Eingetragene Partnerschaft kommt - Aber nicht am Standesamt

17. November 2009, 13:10
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    foto: apa/schlager

    Können Gesetz mit deutlicher ÖVP-Handschrift präsentieren: Regierungschef Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP).

In nächtlichen Verhandlungen setzte sich die ÖVP beim Ort gegen die SPÖ durch - Bandion-Ortner: Modell nur für Homosexuelle - Fekter: Standesamt in ÖVP "nicht mehrheitsfähig"

Wien - Die Regierung hat sich darauf geeinigt, dass die eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle nicht am Standesamt möglich sein wird. Das gaben die zuständigen Ministerinnen am Dienstag vor dem Ministerrat bekannt. Während sich Innenministerin Maria Fekter und Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (beide ÖVP) zufrieden zeigten, sprach Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) von einem unvollendeten Werk.

Pröll zufrieden, Faymann nicht ganz

Vizekanzler und ÖVP-Chef Josef Pröll zeigte sich jedenfalls zufrieden: Lange sei das Thema ein "No Go" in Teilen der Volkspartei gewesen, in den vergangenen Jahren sei die ÖVP aber einen "sehr weiten Weg gegangen", rechtfertigte Pröll am Dienstag nach dem Ministerrat den Beschluss, dass die Partnerschaft nicht am Standesamt eingetragen werden kann. Seine Partei sei einen "sehr weiten Weg gegangen".

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) lobte die inhaltlichen Verbesserungen, während er aber auch sagte, dass die SPÖ weiterhin für das Standesamt eintrete. Faymann hob hervor, dass man "eine Reihe deutlicher Verbesserungen" für die Gleichstellung homosexueller Paare erreicht habe. Ganz zufrieden ist der Bundeskanzler allerdings nicht: "Das ist ein Kompromiss."

Die Frage, bei welcher Behörde die Partnerschaft eingetragen wird, war bis zuletzt ein Knackpunkt zwischen den Regierungsparteien. Nach stundenlangen Verhandlungen hat sich nun die ÖVP durchgesetzt: Die Eintragung findet nicht am Standesamt sondern bei der Bezirkshauptmannschaft beziehungsweise beim Magistrat statt.

Fekter: Standesamt in der ÖVP "nicht mehrheitsfähig"

"Wir haben eine sachliche Lösung gesucht und das sind die Bezirksverwaltungsbehörden", erklärte Fekter. Sonst hätte jeder Bürgermeister ein eigenes Register führen müssen und dies sei "nicht gerechtfertigt". Im Übrigen sei das Standesamt innerhalb der ÖVP "nicht mehrheitsfähig".

Froh über den Kompromiss zeigte sich die Justizministerin. Es habe sich um einen "Verhandlungskrimi" gehandelt, letztendlich habe man aber in vielen Bereichen eine Gleichstellung erreicht. So erhalten homosexuelle Paare etwa pensionsrechtliche Ansprüche, aber auch Beistands- oder Unterhaltspflichten. Adoptionen oder künstliche Befruchtungen sind laut Bandion-Ortner nicht möglich. Der Name des Partners werde nicht automatisch geändert, die Möglichkeit bestehe aber.

Bandion-Ortner: Keine "Ehe light"

Bandion-Ortner stellte klar, dass es sich bei der eingetragenen Partnerschaft nicht um eine "Ehe-Light" handle, heterosexuelle Paare sind also von der neuen Regelung ausgeschlossen. Die Justizministerin ist überzeugt, dass diese Vorgehensweise rechtlich haltbar ist.

Weniger zufrieden als die ÖVP-Ministerinnen zeigte sich freilich Heinisch-Hosek, die stets für das Standesamt eingetreten war. Den Kompromiss sehe sie einerseits mit einem lachenden Auge, da man sich bei der Gleichstellung Homosexueller nun endlich im europäischen Mittelfeld befinde. Mit einem weinenden Auge allerdings sehe sie die Tatsache, dass eine Eintragung am Standesamt nicht möglich war. Die Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren sei nach wie vor ihr Ziel, weil es sich bei der nunmehrigen Lösung um ein "unvollendetes Werk" handle.

