Aufstand der Frauen wegen EU-Topjobs

16. November 2009 22:14

Showdown um die zwei EU-Spitzenposten: Laut Außenminister Spindelegger ist "vieles blockiert, alles offen", eine Vertagung möglich

Und Europas Spitzenpolitikerinnen werden offensiv: Frauen an die EU-Macht!

*****

Ginge es nach Papierform und parteipolitischer Logik, wäre das Rennen um die neuen EU-Spitzenposten längst entschieden: Belgiens christdemokratischer Premier Herman Van Rompuy würde ständiger Präsident. Der frühere italienische Premier Massimo D'Alema von den Sozialdemokraten übernähme das Amt des EU-Außenministers, wäre gleichzeitig auch Vizepräsident der EU-Kommission. Europas politische Großfamilien haben die Jobs nach Parteifarbe so aufgeteilt. Aber dieses Szenario ist drei Tage vor dem Gipfel der 27 Staats- und Regierungschefs offenbar ins Wanken geraten - aus zwei Gründen:

Der SPE ist es bisher nicht gelungen, einen von allen akzeptierten Kandidaten aufzustellen. Nach der Absage des britischen Außenministers David Miliband wächst der Widerstand gegen D'Alema wegen dessen ex-kommunistischer Vergangenheit. Und die dritte Variante, die britische EU-Außenhandelskommissarin Catherine Baroness Ashton, wird als zu leichtgewichtig eingeschätzt - sie hat keine außenpolitische Erfahrung, wie auch die Griechin Anna Diamantopoulou. Daher könnte das Spiel umgedreht werden, indem die SPE doch den Präsidenten stellt. Die Christdemokraten würden dann den EU-Außenminister nominieren. SPE-Chef Poul Nyrup Rasmussen wollte davon am Abend nichts wissen: Die SP-Shortlist sei fertig, der Name Alfred Gusenbauer sei nicht drauf, sagte er dem ORF.

Der zweite Grund für die "schwierige Lage" , wie Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn (SP) sagte, ist ein Aufstand von politischen Spitzenfrauen, der im EU-Parlament seinen Ausgang nahm. Am Montag wandten sich die EU-Kommissarinnen Neelie Kroes, Margot Wallström mit EU-Parlamentsvizepräsidentin Diana Wallis via Financial Times an die Öffentlichkeit, beklagten den Mangel an weiblichen Kandidaten sowohl für die EU-Kommission (bisher 3 von 27) und die Topjobs: Die Ernennung einer Frau mache "Europa reicher, repräsentativer und bringt es allen Bürgern näher" .

Die schwedische Europaministerin Cecilia Malmström sagte als Ratspräsidentin öffentlich, sie "bedauere, dass sehr wenige Frauen nominiert sind, es gibt mehrere gute und kompetente Frauen in Europa" . Derzeit sei "alles offen" .

Dies war auch das Hauptthema beim Treffen der christdemokratischen Außenminister am Rande der Ratssitzung. Michael Spindelegger erklärte danach, er schließe nicht mehr aus, dass es beim EU-Gipfel "keine Entscheidung" geben könnte und man "überhaupt vertagen" werde. Derzeit sehe es "nicht nach Einigung aus" , alles sei wieder offen, sagte Spindelegger, auch die Vereinbarung, dass die Sozialdemokraten den Außenminister stellten. Als christdemokratische Kandidaten gelten Schwedens Außenminister Carl Bildt ebenso wie Ex-Außenministerin Ursula Plassnik. Aber auch die liberale Malmström wird genannt. (Thomas Mayer aus Brüssel/DER STANDARD, Printausgabe, 17.11.2009)

Kommentar posten
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Elisabeth Jarok
19.11.2009 17:25
frauen sind die mehrheit der bevölkerung

und europa will eine demokratie sein,
wenn Frauen nicht mindestens die hälfte der Posten in der Kommission stellen, ist die Hälfte Europas nicht vertreten.

Covermodel - 30er Jahre Schnitt
19.11.2009 19:13
Männer kümmern sich um jeden - ungeachtet des Geschlechts!


Wir Frauen - eine grosse Mehrheit von uns - wissen das ganz genau.

Geschlechterquoten? - Pfui!
(Gesetzlicher) 6ismus? - Nein danke!

erwin 222
18.11.2009 21:12
quotenfrauen

sind die ärgsten hyänen übehaupt. so grauslich kann kein mann sein!

kmmm
17.11.2009 14:07
hauptsache quotenfrau.

das ist ja das wichtigste in der politik. alles andere ist eh wurscht.

stare @ goats
17.11.2009 15:09

Ich bin zwar grundsätzlich Chauvinist und hasse die Grünen, aber 3/27 ist eine absolute Frechheit.

Wegen solchen unsäglichen Vorkomnissen haben sich die Quoten erst entwickelt. Wenn die Frauen hier halbwegs fair (min. 8/27 oder mehr) behandelt werden würden, gäbe es diese Diskussion nicht.

batique
18.11.2009 06:45

Wissen Sie eigentlich, was das Wort "Chauvinist" bedeutet ?

stare @ goats
18.11.2009 06:50

Natürlich, aber vielleicht hätte ich es unter Anführungszeichen setzen sollen. Das war eher mit einem Schuss Humor und somit nicht ganz ernst gemeint.

Mea Culpa. ;-)

Nomen est Omen
17.11.2009 13:08
Bravo!

Das Männerkartell gehört endlich aufgebrochen. Keiner kann bestreiten dass mit Fr. Merkel ein neuer Stiel in die deutsche politik kam (nach schröder mit seinem macho Gehabe auch bitter nötig).

