Offizier der Luftwaffe wegen Spionage für Chile verhaftet - Präsident Garcia: "Kein Grund für kriegerische Aktionen"
Lima/Santiago de Chile - Peruanische Spionagevorwürfe
gegen Chile belasten zunehmend die ohnehin traditionell schwierigen
Beziehungen zwischen den beiden südamerikanischen Nachbarn. Der
Konflikt war durch die Festnahme des Unteroffiziers der peruanischen
Luftwaffe, Victor Ariza Mendoza, ausgelöst worden, dem die Justiz
Spionage für Chile vorwirft.
Perus Präsident Alan Garcia wies diese mutmaßliche
Spionagetätigkeit Chiles am Montag "energisch und kategorisch"
zurück. Zugleich forderte er die Regierung von Präsidentin Michelle
Bachelet auf, den Fall umgehend aufzuklären. Der Fall sei jedoch kein
Grund für kriegerische Aktionen, betonte Garcia. Chile bestreitet die
Vorwürfe.
Garcia, der den APEC-Gipfel in Singapur wegen der Affäre vorzeitig
verlassen und ein dortiges Treffen mit Bachelet abgesagt hatte,
äußerte sich nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates in
Lima. Die Spionage durch Chile sei ein Zeichen der "Größe und des
Wachstums Perus, weil nur der Schwache Spionage" betreibe, sagte er.
"Wir hoffen, dass es sich nur um die Aktion einiger Kräfte (in Chile)
handelt, die im Umgang mit den Nachbarn noch zu den diktatorischen
Methoden der Pinochetzeit greifen", fügte Garcia hinzu.
Frustrierte Bachelet
Bachelet zeigte sich frustriert über die anhaltenden Spannungen
zwischen ihrem Land und Peru. "Als ich gewählt wurde (2005), war es
mein Ziel, gute Beziehungen zu allen Nachbarn zu unterhalten. Es
hätte mir gefallen, wenn dies auch im Falle Perus möglich gewesen
wäre", sagte sie. Zugleich kritisierte sie Garcia wegen der Absage
des bilateralen Treffens in Singapur. Die Regierungsparteien und -
trotz des laufenden Präsidentenwahlkampfes - auch die Opposition
stellten sich hinter Bachelet.
Viele Peruaner blicken mit einer Mischung aus Bewunderung und
Feindseligkeit auf die Chilenen, deren Land wesentlich weiter
entwickelt ist. In den vergangenen Jahren floss viel chilenisches
Kapital nach Peru, wo die Chilenen oft als arrogant kritisiert
werden.
Zudem gibt das reiche Chile seit Jahren große Summen für die
Aufrüstung und Modernisierung seiner Streitkräfte aus und ist seinen
Nachbarn militärisch haushoch überlegen. Ein peruanischer Aufruf zu
Abrüstung in der Region verhallte ungehört. Außerdem streiten beide
Länder über den Verlauf der Seegrenze im Pazifik. Der Fall ist vor
dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag anhängig. (APA)