Kritik von FPÖ und Grünen

Der Beschluss hat am Dienstag für Kritik bei FPÖ und Grünen gesorgt - wenn auch aus unterschiedlichen Motiven. FPÖ-Familiensprecherin Anneliese Kitzmüller sprach von einem "unnötigen Werk" und warnte vor einer Gleichstellung mit der Ehe. Grünen-Chefin Eva Glawischnig zeigte sich hingegen enttäuscht über das Verbot von Stiefkindadoption und die fehlende Eintragung am Standesamt. BZÖ-Obmann Josef Bucher wollte sich vorerst nicht äußern, nachdem es am Montag innerhalb des BZÖ unterschiedliche Meinungen zum Thema gegeben hatte. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 966
Mr. Bubbles
00
18.11.2009, 00:38

wie der wähler der övp irgendeine kompetenz zuschreibt, die einfach nicht existent ist, wird mir ewig ein rätsel bleiben.

diese partei besitzt werder moralisch (und von mir aus auch christlich) - fekter/platter/zogaj - noch sozial - pröll/transferkonto/gleichgeschlechtliche partnerschaft - noch wirtschaftlich - khg und co - umwelttechnisch - kyoto - noch juristisch khg/bandion-ortner - noch wissenschaftlich/bildung - hahn - usw.. usw.. irgendeine kompetenz.

wieso diese partei sich solange vom wähler ungestraft in der regierung halten kann ist mir - wie gesagt - ein ewiges rätsel.

mir scheint, dass herr und frau österreicher den gestank nicht riechen bzw. sogar drauf abfahren.
oder sie sind schlicht zu blöde. ich tippe auf letzteres...

xaverx
05
17.11.2009, 19:00

Das nächste schwachsinnige Gesetz, das vor dem Verfassungsgerichtshof oder Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nicht halten wird. Steuergeldverschwendung, Verwaltungschaos, Inkompetenz der Regierung.
Die Lösung wäre gewesen: ein Wort im Ehegesetz streichen ("verschiedengeschlechtliche")

Mr. Bubbles
00
18.11.2009, 00:03

und damit die gesamt övp in die hölle verbannen? um gottes bzws prölls namen - sicher nicht!

;)

al o'quent
00
17.11.2009, 18:14
ob der bandion-ortner und der fekter jetzt der parteinterne hexenhammer droht?.... ;)

Der_Grüne_Mittelfinger
00
17.11.2009, 23:06

naja, der droht höchstens allen die sich ihnen in den weg stellen...

:D

pfeffergurke
02
17.11.2009, 18:00
von wegen:

"in Europa bei diesem Thema nicht Schlusslicht sein" (Faymann). was ist das denn bitte für ein lächerlicher anspruch? innovativ sein steht sowieso nicht zur debatte, dank dieser schwarzen blockade partei im machtrausch. mir wird wirklich übel wenn ich mir von diesen clowns meine rechte vorschreiben lassen muss!

richard ratphlat
 
01
17.11.2009, 17:59
die partnerschaft der beiden abgebildeten würde ich auch auf keinem standesamt zulassen!

;-b

sc AN
31
17.11.2009, 17:56
typisch St.-Publikum


da wird sehr viel herausverhandelt und bis auf einen symbolischen und ein bis zwei inhaltliche Punkte der VP sehr viel entrungen und der St. und seine Leser mache daraus eine SP-Niederlage ...

lächerlich

es ist ein riesen Erfolg für Homosexuelle in Österreich - und öffnet Tür und Tor für weitere Verbesserungen!

Danke SPÖ! Danke Faymann!

karl pfeiffermann
01
17.11.2009, 20:44
es ist heute auf die vollständige gleichstellung der homosexuellen auf der tagesordnung!

das ist ein menschenrecht!
ich bin einfach empört über die övp und die spö.
ich bin realist genug, dass viele dinge nicht sofort durchgesetzt werden können. aber in dieser frage?

tirol1809 | einheit u. unabhängigkeit für tirol
50
17.11.2009, 17:49
Eine Homoehe hat mit einer herkömmlichen Ehe nix zu tun

wozu sollen homosexuelle Paare denn überhaupt heiraten? Ist doch vollkommen umsonst - alles notariell regeln und die Sache hat sich. Steuerliche Vorteile sollen sie keine haben und Kinder adoptieren soll auch nicht möglich sein.

Lectrice
01
18.11.2009, 11:04

Genau - aber Ihre Pension dürfen sie schon mitzahlen - gell?

wunder mir
05
17.11.2009, 17:48
Absurd

Durch die Änderungen in den Materiengesetzen hat sich ja doch noch in einzelnen Bereichen (Fremdenrecht, Angehörigenstatus im Strafrecht) etwas Positives getan.

