemacht haben, weil sie offen für mich waren. Ich bin bisher kein Parteimitglied und kein Unterstützer und trotzdem wurde mir die Chance geboten zu kandidieren. Diese Offenheit gibt es sonst nirgends. (derStandard.at, 18.11.2009)