Die Ziege mit dem kleinsten Hirn

16. November 2009 21:00

Merkwürdiger geht es kaum: Die ausgestorbene Höhlenziege auf Mallorca verfügte über komische Eigenschaften

Barcelona/Washington - Höhlenziegen waren die wohl seltsamsten Wiederkäuer, die der Wissenschaft zurzeit bekannt sind. Ihre Vorfahren ließen sich vor rund sechs Millionen Jahren auf dem heutigen Mallorca nieder, als der Pegel des Mittelmeeres dramatisch gefallen war und die Balearen mit dem Festland in Verbindung standen.

Das Meer stieg wieder an, die urzeitlichen Ziegen blieben zurück. Fast allein, denn sie mussten ihre Inselheimat nur mit einer Spitzmaus-Spezies, einer Art Siebenschläfer, Fledermäusen und Vögeln teilen. Raubtiere gab es nicht. Ein Glücksfall? Nicht unbedingt. Das friedliche abgeschiedene Leben bekam den frühen Vertretern von Myotragus balearicus (so die Fachbezeichnung) gar nicht gut. Das Fehlen von Feinden führte anscheinend zu einem ungezügelten Wachstum der Ziegenpopulation.

Seltsame Veränderungen

Deren fossilen Knochen nach zu urteilen setzte alsbald Nahrungsmangel ein. Doch es gelang den Gehörnten, sich an die neuen Lebensbedingungen anzupassen - durch Zwergwuchs und einige andere, sehr sonderbare Veränderungen. So überlebte die Gattung 5,2 Millionen Jahre lang. Und starb dann schlagartig aus.

Die Paläontologen Meike Köhler und Salvador Moyà-Solà von der Autonomen Universität Barcelona interessieren sich schon seit längerem für die einsiedlerischen Säuger und führten bereits mehrere Studien an in den Höhlen Mallorcas gefundenen Höhlenziegen-Skeletten durch. Dabei zeigte sich, dass nicht nur Wuchs und Gewicht der Tiere sich verringerten, auch ihr Gehirn schrumpfte erheblich. Im Vergleich zu heute lebenden Arten verfügte M. balearicus nur über etwa halb so viel Hirnmasse, in Relation zur Körpergröße. Die Augen waren ebenfalls verkleinert. Zudem verkürzten und versteiften sich die huftragenden Zehen. Springen konnten die Tiere nicht mehr, aber dafür waren sie trittfester.

Köhler und Moyà-Solà deuten all diese Veränderungen als Anpassungen an ein Leben ohne Bedrohung in einem kargen Habitat mit knappem Nahrungsangebot (vgl. "Brain, Behaviour and Evolution", Bd. 63, S. 125). "Wir nehmen an, dass die Bevölkerungsdichte des Myotragus immer nahe der Aufnahmekapazität der Insel war", erklärt Meike Köhler dem STANDARD gegenüber: Mehr Ziegen hätte das Ökosystem einfach nicht ertragen. Für die Tiere selbst war Sparsamkeit oberstes Gebot. Gehirnzellen z. B. brauchen extrem viel Energie. Wer aber nicht ständig auf der Hut sein muss, kommt mit weniger grauen Zellen aus.

Eingestelltes Wachstum

Doch damit nicht genug: Eine neue Studie der beiden Paläontologen hat noch eine erstaunliche Fähigkeit von M. balearicus aufgezeigt. Die Experten fertigten Dünnschliffe einiger Ziegenknochen an und legten diese unters Mikroskop. Sofort fiel auf, dass der Aufbau der Knochen den Jahresringen eines Baumes ähnelt. Die Tiere konnten offenbar ihr Wachstum regulieren und in schwierigen Zeiten fast gänzlich einstellen. Solch diskontinuierliches Wachsen war bislang nur von Krokodilen und anderen Kaltblütern bekannt, nicht aber bei Säugern, so Köhler und Moyà-Solà im Fachmagazin PNAS.

Die Höhlenziegen wurden auch sehr spät geschlechtsreif - den bisherigen Befunden nach erst im Alter von etwa zwölf Jahren. Die ganze Lebensgeschichte der Spezies war wohl auf Beständigkeit ausgelegt. Myotragus, so Meike Köhler, "muss sehr alt geworden sein". Genaueres sei noch nicht bekannt. Vor rund 5000 Jahren allerdings war Schluss mit der Mallorquinischen Beschaulichkeit. Die ersten Menschen setzten Fuß auf die Insel, M. balearicus verschwand kurz danach für immer. (Kurt de Swaaf/DER STANDARD, Printausgabe, 17. 11. 2009)

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werwolfi
17.11.2009 20:49

demnächst wird man entdecken, dass sich beim nur auf kuschelkursen wandelnden homo politicus die dadurch fehlenden feinde ebenfalls negativ auf das gehirnpotential auswirken.... ;oP

LadyDoolittle
17.11.2009 21:47
Demnächst??????????