Es bleibt jedoch ein Schildbürgerstreich 77 Einzelgesetze (plus 15 die noch diskutiert werden müssen) Paragraph für Paragraph zu ändern, nur um den simplen Satz zu vermeiden "Wenn nicht ausdrücklich anders geregelt ist die Eingetragene Partnerschaft der Ehe gleichgestellt." Die Gefahr, dass bei dieser absurden Vorgehensweise Bereiche, die angepasst werden müssten übersehen werden und die Regelungslücken dann von unseren Gerichten bearbeitet werden dürfen ist entsprechend groß. Lieber nimmt man absurden Verwaltungsaufwand und Rechtsunsicherheit in Kauf als das Wörtchen "gleich".

neusiedlerseeblick
13
17.11.2009, 17:47
thomas bernhard lebt

die engstirnigkeit, diese enge in diesem land. überall stinkt es. da braucht man nicht einmal vom lehnsessel aufstehen. sie ist überall zu riechen. und wieder mal hat der Öde Verlorgene Prinzenklub gewonnen.
Süß ist die Freigabe der partei der zukunftslosigkeit für österreich bei der abstimmung im parlament. hoch die freiheit! nieder mit diesem parlament, das den namen nicht verdient. insassenschubhaft ist dort angesagt. oder lebenslange haft auf der bezirkshauptfrauenschaft.

NaderNader
00
17.11.2009, 17:44
Kerzlschlucker halt, die ÖVP-Partie

Weil im scheinheilig und verlogen sein, da zeigen´s sie der ganzen Welt: wir von der ÖVP sind Weltmeister!

Harald Bruckner
00
17.11.2009, 17:44
Angst vor Beschmutzung des Standesamtes?

Einen Stand zu definieren war früher Aufgabe der Kirche und jetzt des Standesamtes. Wieso soll es auf einmal nicht mehr zuständig sein?

ProfKreuzundQuer
00
17.11.2009, 17:40
die zentrale frage ist doch: haben sich die beiden eintragen lassen???????

gott zum grusse - was passiert hier nur?

Olivier Merle
01
17.11.2009, 17:37

mich fasziniert, dass hier Kommentare offenbar gelöscht werden, obwohl ich mich nicht daran erinnern kann, dass darin an etwas anderes als toleranz appelliert wird. eigenartig.

hetscha
02
17.11.2009, 17:37
wirklich eine dreckspartei...

diese övp. alleine in meinem bekanntenkreis kostet das jetzt einige stimmen. da wird einem als nichts homo schlecht und mehr nicht. ich frage mich wie man da als fortschrittlicher mensch egal ob homo oder heterosexuell mitmachen kann, wie kann man diese partei noch wählen. in einigen belangen steht sie mir weit näher als andere parteien aber damit haben sie mich auf lebenszeit verloren.

John Waters
01
17.11.2009, 17:28
Österreich befinde sich im europäischen Mittelfeld, so Fekter...

Das ist leider typisch und erinnert an die Sanktionen gegen das Apartheid-Südafrika: Lange hat es überhaupt keine Sanktionen gegeben, und als dann Österreich mit Luxemburg das letzte Land in Europa war, das noch keine Sanktionen gegen Südafrika verhängt hatte, geschah endlich was (weil´s allmählich angefangen hat, blöd auszuschauen, nicht aus Überzeugung).

Damals verkündete Innenminister Blecha, gehe in seinen Sanktionen nicht so weit wie Schweden, aber weiter als Deutschland; man befinde sich im europäischen Mittelfeld. So wie heute auch: Gehandelt wird nicht aus Überzeugung, sondern weils
schon von fast allen gemacht wurde. Und damit man nicht auffällt, ist man Stolz darauf, im Mittelfeld zu liegen.

Satthaber
01
17.11.2009, 17:24
ich verstehs nicht...

wieso wird hier bei verhandlungen das durchsetzen teilweisiger gleichbehandlung ( gibts das überhaupt? ) in einer demokratie als erfolg und toller kompromiss gewertet?

GLEICHBEHANDLUNG GIBTS NUR IM GANZEN UND IST SELBSTVERSTÄNDLICH!!!

us&at
55
17.11.2009, 17:23

Ich bin fuer die Abschaffung der Ehe egal ob
Mann/Frau, Frau/Frau,Mann/Mann.
man erspart sich das Standesamt, Scheidungsrichter
und all die anderen Probleme.

Harald Bruckner
00
17.11.2009, 17:39
Pigmentbevorzugter oder Schwarzer?

Die Probleme einer Trennung bleiben die gleichen, nur die Bezihung hat einen anderen Namen.

Der_Grüne_Mittelfinger
112
17.11.2009, 17:20
Die Justizministerin ist überzeugt, dass diese Vorgehensweise rechtlich haltbar ist.

Das, Frau Ministerin, werden wir erst sehen!

Henry Flower
00
17.11.2009, 18:35
so haltbar

wie dem elsner sein urteil...

gistof
00
17.11.2009, 18:04
Warum soll das wo nicht halten?

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