Diese Mentalität darf keinen Platz in der Politik haben und darum hoffe ich dass sich diese mutigen Frauen auch Gehör verschaffen und durchsetzten werden.

Entsetzlich finde ich die aussagen der ÖVP Protagonistinnen (Fekter, Berger) im Ö1 Mittagsjournal zur Thematik. Abscheuliches anbiedern an die männlichen Machtzirkel. Pfui!

erwin 222
18.11.2009 21:14
ein neuer besenstiel vielleicht,

ich glaube aber, Sie meinen STIL......

Warentester
17.11.2009 17:56

"Fr. Merkel ein neuer Stiel in die deutsche politik kam"

Nein, Rückgradlosigkeit und Inkompetenz waren auch schon vorher durchaus bekannt...

Dr. Bitter
17.11.2009 12:57
Stellengemauschel unter BürokratInnen

Man könnte man auch Parität für Linkshänder oder Blondhaarige fordern.
Diese körperlichen Merkmale sagen aber genauso wenig über die Qualifikation oder politische Einstellung aus wie das Geschlecht.

Sat - Amun
17.11.2009 11:58
Meine Güte!

Wann zählt endlich nur mehr die Qualifikation und nicht mehr das Geschlecht?!! Es ist echt widerlich, dass die Frauen überall krankhaft an der Front mimischen müssen. Zuerst zählt das Parteibuch und dann das Geschlecht. Echt krank ist das! Bevor alle über mich herfallen: Ich bin selbst eine Frau und habe schoh immer gleichberechtigt gelebt, lange bevor es diese hirnrissigen Frauenquoten gab! Echt alles nur Kindergarten!

Chanel3
17.11.2009 12:25

Wegen Frauen wie Ihnen schaut's ja auch so trist aus mit der Stellung von Frauen in Österreich, danke.

Wie fast wöchentlich hier nachzulesen ist.

die vielleicht längste Praline der Welt
17.11.2009 12:09
Quoten sinds auch nicht, was diesmal gefordert wird

ich halte die Idee für ganz gut...

für jeden posten müssen eine Frau und ein Mann vorgeschlagen werden und eine Komission entscheidet dann, wer besser geeignet ist... keine Rede von Quoten...

saoTan
18.11.2009 14:37
Und das soll keine Quote sein?

Zu Ihrer Info: Quote bedeutet Anteil, und diese Bedeutung verliert das Wort auch dann nicht, wenn es eine Ebene vor der tatsächlichen Besetzung greift.

Und noch etwas: Diskriminierung bedeutet Unterscheidung, also Ungleichbehandlung von Individuen. Eine Quote aufgrund eines bestimmten Merkmals ist also intrinsisch diskriminierend (unterscheidend).

Nur ein paar Begriffserklärungen, weil diese Worte in der in dieser Debatte leider oft anzutreffenden Kampfrethorik oft sehr widersprüchlich verwendet werden.

Covermodel - 30er Jahre Schnitt
17.11.2009 12:57
Wenn es bei derartigem Zweiervorschlag aber

2 besser qualifizierte Männer gibt - oder 2 besser qualifizierte Frauen. Dann geht diese "Methode" erst recht wieder auf Kosten der Qualität.

Starke Frauen - das sei meinen Geschlechtsgenossinnen verraten -, wirklich starke Frauen brauchen keine Quote!

Julien Frisch
 
17.11.2009 11:13
Initiative für mehr Frauen

Da der Aufstand der Frauen nicht ausreicht, haben jetzt einige überzeugte Europäer eine Kampagne gestartet, mit der wir mehr Gleichberechtigung in den europäischen Institutionen fordern wollen:

http://www.genderbalancedcommission.eu

Wir setzen uns für eine Kommission ein, in der nicht weniger sondern mehr Frauen sitzen als in der letzten, und hoffen auf rege Unterstützung!

(Ich bin Euroblogger und unter http://julienfrisch.blogspot.com zu finden.)

die vielleicht längste Praline der Welt
17.11.2009 12:09
das ist simpler Populismus

was sie hier treiben...

die_eidechse
17.11.2009 11:52

habe auch ihre website angeschaut, finde aber nirgends schlüssige erklärungen für ihre forderungen.

ich sehe - als linker - das eher so: jede/r bekommt die politiker dier sie/er verdient. beispiel österreich: die övp wird trotz ihrer bekannten anti-feministischen haltung von vielen frauen gewählt. resultat ist, dass diese partei dann eben, wenn in einer machtposition, nur männern wirklich wichitge posten vergibt.
was hat es für einen sinn hier mit gewalt frauen zu fordern, wenn der souverän, der wähler also, das offensichtlich gar nicht will? sonst müssten ja sehr viele mehr frauen/männer grün wählen?

no ja
17.11.2009 09:42
die eu

ist eine grossse bühne, auf der einige erzkonservative mit vielen dünkeln behafteten bürokraten mit roten türstehern das sagen haben.
und die lobyisten machen das, was ihre aufgabe isgt: klinkenputzen.

Heiner Müller
17.11.2009 09:15
Nichtmal ein Gerücht

robert rittersmann
17.11.2009 08:12

was ist jetzt mit Heinz Fischer?
Nur ein Gerücht?

Dr. Prof. Senf
17.11.2009 07:40
Ach

solang die VOlksfront von Jüdäa den Kandidaten stellt und nciht die Jüdäische Volksfront ist mir alles recht...

giseun
17.11.2009 09:11
Spalter!

asinus
17.11.2009 07:18

Sorgen haben die...

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