Ist doch schon Realität!

Nick Tameer
18.11.2009 12:16

In der Tat. Da macht werwolfi eine bahnbrechende Entdeckung und begreift gar nicht ihre Tragweite.

wurzen sepp
 
17.11.2009 18:48
jetzt ist dieser artikel schon 22h online und

noch kein gw bush witz??
soll der mann den ganz vergessen sein?

Nick Tameer
17.11.2009 20:39

An sich stets zu Diensten, aber überlassen wir - die Sache mit dem internationalen Gerichtshof kann man ja doch getrost vergessen - old Dabbeljuh seinem gottgefälligen (oder, wer weiß?, alkoholgeschwängerten) Ruhestand. Aber Frau Palin macht wieder von sich reden macht und ab jetzt gibt es wieder Palin-Witze.

Dass sie übrigens - von Ziegen lernen heißt siegen lernen - bereits heute ein ein praktisches und effektives Programm gegen die globale Erwärmung umsetzt, wird meist übersehen. Schon mal überlegt, mit wieviel CO2 eigentlich so ein Gehirn die Umwelt im Jahr belastet? Gell.

NONE
18.11.2009 15:31

"von Ziegen lernen heißt siegen lernen" lol ...

werwolfi
17.11.2009 20:51

also alle sofort das denken einstellen! ;o)

wenn man das denken kurz wieder anwirft, kommt man aber zu dem schluß, dass das atem-CO2 weitgehend klimaneutral ist - ich fress ja keine kohle oder saufe erdöl und atme deswegen schlecht aus ;o)

Schnecki004
17.11.2009 14:11

da fallen mir die key deers ein. siehe da:
http://en.wikipedia.org/wiki/Key_Deer

da Maier
17.11.2009 13:50

und ich dachte immer, die ziege mit dem kleinsten gehirn sei meine geschätzte ex gewesen....

Agent Provocateur!
17.11.2009 13:53
Lugner, sind Sie es?

Hans Müller1
 
17.11.2009 13:17
Ich bin versucht auf Analogien zum Transferzahlungsstaat

und den FPÖ und SPÖ Wählern hinzuweisen

King Of Kronenzeitung
22.11.2009 00:21

Darauf hab ich schon sehnsüchtig gewartet... kommt aber wie das "Amen" im Gebet.

gm_flash
17.11.2009 13:03
Bei der Schlagzeile fällt mir ein:

Weiß man was vom Original Mausi Lugner?

taufrisch
17.11.2009 17:53
Ja, sie braucht jetzt angeblich einen Mausi-Manager !!??

sociovation
17.11.2009 12:23
Sicherheit macht dumm

Ein interessante Theorie...

Hans Müller1
 
17.11.2009 15:40
Muss ja für Ihr Weltbild eine große Herausforderung darstellen

Kamine glühen leise
17.11.2009 12:21

Daher der Ausdruck "Dumme Ziege"!

der bunte faschist
17.11.2009 11:47
Viele Parallelen zum Menschen(-volk).

Ausgeflippter Lodenfreak
17.11.2009 13:16

Das ist ein Klischee, dass die Menschen immer dümmer werden. In Wirklichkeit wird die Welt immer komplexer und schneller also steigen die Anforderungen. Laut Evolutionslehre wie sie in diesem Artikel interpretiert wird, müssten die Menschen also intelligenter werden.

survival of the fattest
17.11.2009 12:00
Use it or lose it -

trifft auch auf die grauen Zellen einiger Mitbürger zu. : )

linkslinker gutmensch
17.11.2009 11:11

halbes hirn, schaasaugert und nur drei haxn. nach 30 millionen jahren wärens w. gedankenlos vor sich hingeschwebt.

damueff
17.11.2009 23:36

Wer weiß - vielleicht waren das die ersten spirituellen Geschöpfe überhaupt?

Agent Provocateur!
17.11.2009 10:52
5,2 Mio. Jahre Ballermann...

Jetzt wissen wir, wie die Hirne der Deutschen in 5,2 Mio. Jahren aussehen...

Nick Tameer
17.11.2009 20:42

Ich vermute aber, dass die Schrumpfung des Gehirnvolumens in diesem Fall eher auf toxische und weniger auf evolutionäre Faktoren zurückgeht.

Schnapphahn
17.11.2009 11:35
Ei vabitsch noch mol

wenn ma de Teitschen net hätten, do müsst ma glott Osterreicher schreiben. :=0

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